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Niccoló Macchiavelli - Die Säkularisierung der Politik

Hausarbeit 2006 9 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund
2.1. Der Italienische Humanismus
2.2. Der Beginn der Säkularisierung in Europa

3. Die Rolle der Religion in den Schriften Niccoló Machiavellis
3.1. Kirchliche und religiöse Akteur
3.2. Funktionalisierung der Religion

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kaum ein anderer politischer Denker hat eine derart kontroverse Rezeption erfahren wie der Florentiner Niccoló Machiavelli. Während die einen ihn zum Vorreiter der modernen Demokratie erheben, wird er von anderen als Wegbereiter des Absolutismus und des Totalitarismus verteufelt.[1] Diese unterschiedlichen Standpunkte sind vornehmlich der Gegensätzlichkeit seiner beiden Hauptwerke - Il Principe und Discorsi - geschuldet. Il Principe lässt Machiavelli aufgrund der enthaltenen machtpolitischen Erwägungen, der Glorifizierung Cesare Borgias und der Legitimation von Gewalt gegenüber Untertanen und politischen Gegnern als einen Berater skrupelloser Machtpolitiker erscheinen. Discorsi hingegen, zeigt ihn als aufrechten Republikaner, der das Volk vor den Machenschaften der Fürsten warnt und Hinweise zur Verteidigung gibt.[2]

Trotz der gegensätzlichen Thematik und Zielsetzung ist beiden Schriften eins gemeinsam - die Rolle, die Machiavelli der christlichen Religion beimisst. Was in Il Principe nur anklingt, wird in Discorsi ausführlicher behandelt. Er entwickelt das Konzept einer Republik nach dem antiken Vorbild der Römischen Republik, in der die menschliche Vernunft (virtú) das höchste Gut ist. Sie löst die Religion als Herrschaftslegitimation ab und macht sie stattdessen zu einem politischen Instrument.[3] Dieser Aspekt seiner Theorie ist in der Forschung bisher nur relativ oberflächlich betrachtet worden, da die meisten Autoren in erster Linie Machiavellis Republikbegriff, seiner Theorie der Staatsraison oder die Kontoverse um die Rezeption des Fürsten thematisieren. Dabei sind Machiavellis Ansätze im Hinblick auf die noch bevorstehende Reformation und die spätere Entwicklungen im Zeitalter der Aufklärung besonders bemerkenswert.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern man in den Schriften Niccoló Machiavellis von einer Säkularisierung der Politik sprechen kann. Unter Säkularisierung versteht man die „Überführung kirchlicher Regentenfunktion in weltliche Hände und die Lösung von Deutungsmustern, Wertvorstellungen und Normen von ihren kirchlichen und theologischen Prägungen (Verweltlichung)“[4].

Um darzustellen inwieweit diese Definition zutrifft, wird zu Beginn der historische Kontext, d.h. das Denken des Humanismus und die Anfänge der Säkularisierung, näher betrachtet. Weiterhin wird die Rolle religiöser Akteure in der Politik und die Funktionalisierung der Religion in den Theorien Machiavellis untersucht. Abschließend wird die Thematik zusammengefasst, und es wird Bezug genommen auf die Kritik an Machiavellis Theorie.

2. Historischer Hintergrund

2.1. Der Italienische Humanismus

Im 15. Jahrhundert setzte im Zuge der Renaissance eine politische und kulturelle Wende ein. Die unumschränkte Herrschaft der Kirche wurde beendet, und es begann ein neues Zeitalter, geprägt von der Rückbesinnung auf antike Werte und Ideale. Die zentrale geistige Strömung dieser Zeit war der Humanismus, der sich von Italien aus in ganz Europa ausbreitete. Seine Blüte fand der Humanismus in dem von den Medici regierten Florenz, welches im Gegensatz zu den meisten anderen Kulturzentren jener Zeit, über keine starke scholastische Tradition verfügte. Das geistige Leben spielte sich vorrangig in lockeren Gesprächszirkeln ab. An den Gesprächen in einem derartigen Humanisten-Zirkel, dem um Cosimo Rucellai in den Orti Oricellari, nahm auch Niccoló Machiavelli teil.[5]

Der Humanismus ist geprägt von einer scharfen Ablehnung der christlich-scholastischen Vergangenheit, welche die Humanisten als Mittelalter bezeichneten und einer bedingungslosen Hinwendung zur römischen und griechischen Antike und ihrer Denker. Die Schriften von Platon und Aristoteles wurden neu, zum Teil zum ersten Mal übersetzt. Im Zentrum steht nicht mehr Gott, sondern das menschliche Individuum, sodass man von einem antropozentrischen Weltbild spricht. Als Ideal gilt weiterhin das leidenschaftliche Streben nach Erkenntnis und die Erforschung der Frage, nach dem was der Menschen ist betrachtet. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die Humanisten sich mit Platon und dem Platonismus verbunden fühlen und Aristoteles eher kritisch, wenn nicht sogar ablehnen gegenüberstanden.[6]

[...]


[1] Vgl. Schröder, Peter: Niccoló Machiavelli, Franfurt am Main, 2004, S. 76.

[2] Vgl. Münkler, Herfried: Niccoló Machiavelli, in: Maier, Hans/ Horst Denzer (Hrsg.): Klassiker des politischen Denkens Erster Band. Von Plato bis Hobbes, 2. Aufl., München 2004, S. 120.

[3] Vgl. Münkler, Herfried: Im Namen des Staates. Die Begründung der Staatsraison in der Frühen Neuzeit, Frankfurt am Main 1987, S. 110.

[4] Schmidt, Manfred G.: Säkularisierung, in: Wörterbuch zur Politik, 2.Aufl., Stuttgart 2004, S. 626.

[5] Vgl. Schröder, Peter: Niccoló Machiavelli, Frankfurt am Main 2004, S. 164.

[6] Vgl. Vollmann, Benedikt Konrad: Renaissance und Humanismus, in Kuester, Hildegard (Hrsg.): Das 16. Jahrhundert. Europäische Renaissance, Regensburg 1995, S. 23.

Details

Seiten
9
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638801188
ISBN (Buch)
9783638803434
Dateigröße
371 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76517
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,5
Schlagworte
Niccoló Macchiavelli Säkularisierung Politik

Autor

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Titel: Niccoló Macchiavelli - Die Säkularisierung der Politik