Lade Inhalt...

Innovationsquelle Wissen - Wie kann die „absorptive capacity“ einer Organisation gefördert werden?

Hausarbeit 2006 19 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wissensmanagement im Kontext des organisationalen Lernens

3. Absorptionsfähigkeit (Absorptive Capacity) als entscheidende Komponente für den Erwerb neuen Wissens
3.1 Bestimmung des Begriffs Absorptive Capacity
3.2 Konzept und Aspekte der „absorptive capacity“

4. Wie kann die Bildung einer „absorptive capacity“ gezielt gefördert werden?
4.1 Probleme und Hindernisse bei der Integration neuen Wissen

5. Fazit

6. Literatur

1 Einleitung

Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun.

(Johann Wolfgang von Goethe)

Die Notwendigkeit der Entwicklung von Innovationen in Unternehmen, die in dynamischen Märkten operieren, ist unbestritten. In einer sich permanent wandelnden Umwelt wie der heutigen kann die Innovationsfähigkeit einer Organisation zum entscheidenden Kriterium für Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlichen Erfolg werden. Um diesen potentiellen Erfolgs- und Wettbewerbsfaktor in der eigenen Unternehmensstrategie implementieren zu können, ist ein enormer Steuerungsbedarf im Umgang mit Technologien und daraus hervorgehenden Innovationen erforderlich.

In Bezug auf die Funktionen, die das Management im Innovationsprozess hat, stellte sich Drucker (vgl. Drucker, 1985, S.95) in seinem Artikel „The Discipline of Innovation“ die interessante Ausgangsfrage, ob Innovation eher das Resultat von Inspiration ist oder aus harter Arbeit resultiert. Im ersteren Fall würde sich die Rolle des Managements darauf beschränken, das passende Personal zu rekrutieren. Sollten Innovationsprozesse aber das Ergebnis harter Arbeit sein, dann müsse das Management eine entscheidende Funktion bei der Gestaltung von organisatorischen Strukturen und der Festlegung eindeutiger Ziele übernehmen. Die Antwort darauf erhält man von Drucker selbst: „Above all, innovation is work rather than genius. It requires knowledge“ (Drucker, 1985, S. 102). Diese Erkenntnis ermöglicht den Schluss, dass Wissen eine zentrale Ressource für innovative Unternehmen ist.

Das Wissensmanagement steht somit vor der Herausforderung, die Voraussetzungen für die Entstehung neuen Wissens in der Organisation zu schaffen und zu fördern. Eine Möglichkeit, mit der diese Herausforderung angegangen werden kann, ist die der Wissensschaffung bzw. Wissensgenerierung. Doch oftmals besteht der Weg zum Erfolg in vielen Industriezweigen weniger in der Fähigkeit erfinderisch zu sein, als darin, eine vorhandene Technologie in eine andere Richtung zu treiben. Gerade in Industrien mit evolutionären Trajektorien[1] kommt dem Vermögen einer Organisation, eine bereits existierende Technologie durch den Transfer und die Anwendung von extern generiertem Wissen ausbauen zu können, eine große Bedeutung im Innovationsprozess zu. Der erfolgreiche Transfer von externem Wissen in die eigene organisationale Wissensbasis verlangt jedoch beim Empfänger auch eine Eignung zur Wissensintegration. Diese sog. „absorptive capacity“[2] (vgl. Cohen/Levinthal, 1990, S. 128) ist die Fähigkeit einer Organisation, den Wert einer neuen Information (aus einer externen Quelle) zu erkennen, die Information in sich aufzunehmen und für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Die „absorptive capacity“ basiert auf dem technologischen Vorwissen der organisationalen Wissensbasis[3]. Das Ausbeuten externen Wissens („exploiting“) wird nach Cohen/Levinthal als (1990, S. 128) „a critical component of innovative capabilities“ gesehen. Aufgrund der Bedeutung dieser Absorptionsfähigkeit besteht das Ziel der vorliegenden Arbeit darin, aufzuzeigen, was der Wissens- bzw. Innovationsmanager für Möglichkeiten hat, diese Fähigkeit zu fördern oder ihre Entwicklung positiv zu beeinflussen.

