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Die Symbolik der Parlamentsarchitektur in der Bundesrepublik Deutschland

Magisterarbeit 2007 116 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

A. Repräsentation und Symbol – theoretische Grundlagen
1. Der Begriff der Repräsentation
1.1 Repräsentation als Willensbeziehung
1.2 Repräsentation als Symbolbeziehung
2. Das Konzept der Symbolischen Politik – Symbole als Mittel
politischer Inszenierung und Manipulation
3. Der Begriff des Symbols
4. Architektur als Bedeutungsträger: Das architektonische
Zeichen nach Umberto Eco

B. Die Parlamentsarchitektur in der Bundesrepublik Deutschland und ihre
symbolische Bedeutung
I. Voraussetzungen
1. Transparenz und Öffentlichkeit in der deutschen Parlamentsarchitektur
2. Zur Problematik der Identifizierung einer genuin nationalsozialistischen Architektur
3. Die bundesrepublikanische Parlamentsarchitektur als
Gegenbau zur nationalsozialistischen Vergangenheit
4. Zur Regierungsarchitektur der DDR
5. Zwischenfazit
II. Transparentes Bauen: Ausgewählte Bauwerke und die Herkunft
der Glassymbolik
1. Der Bonner Kanzlerbungalow
2. Bundesdeutsche Glasarchitektur in der internationalen
Öffentlichkeit
2.1 Die Brüsseler Weltausstellungspavillons
2.2 Die Münchner Olympiabauten
3. Der Zusammenhang von Glas, Transparenz und Demokratie
3.1 Das Öffentlichkeitsprinzip und die Symbolik des
Öffentlichen
3.2 Die symbolische Bedeutung von Glas
3.3 Die Kritik an der symbolischen Verknüpfung von
transparentem Bauen und politischer Transparenz
III. Offene Architektur und öffentliche Debatten – Transparente
Parlamentsarchitektur als demokratische Symbolik
1. Der erste Plenarsaal der Bundesrepublik Deutschland – Der
Umbau der Pädagogischen Akademie durch Hans Schwippert
2. Der Plenarsaal von Günther Behnisch
3. Das Reichstagsgebäude nach dem Umbau durch
Lord Norman Foster

Die Demokratie im Glashaus – die ungebrochene Tradition eines zerbrechlichen Baustoffes (Schlussbetrachtung)

Abbildung 1

Bibliographie

Einleitung

„Aber die Demokratie, die dem wechselnden Einfluß und dem Wandel ja nicht bloß um der Veränderlichkeit willen, sondern wegen ihres Offenseins auf ein viel wirklicher Bleibendes hin dem Menschen als Maß und Mitte Raum geben soll, die Demokratie muß das Unsichtbare sehen lassen, daß die Menschen ihrer selbst in diesem Miteinander ihres Mitmenschlichseins, ihrer Gesellschaft, ihrer Gemeinschaft, ansichtig werden. Die demokratische Aufgabe des Bauens ist, daß ein jeder Mensch sich als Mensch für sich und als Mensch im Gefüge gewahrt.“ – Adolf Arndt[1]

Die Demokratie ist wie jede andere Staatsform darauf angewiesen, den Bürgern die politischen Werte und Prinzipien zu vermitteln, über die sich das Gemeinwesen identifiziert. Die Frage jedoch, wie und in welcher Form dies geschehen soll und ob es in modernen pluralistischen Gesellschaften überhaupt noch allgemeingültige Maximen geben kann, ist Gegenstand einer Diskussion[2], die gegenwärtig nicht nur die Wissenschaft, sondern auch eine breite Öffentlichkeit beschäftigt. Neben anderen Formen einer solchen Wertevermittlung, wie etwa der verbalen Kommunikation durch die politische Elite, ist es nicht zuletzt die öffentliche Symbolik, die in diesem Zusammenhang einschlägig ist.

Bedenkt man die Unentbehrlichkeit der politischen Selbstreflexion als Stützpfeiler der Demokratie, so erschließt sich auch unmittelbar die wissenschaftliche Relevanz einer analytischen Durchdringung dieser Symbolik. Die politikwissenschaftliche Forschung hat dem Thema bisher jedoch kaum Berücksichtigung geschenkt, unter anderem wohl auch deshalb, weil es sich hierbei um eine Form der staatlichen Selbstdarstellung[3] handelt, die auf abstrakte Elemente staatlicher Existenz – nämlich gesellschaftspolitische Prinzipien und Ideale – rekurriert und daher analytisch schlechter greifbar ist.[4] Im Allgemeinen ist die Symbolforschung ohnehin stärker in anderen wissenschaftlichen Gebieten, wie etwa der Philosophie[5] oder auch der Sprachwissenschaft,[6] vertreten. Auch wegen einer leidigen Gleichsetzung der symbolischen Form sozialer Beziehungen mit dem pejorativ verstandenen Schlagwort von der „reinen Symbolpolitik“, hat die Politische Wissenschaft den Themenkomplex bisher nur unzureichend angenommen. Schließlich muss die einseitige Tendenz des Forschungsstandes kritisiert werden, wo die soziopolitische Bedeutung symbolischer Formen zumeist nur im Rahmen einer ideologiekritischen Analyse thematisiert wird.[7] Dabei werden Symbole überwiegend als Objekte der politischen Inszenierung begriffen, die von einer gesellschaftlichen Elite zur Vertuschung sachpolitischer Verfehlungen oder Nachlässigkeiten genutzt werden.[8]

Im Gegensatz dazu will die vorliegende Arbeit den Nachweis der Notwendigkeit staatlicher Symbolik führen und dabei die durchaus positiven Aspekte solcher Versinnbildlichung betonen. Dies geschieht am Beispiel der Symbolik der Parlamentsarchitektur im Hinblick auf ihre Bedeutung für die staatliche Repräsentation der Bundesrepublik Deutschland.[9] Dabei wird deutlich werden, dass es sich gerade für die Politikwissenschaft lohnt, in entsprechenden Untersuchungen insbesondere die soziopolitischen Qualitäten symbolischer Formen und ihren positiven Einfluss auf das Gemeinwesen zu beleuchten. Zudem soll nachgewiesen werden, dass ausgehend von der 1949 umgebauten Pädagogischen Akademie bis hin zum 1999 fertig gestellten Reichstag Fosters, gleichsam eine architektonische Tradition des transparenten Bauens in der Bundesrepublik Deutschland existierte, die in Berlin – insbesondere auf Grund des historischen Baubestands – zwar stark modifiziert, dennoch aber nicht vollständig aufgegeben wurde.[10] Zu diesem Zweck sollen jedoch auch andere staatlich initiierte Bauten der Bundesrepublik Gegenstand der Untersuchung sein, die eine herausragende Rolle für die staatliche Selbstdarstellung des Landes gespielt haben und auf Grund ihrer Architektur in die Tradition der transparenten Bauweise einzuordnen sind. Dies betrifft zum einen Bauwerke, die in erster Linie für nationale Bedürfnisse errichtet wurden, wie etwa der Bonner Kanzlerbungalow, zum anderen aber auch solche, deren Erbauung in einem internationalen Kontext stattgefunden hat, und die daher einen großen Einfluss auf die Wahrnehmung der Bundesrepublik durch das Ausland hatten, wie etwa die Brüsseler Weltausstellungspavillons aus dem Jahre 1958, oder das 1972 fertig gestellte Münchner Olympiastadion. Schließlich soll der Nachweis des gesellschaftspolitischen Stellenwerts politischer Bauten auf Grund ihres Symbolgehalts sowohl die Notwendigkeit auch künftiger Diskussionen über das Erscheinungsbild der Staatsarchitektur verdeutlichen sowie einen Erklärungsansatz für die ausgiebigen Debatten um eine angemessene Parlamentsarchitektur in der Bundesrepublik Deutschland bieten.

Zu diesem Zweck gliedert sich die Arbeit wie folgt: In Teil A. wird die Definition der theoretischen Grundbegriffe erfolgen. Als erstes soll dabei der Begriff der Repräsentation, insbesondere jener der symbolischen Repräsentation, ausführlich erklärt werden. Ferner erfolgt eine Erläuterung der negativen Interpretationslinie symbolischer Politik, zu der sich die vorliegende Arbeit als Alternative versteht, die einen positiven Symbolbegriff zugrunde legt, der vor allem die stabilisierende Funktion symbolischer Formen für das politische System betont. Im Anschluss daran steht explizit der eigentliche Symbolbegriff im Mittelpunkt der Analyse. In diesem Zusammenhang soll zum einen die definitorische Problematik erläutert werden, die mit der inflationären und ungenauen Verwendung des Begriffs zusammenhängt. Zum anderen aber soll vor allem die gesellschaftspolitische Bedeutung von Symbolen unterstrichen werden, die, wie zu zeigen sein wird, in der Eigenschaft symbolischer Formen begründet ist, komplexe – kognitive wie affektive – Sinngehalte zu verdichten und wesentliche, aber abstrakte Elemente staatlichen Daseins, wie kollektiv geteilte Normen und Werte, zu materialisieren und so für die Bürger sinnlich erfahrbar zu machen. Den Abschluss des theoretischen Teils bildet schließlich die Darlegung des Symbolgehalts von Architektur, die mit Hilfe der semiotischen Theorie Umberto Ecos erfolgen wird, um einen theoretischen Anschluss an die Analyse der deutschen Parlamentsbauten zu finden.

Im zweiten Teil der Arbeit sollen die Parlamentshäuser dann im Hinblick auf ihre architektonische Symbolik und ihre damit zusammenhängende Funktion bei der Vermittlung grundlegender demokratischer Werte und Prinzipien untersucht werden. Es gilt also zu prüfen, inwiefern die Parlamentsbauten der Bundesrepublik Deutschland durch die Wahl eines bestimmten architektonischen Formenvokabulars sowie den gezielten Einsatz gewisser Baumaterialien gleichsam als „architecture parlante“[11] die Funktion des Hauses und mit dieser auch bestimmte politische Normen und Ideen vermitteln. Eine analytische Konzentration auf die Parlamentsbauten auf Bundesebene erscheint in diesem Zusammenhang als durchaus sinnvoll, ist doch das Parlament als gewählte Vertretungskörperschaft des gesamten Volkes die institutionelle Konsolidierung grundlegender demokratischer Leitprinzipien und daher auch „institutioneller Mittelpunkt der Verfassungsordnung des Grundgesetztes“.[12] Im Zentrum der Untersuchung steht dementsprechend die Architektur der nationalen Parlamentsbauten der Bundesrepublik Deutschland: die 1948/49 durch Hans Schwippert zum Bundeshaus umgebaute Pädagogische Akademie in Bonn, das 1992 fertig gestellte, von Günther Behnisch entworfene neue Bonner Parlamentsgebäude sowie der durch Lord Norman Foster[13] umgebaute Reichstag in Berlin.

