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"Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier ?“ Adolf Hitlers zweite Rede vor den Oberkommandierenden auf dem Obersalzberg am 22. August 1939

Eine wissenschaftliche Skizze

Essay 2007 6 Seiten

Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht

Leseprobe

„Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier ?“ - Adolf Hitlers zweite Rede (vor den Oberkommandierenden am 22. August 1939 auf dem Obersalzberg)

Richard Albrecht

I. In den letzten Monaten (2006) wurde mehrfach, in verschiedenen Zusammenhängen und von unterschiedlichen Rednern und Autoren, an einen (Schlüssel-) Satz der zweiten Rede des damaligen deutschen Reichskanzlers erinnert. Dr. Peter Balakian (*1951), in Hamilton (N.Y.) Lehrstuhlprofessor für Humanities und ein bekannter US-Autor, der für seinen Besteller The Burning Tigris: The Armenian Genocide and America's Response (2003) mit dem letztvergebenen Raphael-Lemkin-Preis (2005) ausgezeichnet wurde, erinnerte in seiner Dankesrede an den Hitler-Satz, den er als „Who today, after all, speaks of the annihilation of the Armenians ?“ wiedergab und so kommentierte:

“Hitler’s statement reminds us why scholarly memory is also a moral issue. As scholars of genocide have brought their own disciplines into this interdisciplinary one, they have affirmed the notion that scholarly work can have a role in the world in an active way; in a way that might affect moral values and even public policy—in order to detect early warning signals and implement prevention of the ultimate crime.”1

Der Hauptinitiator der im Juni 2005 einstimmig angenommenen Resolution des Deutschen Bundestags zum hier Armenozid genannten Völkermord oder Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs2, Dr. Christoph Bergner (*1948), brachte den Hitler-Satz in einer öffentlichen Gedenkrede im April 2006 in Stuttgart so in Erinnerung:

„Der berüchtigste Bezug auf den Völkermord an den Armeniern besteht in dem, was Adolf Hitler am 22. August 1939 auf dem Obersalzberg vor deutschen Offizieren geäußert haben soll, als er die Spitzen der deutschen Wehrmacht auf den Polenfeldzug einschwor. Sein Hinweis auf die bevorstehende Vernichtung des polnischen Volkes, um in Polen ´Lebensraum´ zu gewinnen, stieß bei der Wehrmacht auf Skrupel und Zurückhaltung. Gegen diese Bedenken soll Hitler gesagt haben: ´ Wer spricht heute noch von der Vernichtung der Armenier ? ´“3

Und in einer kürzlich von der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung verbreiteten Buchveröffentlichung des Deutschen Historischen Instituts Warschau zu Verbrechen der Wehrmacht in Polen 1939 heißt es speziell zur Hitler-Rede am 22. August 1939, freilich ohne den Schlüsselsatz zu zitieren, ihn aber doch zugleich kontextual zu validieren:

„Sollten moralische Bedenken hinsichtlich Hitlers aggressiver Expansionspolitik gegenüber Polen im Sommer 1939 bei einzelnen Militärs bestanden haben, so führten sie jedenfalls nicht zu einer Verweigerungshaltung oder gar zu einem klaren Gegenkurs seitens der Wehrmachtsführung. In seiner Sommerresidenz auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden machte Hitler am 22. August 1939 den versammelten Oberbefehlshabern und Armeeführern klar, was er im Rahmen des bevorstehenden Angriffs von ihnen erwartete: ´Herz verschließen gegen Mitleid. Brutales Vorgehen. 80 Millionen [deutsche] Menschen müssen ihr Recht bekommen. Ihre Existenz muss gesichert werden. Der Stärkere hat das Recht. Größte Härte´ [...] Über Hitlers Pläne für einen Angriffskriegs war die Wehrmachtsführung lange vor dem deutschen Einmarsch in Polen im Bilde. Die damit implizierte Verletzung des Völkerrechts nahm man in ihren Reihen angesichts der zu erwartendenden territorialen Wieder- und Zugewinne billigend in Kauf.“4

