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Rationales Verhalten und spekulative Blasen

Seminararbeit 2007 21 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Erklärung menschlichen Verhaltens auf Kapitalmärkten
2.1 Das ökonomische Modell individuellen Verhaltens (homo oeconomicus)
2.1.1 Charakteristika
2.1.2 Grenzen des Modells
2.2 Erkenntnisse der Psychologie zum individuellen Verhalten
2.2.1 Behavioral Finance
2.2.2 Psychische Irrationalitäten (Anomalien)
2.2.3 Folgen psychischer Irrationalitäten

3 Das Phänomen der spekulativen Blasen
3.1 Charakteristika, Entstehung und Platzen spekulativer Blasen
3.2 Spekulationsblasen auf Emerging Markets

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Marktphasenmodell

Abb. 2: Abweichungen des beobachteten Preis vom Fundamentalwert

Abb. 3: Shanghai Stock Exchange A Share Index

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In den vergangenen 20 Jahren kam es auf dem Kapitalmarkt sowohl zu positiven als auch zu negativen Ereignissen. Eine zunehmende Nachfrage an der Börse, verstärkt durch eine bessere Informationstechnologie, bewirkte einerseits ein ansteigendes Wachstum der Aktienkurse, andererseits kam es vermehrt zu stärkeren Aktienkursschwankungen, spekulativen Blasen und Crashs. Zudem hinterließen Finanz- und Währungskrisen (z.B. Asien 1997/1998) ihre Spuren an den Börsen.

Eine Frage die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist, wie sich die Marktteilnehmer nun vor, während und nach solchen turbulenten Phasen verhalten. Um menschliches Verhalten erklären zu können, wird häufig das von der modernen Ökonomie entwickelte Verhaltensmodell, in dessen Zentrum der >homo oeconomicus< steht, herangezogen. Demnach verhalten sich die Akteure auf den Märkten streng rational, d.h. dass sie vernünftig und nicht affektiv handeln, um so ihre Ziele bestmöglich zu erreichen. Aber verhalten sich die Individuen wirklich rational und lassen sich damit die Kuriositäten an den Aktienmärkten erklären? Fungiert nur der >homo oeconomicus< an der Börse oder sind Anzeichen vorhanden, die darauf hindeuten, dass die Individuen vom Rationalverhalten abweichen.

Ausgehend von der dargestellten Problematik, ist das Anliegen der vorliegenden Arbeit, Verhaltensweisen zu verdeutlichen, die sich nicht rational begründen lassen und somit das ökonomische Verhaltensmodell in Frage stellen. Darüber hinaus wird untersucht, in welchem Zusammenhang diese >Irrationalitäten< bzw. >Anomalien< mit spekulativen Blasen stehen. Die Arbeit legt ihre Betrachtung überwiegend auf den Aktienmarkt. In Bezug auf Spekulationsblasen wird insbesondere auf Aktienmärkte der Emerging Markets eingegangen.

Im Anschluss an die Einführung erfolgt im zweiten Kapitel eine Erklärung menschlichen Verhaltens sowohl auf ökonomischer als auch psychologischer Ebene. Dabei wird kurz auf das ökonomische Modell des >homo oeconomicus<, welches die Psychologie außen vor lässt, sowie auf die Grenzen des Modells eingegangen (Abschnitt 2.1.). Um sich folglich den Kritiken des ökonomischen Modells anzunehmen, wird die Psychologie zusätzlich zur Erklärung des menschlichen Verhaltens herangezogen (Abschnitt 2.2.). Hierbei wird das Konzept des >Behavioral Finance< vorgestellt, welches für das weitere Verständnis hilfreich sein wird. Denn sie thematisiert Verhaltensweisen, welche vom ökonomischen Modell abzuweichen scheinen. Folglich werden verschiedene Anomalien vorgestellt, die sich insbesondere an den Finanzmärkten ergeben können. Es wird zudem der Frage nachgegangen, ob Kuriositäten, wie bspw. starke Aktienkursschwankungen oder spekulative Blasen, als Folgeerscheinung von irrationalem Verhalten auftreten können.

Das dritte Kapitel thematisiert speziell das Phänomen spekulativer Blasen, die in der Vergangenheit schon mehrmals auftraten. Neben der definitorischen Grundlage und der Benennung von Faktoren, die zur Aufblähung einer Spekulationsblase beitragen können, konzentriert sich der Abschnitt vor allem auf die Entstehung und das Platzen einer >bubble< (Abschnitt 3.1.). Dabei wird aufgezeigt, welche Verhaltensweisen die Individuen bei Existenz einer Spekulationsblase aufzeigen. Kennzeichnet sich die Blase mehr durch rationales oder irrationales Verhalten der Akteure aus? Anschließend werden Beispiele zu Spekulationsblasen in Emerging Markets aufgezeigt, die sich in der Vergangenheit ergaben (Abschnitt 3.2.). Darüber hinaus wird untersucht, ob es derzeit Hinweise für eine spekulative Blase an der chinesischen Börse gibt.

Abschließend erfolgt dann eine Zusammenfassung der vorliegenden Arbeit.

2 Erklärung menschlichen Verhaltens auf Kapitalmärkten

2.1 Das ökonomische Modell individuellen Verhaltens (homo oeconomicus)

2.1.1 Charakteristika

In der modernen Ökonomie wird rationales Verhalten, d.h. geplantes und zielstrebiges Verhalten, häufig über das ökonomische Verhaltensmodell definiert. Dabei steht der >homo oeconomicus< im Mittelpunkt des Modells, der in diesem Abschnitt kurz vorgestellt werden soll. Ausgangspunkt ist das einzelne Individuum als Einheit der Analyse und es existiert die Annahme, dass sich dieses Individuum in einer Situation der Knappheit befindet, indem es zwischen verschiedenen Alternativen entscheiden muss (vgl. Kirchgässner, 1991, S.12).