Vorab soll in diesem Zusammenhang insbesondere jenes architektonische Merkmal der Bauten auf seinen kommunizierbaren Inhalt hin geprüft werden, das offenbar als besonders geeigneter Ausdruck für das politische Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland angesehen wurde: Die gläserne Transparenz der Architektur als baulicher Übersetzungsversuch des im Art. 42 Absatz 1 Satz 1 des Grundgesetz verankerten Öffentlichkeitsprinzips.[14] Außerdem findet sich an dieser Stelle eine notwendige Erläuterung des spezifischen Charakters der bundesrepublikanischen Repräsentationsarchitektur als dezidierter Gegenentwurf, sowohl zur nationalsozialistischen Vergangenheit als auch im Kontext der deutschen Teilung. Methodisch zeichnet sich dieses spezielle Vorhaben, wie auch die gesamte Arbeit, durch ein hermeneutisches Vorgehen aus, das eine argumentierende Interpretation bei der Auseinandersetzung mit der bisherigen Literatur[15] und der Deutung der Bauten bevorzugt.

Definitorisch liegt dem Ganzen ein zweidimensionaler Repräsentationsbegriff zu Grunde, der zwischen der Repräsentation als Willensbeziehung und der Repräsentation als Symbolbeziehung unterscheidet.[16] Repräsentation wird dabei ganz allgemein als ein Vorgang begriffen, in dem etwas Abwesendes, beziehungsweise etwas sinnlich nicht Wahrnehmbares zur Präsenz gebracht wird. In der Repräsentation als Willensbeziehung handelt ein Repräsentant im Namen eines anderen – des Repräsentierten, „und zwar so, als ob dieser selbst es sei, der handelt; sein Wille wird geltend gemacht.“[17] Es ist offensichtlich, dass diese Form der Repräsentation natürliche Voraussetzung einer jeden repräsentativen Demokratie sein muss, weshalb ihr in der Politikwissenschaft sowie der Staatslehre auch relativ große Beachtung geschenkt wird.[18] Im Gegensatz dazu ist die Bedeutung der Repräsentation als Symbolbeziehung weniger offensichtlich. Bei ihr geht es im Wesentlichen um Darstellung und zwar um Darstellung gesellschaftlicher Werte und Normen durch Symbole.

A. Repräsentation und Symbol – theoretische Grundlagen

1. Der Begriff der Repräsentation

Repräsentation soll hier recht allgemein als ein Vorgang begriffen werden, in dem etwas (sinnlich) Abwesendes zur Präsenz gebracht wird. Repräsentieren bedeutet demnach „ein unsichtbares Sein durch ein öffentlich anwesendes Sein sichtbar machen und vergegenwärtigen.“[19]

Des Weiteren wird Repräsentation, wie bereits erwähnt, zweidimensional erklärt. Hierin folgt die Analyse den Ausführungen Gerhard Göhlers[20], der ausgehend von der Institutionenlehre Arnold Gehlens[21] zwischen der Willens- und der Symbolbeziehung von Repräsentation unterscheidet.

Diese Differenzierung legt auch die Geschichte des Begriffs Repräsentation nahe. So bezog sich das lateinische Wort representare oder representatio zuerst auf einen Vorgang der Symbolisierung im Sinne von Vergegenwärtigung/Darstellung, während im 14. Jahrhundert die heute noch geläufige juristische Bedeutung von Repräsentation im Sinne einer mandativen Vertretung hinzukam.

1.1 Repräsentation als Willensbeziehung

Mit Repräsentation im juristischen Sinne ist die „Übertragung des Willens der Repräsentierten auf die Repräsentanten in Form der Zurechnung des Willens der Repräsentanten auf die Repräsentierten“[22] gemeint. Ein ausgewählter Repräsentant handelt also im Namen eines anderen, nämlich des Repräsentierten. Im Bereich des Politischen geht es hierbei um die Vertretung individueller oder kollektiver Interessen der Bürger als Repräsentierte durch die mit einem Mandat ausgestatteten Volksvertreter. Göhler bezeichnet Repräsentation im Sinne einer mandativen Vertretung deshalb auch als Willensbeziehung.

Die Notwendigkeit dieser Form der Repräsentation erschließt sich im Hinblick auf den neuzeitlichen Flächenstaat sofort. Aus rein technischen Gründen ist es in modernen Demokratien unmöglich, eine unmittelbare Beteiligung aller Bürger an politischen Entscheidungen zu ermöglichen. Repräsentation als Willensbeziehung ist für moderne demokratische Staatswesen deshalb ein unverzichtbarer Vorgang.[23]

1.2 Repräsentation als Symbolbeziehung

Die Notwendigkeit symbolischer Repräsentation ist im Gegensatz zur Repräsentation als Willensbeziehung weniger offensichtlich. Bei der Repräsentation als Symbolbeziehung geht es um Darstellung, und zwar in erster Linie um die Darstellung mittels Symbolen. Dargestellt wird, was zwar vorhanden und gegebenenfalls wirksam, jedoch nicht unmittelbar sinnlich erfahrbar, weil abstrakt ist – wie etwa die grundlegenden Werte und Ordnungsprinzipien einer Gesellschaft.[24]

Die Sichtbarmachung der normativen Struktur einer Gesellschaft ist von großer Bedeutung, weil sie die sozialen und politischen Leitideen in der Wahrnehmung der Bürger präsent hält. Das Bewusstsein um die Existenz kollektiv geteilter Werte und Prinzipien ist wiederum Voraussetzung für die Herstellung und Erhaltung eines gesellschaftlichen Grundkonsenses, der das Auseinanderbrechen der Gemeinschaft auf Grund divergierender Interessen der Bürger verhindert.[25] Symbolische Repräsentation ist somit „die Darstellung der grundlegenden politischen Wertvorstellungen und Ordnungsprinzipien eines Gemeinwesens. Sie ist Darstellung der politischen Einheit insofern, als sie sichtbar macht, was diese in ihrer Vielheit zusammenhält.“[26]

Die Erfahrung normativer Kongruenzen ermöglicht den Menschen eine soziale Zuordnung bzw. Kategorisierung und damit die Wahrnehmung ihrer eigenen Person als Teil einer bestimmten sozialen Einheit. Durch Symbole, so Eric Voegelin, „erfahren die Menschen die Gesellschaft, deren Glieder sie sind, als mehr denn eine bloße Zufälligkeit oder Annehmlichkeit; sie erfahren sie als Teil ihres menschlichen Wesens. Symbole drücken das Erlebnis aus, dass der Mensch voll und ganz Mensch ist kraft seiner Teilnahme an einem Ganzen, das über seine gesonderte Existenz hinausgreift.“[27]

Nach Rudolf Smend entspricht der Vorgang stetiger Vergegenwärtigung gesellschaftlicher Normen deshalb einem laufenden Prozess der Integration: „Der Staat ist nur, weil und sofern er sich dauernd integriert, in und aus dem Einzelnen aufbaut – dieser Vorgang ist sein Dasein als geistig-soziale Wirklichkeit.“[28] Für Smend ist der Staat nicht bloß die Einheit von Staatsgebiet, Staatsvolk und Staatsgewalt. Er ist keine „statisch daseiende Substanz", sondern „Teil der geistigen Wirklichkeit“[29] und damit ein abstraktes und wandelbares Gebilde, das der stetigen Erneuerung und Sichtbarmachung bedarf.

Soziale Werte und politische Gemeinschaft bedingen sich gegenseitig. Ohne allgemein anerkannte Prinzipien können Staaten nicht bestehen sowie andererseits soziale Werte erst existent werden, wenn sie durch eine Gemeinschaft artikuliert und getragen werden: „Die Realisierung aller ideellen Sinngehalte setzt Gemeinschaft voraus, und wiederum steigert, bereichert, festigt, ja begründet sie diese Gemeinschaft. […] Die Werte führen ein reales Leben nur vermöge der sie erlebenden und verwirklichenden Gemeinschaft.“[30]

Es handelt sich bei der symbolischen Repräsentation somit um eine existentielle Form der Repräsentation, die jeder Repräsentation als Willensbeziehung vorausgehen muss, weil sie die „Steigerung und Grundierung rechtlicher Stellvertretung zum Ziel hat.“[31] Trotz ihrer enormen soziopolitischen Bedeutung ist die Symbolbeziehung der Repräsentation nach wie vor als Stiefkind der Politikwissenschaft zu bezeichnen, da sie zumeist bestenfalls als Randgebiet im Kontext der „Politischen Kultur-Forschung“ bearbeitet wird.[32] Sofern Symbole einmal im Mittelpunkt der politikwissenschaftlichen Untersuchung stehen, dann vornehmlich unter dem Aspekt der Manipulation der Bürger durch die „symbolische Politik“ gesellschaftlicher Eliten.[33] Dieser ideologiekritische Ansatz, wie er insbesondere von Murray Edelman vertreten wird, zielt in erster Linie darauf, Symbole als „Rationalitätsersatz“[34] und Verschleierung politischer Realität zu entlarven. Diese Problematik soll im Folgenden kurz skizziert werden, weil sich die vorliegende Arbeit als analytische Distanzierung von dieser Interpretationslinie versteht.

2. Das Konzept der Symbolischen Politik – Symbole als Mittel politischer Inszenierung und Manipulation

In der deutschen Politikwissenschaft hat das Konzept der „symbolischen Politik“ erst durch die Übersetzung der Schriften Murray Edelmans im Jahre 1976 Aufmerksamkeit erfahren.

Das 1964 erschienene Werk „The Symbolic Uses of Politics“ war eine scharfe Kritik Edelmans an der Selbstwahrnehmung der amerikanischen Gesellschaft als einer Musterdemokratie.[35] Das demokratische Ideal sei längst zu Gunsten einer reinen Interessenpolitik verraten worden, die durch eine gesellschaftliche Elite gezielt verschleiert wurde.[36] Der Rezeptionsschub, der den Begriff der „symbolischen Politik“ in Deutschland zur Alltagsformel in der öffentlichen Diskussion über das politische Geschehen machte, erfolgte erst 1987 mit dem Erscheinen von Ulrich Sarcinellis Werk „Symbolische Politik. Zur Bedeutung symbolischen Handelns in der Wahlkampfkommunikation der Bundesrepublik Deutschland“[37].

