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Pink Floyds "The Wall" - eine Abrechnung mit der Popkultur?

Seminararbeit 2007 14 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Pink Floyd – die Band

3. The Wall – Der Film
3.1 Entstehung
3.2 Inhalt
3.3 Die Leiden des jungen Waters
3.4 Horrorszenario Popkultur

4. Fazit

5. Quellen

1. Einleitung

„Die Definition von Pop besteht in der Definition des Definitionsproblems: dass Popkultur begrifflich nicht eindeutig zu fassen ist, weil es sich nicht um ein eindeutiges Phänomen handelt; dass Pop also nicht definierbar ist, ist selbst schon Pop = Definition von Pop.“[1]

Definitionsversuche des Begriffs „Popkultur“ finden sich in der Literatur zahlreich und könnten in ihrem Kern zum Teil kaum unterschiedlicher sein. Das Zitat von Roger Behrens, das sich keiner speziellen Ausprägung der popkulturellen Theorie unterordnet, beschreibt in seiner Einfachheit nicht nur diese Entwicklung, sondern erfasst gleichzeitig die ganze Komplexität von Popkultur.

So vieldeutig der Begriff auch sein mag, so eindeutig ist – egal welcher popkulturellen „Schule“ folgend – die Rockoper The Wall Teil von Popkultur.

Die folgende Arbeit beschäftigt sich nicht nur mit The Wall als Bestandteil von Popkultur, sondern insbesondere mit der Darstellung von Popkultur innerhalb des Films - Popkultur als Horrorszenario, als Kriegsgebiet und als totalitäre Massenbewegung, basierend auf dem 1979 erschienenen Konzeptalbum The Wall von Pink Floyd.

Dahingehend widmet sich der erste Teil der vorliegenden Arbeit, zum Verständnis des drei Jahre nach dem Album erschienen Films, einem kurzen Abriss der Bandgeschichte von Pink Floyd. Hierbei soll insbesondere auf Roger Waters, den zwischenzeitlichen Frontmann von Pink Floyd, eingegangen werden, der nicht nur für das Album federführend zeichnet und massiv an der filmischen Umsetzung von The Wall beteiligt war, sondern dessen Biografie und Banderfahrungen auch unlösbar mit The Wall verflochten scheinen. Hierzu widmet sich das Kapitel 3.2 exemplarisch einigen Filmszenen, die für den persönlichen Einfluss von Waters prägnant sind. Hierbei soll auch die Frage aufgeworfen werden, inwiefern es sich bei The Wall und bei dem im Film gezeichneten Bild von Popkultur nicht nur um eine allgemeine Darstellung einer verzweifelten fiktiven Figur und eine Anprangerung von Popkultur handelt, sondern um die ganz persönliche Aufarbeitung der Tagebucheinträge eines Bandleaders und dessen subjektiver Erfahrungen.

Das darauf folgende Kapitel widmet sich abschließend der Darstellung von Phänomenen der Popkultur in The Wall, anhand einiger ausgewählter Szenen.

2. Pink Floyd – die Band

Die Wurzeln von Pink Floyd gehen auf die gemeinsame Schulzeit der Gründungsmitglieder Syd Barrett und Roger Waters, sowie dem späteren Gitarristen David Gilmour in Cambridge zurück. Trotz diverser kommerziell unerfolgreicher Vorläuferbands und Wechsel innerhalb der Bandbesetzung, lässt sich die Geburtsstunde von Pink Floyd mit dem Einstieg von Syd Barrett auf das Jahr 1966 datieren. Als Bandleader und prägendste Figur für die musikalische Ausrichtung der frühen Jahre Pink Floyds', komplettierte Barrett die Ursprungsbesetzung, bestehend aus Bob Klose (Gitarre), Roger Waters (Gesang/ Bass), Nick Mason (Schlagzeug) und Richard Wright (Piano), die sich kurze Zeit später mit dem Ausstieg von Bob Klose zum „Schrittmacher-Quartett des elektronischen Rock“[2] entwickeln sollte. Barrett, aus dessen Feder fast alle Stücke des Debutalbums The Piper At The Gates Of Dawn aus dem Jahr 1967 stammen, zeichnete nicht nur für die musikalische Einbettung „elektronischer Sinustöne und Sägezahnklänge“[3] innerhalb der frühen Werke der Band verantwortlich, die Pink Floyd in den Anfangsjahren zu einem Bestandteil der britischen Psychedelic-Rock-Bewegung werden lies, sondern gab der Band auch ihren Namen nach zwei seiner Lieblingsmusiker Pink Anderson und Floyd Council.

Aufgrund von massiven psychischen Problemen und Drogenabhängigkeit verließ Barrett 1968 die Band und wurde durch den Gitarristen David Gilmour ersetzt. Trotz dieser kurzen Phase fand die Auseinandersetzung mit dem Ausstieg und der Verfassung Barretts immer wieder Einzug in die folgenden Werke von Pink Floyd, unter anderem auch in The Wall.

