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Virtuelle Unternehmen

Hausarbeit 2006 22 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Notwendigkeit organisatorischer Veränderung

2. Definition der Virtuellen Organisation

3. Merkmale Virtueller Organisation
3.1 Kooperatives Netzwerk rechtlich und wirtschaftlich selbständiger Unternehmen
3.2 Missionsorientierung
3.3 Einheitlicher Auftritt der beteiligten Unternehmen nach außen
3.4 Konzentration der Akteure auf ihre Kernkompetenzen
3.5 Existenz intensiver ein- und wechselseitiger Leistungsbeziehungen
3.6 Verzicht auf eine Institutionalisierung zentraler Managementfunktionen
3.7 Intensiver Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien
3.8 Fokussierung der Prozessorientierung

4. Das Vertrauensdilemma

5. Vorteile einer Virtuellen Organisation

6. Barrieren einer Virtuellen Organisation

7. Mögliche Verbreitung Virtueller Organisationen

8. Optimale Gestaltung einer Virtuellen Organisation

9. Zusammenfassung

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Potentielle Analyseebenen virtueller Organisationsformen

Abb. 2: Kernkompetenzansatz in der virtuellen Organisation

Abb. 3: Typen Virtueller Unternehmen

Abstract

In den letzten Jahren wurden Unternehmen mit einer Vielzahl von Veränderungen und Entwicklungen konfrontiert. Vor allem in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur ist das „Virtuelle Unternehmen“ eines der viel diskutierten flexiblen Organisationskonzepte. Noch ist das Bild einer Virtuellen Organisation äußerst diffus. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll zunächst deshalb das Konzept allgemein charakterisiert und inhaltlich spezifiziert werden. Aufbauend auf theoretischen und empirischen Arbeiten lenke ich weiterhin den Fokus auf die konzeptionelle Basis der virtuellen Organisation. Daran anknüpfend erläutert die Arbeit das Dilemma des initialen Vertrauens in virtualisierten Geschäftsbeziehungen. Es soll weiterhin auch ein Beitrag dazu geleistet werden, die Möglichkeiten und Grenzen der virtuellen Konzeption abzuschätzen, damit abschließend handhabbare Gestaltungsempfehlungen für das Management Virtueller Unternehmen bereitgestellt werden. Mit anderen Worten, versuche ich die derzeit aktuelle Idee einer Virtualisierung von Unternehmen zu betrachten und dadurch zu einem reflektierten Bild von der virtuellen Organisation zu gelangen.

1. Notwendigkeit organisatorischer Veränderung

Die Märkte und das Wettbewerbsumfeld haben sich in den letzten Jahren geändert. Die Verkürzung der Produkt(-entwicklungs)zyklen macht den Faktor Zeit zur kritischen Erfolgsgröße. Zugleich werden Informations- und Kommunikationssysteme bei generell sinkenden Anschaffungskosten immer leistungsfähiger und wirken als „driving forces“, die eine Auflösung traditioneller Organisationsstrukturen fördern. Eigene Fachkompetenzen und personelle Ressourcen reichen für ein länger andauerndes und komplexeres Projekt nicht aus.

Im Einzelnen bedeutet dies, dass mit der zunehmenden Globalisierung neue „internationale player“ auf ehemals angestammten & abgeschotteten Märkten auftreten und den Wettbewerb um die Gunst der Kunden verschärfen (Müller, 1997). Produkt und Dienstleistungsmärkte wandeln sich von Anbieter- zu Käufermärkten. Die Kunden haben sich emanzipiert und fragen nach spezifischen Problemlösungen mit hohen Produkt-, Liefer- und Qualitätsanforderungen. Die Abgrenzung von Wettbewerbern aufgrund von Produktivitäts- und fertigungstechnischen Vorteilen wird schwieriger. Als neuer Wettbewerbsvorteil profiliert sich die Nähe zum Markt - die Fähigkeit einer Organisation schnell und flexibel auf Kundenwünsche einzugehen. Das heißt, nicht die physischen Güter, sondern Zusatzleistungen werden zunehmend als Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb eingesetzt.

Durch die Schnelligkeit der Markt- und Kundenanforderungen wird der Zeitfaktor zur knappen Ressource. Der Begriff „economies of speed“ von Chandler (1977) verweist darauf, dass der als „economies of scale“ bezeichnete Effekt sinkender Stückkosten vielmehr aus einer erhöhten Durchsatzmenge und –geschwindigkeit resultiert, als aus einer Vergrößerung der Produktionsanlagen. Im Kontext der beschleunigten Innovationszyklen gelingt es nicht mehr rechtzeitig das erforderliche Know-how im Unternehmen aufzubauen.

Da eine Entscheidung, Planung und Kontrolle ohne zweckorientiertes Wissen nicht möglich ist, gilt die Information als entscheidender Wettbewerbsfaktor. Zunehmend heterogene und vielschichtige Informationen konkurrieren um die Gunst der Organisationen. Um Informationen zur rechten Zeit am rechten Ort zur Verfügung zu haben, werden leistungsfähige Informations- und Kommunikationssysteme benötigt. Sie helfen zeitliche und räumliche Distanzen zu überwinden.

