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Bipolare Weltdeutungen und dämonisierte Feindstereotype: Das Judentum in der NS-Rassenideologie

Essay 2007 5 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Bipolare Weltdeutungen und dämonisierte Feindstereotype:

Das Judentum in der NS-Rassenideologie

Johannes Zischka befasst sich in seiner Abhandlung „Weltdeutungen und dämonisierte Feindstereotype: das Judentum in der NS-Rassenideologie“, wie der Titel bereits erkennen lässt, mit dichotomischen Deutungsschemata und dämonisierten Feind-Stereotypen als Strukturmerkmalen ideologischer Systeme. Innerhalb des Kapitels „Die zentralen Inhalte der NS-Rassenideologie“, untersucht er in einem ersten Schritt die Grundmotive der NS-Rassenideologie, um anschließend zu beleuchten, wie diese innerhalb des Antisemitismus konkret auf die jüdische Rasse angewandt werden. Überdies erläutert er die Einflüsse des Sozialdarwinismus und Gobinismus auf die NS-Rassenideologie. In der folgenden Zusammenfassung soll der Aufbau des Originaltextes beibehalten und zuerst auf die Grundmotive der NS-Ideologie und anschließend auf den Antisemitismus eingegangen werden.

Die Grundmotive der NS-Rassenideologie

Die Grundmotive der NS-Rassenideologie teilen sich einerseits in rassentheoretische Überlegungen und andererseits in die NS-Geschichtsauffassung und sind von dichotomischen Deutungsschemata bestimmt, in welchen alles auf die Kategorien „arisch“ und „nicht-arisch“ zurückgeführt wird.

Als ersten rassentheoretischen Grundgedanken, nennt Zischka die Verschiedenheit der Rassen und der Höchstwert der arischen Rasse. Die Nationalsozialisten gehen von einer natürlichen Ungleichwertigkeit der Rassen aus und erstellen auf dieser Grundlage Wertskalen, welche es ihnen erlauben, die verschiedenen Rassen zu differenzieren und einzustufen. Adolf Hitler spricht in diesem Kontext von einer Dreiteilung, wobei er zwischen „kulturbegründenden“, „kulturerhaltenden“ sowie „kulturzerstörenden“ Rassen unterscheidet und einzig der arischen Rasse „kulturbegründende“ Qualitäten zuschreibt. Der Höchstwert der arischen Rasse wird mit der Arbeitsauffassung des Ariers, welcher in der Arbeit eine moralische Pflicht sieht, dessen physischer und psychischer Gesundheit sowie dessen kulturellen Fähigkeiten, welche auf einem „tief-innerlichen Seelenleben“ basieren, begründet. Hitler attestiert der arischen Rasse nicht nur staatenbildende Kräfte, sondern bezeichnet sie auch als Erwecker und Begründer aller großen Kulturen.

Diese Thesen werden anschließend, in dem rassentheoretischen Grundmotiv der Rassenbedingtheit psychischer Merkmale und Eigenschaften, aus der physischen Konstitution eines Menschen hergeleitet. Hierbei werden sämtliche intellektuellen, moralischen, psychischen und sozialen Eigenschaften eines Individuums als bluts- und somit rassenbedingt aufgefasst.

Die rassenbedingten psychischen Merkmale und Eigenschaften sind unveränderlich. Durch das letzte rassentheoretische Kriterium der Unveränderlichkeit der Rasseeigenschaften, wird somit ein unüberbrückbarer und vor allem bleibender Unterschied zwischen den Rassen geschaffen.

Diese skizzierten rassentheoretischen Grundgedanken der Nationalsozialisten, schlagen sich in einem spezifischen Geschichtsbild nieder, welches die Rasse als Grunddeterminante der Geschichte sieht. Die Geschichte wird folglich rassisch interpretiert und als Lebenskampf verstanden, welchen die Rassen aufgrund ihres Selbsterhaltungstriebs führen und der eine Art Selektion bewirkt, an deren Ende sich die stärkste Rasse, welcher sich die anderen unterwerfen müssen, durchsetzt. Des Weiteren jedoch sei der Lebenskampf durch den „Sündenfall“ der erobernden „reinen“ Rassen gekennzeichnet, welche sich mit den niederen Rassen vermischen. Diese Vermischung ziehe eine Änderung des „Rassenwerts“ nach sich und habe den Verlust der beherrschenden Stellung der vormals „reinen“ Rasse und somit den Rassenverfall zur Folge. Die Rassenfrage wird zum Schlüssel der Geschichte gemacht und Zischka sieht das Ergebnis dessen in der „Interpretation jeglichen kulturellen Verfalles als einer biologischen Degenerationserscheinung (…) Aufstieg und Niedergang von Staaten und Kulturen sind nicht mehr soziologisch, sondern biologisch bedingt. Geschichte stellt so nichts anderes dar als den Niederschlag und Ausdruck von ‚Rassenwerten’“ (Zischka 1986: 31). Der „Rassenwert“ bedingt, so argumentiert Hitler, den „Lebenswert“ eines Volkes und ist damit verantwortlich für den Ausgang des Lebenskampfes. Je höher der „Rassenwert“ eines Volkes, desto höher sein „Lebenswert“, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Lebenskampf gewonnen wird.

Das beschriebene NS-Geschichtsbild wiederum ist wegweisend für das Grundmotiv der Rassenzucht als „geschichtliches Gebot“ und als Mittel zur „rassischen Gesundung“. Die Rückkehr zum „Rassenbewusstsein“ und die „Rassenpflege“ stellen die Voraussetzung dar, um die Blutsvermischung aufzuhalten, weswegen Hitler die einzige Möglichkeit der Regeneration in der Rassenzucht sieht. Dem Staat kommt infolge dessen die Rolle als Förderer und Hüter der biologischen Anlagen zu und Hitler nennt als Ziel dieser, von ihm propagierten „Gesundungspolitik“, die Wiedergeburt der deutschen Nation durch die bewusste Züchtung eines neuen Menschen. Auf der Grundlage eben dieser Politik wurden später Konzentrationslager erbaut.

Der Antisemitismus

Das, wie Zischka es bezeichnet, Kernstück der NS-Ideologie, stellt der Antisemitismus dar, dessen Ziel die Auslöschung der Juden ist. In ihm werden die im vorherigen Abschnitt dargelegten Grundmotive der NS-Rassenideologie konkret auf das dämonisierte Feindstereotyp des Juden angewandt.

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Details

Seiten
5
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638881975
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76258
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,3
Schlagworte
Bipolare Weltdeutungen Feindstereotype Judentum NS-Rassenideologie Ideologiekritik

Autor

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Titel: Bipolare Weltdeutungen und dämonisierte Feindstereotype: Das Judentum in der NS-Rassenideologie