Im folgenden Abschnitt (2.) soll zunächst einmal versucht werden, das Wissensmanagement in den Kontext des organisationalen Lernens einzuordnen und die Charakteristika von Wissen zu erörtern. Im 3. Teil der Arbeit werden verschiedene Definitionen des Begriffs „absorptive capacity“ (3.1) dargestellt und anschließend das Konzept und wichtige Faktoren analysiert (3.2). Darauf aufbauend verfolgt der nächste Abschnitt (4.) das Ziel, Gestaltungsmöglichkeiten des Innovations- bzw. Changemanagers hinsichtlich der Förderung einer Absorptionsfähigkeit zu untersuchen. Dabei wird explizit auf die Bedeutung von formellen und informellen Netzwerken eingegangen und das Konzept der „Communities of Practice“ als Ansatz für die Schaffung konkreter Rahmenbedingungen besprochen. Daran anschließend (4.1) werden diverse Hindernisse und Probleme beim Wissenstransfer diskutiert. Zum Schluss der Arbeit wird noch einmal auf die Bedeutung der Absorptionsfähigkeit eingegangen.

2 Wissensmanagement im Kontext des organisationalen Lernens

Im Konzept der „absorptive capacity“ spielt der Umgang mit organisationalem Wissen und Wissensbereichen eine wichtige Rolle. Deshalb ist es zunächst sinnvoll, auf die zentralen theoretischen Hintergründe einzugehen, die sich mit dem Wissen in Organisationen beschäftigen. Hierfür bietet die Theorie der lernenden Organisation den passenden Ausgangspunkt. Nach der Definition[4] des „organisationalen Lernens“ von Probst/Büchel (1998, S. 17) ist darunter der Prozess der Veränderung der organisationalen Wissensbasis, die Verbesserung der Problemlösungs- und Handlungskompetenz sowie die Veränderung des gemeinsamen Bezugsrahmens von und für Mitglieder der Organisation zu verstehen. Die organisationale Wissensbasis wiederum setzt sich aus individuellen und kollektiven Wissensbeständen zusammen, auf die eine Organisation zur Lösung ihrer Aufgaben zurückgreifen kann und umfasst darüber hinaus die Daten und Informationsbestände, auf welchen individuelles und organisationales Wissen aufbaut (vgl. Probst et al. 2003, S.46). Demnach können Organisationen wie Individuen kognitive Strukturen ausbilden und sich durch eine spezifische Sicht der Dinge und individuellen Handlungsroutinen auszeichnen. Die Wissensbasis symbolisiert die spezifischen Werte und Normen sowie die charakteristischen Handlungsroutinen der Organisation.

Hier setzt das Wissensmanagement an, welches ein integriertes Interventionskonzept bildet, das sich mit den Möglichkeiten zur Gestaltung, Lenkung und Entwicklung dieser organisationalen Wissensbasis befasst (vgl. Romhardt 1998, S.45), während organisationales Lernen[5] Veränderungsprozesse der Wissensbasis beschreibt. Eine Bestimmung des Begriffs „Wissen“ findet sich bei Probst et al. (2003, S. 22): „Wissen bezeichnet die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Dies umfasst sowohl theoretische Erkenntnisse als auch praktische Alltagsregeln und Handlungsanweisungen. Wissen stützt sich auf Daten und Informationen, ist im Gegensatz zu diesen jedoch immer an Personen gebunden. Es wird von Individuen konstruiert und repräsentiert deren Erwartungen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt für den Zusammenhang zwischen Wissen und organisationalem Lernen ist die Unterscheidung von Wissen in zwei Dimensionen. Basierend auf der Einteilung von Polanyi (1966) unterscheiden Nonaka/Takeuchi (vgl. Nonaka/Takeuchi, 1995, S. 61ff) ) zwischen „tacit knowledge“, also verborgenem Wissen und „explicit knowledge“ (explizites Wissen). Verborgenes Wissen manifestiert sich implizit in Erfahrungen der Mitarbeiter und kann deshalb auch nur durch praktische Ausübung von Handlungen, Beobachtung und Nachahmung erworben werden. Im Gegensatz dazu wird explizites Wissen meist in Form von Modellen, Berichten oder Arbeitsanweisungen artikuliert und kann von jedem Mitarbeiter nachvollzogen und beschrieben werden. Das implizite Wissen ist demzufolge auch als das Herzstück einer organisatorischen Wissensbasis zu sehen und sollte im Zentrum effektiven Wissensmanagements stehen: „Recognizing the value of tacit knowledge and figuring out how to use it is the key challenge in a knowledge-creating company…“ (Von Krogh et al., 2000, S. 7).