II. In allen drei zitierten Texten gibt es sowohl eine zentrale gemeinsame Auffälligkeit als auch jeweils bestimmte Besonderheiten: Balakian zitiert, als US-faction-Autor scheinbar unbekümmert, eine in dieser Form auch in der US-amerikanischen Wissenschaft, Literatur und Publizistik kaum verbreitete Satzformel, die ich selbst zuletzt - dem vulgär- triumphalischen Charakter dieser Hitler-Rede entsprechend, bewußt plastisch als „ Who the fuck is, after all, today speaking about the destruction of the Armenians ?5 übersetzt habe. Bergner erkennt wohl die politikhistorische Bedeutung des von ihm zitierten und seiner christlicher Versöhnungsabsicht antagonistisch entgegenstehenden Hitler-Satzes, betont aber ausdrücklich (und gleich zweimal), daß Hitler diesen Schlüsselsatz vorgetragen haben soll, um Skrupel, Zurückhaltung und Bedenken der damaligen Wehrmachtsführer zu zerstreuen - was, wie ich meine, beim Berufspolitiker Bergner, der weder „gelernter“ Geisteswissenschaftler noch Historiker, sondern Agraringenieur und Technikwissenschaftler ist, zur (durchaus nachsehbaren) doppelten Fehleinschätzung führt, daß nämlich die damalige Wehrmachtsführung durch den zitierten Hitlersatz beeinflußt werden sollte, während Hitler diesen Satz jedoch eher psychologisch-triumphalisch in (s)einer zweiten Rede am 22. August 1939 vortrug, nachdem während seiner ersten die für möglich gehaltenen wehrmachtlichen Skrupel und moralischen Bedenken gegen sein „brutales Vorgehen“ unterblieben. Zeitgeschichtler Böhler schließlich, der Hitlers „zweite Ansprache des Führers“ nach den offiziellen „Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik“ referiert, zitiert, im Wissen des professionellen Historikers um eine nach wie vor umstrittene Quelle, den Schlüsselsatz erst gar nicht, kennzeichnet gleichwohl aber „Hitlers Pläne für einen Angriffskrieg“ durchaus angemessen.

Das aber nun meint: Bei allen Unterschiedlichkeiten haben alle drei Hinweise auf Hitlers Rede vor den Oberkommandierenden vor dem Angriff auf Polen eine zentrale Gemeinsamkeit: das Wissen um die Unsicherheit, was Hitler am 22. August 1939 wirklich sagte ...

III. In (m)einem Hinweis zum geplanten und nächstens gedruckt vorliegenden dritten

Band von „ Genozidpolitik im 20. Jahrhundert “ (Aachen: Shaker, 2007 [=Allgemeine Rechtswissenschaft]) vom 15. November 2006 wurde „die erste wissenschaftliche Verifikation der berüchtigten Hitler-Rede vor den Oberkommandierenden am 22. August 1939 und damit auch des Schlüsselsatzes ´ Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier ? ´ “ angekündigt und, im Zusammenhang mit dem Internationalen Militärtribunal 1945/46 in Nürnberg, weiter ausgeführt:

„Indirekt spielt der Armenozid im Zusammenhang mit Hitlers Rede/n vor den Oberkommandierenden auf dem Obersalzberg am 22. August 1939 zur Rechtfertigung des Angriffs(krieges) auf den polnischen Staat, der dann schließlich am 1. September 1939 begonnenen wurde, eine wichtige Rolle. Diese tatsächlich aus zwei Teilen bestehende „Ansprache des Führers“ ist in den Nürnberger Prozeßdokumenten L-3, PS-789 und PS-1014 dokumentiert und als eine seiner auf den Angriffskrieg bezogenen „Schlüsselbesprechungen“ gewertet worden (in den IMT-Dokumentenbänden finden sich 65 Fundstellen mit Verweis aufs Datum dieser „Dschingis-Khan-Rede“ Hitlers am 22. August 1939). Und auch wenn die Aufgabe des Gerichtshofs nicht die Ahndung des faschistischen „Judenmords“ als „Verbrechen gegen die Menschheit, verübt am jüdischen Volk“ (Hannah Arendt) war, sondern die nationalsozialistischen (Haupt-) Kriegsverbrecher wegen „Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit“ anzuklagen [...] - so kann doch davon ausgegangen werden, daß, ebenso wie Hitler selbst, der US-Anklägerstab um Robert H. Jackson über ausreichendes geschichtliches Wissen zum „Armeniermord“ während des Ersten Weltkriegs verfügte, um sich im Zusammenhang mit dem Bekanntwerden von Einzelheiten des Völkermord an europäischen Juden während des Zweiten Weltkriegs an den „Armeniermord“ während des Ersten Weltkriegs „hinten in der Türkei“ erinnern zu können.“6