Der Terminus des „Symbolischen“ wird in der Tradition Murray Edelmans als Mittel der Täuschung und Manipulation verstanden, Symbolpolitik wird als reines Medienspektakel und substanzlose Ersatzhandlung für fehlende sachpolitische Maßnahmen begriffen. Es existieren also zwei Realitäten der Politik: zum einen die für den Bürger medial zugängliche und inszenierte Scheinwelt des Politischen und zum anderen die im Stillen sich vollziehende Welt reiner Interessenpolitik, in der Eliten sachpolitische Entscheidungen treffen, deren Grundlagen dem Rest der Bürger für gewöhnlich verborgen bleiben.[38] Wird in diesem Zusammenhang also von symbolischer Politik gesprochen, so ist damit entweder gemeint, dass nichts sachpolitisch Bedeutungsvolles stattfindet, es sich also gleichsam um eine „Oberflächenbewegung ohne Substanz“[39] handelt, oder aber, dass etwas vom äußeren Anschein Abweichendes geschieht und im Verborgenen Entscheidungen getroffen werden, die letztlich nur der Befriedigung partikularer Interessen dienen. Symbolische Politik zielt demnach also stets auf die Stabilisierung des politischen Führungsanspruches einer gesellschaftlichen Elite, sie ist diesem Ansatz zu Folge „auf jeden Fall ein Weg der intentionalen oder nicht-intentionalen Herrschaftssicherung, der auf dem Fehlen von Transparenz, auf der Schaffung einer neuen Wirklichkeit, der Inszenierung beruht.“[40]

Dieses dichotomische Modell politischer Wirklichkeit wird hingegen von wenigen anderen Autoren[41], für die stellvertretend Gerhard Göhler genannt sein soll, als vereinfachend und „völlig unterkomplex“[42] bewertet. Politische Verschleierung und Manipulation durch Symbole wird hier lediglich als „ein Teilbereich von symbolischer Praxis“[43] beschrieben. Dem Symbolischen wird hier vielmehr ein autonomer Status gegenüber dem Materiellen, also der sogenannten „Sachpolitik“ zugeschrieben. Auf diese Weise entsteht ein Symbolbegriff, der entgegen der gängigen Negativfassung vor allem die „konstitutive Funktion der symbolischen Konstruktion von politischer Realität betont“.[44] Dabei geht es nicht in erster Linie um eine konstruktivistische Wendung, sondern vielmehr darum, jene Eigenschaften symbolischer Formen herauszustellen, die der politischen Ordnung und der gesellschaftlichen Integration dienlich sind.

Politische Integration wird in diesem Zusammenhang nicht auf einen rein instrumentellen Vorgang reduziert, sondern als aus zwei Dimensionen bestehend beschrieben. So wird sie einerseits zwar als ein technischer Prozess begriffen, in dem Maxime angeglichen und Verfahren koordiniert werden (wie z.B. im Fall der europäischen Integration). Andererseits wird politische Integration aber vor allem als ein Vorgang normativer Assimilation verstanden, der auf die Subordination partikularer Interessen zu Gunsten kollektiv geteilter Werte und Prinzipien abzielt.[45]

Diese normative Integration wiederum bedarf der Symbole, da nur sie geeignet scheinen, die soziopolitischen Ordnungsprinzipien in der Wahrnehmung der Bürger zur Präsenz zu bringen und damit „jenes emotionale und nicht interessenbezogene Band zu liefern und immer wieder neu zu knüpfen, das eine plurale Gesellschaft politisch zusammenhält.“[46]

Das ideologiekritische Symbolverständnis wird bei diesem Analysetypus also zu Gunsten einer Betonung der konstitutiven und stabilisierenden Funktion von Symbolen zurückgewiesen: „Keine politische Ordnung, wie sie von der institutionellen Gestaltung her auch immer konstruiert sein mag, kann auf die Stabilisierung durch eine symbolische Ordnung […] verzichten.“[47] Indem die existentielle Bedeutung von Symbolen für alle Staatsformen – und damit auch die Demokratie – herausgestellt wird, wird der Symbolbegriff vom „ideologiekritischen Totalverdacht“[48] befreit. Entscheidend ist hier, dass ein möglicher Missbrauch von Symbolen nicht zu einer analytischen Vernachlässigung der notwendigen Funktion von Symbolen im soziopolitischen Rahmen führen sollte.

3. Der Begriff des Symbols

Um Wesen und Wirkung symbolischer Repräsentation zu verstehen, muss vor allem ihr wichtigstes Mittel, das Symbol, definiert werden. Da der Symbolbegriff nicht zeit- und kontextunabhängig ist und eine lange Begriffsgeschichte hat, findet man – je nach Fachrichtung und Forschungsschwerpunkt, divergierende Definitionen.[49] Neben Emblemen, Abzeichen und künstlerischen Ausdrucksformen werden ebenso rhetorische Stilmittel, Riten und Mythen mit dem Symbolbegriff bezeichnet.[50] Dieser inflationäre Wortgebrauch macht deutlich, dass die symbolische Gestaltung in den verschiedensten Lebensbereichen Verwendung findet und von großer „anthropologischer, sozialphilosophischer und erkenntnistheoretischer Bedeutung ist“.[51]

Die verbreitete, jedoch recht undifferenzierte Erklärung, dass ein Symbol etwas ist, „das für etwas anderes steht“[52], ist für die politikwissenschaftliche Analyse unzureichend – insbesondere weil sie keine Unterscheidung vom Zeichen ermöglicht.[53] Eine klare Separation der Begriffe ist aber unter anderem notwendig, um den spezifischen Charakter des Symbols herauszustellen und seine Funktion für die soziale Wirklichkeit aufzuzeigen. Die Möglichkeit einer klaren Begriffstrennung bietet insbesondere das hermeneutische Symbolverständnis, das auch der nachstehenden Untersuchung zu Grunde liegt.

Das Symbol wird hier der Oberkategorie des Zeichens untergeordnet. Es ist folglich immer eine (Sonder-)Form des Zeichens, während umgekehrt jedoch nicht jedes Zeichen auch ein Symbol ist. Das Symbol wird zur Kategorie der Zeichen gerechnet, da es wie jedes Zeichen die Eigenschaft hat, für etwas anderes zu stehen. Dennoch unterscheidet es sich vom herkömmlichen Zeichen in der Art und Weise, wie es für dieses andere steht.

Das Zeichen ist eine Form der Bezugnahme, in der ein wie auch immer materialisierter Ausdruck (der Signifikant) von einem Verwender zur Bezeichnung eines aus diversen Bedeutungsmerkmalen zusammengesetzten Inhaltes (dem Signifikat) benutzt wird. Die Relation aus dem Verwender, dem Signifikant und dem Signifikat bildet das sogenannte semiotische Dreieck.[54] Das herkömmliche Zeichen ist eine klare Relation, in welcher einem Zeichenausdruck ein entsprechender Inhalt mittels einer kulturell genau festgelegten Regel, einem kulturellen Code, eindeutig zugeordnet wird. Diese „unmittelbare Bezugnahme […], die der Code dem Ausdruck in einer bestimmten Kultur zuschreibt“[55], ist die Denotation.

Das Symbol hingegen ist eine hermeneutische Erscheinung, denn es bezeichnet und benennt nicht eindeutig. Anders als beim gewöhnlichen Zeichen, bei welchem das Referenzobjekt bzw. die dargestellte Idee von jedem Menschen einer Kommunikationsgemeinschaft in gleicher Weise identifiziert wird, ist der weitere Assoziationszusammenhang beim Symbol nicht genau und endlich festgelegt. Die Zuordnung eines entsprechenden Signifikats zum jeweiligen Signifikanten beruht beim Symbol auf einem kulturellen Code, der nicht exakt und verbindlich, sondern vage ist. Dadurch bleibt die Definition des Symbolinhalts zu großen Teilen der Deutung des jeweiligen Empfängers der symbolischen Vermittlung überlassen. Das Symbol hat dementsprechend eine noch zu erschließende, nicht offensichtliche Konnotation, die auf Grund ihrer Interpretationsabhängigkeit stark kontextbezogen ist und nach Zeit, Person, Gruppenangehörigkeit usw. variiert.[56] Während das einfache Zeichen also eine recht klare Form der „Stellvertretung“ für einen bezeichnetes Objekt oder Idee ist, ist das Symbol ein „Vehikel für die Vorstellung von Gegenständen“ und „ein Instrument des Denkens“[57].

Symbole verdichten in ihrer Form komplizierte Sachverhalte zu unmittelbaren Anschauungsgehalten. Im Prozess der Interpretation verbindet sich eine von der symbolischen Form ausgelöste Assoziation mit weiteren Assoziationen des jeweiligen Rezipienten. Aus einem singulären symbolischen Eindruck entsteht so eine ganze Kette von gedanklichen und emotionalen Verknüpfungen, die einen umfassenden Sinnzusammenhang produzieren: „Was ein Symbol in Wirklichkeit vermittelt, ist der Begriff. Im selben Augenblick jedoch, in dem der Begriff uns im Symbol vermittelt ist, verwandelt unsere Einbildungskraft ihn in eine eigene, persönliche Vorstellung, die wir von dem mittelbaren, allgemein zugänglichen Begriff nur durch einen Abstraktionsprozeß unterscheiden können.“[58]

Auf diese Weise lässt der Rezipient die ganze Komplexität seines Daseins in den Vorgang der Deutung mit einfließen: sein Wissen, seine Prinzipien, aber auch seine persönlichen Erfahrungen und Emotionen. Da Symbole demnach sowohl in der kognitiven als auch in der affektiven Dimension – der emotionalen Tiefenschicht – wirken, sind sie im Gegensatz zu den auf die rein kognitive Ebene beschränkten einfachen Zeichen, „der affektiv und kognitiv noch ungetrennte Ausdruck sozialer Sachverhalte.“[59] Sie sind dabei nicht etwa eine besonders undeutliche Form der Bezeichnung, sondern vielmehr ein „bestimmter Textgebrauch oder ein bestimmter Umgang mit den Zeichen, bei dem der Signifikant einer Deutung unterworfen wird.“[60]

Jedes gewöhnliche Zeichen kann daher zum Symbol werden, wenn es in einen größeren Bedeutungskontext eingegliedert wird und neben seiner primären und offensichtlichen Bedeutung noch ein Mehr an Aussagekraft erhält und dadurch in verdichteter Form umfassendere Sinngehalte mitteilt. Symbole können deshalb ebenso als „Zeichen mit Überschussgehalt“[61] beschrieben werden. In diesem Sinne muss auch die hermeneutische Erweiterung des semiotischen Dreiecks um die unbestimmte Dimension der Interpretation bzw. der Konnotation verstanden werden: „Die Deutung ergibt einen Überschuß und bezieht zugleich den Interpreten mit ein – das ist das Verständnis der hermeneutischen Symboltheorie.“[62]

4. Architektur als Bedeutungsträger: Das architektonische Zeichen nach Umberto Eco

„Bauten werden auf doppelte Art rezipiert: durch Gebrauch und durch Wahrnehmung.“
- Walter Benjamin[63]

Der Überschuss des Symbols an Sinngehalt gegenüber dem gewöhnlichen Zeichen ist eine wichtige Grundlage, um die Symbolik der Parlamentsarchitektur zu untersuchen. Die Analyse soll sich hierbei an der semiotischen Theorie Umberto Ecos zum architektonischen Zeichen orientieren. Bei Eco besteht auch das architektonische Zeichen aus der kulturell codierten Zuordnung eines Ausdrucks zu einem Inhalt.[64] Der Ausdruck ist dabei das Gebäude oder der architektonische Gegenstand selbst, während der Inhalt dessen Funktion im Sinne einer Nutzungs- oder Gebrauchsfunktion ist.[65] So ist das architektonische Zeichen „Haus“ beispielsweise mit der Funktion „Möglichkeit des Wohnens“ korreliert oder das architektonische Zeichen „Tür“ mit der Funktion „Möglichkeit des Zugangs“[66]. Ein architektonisches Zeichen ist also die Korrelation eines architektonischen Objektes mit seiner Gebrauchsfunktion als Bedeutung.