3 Absorptionsfähigkeit (Absorptive Capacity) als entscheidende Komponente für den Erwerb neuen Wissens

3.1 Bestimmung des Begriffs Absorptive Capacity

In der einschlägigen Literatur findet sich eine Vielzahl von Definitionen zum Begriff der „absorptive capacity“. In ihrem den Grundstein zum Thema legenden Artikel behaupteten Cohen/Levinthal (1990, S.128), dass die Befähigung eines Unternehmens, Wissen, das außerhalb des Unternehmens existiert, zu nutzen hauptsächlich von dem Vorwissen der Organisation abhängt. Dieses Vorwissen beinhalte grundlegende Fähigkeiten, eine gemeinsame Sprache aber auch das Wissen über die aktuellsten wissenschaftlichen oder technologischen Entwicklungen in einem Forschungsgebiet. Aus diesem „Vorwissen“ leitet sich die Fähigkeit der Organisation ab, den Wert einer neuen Information zu erkennen, sie zu integrieren und zu kommerziellen Zwecken zu nutzen: „These abilities collectively constitute what we call a firm’s absorptive capacity.“ (Cohen/Levinthal 1990: 128).

Eine zweite Definition von Kim (1998, S.507) versteht darunter die Fähigkeit, zu lernen und Problemlösungsansätze entwickeln zu können. Spätere Arbeiten zum Thema wie die von Zahra/George (2002, S. 186) bezeichnen das Konstrukt „absorptive capacity“ als ein Set organisationaler Routinen und Prozessen, durch die Firmen Wissen akquirieren, in sich aufnehmen, transformieren und ausnutzen um eine „dynamic capability“[6] zu entwickeln. Diese verschiedenen Sichtweisen haben alle gemeinsam, dass sie die Absorptionsfähigkeit nicht als eine eindimensionale sondern als eine mehrdimensionale Eigenschaft ( das Erkennen, das Assimilieren und das Verwerten von Informationen bzw. Wissen) einer Organisation beschreiben.

[...]


[1] Trajektorien sind Entwicklungsmuster in bestimmten Industrien, die immer nach derselben Phasenfolge ablaufen.

[2] Der Begriff „absorptive capacity“ wird im Folgenden auch mit dem dt. Begriff „Absorptionsfähigkeit“ verwendet.

[3] Zum Begriff der Wissensbasis siehe unter 2).

[4] Auf Grundlage unterschiedlicher Autoren (z.B. Argyris, C./ Schön, D. (1978): Organizational Learning: A theory of action perspective. Reading. oder Duncan, R./Weiss, A. (1979): Organizational Learning - Implications for Organizational Design Research. In: Organizational Behavior, 1, 75 - 123).

[5] Insofern sollte das Konzept des organisationalen Lernens als theoretische Grundlage für das eher gestaltungssorientierte Feld des Wissensmanagements betrachtet werden.

[6] Zum Begriff der „dynamic capabilities“ oder Dynamische Fähigkeiten vgl. Teece et al. (1997, S. 509ff.). Die Autoren definieren „dynamic capabilities“ als die Fähigkeit zur Integration, Entwicklung und Rekonfiguration interner und externer Kompetenzen zum Zwecke der Anpassung an sich schnell verändernde Umwelten.

Details

Seiten
19
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638798419
ISBN (Buch)
9783638797566
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76150
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,0
Schlagworte
Innovationsquelle Wissen Organisation Management Innovationen

Autor

Zurück

Titel: Innovationsquelle Wissen - Wie kann die „absorptive capacity“ einer Organisation gefördert werden?