Das Modell des >homo oeconomicus<, besteht aus drei wesentlichen Elementen: „den Präferenzen, den Restriktionen und einem Entscheidungsprozess, in dem unter Koordination von Präferenzen und Restriktionen Handlungen gewählt werden“ (Eichenberger, 1992, S.7).

„Die Präferenzen enthalten Wertvorstellungen des Individuums (…). Entsprechend dieser Präferenzen bewertet das Individuum (…) Wahlmöglichkeiten, (…) und entscheidet sich schließlich für diejenige(n) Möglichkeit(en), die seinen Präferenzen am ehesten entspricht (entsprechen) bzw. von der er sich den höchsten Netto-Nutzen verspricht“ (Kirchgässner, 1991, S.13 f.). Dabei wird davon ausgegangen, dass die Präferenzen stabil (konsistent) sind (vgl. Kirchler, 1999, S.28).

Die Restriktionen wie z.B. das verfügbare Einkommen, die Güterpreise oder die Zeit, begrenzen in einer Entscheidungssituation den Handlungsspielraum des Individuums. Über die Präferenzen und Restriktionen werden also Anreize geschaffen, die das Verhalten des >homo oeconomicus< beeinflussen können (vgl. Frey/Benz, 2001, S. 8).

Der Entscheidungsprozess ist durch zwei grundlegende Besonderheiten gekennzeichnet. Zum einen handeln die Individuen eigennützig, d.h. dass sie den Nutzen von anderen Individuen nicht in ihre Entscheidung mit einbeziehen. Dieses kann als Eigennutzaxiom bezeichnet werden: „Das Individuum handelt (nur) entsprechend seinen eigenen Interessen (er ist ein Egoist). Missgunst, Neid und Altruismus sind damit ausgeschlossen“ (Kirchgässner, 1991, S.16). Zum anderen zeichnet sich die Entscheidung des >homo oeconomicus< durch ein hohes Maß an Rationalität aus, d.h. dass er im Allgemeinen fähig ist, entsprechend seinem eigenen Vorteil zu handeln (vgl. ebd., S.17). Aus dieser Rationalitätsannahme kann gefolgert werden, dass der >homo oeconomicus< über seine Handlungsalternativen vollständig informiert ist und das er die Folgen einzelner Alternativen abschätzen und bewerten kann. (vgl. Franz, 2004, S. 9). Im Zuge dieser Rationalitätsannahme muss weiterhin darauf hingewiesen werden, dass jegliche Art von Emotionen vom individuellen Entscheidungs-verhalten ausgeklammert werden (vgl. Frey/Benz, 2001, S.2).

2.1.2 Grenzen des Modells

Gemäß den soeben vorgestellten Annahmen, würde es z.B. an der Börse >nur< zu streng rationalen Transaktionen kommen. Jedoch ist das vorgestellte Konzept des >homo oeconomicus< häufig kritisiert und mit Hilfe empirischer Studien (siehe Abschnitt 2.2.2) widerlegt worden, sodass es folglich nur geringfügig zur Erklärung des Verhaltens von Individuen herangezogen werden kann. Nicht nur aus Reihen innerhalb der Ökonomie treten Einwände auf, sondern auch aus der Psychologie. Dabei werden vor allem die Annahmen, dass das Individuum immer vollständig informiert ist und eine schnelle rationale Entscheidung trifft, kritisiert (vgl. Kirchgässner, 1991, S. 28ff.). So seien die Individuen nicht in der Lage in einer realen, komplexen Welt einen vollständigen Überblick über alle Alternativen zu erlangen (die Informationsverarbeitungskapazität ist begrenzt). Darüber hinaus seien sie nicht fähig sich absolut „(…) rational, d.h. bezüglich ihrer Präferenzen konsistent zu verhalten“ (Kirchler, 1999, S. 20). Maas/Weibler (1990, S.96) betonen, dass der >homo oeconomicus< lediglich eine Illusion ist. Zudem maximiert er nicht immer seinen Nutzen, sondern gibt die Informationssuche auf, wenn er ein gewisses Niveau, welches seinen Anforderungen genügt, erreicht hat. Die Individuen zeichnen sich also vielmehr durch eine >beschränkte Rationalität< aus (vgl. Kiehling, 2000, S.29; vgl. Kirchgässner, 1991, S.31). Darüber hinaus können Emotionen und Neid das Verhalten und somit den Entscheidungsprozess beeinflussen. Das Individuum handelt also nicht immer aufgrund eigener Interessen, sondern ist manchmal auch geneigt, den Nutzen anderer Individuen in seine Entscheidung mit einzubeziehen (vgl. Frey/Benz, 2001, S.16). „The deviations from that model are widespread, systematic, and fundamental“ (De Bondt, 2003, S. 207). Folglich kann an der Börse systematisch abweichendes Verhalten (Anomalien) genauso häufig auftreten, wie tatsächlich rational geplante Käufe oder Verkäufe. In der ökonomischen Analyse werden Anomalien, d.h. irrationale Verhaltensweisen, jedoch ausgeschlossen. Wenn sie dennoch auftreten, gleichen sie sich laut Meinung der Ökonomen im Aggregationsprozess aus und müssen somit nicht erklärt werden (vgl. z.B. Frey/Stahlberg, 1990, S.103; Eichenberger, 1992, S.53; Frey/Benz, 2001, S.14).

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Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638817523
ISBN (Buch)
9783638818261
Dateigröße
767 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76417
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
Rationales Verhalten Blasen Effizienz Integration Bankensystemen Kapitalmärkten Emerging Markets

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