Die Zuordnung von Zeichenausdruck und Inhalt, also von architektonischem Objekt und Nutzungsfunktion trifft natürlich auch dann zu, wenn von der praktischen Funktion des architektonischen Gegenstandes de facto gar kein Gebrauch gemacht wird oder gemacht werden kann. Auf diese Weise ist es etwa möglich, dass ein Architekt lediglich angedeutete Fenster konstruiert, deren Funktion realiter nicht existiert, die aber dennoch als Fenster im architektonischen Kontext funktionieren und als solche erfahren werden.[67] Es kann also eine Gebrauchsfunktion mitgeteilt werden, ohne diese auch tatsächlich möglich zu machen, der kommunikative Wert des architektonischen Gegenstandes bleibt trotzdem erhalten: „Das heißt: das, was mir den Gebrauch der Architektur erlaubt […] , sind nicht nur die möglichen Funktionen, sondern vor allem die damit verbundenen Bedeutungen, die mich für den funktionalen Gebrauch disponieren. Auch wenn es sich um Formen von trompe l´œil handelt, bin ich für den Gebrauch disponiert, auch wenn die Funktion gar nicht möglich ist.“[68]

Dass ein architektonisches Zeichen also immer seine erste Funktion mitteilt, selbst wenn davon faktisch kein Gebrauch gemacht wird bzw. gemacht werden kann, wird insbesondere im Hinblick auf die Analyse des symbolischen Gehalts von Glas als demokratischem Baumaterial eine wichtige Rolle spielen. Auch in diesem Kontext wird zu zeigen sein, dass Glas im architektonischen Kontext auf Grund seiner physischen Beschaffenheit stets die Funktion des „Hindurchblickens“ denotiert, selbst wenn diese Nutzfunktion nicht tatsächlich zur Anwendung kommt.

Über seine Gebrauchsfunktion hinaus kann ein architektonisches Zeichen aber auch noch weitere, sekundäre (Symbol-)Bedeutungen vermitteln. Um den Symbolcharakter von Architektur zu beleuchten, unterscheidet Eco auch hier zwischen Denotation und Konnotation, also zwischen dem gewöhnlichen (architektonischen) Zeichen und dem (architektonischen) Symbol.[69]

Die architektonische Denotation, ist dabei wie bei allen Zeichen die exakte und konventionelle Zuordnung eines Zeichenausdrucks zu einem Zeicheninhalt, wobei der Inhalt des architektonischen Zeichens, wie bereits beschrieben, die Gebrauchsfunktion des architektonischen Objekts ist. Weil die Nutzungsfunktion auf Grund eines eindeutigen kulturellen Codes als primärer Zeicheninhalt mitgeteilt wird, beschreibt Eco sie auch als erste Funktion des architektonischen Zeichens.

Die architektonische Konnotation hingegen ist motiviert durch Aspekte des primären architektonischen Zeichens, also durch Aspekte des architektonischen Gegenstandes und/oder seiner Gebrauchsfunktion. Die Konnotation ist demnach die Korrelation der Denotation als Zeichenausdruck mit einer zusätzlichen, über den originären Nutzungszweck des architektonischen Objekts hinausgehenden Funktion als Zeicheninhalt. Der konnotative Inhalt des architektonischen Zeichens ist deshalb seine zweite Funktion. Das architektonische Zeichen erhält durch diese über die reine Gebrauchsfunktion hinausgehende Funktion eben jenen Überschussgehalt, der – dem zuvor skizzierten Symbolverständnis folgend – aus dem einfachen Zeichen ein Symbol macht, weshalb Eco die Zusatzfunktionen auch als „symbolische Funktionen“ bezeichnet.[70]

Modell eines architektonischen Zeichens als Symbol[71]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In ähnlicher Weise wie Eco identifiziert auch Schlesinger eine symbolische Funktion der Architektur, obgleich er den Begriff als solchen nicht explizit verwendet: „Geht die Baukunst über ihren eigentlichen Zweck hinaus, künstliche Räume zu schaffen, welche vor den Unbilden der Witterung Schutz gewähren, und beabsichtigt sie durch ihre Werke idealen Zwecken zu dienen, verwandelt sie das Bauen in Erbauen, ihre Schöpfungen in Spiegelbilder der Weltschöpfung, so ordnet sie diese ihre Werke der Symbolik ein.“[72] Ein architektonisches Objekt vermittelt dann also nicht nur seine Gebrauchsfunktion, sondern auch bestimmte Vorstellungen von seiner Nutzung. So denotiert ein Haus zwar zuerst einmal die Möglichkeit des Wohnens, die Formensprache seiner Architektur aber kann bestimmte Vorstellungen vom Wohnen konnotieren.[73] In gleicher Weise denotieren etwa alle Typen von Bogen, ob Spitzbogen oder Kielbogen, ihre tragende Funktion, daneben können sie aber verschiedene Auffassungen von dieser Funktion konnotieren und darum zusätzlich eine symbolische Funktion ausüben.[74] Eco verweist darauf, dass auch die Bezeichnung des konnotativen Inhalts als (zweite) Funktion durchaus sinnvoll ist, da auf diese Weise deutlich werde, dass „im Gemeinschaftsleben die „symbolischen“ Konnotationen des Gebrauchsgegenstandes nicht weniger „nützlich“ sind als seine „funktionellen“ Denotationen.“[75] Ganz im Sinne der bereits skizzierten Theorien, in denen die soziologische Bedeutung symbolischer Formen betont wird, nimmt also auch Eco an, „daß sich die symbolischen Konnotationen als funktionelle verstehen, nicht nur im metaphorischen Sinne, sondern insofern sie einen sozialen Gebrauchswert des Gegenstandes mitteilen, der nicht unmittelbar identisch ist mit der ‚Funktion’ im strengen Sinne.“[76]

Zudem müsse klar sein, dass die Bezeichnungen „erste“ und „zweite“ Funktionen kein Werturteil darstellten, „sondern daß sie einen mechanisch-semiotischen Wert haben, in dem Sinne, daß die zweiten Funktionen sich an die Denotationen der ersten anlehnen.“[77] So gründe sich die Konnotation zwar „auf die Denotation der primären Utilitas, erscheint aber deswegen nicht weniger wichtig.“[78] Stattdessen sei sogar möglich, dass die erste Funktion des architektonischen Objekts so weit in den Hintergrund trete, dass sie gegenüber den symbolischen Funktionen zu vernachlässigen sei. Die primäre Funktion wäre damit nur ein Signifikat des architektonischen Gegenstandes – zwar „das unmittelbarste, aber nicht das wesentlichste.“[79] Darüber hinaus ließe sich sogar denken, dass im Laufe der Zeit bestimmte erste Funktionen jede Wirkung verlieren, da sie im Zeitverlauf „oft Verlusten, Wiedereroberungen, Substitutionen verschiedener Art unterworfen“ sind. Nach Eco besteht also „eine der typischen zeitlichen und räumlichen Schwankungen von Gebrauchsgegenständen […] in einer Reihe ständiger Phasenverschiebungen zwischen erster und zweiter Funktion.“[80]

Diese Ausführungen Umberto Ecos bieten eine geeignete theoretische Grundlage für die Analyse der Symbolik der Parlamentarchitektur. Dem pejorativen Verständnis von symbolischer Politik wurde ein positiver Symbolbegriff gegenübergestellt, der die Symbolbeziehung als Wertevermittlung in den Vordergrund rückt. Die eigentliche Symboldefinition ist mithin eine hermeneutische, die das Symbol als besondere Form des Zeichens ansieht, welche dem Betrachter eine Funktion jenseits der simplen Gebrauchsebene erschließt. Mit Hilfe der semiotischen Theorie Umberto Ecos wurde abschließend die reine Symboltheorie mit dem Feld der Architektur verknüpft. Im Folgenden soll nun gezeigt werden, dass auch staatliche Bauwerke wie jene der Bundesrepublik Deutschland, nicht nur die Möglichkeit der Unterbringung von Institutionen und die Möglichkeit des Debattierens und Regierens in diesen Häusern denotieren, sondern auf Grund dieser Nutzfunktion und vor allem ihrer architektonischen Gestaltung auch bestimmte (Wert-)Vorstellungen im Zusammenhang mit den jeweiligen Institutionen und der in diesen Bauten ausgeübten Regierungsarbeit konnotieren können und sollen.

B. Die Parlamentsarchitektur in der Bundesrepublik Deutschland und ihre symbolische Bedeutung

„Die auf den ersten Blick vielleicht erstaunliche Frage, ob man das Bauen politisch von den Prinzipien der Demokratie her betrachten dürfe, erweist sich geschichtlich als berechtigt, wenn man sich erinnert, daß ursprünglich und über die Jahrhunderte hinweg die Lehre vom Bauen keine selbstständige Disziplin war, sondern das Wissen um das Bauen sich in die universal verstandene Staatswissenschaft im Sinne eines Wissens um das Politische eingliederte. Diese vom Zerfall noch nicht erholte Wissenschaft, heute sagt man politische Wissenschaft, hat, zur Beruhigung der Baumeister unter uns sei es gesagt, noch nicht gewagt, die Wissenschaft vom Bauen wieder in den Bereich ihres Denkens einzubeziehen, sondern es waren bemerkenswerterweise Lehrer des Bauens, die das Politische ihres Wirkens neu entdeckten.“ – Adolf Arndt[81]

I. Voraussetzungen

1. Transparenz und Öffentlichkeit in der deutschen Parlamentsarchitektur

Auch bei der Errichtung und dem Umbau der Parlamentsbauten in der Bundesrepublik Deutschland waren über die Gebrauchsfunktion hinausgehende Funktionen intendiert. Parlamentsbauten waren und sind nicht nur Austragungsort politischer Debatten, sondern sie haben auch eine zweite Funktion als Träger und Projektionsfläche demokratischer Werte und Prinzipien. Im Mittelpunkt der Diskussionen um das bauliche Erscheinungsbild des deutschen Parlaments, stand daher stets die Frage nach einem geeigneten architektonischen Ausdruck für das politische und damit das demokratische Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland. Es ging also nicht nur um die Errichtung eines Parlamentsgebäudes, sondern gleichsam um die Kommunikation der politischen Identität des westdeutschen Staates.