In den Folgejahren entwickelte sich bereits erstes Interesse von Filmregisseuren an der Musik von Pink Floyd. Bei diesen ersten Schritten auf dem Weg zu einer Symbiose aus musikalischen Arbeiten der Band und Film, deren Höhepunkt die filmische Umsetzung von The Wall markiert, beschränkte sich die Mitwirkung der Bandmitglieder an den filmischen Projekten[4] noch auf die rein musikalische Untermalung, ohne Ambitionen auf weitreichenderen Einfluss auf die Gestaltung der Gemeinschaftsprojekte zu entwickeln.

Mit der Veröffentlichung des ersten Konzeptalbums Dark Side of The Moon erlangten Pink Floyd weltweiten kommerziellen Erfolg. Neben diesem Aspekt fungierte Dark Side Of The Moon, zusammen mit dem 3 Jahre später erschienenen Konzeptalbum Animals, als eine Art Vorläufer und Wegbereiter für The Wall und ist gleichzeitig symptomatisch für die Entwicklung von Roger Waters innerhalb der Band. Rogers lieferte die Idee zu Dark Side of the Moon und entwickelte sich immer mehr zum Bandleader, zum fast alleinigen Songlieferant und der prägendsten Figur innerhalb der Band bis zu seinem Ausstieg 1985[5].

Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellt das dritte Konzeptalbum The Wall aus dem Jahr 1979 dar, das bis auf zwei Stücke (Run like Hell und Comfortably Numb) alleinig aus der Feder von Waters stammt und starke autobiografische Züge trägt.

Bei den Studioaufnahmen zu The Wall zeigten sich bereits erste Differenzen innerhalb der Band, was zum Ausstieg von Richard Wright führte. Wright blieb der Band allerdings noch für die vier The Wall -Konzerte[6] in Los Angeles, New York, London und Dortmund als eine Art Gastmusiker erhalten. Hierbei soll kurz erwähnt werden, dass Wright seit 1987 wieder Mitglied von Pink Floyd ist. Die Entwicklung der Band[7] nach dem Ausstieg von Roger Waters 1985 wird im Folgenden weitgehend vernachlässigt, da Sie für das Verständnis des Filmes nicht relevant ist. Die Bühnenshow zu The Wall ist insofern bemerkenswert, als dass hier bereits Animationen von Gerald Scarfe verwendet wurden, die einen erheblichen Anteil am Film The Wall ausmachen. Hierauf wird im Unterkapitel 3.2 zur Entstehung von The Wall genauer eingegangen.

Mit dem, im Nachhinein, ironisch bezeichnenden Titel The Final Cut, erschien 1983 das letzte Pink Floyd-Album vor Waters Ausstieg und muss mehr als eine Art Soloarbeit von Waters angesehen werden, als ein tatsächliches Gemeinschaftsprojekt der Band Pink Floyd. Die zusehende Spaltung zwischen Waters und den restlichen Bandmitgliedern lässt sich kaum besser ausdrücken als mit dem Zusatz aus dem Booklet zu The Final Cut: „written by Roger Waters, performed by Pink Floyd“, was sich in abgewandelter Form bereits bei The Wall mit „Words and Music by Roger Waters, performed by Pink Floyd“ findet, und die exponierte Stellung Waters’ einmal mehr deutlich macht.

Nach der Trennung von Waters, die sich vor allem auf Differenzen über die weitere Entwicklung der Band zwischen Waters und Gilmour, dem aktuellen Frontmann von Pink Floyd, zurückzuführen lässt, folgten noch diverse, auch kommerziell erfolgreiche Werke, auf die hier aber nicht weiter eingegangen werden soll.

An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass es sich hier um einen stark verkürzten Abriss der Bandgeschichte bis 1985 und eine, dem Forschungs-interesse folgende, Fokussierung auf die Personen Syd Barrett und Roger Waters handelt.[8]

[...]


[1] Behrens, Roger: Die Diktatur der Angepassten – Texte zur kritischen Theorie der Popkultur. Leipzig 2003. S.37

[2] Schmidt-Joos, Siegfries/ Graves, Barry: Rocklexikon. Hamburg 1975. S.273.

[3] Ebd. S.273.

[4] Bekanntestes Beispiel hier ist die Mitarbeit von Pink Floyd am Sountrack zu Antonioni’s Zarbriskie Point (1970)

[5] Vgl. Middeke, Martin: Individuum und Gesellschaft in modernen Songlyrics am Beispiel von Pink Floyd. In: Dahl, Erhard/ Dürkob, Carsten: Rock Lyrik. Essen 1989. S.49-51.

[6] Waters führte die Bühnenshow The Wall kurz nach dem Berliner Mauerfall 1990 noch einmal mit Gastmsuikern, u.a. Sinéad O´Connor, Bryan Adams, Van Morrison und die Scorpions auf dem Potsdamer Platz in Berlin auf.

[7] Die aktuelle Bestzung von Pink Floyd besteht seit 1987 aus David Gilmore (Gesang/ Gitarre), Nick Mason (Schlagzeug) und Richard Wright (Gesang/ Gitarre).

[8] Für eine ausführlichere Auseinandersetzung mit der Bandgeschichte Pink Floyds’ siehe Schaffner, Nicholas: Pink Floyd: vom underground zur Rock-Ikone. Höfen 2004.

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638805407
ISBN (Buch)
9783638820516
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76663
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Filmwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Pink Floyds Wall Abrechnung Popkultur Hauptseminar Kino

Autor

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