IV. Da das Buch, dessen erste Recherchen 1987, also vor zwanzig Jahren, begonnen wurden, nach der (NRW-) Sommerpause gedruckt vorliegen soll, wäre es autorisch zu trivial, was dort auch unter fachdidaktischen Aspekten dokumentiert und nachlesbar ist, hier nachzuerzählen ... auch wenn dies eine weitere Facette zum Komplex „Historiker als Detektiv“7 einschließlich einer Weyrauch-analogen Zufälligkeit beim Ersterschließen von Quellen8 beibringen könnte. Spannend(er) dagegen könnten, auch unter Einvernahme noch unpublizierter zusätzlicher Materialien9, vier zusätzliche Aspekte sein, die sich, jeweils in doppelter Form, auf jeweils zwei rezeptionsrelevante Diskursfelder beziehen: auf (1) historische und (2) aktuelle: Einmal könnte angeschlossen werden an zwei zur Hitler-Rede- Verifikation selbst sicherlich nicht zentrale, aber gleichwohl doch zeithistorisch und geschichtswissenschaftlich bedeutsame und weiterführende Untersuchungsbefunde, nämlich, (1.1.) warum zum Komplex „ Angriffskrieg “ im Nürnberger IMT-Verfahren das erstmals am 22. 11. 1945 erwähnte L-3-Dokument [= US-exhibit 28] wohl damals schon (teil)verifiziert war10, der US-Journalist Louis P. Lochner (1887-1975), der´s unter so abenteuerlichen wie gefährlichen Umständen im August 1939 aus Deutschland herausbekam und´s in den USA als erster 1942 publizierte11, aber gleichwohl nicht als prozessualer (Zeit- ) Zeuge fungierte; und weiter, (1.2.) warum der ursprüngliche Termin der Militäraggression gegenüber Polen nicht, wie von Hitler geplant, am 26. August 1939 in Angriff genommen und verwirklicht, sondern der kriegerische Angriff aufs inzwischen ´historische´ Datum 1. September 1939 verschoben wurde ... aber wie auch immer:

Zweitens sind (2.1.) endlich in systematisch-kritischer Absicht auch die Gründe anzusprechen, die dazu führten, daß einerseits vier Jahrzehnte lang als ´gesichertes historisches Wissen´ ein damals scheinbar richtungsweisender Aufsatz12 gilt - und daß andererseits das geschichtswissenschaftliche Wissen nun in der Tat durch einen „outsider“ (Norbert Elias), der seit Jahrzehnten vorwiegend in Bereichen gegenwartsdiagnostischer Politiksoziologie und kritisch-investigativen Kultur-, Wissenschafts- und Qualitätsjournalismus´ engagiert war/ist und der, weil er keinerlei öffentliche Mittel zur ´Beforschung´ von Hitlers Dschingis-Khan-Rede erhielt, zwei Jahrzehnte lang bis zum Abschluß seiner Studien in Form der Verifikation eines - und nur eines - der verschiedenen vorliegenden Rede(text)varianten benötigte ... wobei dieses Problem in der Tat nicht so leicht lösbar war wie das in der bekannten „bahnbrechenden“ Gerlach-Studie vor zehn Jahren durch erstmalige gründliche Lektüre und Deutung zweier seit Jahrzehnten bekannter Tagebuchpassagen führender Nazifunktionäre, um einen mündlichen Hitler-Befehl zum Holocaust (oder Shoa) genannten Völkermord (oder Genozid) an den europäischen Juden zu plausibilisieren und auf den 12. 12. 1941 zu datieren...13