In der Diskussion um die nahezu endlose Planung des neuen Bonner Parlaments- und Regierungsviertels tauchte infolgedessen vor allem eine Frage immer wieder auf: jene nach einer „demokratischen Architektur“, die geeignet sei, die politische Gesinnung der jungen Republik möglichst deutlich und unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen. Die offensichtliche Gegenstandslosigkeit des Begriffs, die in den publizierten Ausführungen und Gesprächen um das bauliche Gesicht der Demokratie deutlich wird,[82] berechtigt allerdings zu der Frage, ob „demokratische Architektur“ überhaupt möglich ist, oder ob es sich bei den Debatten um eine nur der Volksherrschaft eigene Bauweise nicht vielmehr um eine „Diskussion um die Chimäre“[83] handelt.

Zur Klärung dieser Frage ist ein Rückblick in die Historie parlamentarischen Bauens in Deutschland erforderlich. Natürlich kann im Rahmen der vorliegenden Arbeit keine umfassende Geschichte der Parlamentsarchitektur verfasst[84] oder einzelne Architekturtendenzen detailliert untersucht werden. Eine fest umrissene Analyse der Baugeschichte des wohl wichtigsten Verfassungsorgans der Demokratie soll stattdessen explizit aufzeigen, welche architekturhistorischen und architekturtheoretischen Faktoren prägend waren und ob sich ein spezifisches architektonisches Formenvokabular identifizieren lässt, das bei der Gestaltung der Parlamentshäuser regelmäßig zur Anwendung kam und das die Bauten ausdrücklich als Tagungsort einer demokratischen Institution kennzeichnete. Zum anderen soll eine solche Retrospektive aber auch einen Erklärungsansatz dafür bieten, warum vor allem ein architektonisches Merkmal, nämlich die gläserne Bauweise der bundesdeutschen Parlamentsgebäude, als Symbol für die demokratische Gesinnung der Republik dienen sollte. Hinsichtlich beider Punkte, und nicht nur des Letzteren, erschließt sich nun unmittelbar die Notwendigkeit der theoretischen Vorarbeit zu Beginn des Hauptteils.

Die Untersuchung wird jedoch durch die Tatsache erschwert, dass es weder in Deutschland noch in anderen Ländern eine lange Tradition des Parlamentsbaus gibt.[85] Am Maßstab einer modernen, eben einer parlamentarischen Demokratie gemessen, die etwa Legislations- und Budgethoheit sowie Regierungsbestellung als Kernkompetenzen der Vertretungskörperschaft kennt, entstand – unter eben diesen Bedingungen – in Deutschland der erste Parlamentsneubau nicht vor 1945. Genauer, sogar erst 1961 mit dem Bau des baden-württembergischen Landtags.[86]

In Deutschland wie auch in anderen Ländern der Welt wurden Bauwerke für die Versammlung revolutionärer, vordemokratischer oder auch demokratischer Gremien genutzt, die ursprünglich für andere Zwecke und andere Bauherren errichtet wurden: so etwa das Ballhaus in Versailles, die Frankfurter Paulskirche, das Theater zu Weimar, aber auch die Aula der Pädagogischen Akademie in Bonn. Genau genommen ist die Geschichte der Parlamentsarchitektur daher „eine Geschichte der Adaption demokratischer Parlamente an eine vordemokratische Bausubstanz“[87]. Dies liegt insbesondere daran, dass es primär darum ging, Räumlichkeiten zu finden, die ausreichend Platz für alle Beteiligten boten und nicht darum, einen ständigen Arbeitsplatz für die Parlamentarier einzurichten. Es war somit gar nicht gewollt, dass der Abgeordnete den Tagungsort der parlamentarischen Versammlung als seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt begriff. Stattdessen sollte er „in seinem Wahlkreis ansässig bleiben und wurzeln. Darauf deutet seine Bezeichnung hin, daß er ein aus seinem Bezirk Ab-Geordneter ist.“[88]

Für die Tatsache, dass speziell in Deutschland so wenige Parlamentsneubauten errichtet wurden, mag es aber eine ganze Reihe von Gründen geben. Ein wesentlicher Grund ist sicherlich die untergeordnete politische Stellung parlamentarischer Versammlungen im 19. Jahrhundert. So war die Regierung diesem Staatsorgan bis zum Jahre 1918 weder verpflichtet, noch wurde den Parlamentariern das freie Selbstversammlungsrecht und die Finanzhoheit gewährt. Infolgedessen wurde der parlamentarischen Versammlung auch kein kostspieliger Neubau zuerkannt, der zudem noch das Prestige dieser Kammern gegenüber der Regierung gesteigert hätte.[89]

Die Errichtung des Berliner Reichstags ist hierbei ein Einzelfall.[90] Mit der Fertigstellung des Bauwerks 1894 erhielt das Parlament zwar ein eigenes Haus, zuvor jedoch hatte auch die Institution Reichstag 23 Jahre lang in fremden Gemäuern getagt.[91] Des Weiteren sei in diesem Zusammenhang auch auf die ursprüngliche Intention verwiesen, die hinter dem Bau des Reichstagsgebäudes stand, nämlich als „Schlussstein der Deutschen Einigung“, kurzum als „Siegesdenkmal“[92] der hergebrachten deutschen Vielstaaterei entgegenzuwirken. Das Gebäude sollte also nur an zweiter Stelle der Unterbringung der Volksvertretung dienen, primär aber war es durch die „starke, überstarke Betonung vaterländischer Gemeinsamkeiten“[93] als integrativer Appell an die Nation gedacht. Der Bauantrag der Nationalliberalen Partei vom 30. März 1871 bringt dies mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck: „Die Errichtung eines monumentalen Parlamentshauses, würdig, die Erfolge des Jahres 1870 zu verherrlichen, ist ein Bedürfnis der Deutschen Nation.“[94]

Obwohl nach 1918 eine vollständige Parlamentarisierung in Deutschland erreicht und das Parlament zu einer zentralen staatlichen Institution geworden war, kam es nicht zum Neubau von Parlamentshäusern, um dieser politischen Entwicklung auch architektonisch einen Ausdruck zu verleihen.[95] Der Hauptgrund dafür war – ebenso wie nach 1945, bei der Entscheidung für den Einzug des ersten Deutschen Bundestages in die Räumlichkeiten einer ehemaligen Hochschule – ein Finanzierungsproblem. Die Kosten des gerade beendeten Weltkriegs verhinderten 1918 wie auch 1945, die Realisierung aufwändiger Bauvorhaben.[96] Doch selbst in wirtschaftlich unbelasteten Zeiten scheuten sich die Parlamentarier, kostspielige Projekte in Auftrag zu geben, da man die Kritik der Bevölkerung an einer womöglich als unnötig erachteten Investition staatlicher Gelder fürchtete.[97]

Abseits der Gemeinsamkeiten, die sich aus den funktionalen Anforderungen an eine Parlamentsarchitektur ergeben, weist die geringe Zahl der weltweit tatsächlich realisierten Parlamentsbauten kaum Übereinstimmungen auf. Bei den Bauten des 19. Jahrhunderts ergibt sich eine Schnittmenge hinsichtlich architektonischer Elemente, die traditionell oder formal Macht und Ansehen ausdrücken, so wie etwa das Motiv der Kuppel.[98] Die Verwendung bestimmter Bauformen soll dabei als architekturhistorisches Zitat den Bezug zu jenen Epochen herstellen, denen eine idealisierte Vorbildfunktion zugemessen wird. Das Washingtoner Kapitol zum Beispiel „trägt nach Namen und Gewand ein antikisierendes Aussehen, um vermeintlich die klassische Idee einer aus dem Altertum entlehnten Demokratie zum Ausdruck zu bringen. Das […] Parlament Frankreichs […] ziert sich mit der Fassade eines römischen Tempels.“[99] Das 20. Jahrhundert wiederum hat eine stilistisch gänzlich uneinheitliche Parlamentsarchitektur hervorgebracht. Ob in Helsinki, Brasilia, Chandigarh oder Canberra, unterschiedlicher könnten die Parlamentsbauten kaum sein.[100]

Obwohl demzufolge also von einer formalen Architektur-Tradition des Parlamentsbaus im 20. Jahrhundert keine Rede sein kann, entwickelte sich die bundesdeutsche Parlamentsarchitektur dennoch nicht im bauhistorischen Vakuum. Mehr noch als die Orientierung an architektonischen Vorbildern beeinflusste nämlich der Wunsch nach Abgrenzung gegenüber der offiziösen Bauweise historisch belasteter oder konkurrierender politischer Systeme die Parlamentsarchitektur der Bundesrepublik Deutschland. So entwickelte sich der Parlamentsbau zwar unter starkem Bezug auf die bereits in den zwanziger Jahren als Neues Bauen bekannt gewordene Architekturströmung, die Wiederaufnahme eben jener Stilrichtung kann jedoch nur hinreichend erklärt werden, begreift man sie als architektonische Manifestierung einer historischen und politischen Distanzierung: zum einen von der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands und zum anderen von der sozialistischen Gegenwart der DDR. Die sachliche, gläserne Bauweise, erschien sowohl als geeignete architektonische Antithese zu den neoklassizistischen Monumentalbauten der NS-Zeit als auch zu den kolossalen Steinbauten des deutschen Sozialismus.[101]

Die Parlamentsarchitektur der Bundesrepublik Deutschland entwickelte ihre Symbolik somit nicht allein aus sich selbst heraus, sondern erhielt ihre vollständige Bedeutung erst vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Vergangenheit bzw. der politischen und gesellschaftlichen Konkurrenz der beiden deutschen Systeme. Die Parlamentshäuser waren demzufolge Gegenbauten[102], deren Gestaltung vor allem aus dem Verzicht historisch und politisch negativ konnotierter Bauformen und dem Einsatz weitgehend unbelasteter architektonischer Stilmittel resultierte. Die Parlamentsarchitektur der Bundesrepublik Deutschland war nach Wefing daher gleichsam „ein polemischer Entwurf, dessen Wesen die Negation ist.“[103] Dieses Wesen wiederum lässt sich nur durch den hermeneutischen Symbolbegriff erschließen, der explizit einen weiteren Assoziationszusammenhang zulässt.