Die oben beschriebenen Rahmenbedingungen stellen tagtäglich eine Organisation vor die Aufgabe flexibel, innovativ, kreativ und anders zu sein als die Anderen. Dieser Kerngedanke wird im Rahmen meiner Hausarbeit aufgegriffen, ausführlich analysiert um anschließend schlussfolgern zu können, ob eine Virtuelle Organisation als Konzept, allen Herausforderungen gleichzeitig gerecht werden kann.

An dieser Stelle soll noch anhand eines Entwicklungsmodells von Arnold (1995) verdeutlicht werden, dass eine Virtuelle Organisation keineswegs als eine plötzliche Modeerscheinung wahrzunehmen ist. Explorativ wirkt sie als das Produkt einer linearen Vier-Phasen-Entwicklung. In der ersten Phase integriert ein Unternehmen an einem Ort die an unterschiedlichen Orten platzierte, firmeninterne Funktionen. Ohne dass an einem Ort die gesamte Wertschöpfungskette existent ist, kann ein Kunde dadurch die Leistung einer Unternehmung an allen geographischen Orten beziehen. In der zweiten Stufe wird der Prozess der Leistungserstellung auf mehrere, rechtlich unabhängige Unternehmen verteilt, wobei jedes seine Kernkompetenzen einbringt. In der dritten Phase weiten die Unternehmen die Optimierung der Wertschöpfungskette auf die Kunden und Zulieferer aus. Viertens und letztens werden Unternehmen und Einzelpersonen je nach Bedarf durch einen „Information Broker“ zusammengeführt. Dieser übernimmt die Koordinationsaufgaben.

2. Definition der Virtuellen Organisation

Der Begriff „Virtual organization“ taucht erstmalig 1986 im angloamerikanischen Sprachraum auf und wird von Mowshowitz geprägt, der ihn in Analogie zur virtuellen Speicherverwaltung in der Informatik verwendete.[1]

Im Jahr 1992 erscheint das Buch „The Virtual Corporation“ von Davidow/Malone als Durchbruch für den Begriff. Sie verweisen vom virtuellen Produkt auf eine virtuelle Organisation und ziehen Parallelen zu bereits etablierten Managementsansätzen wie Kaizen, Lean Management. Sie machen aber keine definitorischen Aussagen oder Empfehlungen bzgl. der Gestaltung und Lenkung von Virtuellen Unternehmen. Sie beschränken sich im Großen und Ganzen nur auf die Einführung und Verbreitung des neuen Begriffs.

Im deutschsprachigen Raum hat unter anderem Scholz (1994) zur Verbreitung des Begriffes beigetragen. Er begründet das „virtuelle“ als physikalische Attribute, die üblicherweise mit dem zu virtualisierenden Objekt assoziiert sind, die aber beim virtualisierten Objekt nicht mehr vorhanden sind. Durch das Herausarbeiten wesentlicher Bezugspunkte der Virtuellen Organisation zur Systemtheorie, zur Telematik[2] und zum Kulturkonzept, werden Hinweise auf eine mögliche theoretische Fundierung gegeben.

Arnold et al. (1995) eröffnen einen neuen Zugang zu virtuellen Unternehmen mit einer stärkeren Orientierung an informations- und kommunikationstechnologische Aspekte. Sie entwickelten Arbeitsdefinition des virtuellen Unternehmens und gaben erste Hinweise auf konzeptionelle Grundlagen virtueller Unternehmen.

Aus den aktuellen Literaturquellen sind Virtuelle Organisationen auf drei verschiedenen Ebenen denkbar: Mikro-, Meso- und Makroebene.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Potentielle Analyseebenen virtueller Organisationsformen

Quelle: Müller (1997, S. 18)

Mit dem Fokus auf die Mikroebene (intraorganisational) und Mesoebene (interorganisational) lassen sich, wie im nächsten Kapitel beschrieben, einzelne Merkmale der Virtuellen Organisation vorfinden. Diese sind auf der Makroebene ebenfalls wahrscheinlich.

[...]


[1] Der virtuelle Speicher erscheint dem Benutzer eines Computers in vollem Umfang als Schnellspeicher vorhanden zu sein, tatsächlich aber werden die aktuell nicht benutzten Speicherbereiche mit sog. Paging-Algorithmen auf einem langsameren Sekundärspeicher ausgelagert. Quelle: http://www.thur.de/philo/som/somvu.htm (letzter Zugriff: 10.2.2007)

[2] relativ neue Wissenschaftsdisziplin, die sich mit der Hardware und Software der Telekommunikation beschäftigt

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638801218
ISBN (Buch)
9783638873192
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76519
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Virtuelle Unternehmen

Autor

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Titel: Virtuelle Unternehmen