Weiter sind (2.2.) mögliche Gründe fürs jahrzehntelange Versagen insbesondere der deutschen akademischen Geschichtsschreibung und ihrer Lehrstuhlmandarine mit Blick auf die Textverifikation von Hitlers Dschingis-Khan-Rede anzusprechen - wobei einmal, was oft erst noch zu beweisen wäre, hier (auch vom Autor) impliziert wird, daß, unabhängig von der Bereitschaft, geschichts wissenschaftlich zu arbeiten, wenigstens die Fähigkeit, dies auch zu können, vorhanden ist; zum anderen ist in der Tat höchstauffällig, was sich prominente(ste) Vertreter der deutschen akademischen Geschichtsschreibung über Jahrzehnte leisteten, ohne sei´s fachöffentlich ausgelacht sei´s wissenschaftspolitisch vom Acker gejagt zu werden: etwa Mommsen jr. II, der sich als deutscher Zeitgeschichtler so sehr von faschistischen Ideologen und Naziapologeten instrumentalisieren ließ, daß er - anstatt aufs etwa von Ralf Dahrendorf im Zusammenhang mit dessen Modernisierungsthese propagierte relevantsoziologische Konzept „Anomie“ zurückzugreifen - vier Jahrezehnte lang die unbestreitbare realempirische „autoritäre Anarchie“14 des NS-Herrschaftssystems zur „Polykratie“ genannten pluralistischen Veranstaltung hypostasierte15 ; oder Jäckel, der vor fünfundzwanzig Jahren ohne geschichtswissenschaftliche Bedenken nachweisliche rechtsextremistische Textfälschungen zu Hitlers authentischen Tagebüchern erklärte, heute zur Phalance militanter Armenozidleugner gehört und damit nicht nur sich selbst, sondern auch seine „Zunft“ im bisher größten deutschen Geschichtsskandal der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert unsterblich blamierte. Einzubringen wäre in diesem Zusammenhang schließlich (3.) die schon Mitte der 1990er Jahre (in einer Debatte mit Hans Mommsen) öffentlich vertretene These, daß jede Geschichtsschreibung als wissenschaftliche Unternehmung „strategische Hypothesen braucht“16 und daß sie sich, entsprechend ihres Doppelcharakters, ohne diese wohl als „Gemeinschaft mit ihren eigenen Sitten und Gebräuchen“ konstituieren, aber niemals „zum selbstlosen Streben nach Wahrheit“ befähigen kann.17

V. Diese sei´s vergessene sei´s verdrängte Einsicht findet sich, vierzig Jahre bevor der spätere Friedensnobelpreisträger (1986) Elie Wiesel seine Schlüsselmetapher vom „ Holocaust vor dem Holocaust “ ausprägte, in einer vor nunmehr gut sechzig Jahren zuerst jiddisch veröffentlichten Broschüre. Der Autor, Joseph Guttmann, ein Holocaust- Überlebender im US-amerikanischen Exil, verwies damals (und soweit ich weiß als erster) öffentlich auf den politikgeschichtlichen Zusammenhang von Armenozid und Holocaust, indem er an die Bedeutung von Hitlers am 22. August 1939 keinesfalls nur rhetorisch gemeinte Frage - „ Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier ? “ erinnerte - und damit auch an den ersten ´modernen´ Völkermord im 20. Jahrhundert, verübt an den Armeniern im Osmanischen Staat während des Ersten Weltkriegs.18

Zutreffend wurde im Vorspann der ersten und bisher einzigen - von Louis P. Lochner veranlaßten - „unzensurierten, originalen“ deutschsprachigen Veröffentlichung der Hitler- Rede nicht nur auf die Ruchlosigkeit ihres Inhalts, sondern auch auf den Wortlaut der Ansprache und ihrer „abgründigen Nichtswürdigkeit in der Ursprache“ hingewiesen19. Die den politikgeschichtlichen Schlüsselsatz enthaltende Redepassage findet sich im dritten Abschnitt der Originalmitschrift, die hier nach der Erstveröffentlichung (1944) zitiert wird20:

„Unsere Stärke ist unsere Schnelligkeit und unsere Brutalität. Dschingiskhan hat Millionen Frauen und Kinder in den Tod gejagt, bewusst und fröhlichen Herzens. Die Geschichte sieht in ihm nur den grossen Staatengründer. Was die schwache westeuropäische Zivilisation über mich behauptet, ist gleichgültig. Ich habe den Befehl gegeben und ich lasse jeden füsilieren, der auch nur ein Wort der Kritik äussert, dass das Kriegsziel nicht im Erreichen von bestimmten Linien, sondern in der physischen Vernichtung des Gegners besteht. So habe ich, einstweilen nur im Osten, meine Totenkopfverbände bereitgestellt mit dem Befehl, unbarmherzig und mitleidslos Mann, Weib und Kind polnischer Abstammung und Sprache in den Tod zu schicken. Nur so gewinnen wir den Lebensraum, den wir brauchen. Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier ?“