2. Zur Problematik der Identifizierung einer genuin nationalsozialistischen Architektur

Soll nun im Folgenden untersucht werden, inwiefern die Staatsarchitektur der Bundesrepublik Deutschland durch den Wunsch nach eindeutiger Abgrenzung gegenüber den Bauten des Nationalsozialismus geprägt wurde, so muss vorab in der gebotenen Kürze auf die architekturtheoretische und architekturhistorische Problematik eingegangen werden, die sich im Hinblick auf die in der Literatur häufig artikulierte Vorstellung von einer genuin nationalsozialistischen Bauweise ergibt.[104]

[...]


[1] Adolf Arndt, Demokratie als Bauherr, in: ders., Geist der Politik. Reden, Berlin 1965, S. 217-237, S. 227.

[2] Als Beispiel einer solchen Wertediskussion sei die jüngere Patriotismusdebatte genannt; zu einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung vgl. Volker Kronenberg, Patriotismus in Deutschland. Perspektiven für eine weltoffene Nation, Wiesbaden 2005; aus journalistischer Perspektive vgl. Matthias Matussek, Wir Deutschen. Warum die anderen uns gern haben können, Frankfurt a. M. 2006.

[3] Die Begriffe „Selbstdarstellung“ und „symbolische Repräsentation“ werden im Folgenden synonym verwendet; der Staatsrechtler Helmut Quaritsch definiert Selbstdarstellung als „die Gesamtheit der Mittel und Verhaltensweisen, die das eigene Erscheinungsbild bestimmen sollen.“ Eine jede Erscheinungsform menschlicher Vergemeinschaftung müsse „ihr Dasein, ihre Ziele und Zielverwirklichungen dauernd vorweisen, um sich gegenüber Mitgliedern und Umwelt als sinnvoll, vertrauenswürdig und erfolgreich zu präsentieren.“ Selbstdarstellung sei daher „ein wesentliches Mittel, Loyalität zu erzeugen und zu festigen.“ Helmut Quaritsch, Probleme der Selbstdarstellung des Staates, Tübingen 1977, S. 8, 10, 13; die essentielle Aufgabe der staatlichen Selbstdarstellung ist folglich die Integration der Bürger in das Gemeinwesen und die Stabilisierung des soziopolitischen Systems; hierin weicht die Selbstdarstellung von der symbolischen Repräsentation, wie sie in dieser Arbeit definiert wird, nicht ab; einer Unterscheidung der Begrifflichkeiten, wie sie etwa Ute Krüdewagen in ihrer Dissertation unter dem Hinweis vornimmt, Repräsentation geschehe durch Personen, staatliche Selbstdarstellung aber „im Regelfall durch Zeichen, nicht durch Personen“, wird im Hinblick auf die dieser Arbeit zu Grunde gelegte Definition von Repräsentation als zweidimensionalem Begriff, nicht gefolgt; Ute Krüdewagen, Die Selbstdarstellung des Staates. Eine Untersuchung der Selbstdarstellung der Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigten Staaten von Amerika, München 2002, S. 14.

[4] „Schwieriger zu beschreiben ist die Symbolbeziehung, weil sie im Alltagsverständnis weniger offensichtlich ist und weil in sozialen Beziehungen die beiden Dimensionen [Willensbeziehung und Symbolbeziehung] schwer zu separieren sind.“ Gerhard Göhler, Der Zusammenhang von Institution, Macht und Repräsentation, in: ders. (Hrsg.), Institution – Macht – Repräsentation. Wofür politische Institutionen stehen und wie sie wirken, Baden-Baden 1997, S. 11-64, S. 23.

[5] Vgl. insbesondere: Ernst Cassirer, Philosophie der symbolischen Formen, 4 Bände, 2. Aufl., Darmstadt 1953-1954; Ernst Cassirer, Wesen und Wirkung des Symbolbegriffs, 4. Aufl., Darmstadt 1969.

[6] Vgl. Ferdinand de Saussure, Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft, 2. Aufl., Berlin 1967.

[7] Eine rühmliche Ausnahme ist hier die Dissertation Andreas Dörners, der im Zusammenhang mit dem Hermanns-Mythos, vor allem die soziopolitische Bedeutung von Symbolen beleuchtet; vgl. Andreas Dörner, Politischer Mythos und symbolische Politik. Sinnstiftung durch symbolische Formen am Beispiel des Hermannsmythos, Opladen 1995.

[8] Vgl. hierzu insbesondere: Murray Edelman, Politik als Ritual. Die symbolische Funktion staatlicher Institutionen und politischen Handelns, Frankfurt a. M./New York 1976.

[9] Zur staatlichen Repräsentation durch Architektur und Stadtplanung im Allgemeinen, vgl. Wolfgang Sonne, Representing the State. Capital City Planning in the Early Twentieth Century, München 2004; Gabi Dolff-Bonekämper/Hiltrud Kier (Hrsg.), Städtebau und Staatsbau im 20. Jahrhundert, München/Berlin 1996.

[10] Wird in dieser Arbeit der Begriff der „architektonischen Tradition“ verwendet, um die weitgehend kontinuierliche Entwicklung der transparenten Bauweise seit 1949 zu beschreiben, so soll dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich, wie noch zu zeigen sein wird, die gesamtgesellschaftliche Wertschätzung dieser Architektur und die damit verbundene Deutung des Materials Glas als Symbol für die demokratischen Werte und Prinzipien der Bundesrepublik nur sukzessive entwickelte und erst 1992 mit dem Neubau des Plenarsaals durch Günther Behnisch vollends durchsetzte; trotzdem ist die Glassymbolik kein Produkt des Jahres 1992, die benannte architektonische Traditionslinie keine retrospektive Projektion; der Ursprung des Topos ist im Jahre 1949 zu verorten, seine architektonische Keimzelle ist die von Hans Schwippert umgebaute Pädagogische Akademie in Bonn.; zunächst nur Gegenstand einer „Elitendiskussion“, begann die Symbolik der bundesdeutschen Glasarchitektur zunehmend populärer zu werden, um dann schließlich auch gesamtgesellschaftliche Bedeutung zu erlangen; die Tatsache aber, dass die zeitgenössische Wahrnehmung und Wirkung der Glassymbolik zumindest als eingeschränkt betrachtet werden muss, ändert noch nichts an der Gegebenheit, dass sich die Regierungsbauten der Bundesrepublik Deutschland ganz überwiegend durch eine gläsern-transparente Bauweise auszeichnen und somit auch die Rede von einer architektonischen Tradition gerechtfertigt erscheint; zum Terminus „Elitendiskussion“; Heinrich Wefing, leitender Kulturkorrespondent und Architekturkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im Interview mit der Verfasserin am 17. November 2006.

[11] Der Ausdruck „architecture parlante“ geht auf den französischen Architekten Étienne-Louis Boullée (1728-1799) zurück und bezeichnet die Idee, dass die architektonische Formgebung eines Gebäudes bildhaft-illustrativ auf dessen Funktionalität hinweisen solle; als Vertreter der französischen Revolutionsarchitektur forderte Boullée des Weiteren von der Architektur, dass sie die neuen politischen Ideen vermittle und dadurch erzieherisch auf die Menschen wirke; vgl. Winfried Nerdinger (Hrsg.), Revolutionsarchitektur. Ein Aspekt der europäischen Architektur um 1800, München 1989.

[12] Vgl. Heinrich Wefing, Parlamentsarchitektur. Zur Selbstdarstellung der Demokratie in ihren Bauwerken. Eine Untersuchung am Beispiel des Bonner Bundeshauses, Berlin 1995, S. 76.

[13] Sir Norman Foster ist 1999 zum Lord ernannt worden.

[14] Art. 42 I GG: „Der Bundestag verhandelt öffentlich. Auf Antrag eines Zehntels seiner Mitglieder oder auf Antrag der Bundesregierung kann mit Zweidrittelmehrheit die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Über den Antrag wird in nicht-öffentlicher Sitzung entschieden.“

[15] Im Hinblick auf die Literatur sind als wichtigste Autoren folgende zu nennen: Gerhard Göhler, Umberto Eco, Heinrich Wefing; Als Quellen wurden vor allem Presseerzeugnisse herangezogen sowie amtliche Publikationen, etwa jene des Öffentlichkeitsreferats der Bundesregierung, darüber hinaus aber auch stenografische Protokolle zum ersten Reichstagskolloquium.

[16] Besonders deutlich skizziert Arnold Gehlen diese Zweidimensionalität sozialer Beziehungen; auch seine Institutionenlehre basiert auf einem doppelten Verständnis von Repräsentation, als Willens- und als Symbolbeziehung; vgl. Arnold Gehlen, Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt, Berlin 1940.

[17] Gerhard Göhler, Der Zusammenhang von Institution, Macht und Repräsentation, in: ders. (Hrsg.), Institution – Macht – Repräsentation. Wofür politische Institutionen stehen und wie sie wirken, Baden-Baden 1997, S. 11-64, S. 47.

[18] Vgl. hierzu exemplarisch: Georg Jellinek, Allgemeine Staatslehre, Berlin 1900, S. 566-570; Ernst-Wolfgang Böckenförde, Demokratische Willensbildung und Repräsentation, in: Josef Isensee/Paul Kirchhof (Hrsg.), Handbuch des Staatsrechts der Bundesrepublik Deutschland, Band 3: Demokratie – Bundesorgane, 3. Aufl., Heidelberg 2005, S. 31-54.

[19] Carl Schmitt, Verfassungslehre, München 1928, S. 209.

[20] Vgl. insbesondere: Gerhard Göhler (Hrsg.), Institution – Macht – Repräsentation. Wofür politische Institutionen stehen und wie sie wirken, Baden-Baden 1997; ders., Symbolische Politik – Symbolische Praxis. Zum Symbolverständnis in der deutschen Politikwissenschaft, in: Barbara Stollberg-Rilinger (Hrsg.), Was heißt Kulturgeschichte des Politischen?, Berlin 2005, S. 57-69; ders., Politische Symbole – symbolische Politik, in: Werner Rossade/Birgit Sauer/Dietmar Schirmer (Hrsg.), Politik und Bedeutung. Festschrift Ralf Rytlewski zum 65. Geburtstag, Wiesbaden 2002, S. 27-42.

