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Aggression und aggressives Verhalten in der Schule

Hausarbeit 2006 18 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Theorieansätze
2.1 Verhaltensbiologische Betrachtungen
2.1.1 Ethologische Erkenntnisse nach Lorenz
2.1.2 Physiologische Forschungsergebnisse
2.2 Lerntheoretische Deutungsweisen
2.2.1 Die Frustrations- Aggressions- Hypothese
2.2.2 Bekräftigungshypothese
2.2.3 Imitationslernen von Bandura
2.3 Triebdynamisches Aggressionsverständnis
2.4 Zusammenfassung und Bewertung der Aggressionstheorien

3 Betrachtungen zur Gewalt an Schulen
3.1 Allgemeine aggressive Verhaltenweisen
3.2 Aggressionen auf den Pausenhof
3.2.1 Ursachen für die Aggressionen bei Schülern

4 Mögliche Maßnahmen für den Umgang mit aggressiven Schülern

5 Fazit

6 Literatur

1 Einleitung

Die Medien berichten immer zunehmender über Gewalt an den Schulen, auch wissenschaftliche Berichte zeigen auf, dass Gewalttaten zwischen Schülern und dem Lehrkörper in der letzten Zeit zugenommen haben.

Die Schule ist neben der Familie eine der wichtigsten Sozialisationsinstanzen, die Kinder in ihrem Leben durchlaufen. Daher sollten sie ein Umfeld in ihrer schulischen Laufbahn vorfinden, in dem sie sich frei und ohne Zwänge entwickeln können. Da dies auch als eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber „ihren“ Kindern verstanden werden kann, müssen die Verantwortlichen für die Ausbildung, unter Einbeziehung der Erziehungsberechtigten, hier im pädagogischen Feld tätig werden.

Für eine Annäherung an das Thema „Gewalt in der Schule“ wird in dieser Arbeit sich einer psychologischen Sichtweise bedient, um im weiteren Verlauf Richtlinien zu erarbeiten, die als Hilfestellung für den Umgang von gewalttätigen Schülern verstanden werden können.

In der Literatur besteht kein Zweifel, dass sich Gewalttaten auf Aggressionen und Aggressionspotentiale zurückführen lassen.

In dieser Arbeit wird davon ausgegangen, dass natürliche Aggressionen und Aggressionspotentiale in jedem Menschen vorhanden sind, welche Schutzfunktionen für das Überleben erfüllen. Diese Sichtweise lässt sich darin begründen, dass Tiere von Geburt an über ein gewisses Aggressionspotential verfügen, um Nahrungsquellen und die Fortpflanzung zu sichern. Die Annahme über ein natürliches Aggressionspotential beim Menschen ist insofern zu erklären, da sich der Mensch in seiner Evolution auch aus einem Tier entwickelte. Dieses dient zwar nicht als plausible Erklärung für die Gewalt an Schule und in der Gesellschaft, erklärt aber warum sie existiert. Für eine genauere Untersuchung werden die wichtigsten Theorien der Aggressionsforschung untersucht.

Im weiteren Verlauf werden zudem Formen von Aggressionen im Allgemeinen und im Speziellen in Bezug zur Schule dargestellt. Hierzu wird ein Forschungsbericht über aggressives Verhalten und Gewalt an Schulen Sachsen-Anhalts herangezogen. Den Abschluss bildet, wie oben erwähnt, eine Übersicht von Möglichkeiten, wie Lehrer und Eltern mit aggressiven Verhalten in der Schule umgehen können. Ein weiteres Anliegen ist es aggressives Verhalten nicht zu verdammen, sondern die Hintergründe und Motivationen der Täter zu verstehen.

2 Theorieansätze

Für die weitere Argumentation werden einige Ansätze zur Aggressionsforschung untersucht. Der Grund hierfür liegt in der Klärung, dass sich die natürlichen Aggressionspotentiale in der Sozialisation auf andere Reize überträgt und in Situationen ausgelöst werden, die nicht unbedingt auf den ersten Blick für das Überleben bzw. auf die Fortpflanzungs- und Nahrungssicherung bezogen werden können.

Hierfür werden Verhaltensbiologische Betrachtungen, lerntheoretische Deutungsweisen und Triebdynamisches Aggressionsverständnis untersucht.

2.1 Verhaltensbiologische Betrachtungen

2.1.1 Ethologische Erkenntnisse nach Lorenz

Lorenz geht bei seiner Theorie über die Aggression von einem arterhaltenden Instinkt aus. Er diente der Überlebens- und Fortpflanzungssicherung und der Nahrungs- und Revierverteidigung.[1] Lorenz erkannte, dass die Aggression ein wichtiger Überlebenstrieb in der Tierwelt ist. Dieses gilt nicht nur für Tiere, die sich als Alleingänger in der Natur behaupten müssen, sondern auch für Herden bzw. Rudel und Schwarmtiere. Die Anwendung des Aggressionspotentials lässt sich nach Lorenz in zwei Bereiche unterteilen, in der innerartlichen und der zwischenartlichen Aggression. Die innerartliche Aggression bezieht sich auf die Festlegung von Sozialordnungen, um das Überleben des tierischen Gemeinschaftswesens zu sichern, wobei sich die zwischenartliche Aggression auf das Ernährungs- und Versorgungsproblem beziehen und der Durchsetzung gegenüber Nahrungskonkurrenz[2].