Richard Albrecht

“Who is, after all, today speaking about the destruction of the Armenians ?“

(What Hitler really said when talking to his Supreme Commanders, August 22th, 1939)

In this short scholarly piece, the author, an experienced social scientist, gives a first insight into his research work on what Adolf Hitler (1889-1945) really said to his Supreme Commanders on August 22nd, 1939, after Hitler decided to start the military aggression against Poland on 26th August, 1939, as written down in a historical document the author, as the first scholar, had verified in the original German version. The central passage of Hitlers speech, as once published by antifascist emigré in Latin America, in 1944, is quoted in full length at the end of this smart essay. Having discussed three actual public statements (2006) on what Hitler is told to have said Richard Albrecht briefly discusses the importance of Reichskanzler Hitlers (second) speech to the military leadership of Germany the author points out four both historical and actual questions, which are as relevant as until now not cleared up: (i) Why was the “US-exhibit 28”-document which US-newspaperman Louis

P. Lochner at first had published in 1942 was not correctly brought in a an original source and most relevant piece of evidence within the Nuremberg Trial (1945/46), testifying the very plan of the military aggression against Poland (leading to what was later called World War II) ? (ii) Why did the military aggression on Poland starting with an obvious provocation begun early on 1st September, and not, as regularly planned, on 26th August, 1939 ? (iii) Why was, for nearly forty years, an individual essay as published by a German historian 1968 on the subject which was not able documenting what Hitler really told his Supreme Commanders on 22nd August, 1939, at Obersalzberg, in fact widely accepted within the ´scientific community´ of the historians, as the final scholarly say ? (iv) Why were most prominent German tenure-historians like Mommsen II jr. and Jäckel within the last forty years neither willing nor able to fulfil their ordinary duty in the sense and meaning of J.W. Goethe: Pflicht des Tages, and Max Weber: rein sachlich an des Tages Arbeit wirken - developing strategic hypothesis enabling to value historical texts, sources, and documents discussing problems like that one sketched in this paper in a as scientific as legitimate way as live-long/long-living German chairholderly mandarins in the field of contemporary history - but preferred to blame themselves (and also their entire profession) when for decades producing permanent rubbish talk on Hitler and the societal system in Germany 1933-45, when publicly performing one cloudy issue after another ?

©

by the author 2007

Dr.rer.pol.habil. Richard Albrecht, PhD.

[...]


1 IAGS Newsletter, No. 6, Fall-Winter 2006-07 (ed. International Association of Genocide Scholars), zit. p. 13.

2 Zum Begriff Richard Albrecht, Völkermord(en). Aachen: Shaker, 2006 [ = Genozidpolitik im 20. Jahrhundert 1], ii/184 p., hier pp. 34 f.; dort auch die Wortlaute des ersten Antrags vom 18.02.2005 (Bergner u.a.), pp. 48-53, der interfraktionellen Konsensresolution und ihrer Begründung vom 15.06.2005, pp. 54-60, und schließlich des Schreibens von Bergner [damals Vorsitzender der Parlamentariergruppe Kaukasus der CDU/CSU-Fraktion] und Dr. Katherina Reiche [damals Bildungspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion] zum „ Völkermord an den Armeniern als Gegenstand des Schulunterrichts “ vom 19.06.2005, in dem erstmalig ausdrücklich von der „Armeniervernichtung während des 1. Weltkriegs als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts gesprochen wird“ (ibid., pp. 64-66). Eine behutsame Deutung der den Begriff „Völkermord“ (oder Genozid) nicht benützenden BT-Resolution vom 16.05.2006 als „ Kontinuitätsbruch “ findet sich bei Richard Albrecht, Armenozid. Aachen: Shaker, 2006 [ = Genozidpolitik im 20. Jahrhundert 2], ii/114 p., hier pp. 91-93.