[21] Vgl. Arnold Gehlen, Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt, Berlin 1940.

[22] Gerhard Göhler, Der Zusammenhang von Institution, Macht und Repräsentation, in: ders. (Hrsg.), Institution – Macht – Repräsentation. Wofür politische Institutionen stehen und wie sie wirken, Baden-Baden 1997, S. 11-64, S. 47.

[23] Vgl. Gerhard Göhler, Der Zusammenhang von Institution, Macht und Repräsentation, in: ders. (Hrsg.), Institution – Macht – Repräsentation. Wofür politische Institutionen stehen und wie sie wirken, Baden-Baden 1997, S. 11-64, S. 47.

[24] Vgl. ebd., S. 48-49.

[25] Vgl. Gerhard Göhler, Der Zusammenhang von Institution, Macht und Repräsentation, in: ders. (Hrsg.), Institution – Macht – Repräsentation. Wofür politische Institutionen stehen und wie sie wirken, Baden-Baden 1997, S. 11-64, S. 49.

[26] Ebd. S. 49.

[27] Eric Voegelin, Die neue Wissenschaft der Politik, Freiburg 1959, S. 58.

[28] Rudolf Smend, Verfassung und Verfassungsrecht, in: ders. Staatsrechtliche Abhandlungen, 2. Aufl., Berlin 1928, S. 119-276, S. 138.

[29] Ebd., S. 136.

[30] Ebd., S. 160.

[31] Rudolf Speth, Die symbolische Repräsentation, in: Gerhard Göhler (Hrsg.), Institution – Macht – Repräsentation. Wofür politische Institutionen stehen und wie sie wirken, Baden-Baden 1997, S. 433-475, S. 433.

[32] Vgl. hierzu: Karl Rohe, Politik. Begriffe und Wirklichkeiten. Eine Einführung in das politische Denken, 2. überarbeit. und erweit. Aufl., Stuttgart/Berlin/Köln 1994.

[33] Vgl. hierzu exemplarisch vor allem: Murray Edelman, Politik als Ritual. Die symbolische Funktion staatlicher Institutionen und politischen Handelns, Frankfurt a. M./New York 1976.

[34] Murray Edelman, Politik als Ritual. Die symbolische Funktion staatlicher Institutionen und politischen Handelns, Frankfurt a. M./New York 1976, S. 27.

[35] Vgl. Frank Nullmeier, Symbol und Demokratie, Souveränität und Verfassung, in: Hubertus Buchstein/Rainer Schmalz-Bruns (Hrsg.), Politik der Integration. Symbole, Repräsentation, Institution. Festschrift für Gerhard Göhler zum 65. Geburtstag, S. 261-279, S. 261.

[36] Vgl. ebd.

[37] Ulrich Sarcinelli, Symbolische Politik. Zur Bedeutung symbolischen Handelns in der Wahlkampfkommunikation der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1987.

[38] Vgl. Frank Nullmeier, Symbol und Demokratie, Souveränität und Verfassung, in: Hubertus Buchstein/Rainer Schmalz-Bruns (Hrsg.), Politik der Integration. Symbole, Repräsentation, Institution. Festschrift für Gerhard Göhler zum 65. Geburtstag, S. 261-279, S. 261.

[39] Ebd.

[40] Vgl. Frank Nullmeier, Symbol und Demokratie, Souveränität und Verfassung, in: Hubertus Buchstein/Rainer Schmalz-Bruns (Hrsg.), Politik der Integration. Symbole, Repräsentation, Institution. Festschrift für Gerhard Göhler zum 65. Geburtstag, S. 261-279, S. 261.

[41] Vgl. unter anderem: Andreas Dörner, Wahlkämpfe – eine rituelle Inszenierung des „demokratischen Mythos“, in: ders./Ludgera Vogt (Hrsg.), Wahl-Kämpfe. Betrachtungen über ein demokratisches Ritual, Frankfurt a. M. 2002, S. 16-42; Andreas Dörner, Politischer Mythos und symbolische Politik. Sinnstiftung durch symbolische Formen am Beispiel des Hermannsmythos, Opladen 1995; Karl-Siegbert Rehberg, Ansätze zu einer perspektivischen Soziologie der Institutionen, Aachen 1973; Hans Vorländer, Integration durch Verfassung? Die symbolische Bedeutung der Verfassung im politischen Integrationsprozeß, in: ders. (Hrsg.), Integration durch Verfassung, Wiesbaden 2002, S. 9-40.

[42] Gerhard Göhler, Symbolische Politik – Symbolische Praxis. Zum Symbolverständnis in der deutschen Politikwissenschaft, in: Barbara Stollberg-Rilinger (Hrsg.), Was heißt Kulturgeschichte des Politischen?, Berlin 2005, S. 57-69, S. 57.

[43] Ebd., S. 58.

[44] Frank Nullmeier, Symbol und Demokratie, Souveränität und Verfassung, in: Hubertus Buchstein/Rainer Schmalz-Bruns (Hrsg.), Politik der Integration. Symbole, Repräsentation, Institution. Festschrift für Gerhard Göhler zum 65. Geburtstag, S. 261-279, S. 262.

[45] Vgl. Gerhard Göhler, Symbolische Politik – Symbolische Praxis. Zum Symbolverständnis in der deutschen Politikwissenschaft, in: Barbara Stollberg-Rilinger (Hrsg.), Was heißt Kulturgeschichte des Politischen?, Berlin 2005, S. 57-69, S. 67; Jürgen Habermas hat diese beiden Formen der Integration als System- und Sozialintegration bezeichnet; Jürgen Habermas, Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus, Frankfurt a. M. 1973, S. 14-16.

[46] Frank Nullmeier, Symbol und Demokratie, Souveränität und Verfassung, in: Hubertus Buchstein/Rainer Schmalz-Bruns (Hrsg.), Politik der Integration. Symbole, Repräsentation, Institution. Festschrift für Gerhard Göhler zum 65. Geburtstag, S. 261-279, S. 262.

[47] Andreas Dörner, Wahlkämpfe – eine rituelle Inszenierung des „demokratischen Mythos“, in: ders./Ludgera Vogt (Hrsg.), Wahl-Kämpfe. Betrachtungen über ein demokratisches Ritual, Frankfurt a. M. 2002, S. 16-42, S. 28.

[48] Frank Nullmeier, Symbol und Demokratie, Souveränität und Verfassung, in: Hubertus Buchstein/Rainer Schmalz-Bruns (Hrsg.), Politik der Integration. Symbole, Repräsentation, Institution. Festschrift für Gerhard Göhler zum 65. Geburtstag, S. 261-279, S. 262.

[49] Vgl. Gerhard Göhler, Symbolische Politik – Symbolische Praxis. Zum Symbolverständnis in der deutschen Politikwissenschaft, in: Barbara Stollberg-Rilinger (Hrsg.), Was heißt Kulturgeschichte des Politischen?, Berlin 2005, S. 57-69, S. 68; zur großen Vielfalt der Symbolverständnisse vgl. Max Schlesinger, Die Geschichte des Symbols, Berlin 1912; der Autor hat mehrere hundert Bedeutungen und Definitionen zusammengetragen; zu einer vergleichsweise strafferen Aufarbeitung der Begriffsgeschichte des Symbols vgl. Horst Jürgen Helle, Soziologie und Symbol, Berlin 1980.

[50] Vgl. Ulrich Sarcinelli, Symbolische Politik. Zur Bedeutung symbolischen Handelns in der Wahlkampfkommunikation der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1987, S. 55.

[51] Ulrich Sarcinelli, Symbolische Politik. Zur Bedeutung symbolischen Handelns in der Wahlkampfkommunikation der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1987, S. 56.

[52] Arnold Rabbow, dtv-Lexikon politischer Symbole, München 1970, S. 5.

[53] „Diese Dinge, die für etwas anderes stehen, als sie selber sind, nennen wir Zeichen.“ Harry Pross, Politische Symbolik. Theorie und Praxis der öffentlichen Kommunikation, Stuttgart 1974, S. 13.

[54] Siehe Abbildung 1 auf Seite 89; vgl. Gerhard Göhler, Symbolische Politik – Symbolische Praxis. Zum Symbolverständnis in der deutschen Politikwissenschaft, in: Barbara Stollberg-Rilinger (Hrsg.), Was heißt Kulturgeschichte des Politischen?, Berlin 2005, S. 57-69, S. 66.

[55] Umberto Eco, Einführung in die Semiotik, München 1972, S. 102.

[56] Vgl. Gerhard Göhler, Der Zusammenhang von Institution, Macht und Repräsentation, in: ders. (Hrsg.), Institution – Macht – Repräsentation. Wofür politische Institutionen stehen und wie sie wirken, Baden-Baden 1997, S. 11-64, S. 31.

[57] Susanne K. Langer, Philosophie auf neuen Wegen. Das Symbol im Denken, im Ritus und in der Kunst, Frankfurt a. M. 1984, S. 65.

[58] Ebd., S. 79.

[59] Gerhard Göhler, Der Zusammenhang von Institution, Macht und Repräsentation, in: ders. (Hrsg.), Institution – Macht – Repräsentation. Wofür politische Institutionen stehen und wie sie wirken, Baden-Baden 1997, S. 11-64, S. 30 FN 21.

[60] Ebd., S. 30.

[61] Gerhard Göhler, Der Zusammenhang von Institution, Macht und Repräsentation, in: ders. (Hrsg.), Institution – Macht – Repräsentation. Wofür politische Institutionen stehen und wie sie wirken, Baden-Baden 1997, S. 11-64, S. 30.

[62] Gerhard Göhler, Symbolische Politik – Symbolische Praxis. Zum Symbolverständnis in der deutschen Politikwissenschaft, in: Barbara Stollberg-Rilinger (Hrsg.), Was heißt Kulturgeschichte des Politischen?, Berlin 2005, S. 57-69, S. 67.

[63] Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: ders. (Hrsg.), Illumination. Ausgewählte Schriften, Frankfurt a. M. 1961, S. 148-184, S. 173.

[64] Weil die Funktion eines Gegenstandes diesem kulturell durch einen Code zugeordnet wird, muss die Funktion vom jeweiligen Verwender des architektonischen Objekts erlernt sein, um verstanden und angewandt zu werden; Umberto Eco macht an verschiedenen Beispielen deutlich, dass ein und derselbe Gegenstand mit einem anderen Code belegt werden kann infolgedessen er dann auch eine andere Funktion denotiert; der Form entspricht also nicht zwingend eine bestimmte Funktion, vielmehr ist letztere von der kulturellen Zuordnung abhängig, denn „die Form bezeichnet die Funktion nur auf der Basis eines Systems von erworbenen Erwartungen und Gewohnheiten, also auf der Basis von Codes.“ Umberto Eco, Einführung in die Semiotik, München 1972, S. 309.