Lorenz fiel bei seinen Betrachtungen auf, dass die Aggressionen sich nicht nur bei festgelegten Erregungsauslösern äußern, sondern ebenso bei Nichtreizungen aufladen, bis die Aggression bei einer bestimmten Höhe in periodischen Entladungen nach außen drängt. So wirken z.B. Unterwerfungsgesten zur Ableitung zerstörerischer Impulse.[3]

Für den Humanbereich stellte Lorenz fest, dass eine

Vielzahl phylogenetisch festgelegter und ererbter Verhaltenselemente zur Eindämmung zwischenmenschlicher Aggressivität vor[liegen], die eine Ableitung der Aggressionspotentiale auf Ersatzobjekte oder in Ersatzhandlungen ermöglichen.[4]

2.1.2 Physiologische Forschungsergebnisse

Eine weitere Erklärung für Aggressionen ist der Wechselwirkung zwischen dem Körper und der ihn umgebenden natürlichen Umwelt. Hierbei entsteht eine verstärkte Aggressionsbereitschaft, die nach Forschungsergebnissen, bei witterungsbedingten und biologischen Belastungen, wie z.B. beim prämenstruellen Syndrom auftreten kann.[5] Eine Auslösung der Aggression geschieht durch unterschwellige Hinweisreize, die antizipatorisch aktivieren und bei unscheinbaren Anlässen in Erscheinung treten.[6]

So konnten verschiedene aggressionsauslösende und –steigernde Stressoren identifiziert werden:

- Lärm- und Reizüberflutung,
- Raumenge,
- Hektik,
- zwischenmenschliche Rivalitäten,
- Alkoholkonsum, stoffwechselverändernde Drogen,
- und Monotonie, wenn aggressive geladene Erinnerungen und Phantasien

überhand nehmen.[7]

In der physiologischen Erforschung der Aggression fand auch die Angst eine besondere Beachtung, da sie untersichtliche Aggressionsentladungen zur Folge haben kann. So wird zum einen die Motorik zur Flucht mobilisiert oder zum anderen die aggressive Wiederherstellung des gewünschten Zustandes durch die Entladung angestrebt. Des Weiteren bleibt das Angst- Fluchtsystem und Angst- Aggressionsproblem zu beachten, welche Wahrnehmungs- und Deutungsleistungen voraussetzen. Diese können aber nur durch die individuelle Entwicklungsgeschichte jedes einzelnen Menschen verstanden werden.[8]

Beim Versuch der Vermeidung von Angst und Aggression wird es für möglich gehalten, durch eine Umleitung auf Ersatzhandlung oder Ersatzobjekte bzw. durch räumliche, zeitliche und soziale Distanz, die Angst und Aggression abzubauen. Hierbei ist zu beachten, dass die Zeitdimension einen bedeutenden Einfluss auf das menschliche Aggressionsverhalten hat.[9]

Dabei bleibt zu beachten, dass vorhandenen Ängste und die Aggressionen zu einer Bewusstseinsänderung bei Menschen führen, die durch die individuell gefestigten Wahrnehmungs- und Deutungsschemata bestimmt werden.

Die oft zu beobachtende Tatsache, dass Menschen ihre je eigenen Deutungen und Projektionen als Realität einschätzen und damit wie mit Realitäten umgehen, findet hier durch eine Erklärung.[10]

2.2 Lerntheoretische Deutungsweisen

2.2.1 Die Frustrations- Aggressions- Hypothese

Dollard und Miller gehen davon aus, dass Aggression in Folge von Frustration im Sinne von behinderter Zeilerreichung entsteht. Hierzu legen sie vier Frustrationsmöglichkeiten fest: Hindernisfrustrationen, Misserfolg, Mangelzustände und schädigende Reize.[11]

So setzen Menschen Aggressionen als Zweckmittel ein, um mit einem höheren Energieaufwand ein angestrebten Ziel zu erreichen. Aber es kann auch zu Aggressionsverschiebungen kommen, wobei „Schwächere“ als Adressaten der Aggressionsentladungen werden oder es folgen Ersatzhandlungen, die sich nicht physisch sondern verbal äußern. Das Ausmaß der aggressiven Reaktion wird durch belastende Vorerfahrungen, Dauer und Intensität einer Frustration, die Weite individueller Frustrationstoleranz sowie Vermeidungs- und Ausgleichsmöglichkeiten bestimmt.[12] Zu den Aggressionsäußerungen meinen Dollard und Miller, dass diese sich in ungerichteten gesteigerten Aktivitäten, in Regressionen auf bereits überwundene Entwicklungsniveaus, in Form von Flucht, in Suchtverhalten oder in Resignation äußern.[13]

[...]


[1] Vgl. Merkens, Luise: Aggressivität im Kindes- und Jugendalter, S. 16.

[2] Vgl. ebenda S. 16.

[3] Vgl. ebenda S. 16ff.

[4] Merkens, Luise: Aggressivität im Kindes- und Jugendalter, S. 17.

[5] Vgl. ebenda S.17.

[6] Vgl. ebenda S.17.

[7] Vgl. ebenda S. 17.

[8] Vgl. ebenda S. 18.

[9] Vgl. Merkens, Luise: Aggressivität im Kindes- und Jugendalter, S. 18.

[10] Ebenda S. 18.

[11] Vgl. ebenda S.14.

[12] Vgl. ebenda S.14.

[13] Vgl. ebenda S.14.

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638811453
ISBN (Buch)
9783640127566
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76623
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Schlagworte
Aggression Verhalten Schule Besonderheiten Entwicklung Feld

Autor

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