3 Christoph Bergner, Diese Zusammenkunft ist dem Gedenken gewidmet; in: Armenisch-Deutsche Korrespondenz (ADK), 133/134.2006, pp. 9-11, zit. p. 11.

4 Jochen Böhler, Auftakt zum Vernichtungskrieg. Die Wehrmacht in Polen 1939. Ffm: S. Fischer/Fischer Taschenbuch Verlag [und] Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 2006 [ = bpb-Schriftenreihe 550], 279 p., zit. pp. 32 f. - Hier wird Hitlers (zweite) Rede am 22.8.1939 aus den „Akten zur deutschen Auswärtigen Politik 1919-1945“ (Serie D, Band VII; Baden-Baden 1956, pp. 171/172) referiert (nicht zitiert). Das ist auch angemessen. Denn diese deutsche Textversion ist eine Rückübersetzung der ersten englischen aus den „British Documents“, 3rd series, vol. VII 1954, pp. 258-260. Die erste - und bisher einzige - Publikation der (zweiten) Hitler-Rede am 22.8.1939 nach der 3-Seiten-Mitschrift erfolgte in der Exil-Zeitschrift „Deutsche Blätter“ [Santiago de Chile], 2 (1944) 3, pp. 37-38. Sie enthält gegenüber der originären Textvorlage gut ein Dutzend geringfügiger Textabweichungen (teilweise auch satztechnischer Natur).

5 Albrecht, Völkermord(en), p. 155.

6 Albrecht, Armenozid, p. 3 [und] p. 33.

7 Robin Winks (ed.), The Historian As Detective. Essays in Evidence, N.Y.-London: Harper & Row, 1969, 543 p.

8 Walter Otto Weyrauch, Gestapo V-Leute. Tatsachen und Theorie des Geheimdienstes. Untersuchungen zur Geheimen Staatspolizei während der nationalsozialistischen Herrschaft. Ffm.: Vittorio Klostermann, 1989, xiv/140 p. [ = Ius Commune/Sonderhefte. Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte 41].

9 Im Privatarchiv Richard Albrecht, Bestand Europa: Lange Liegengebliebenes und mehr [ PARABELLUM ]. Dort auch eine Fotokopie des Originals der bisher unveröffentlichten Hitlerrede-Mitschrift in deutscher Sprache (Überschrift „Inhalt der Rede an die Oberbefehlshaber und komm.[andierenden] Generäle“. Obersalzberg, 22. 8. 39“) [L-3, Exibit USA-28, 3 p.] mit Hitlers Schlüsselfrage: „Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier ?“ (p. 1).

10 Nazi Conspiracy & Aggression, vol. VIII (1946), pp. 752-754, hier p. 753: „Who still talks nowadays of the extermination of the Armenians ?“; die spätere englische Version lautete: “Who after all is today speaking about the destruction of the Armenians ?” (British Documents, 3rd series, vol. VII 1954, p. 258). Diese Version ist die erste englische Übersetzung der originären deutschen Redemitschrift, deren amtlich beglaubigte Abschrift („certified true copy“) sich, als L-3-Document des „Office of Chief of Counsel for War Crimes“, jahrzehntelang unbeachtet im „Bestand Nürnberger Nachfolgeprozesse“ des Zentralen Staatsarchivs der (ehemaligen) Deutschen Demokratischen Republik befand („Fall XII, NP XII, 191, 146-149“). Der damalige britische Botschafter hatte sie unmittelbar nach Erhalt am 25.8.1939 seinen Vorgesetzten als verschlüsseltes Diplomatentelegramm ins Foreign Office nach London geschickt. Der 1954 in „British Documents“, op.cit. [wie Anm. 4], publizierte englische Originaltext (4 p.) befindet sich im Public Record Office (UK): FO 371/22979, No. 7879. Das Hitler-Schlüsselzitat dort pp.1-2.

11 Louis P. Lochner, What About Germany ? N.Y.: Dodd, Mead & Co, 1942, 393 p., hier pp. 1 ss., zit. p. 2: “Who, after all, speaks today of the annihilation of the Armenians ?”

12 Winfried Baumgart, Zur Ansprache Hitlers vor den Führern der Wehrmacht am 22. 8. 1939. Eine quellenkritische Untersuchung; in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 16 (1968) 2, pp. 120-149; diesen Erkenntnisstand drückt auch, was beide Hitler-Reden vom 22.9.1939 betrifft, Böhlers aktuelle Studie (2006) zur „Wehrmacht in Polen 1939“ [wie Anm. 4] aus.