[65] Vgl. Umberto Eco, Einführung in die Semiotik, München 1972, S. 306-311.

[66] Ebd., S. 301.

[67] Vgl. Umberto Eco, Einführung in die Semiotik, München 1972, S. 307.

[68] Ebd., S. 300.

[69] Vgl. ebd., S. 306-311.

[70] Umberto Eco, Einführung in die Semiotik, München 1972, S. 307.

[71] Vgl. Stephanie Grüger, Der Reichstag als Symbol, Stuttgart 2003, S. 81.

[72] Max Schlesinger, Geschichte des Symbols. Ein Versuch, Berlin 1912, S. 384; vgl. hierzu auch Stephanie Grüger, Der Reichstag als Symbol, Stuttgart 2003, S. 80.

[73] Umberto Eco, Einführung in die Semiotik, München 1972, S. 306.

[74] Umberto Eco, Einführung in die Semiotik, München 1972, S. 307.

[75] Ebd., S. 311.

[76] Ebd.

[77] Ebd., S. 312.

[78] Ebd., S. 311.

[79] Ebd.

[80] Ebd., S. 315.

[81] Adolf Arndt, Demokratie als Bauherr, in: ders., Geist der Politik. Reden, Berlin 1965, S. 217-237, S. 217-218.

[82] Besonders deutlich wurde diese begriffliche Unsicherheit auch im ersten Reichstags-Kolloquium und dort insbesondere im Hinblick auf die Kuppel als demokratischem Symbol; so kommt die begriffliche Unsicherheit etwa in folgenden Fragen zum Ausdruck: „Was sind wirklich die Symbole der demokratischen Republik und des Parlamentarismus? Ist es das Gebäude? Ist es die Form des Gebäudes? Ist es mehr? Ist es etwas anderes?“; Peter Schieder, in: Kolloquium Reichstag Berlin 14./15. Februar 1992 (Stenographischer Bericht), S. 30; „Man kann nicht von einer demokratischen Architektur sprechen. Aber man kann überlegen, was wir ja hier tun, wie sich eine Demokratie in Architektur darstellen kann. Hier geht es aber nicht um ein allgemeines, sondern um ein ganz konkretes Problem. Es geht um das Problem, daß wir kein neues Gebäude haben wollen, sondern daß wir ein altes Gebäudes des 19. Jahrhunderts umnutzen wollen.“ Vittorio M. Lampugnani, in: Kolloquium Reichstag Berlin 14./15. Februar 1992 (Stenographischer Bericht), S. 51.

[83] So Vittorio M. Lampugnani im Titel seines Aufsatzes zum Bauen in der Demokratie; Vittorio M. Lampugnani, Die Diskussion um die Chimäre. Bauen in der Demokratie und »demokratisches Bauen«, in: ders., Architektur als Kultur. Die Ideen und die Formen. Aufsätze 1970-1985, Köln 1986, S. 258-266, S. 258.

[84] Vgl. hierzu insbesondere im Hinblick auf die Bauten des 19. Jahrhunderts: Nikolaus Pevsner, A History of Building Types, London 1976.

[85] Der erste Bau der Welt, der explizit zur Unterbringung eines voll demokratischen Parlaments geplant und gebaut wurde, ist das 1793 begonnene und erst 1867 fertig gestellte Kapitol in Washington D.C.; vgl. hierzu: United States Capitol Historical Society (Hrsg.), We, the People. The Story of the United States Capitol, Washington D.C. 1985; Henry R. Hitchcock, Temples of Democracy. The State Capitols of the USA, New York, 1976.

[86] Heinrich Wefing, Parlamentsarchitektur. Zur Selbstdarstellung der Demokratie in ihren Bauwerken. Eine Untersuchung am Beispiel des Bonner Bundeshauses, Berlin 1995, S. 77.

[87] Klaus von Beyme, Parlament, Demokratie und Öffentlichkeit. Die Visualisierung demokratischer Grundprinzipien im Parlamentsneubau, in: Ingeborg Flagge/Wolfgang Jean Stock (Hrsg.), Architektur und Demokratie. Bauen für die Politik von der amerikanischen Revolution bis zur Gegenwart, Stuttgart 1992, S. 32-45, S. 34.

[88] Adolf Arndt, Das zeitgerechte Parlamentsgebäude, in: ders., Geist der Politik. Reden, Berlin 1965, S. 238-255, S. 240.

[89] Vgl. Heinrich Wefing, Parlamentsarchitektur. Zur Selbstdarstellung der Demokratie in ihren Bauwerken. Eine Untersuchung am Beispiel des Bonner Bundeshauses, Berlin 1995, S. 81.

[90] Doch auch im Hinblick auf den Reichstags wird deutlich, dass die Prestigeträchtigkeit des Gebäudes, den Unmut, gar die Wut des kaiserlichen Herrschers Wilhelm II. heraufbeschwor, der das Bauwerk und die darin tagende Institution mit negativen Titulierungen wie „Schwatzbude“ zu diffamieren suchte und das Gebäude als „den Gipfel der Geschmacklosigkeit“ bezeichnete; zit. nach: Tilmann Buddensieg, das Reichstagsgebäude von Paul Wallot. Rätsel und Antworten seiner Formensprache, in: Heinrich Wefing (Hrsg.), Dem Deutschen Volke. Der Bundestag im Berliner Reichstagsgebäude, Bonn 1999, S. 30-45, S. 34.

[91] Der Reichstag tagte neben diversen anderen Örtlichkeiten vor allem im Preußischen Landtag.

[92] Jürgen Reiche, Das Berliner Reichstagsgebäude. Dokumentation und ikonographische Untersuchung einer politischen Architektur, Berlin 1987, S. 364.

[93] Tilmann Buddensieg, Berliner Labyrinth, Berlin 1993, S. 76.

[94] Zit. nach: Jürgen Reiche, Das Berliner Reichstagsgebäude. Dokumentation und ikonographische Untersuchung einer politischen Architektur, Berlin 1987, S. 2.

[95] Vgl. Heinrich Wefing, Parlamentsarchitektur. Zur Selbstdarstellung der Demokratie in ihren Bauwerken. Eine Untersuchung am Beispiel des Bonner Bundeshauses, Berlin 1995, S. 81.

[96] Vgl. Heinrich Wefing, Parlamentsarchitektur. Zur Selbstdarstellung der Demokratie in ihren Bauwerken. Eine Untersuchung am Beispiel des Bonner Bundeshauses, Berlin 1995, S. 81.

[97] Vgl. ebd.; vgl. dazu auch die Kritik des SPD-Bundestagsabgeordneten Adolf Arndt: Adolf Arndt, Demokratie als Bauherr, in: ders., Geist der Politik. Reden, Berlin 1965, S. 217-237, S. 227.

[98] Vgl. Heinrich Wefing, Parlamentsarchitektur. Zur Selbstdarstellung der Demokratie in ihren Bauwerken. Eine Untersuchung am Beispiel des Bonner Bundeshauses, Berlin 1995, S. 82.

[99] Tilmann Buddensieg, Berliner Labyrinth, Berlin 1993, S. 77.

[100] Zur Architektur neu gegründeter Hauptstädte vgl. insbesondere: Alexander Fils, Politische Idealstädte. Das Beispiel Brasilia und andere Neugründungen, in: Ingeborg Flagge/Wolfgang Jean Stock (Hrsg.), Architektur und Demokratie. Bauen für die Politik von der amerikanischen Revolution bis zur Gegenwart, Stuttgart 1992, S. 186-211; vgl. zu Brasilia: Alexander Fils, Brasilia – Moderne Architektur in Brasilien, Düsseldorf 1988; des Weiteren vgl. Francis D.K. Ching/Mark M. Jazombek/Vikramaditya Prakash, A Global History of Architecture, New Jersey 2007; vgl. zu Canberra: Haig Beck (Hrsg.), The Architecture of Australia´s Parliament, Sydney 1988; vgl. zu Chandigarh: Francis D.K Ching/Mark M. Jazombek/Vikramaditya Prakash, A Global History of Architecture, New Jersey 2007; wenn der Parlamentsbau in Bonn und die Landtage in Düsseldorf und Dresden auch formale Gemeinsamkeiten aufweisen, so dürfte der Grund hierfür wohl eher die zeitliche Nähe ihrer Entstehung gewesen sein, als die gezielte Schaffung einer einheitlichen Formensprache für die Parlamentsarchitektur; vgl. Heinrich Wefing, Parlamentsarchitektur. Zur Selbstdarstellung der Demokratie in ihren Bauwerken. Eine Untersuchung am Beispiel des Bonner Bundeshauses, Berlin 1995, S. 82.

[101] Vgl. Heinrich Wefing, Parlamentsarchitektur. Zur Selbstdarstellung der Demokratie in ihren Bauwerken. Eine Untersuchung am Beispiel des Bonner Bundeshauses, Berlin 1995, S. 81-83.

[102] Nach Martin Warnke ist der „genuine Gegenbau“ ein architektonisches Erzeugnis des 20. Jahrhunderts, dessen Voraussetzung „die weltanschauliche Aufladung“ des Stilbegriffs ist. Dadurch „wird jener gestalterische Überschuß, den die Baukünstler den Nutzbauten zuzugeben pflegten, politisch so instrumentalisiert, daß sie seinen Träger zum formideologischen Angriff auf ein ausgesuchtes Objekt ausrichtet.“ Martin Warnke, Bau und Gegenbau, in: Hermann Hipp/Ernst Seidl (Hrsg.), Architektur als politische Kultur. Philosophia Practica, Berlin 1996, S. 11-18, S. 18.

[103] Heinrich Wefing, Abschied vom Glashaus. Die architektonische Selbstdarstellung der Bundesrepublik im Wandel, in: ders. (Hrsg.), Dem Deutschen Volke. Der Bundestag im Berliner Reichstagsgebäude, Bonn 1999, S. 138-163, S. 144; vgl. hierzu auch: Martin Warnke, Bau und Gegenbau, in: Hermann Hipp/Ernst Seidel (Hrsg.), Architektur als politische Kultur. Philosophia Practica, Berlin 1996, S. 11-18, S. 11.

[104] Vgl. hierzu exemplarisch: Anna Teut, Architektur im Dritten Reich 1933-1945, Berlin 1967.

Details

Seiten
116
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638796330
ISBN (Buch)
9783656450771
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76722
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Symbolik Parlamentsarchitektur Bundesrepublik Deutschland

Autor

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Titel: Die Symbolik der Parlamentsarchitektur in der Bundesrepublik Deutschland