13 Christian Gerlach, Krieg, Ernährung, Völkermord. Deutsche Vernichtungspolitik im 20. Weltkrieg. Zürich-München: Pendo, 2001², pp. 79 ff. [und] pp. 240 ff.

14 Walter Petwaidic, Die autoritäre Anarchie. Streiflichter des deutschen Zusammenbruchs. Hamburg: Hoffmann & Campe, 1946, 148 p.

15 Hans Mommsen, Entteufelung des dritten Reiches ? Ein Nachwort; in: Der Spiegel, 21 (1967) 11 [6.3.1967], pp. 71-75; ders., Die Realisierung des Utopischen. Die „Endlösung der Judenfrage“ im „Dritten Reich“ 1983; in: Der Nationalsozialismus und die deutsche Gesellschaft. Ausgewählte Aufsätze, hrgg. v. Lutz Niethammer [und] Bernd Weisbrod. Reinbeck: Rowohlt, 1991 - Kritische Hinweise zur Rolle des faschistischen Ideologen Werner Bests als Naziapologet und Inspirateur diverser (bundes)deutscher Fachhistoriker bei Ulrich Herbert, Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft 1903-1989. Bonn: Dietz, 1996, 695 p., pp. 501 ff. [und] pp. 641 f.; - zum Einfluß von Ex-SD-Figuren in der zeitgeschichtlichen „Spiegel“-Redaktion: Lutz Hachmeister, Der Gegnerforscher. Die Karriere des SS- Führers Franz Alfred Six. München: C.H. Beck, 1998, 414 p., pp. 316 ff. [und] pp. 383 ff.

16 Richard Albrecht [Diskussionsbeitrag]; in: Der Kreisauer Kreis. Zu den verfassungspolitischen Vorstellungen von Männern des Widerstandes um Helmuth James Graf von Moltke, hrgg. v. Ulrich Karpen & Andreas Schott, Heidelberg: C.F.Müller, 1996 [= Motive - Texte - Materialien/MTM 71], XIII/154 p., hier p. 61.

17 Carl Djerassi, Cantors Dilemma. Roman [aus dem Amerikanischen von Ursula-Maria Mössner]. München: Heyne, 1995³ [= Allgemeine Reihe 8782], 287 p., hier p. 285 [Nachwort].

18 Joseph Guttmann, The Beginning of Genocide. A Brief Account on the Armenian Massacres in the World War I (New York, 19 p.); zuerst in: Yivobleder [N.Y.], 28 (1946) 2, pp. 239-253; mehr zu diesem Zusammenhang bei Richard Albrecht, Murder(ing) People - Genocidal Policy Within 20thCentury. On Relevant Aspects of Description, Analysis, and Prevention, As Derived from Armenocide, Serbocide, and Holocaust - Three Basic Genocidal Events During the World Wars, 1915-1945: http://de.geocities.com/earchiv21/murdering.people.htm.

19 Deutsche Blätter 1944, op. cit. [wie Anm. 4], p. 37, redaktionelle Vorbemerkung, erster Absatz. Der dort, pp. 37-38, gedruckten Textversion folgten neun kommentierende Absätze, in deren letzten es heißt: „Und die Generäle ? Keiner von ihnen hat eine Hand gerührt, um einen Rasenden unschädlich zu machen als er sich anschickte, das größte Unheil über die Welt zu bringen. Sie haben vielleicht mißbilligt, was man ihnen auftrug, aber die haben gehorcht wie zu oft ! Und die meisten von ihnen haben die erteilten Befehle auf eine Weise ausgeführt, die uns allen das Blut in den Adern erstarren ließ [..].“

20 Deutsche Blätter 1944, op.cit., p. 37

Details

Seiten
6
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638682640
ISBN (Buch)
9783656537601
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76273
Note
Schlagworte
Vernichtung Armenier Adolf Hitlers Rede Oberkommandierenden Obersalzberg August Eine Skizze

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Titel: "Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier ?“ Adolf Hitlers zweite Rede vor den Oberkommandierenden  auf dem Obersalzberg am 22. August 1939