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Die Finanzierung von Sportarenen

Seminararbeit 2006 28 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Rahmenbedingungen in Deutschland
2.1 Die Rolle der öffentlichen Hand in Vergangenheit und Zukunft
2.2 Die Finanzsituation der Vereine
2.3 Der Markt für Sportarenen und seine Chancen und Risiken
2.4 Der Einfluss der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006

3. Die Finanzierung von Sportarenen in Gegenwart und Zukunft
3.1 Aktuelle Modelle zur Finanzierung großer Stadionprojekte
3.1.1 Sektorübergreifende Beteiligung durch Public Private Partnerships
3.1.2 Finanzielle Einbindung der Profifußball-Vereine
3.2 Neue Finanzierungsmöglichkeiten für Stadien mittlerer Größe
3.2.1 Treuhandmodelle und Genussscheine zur Beteiligung von Privatpersonen
3.2.2 Symbiose aus Bürostandort und Fußballstadion - Die SchücoArena in Bielefeld

4. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Zuschauerschnitt Bundesliga, gruppiert nach Tabellenplatz, Saison 03/04.

Abbildung 2 Überblick über die Finanzierungs- und Organisationsstruktur für Betrieb und Besitz einer Sportarena unter Berücksichtigung verschiedener Akteure und Ausprägungen einer PPP.

Abbildung 3 Grundstruktur einer ABS-Transaktion.

Abbildung 4 Durchschnittliche Erträge pro Club in Prozent vom Ligadurchschnitt, gruppiert nach Tabellenplatz, Saison 03/04.

1 Einleitung

Die Ausrichtung der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hat zusammen mit den gestiegenen Anforderungen an moderne Sportarenen die Zahl der neu errichteten und umgebauten Stadien in den vergangenen Jahren stark steigen lassen. Die Vielzahl aktueller Projekte hat insbesondere in der unmittelbaren Vergangenheit die Art der Finanzierung dieser neuen Stadien in den Mittelpunkt akademischer Forschung gerückt, um zu untersuchen, inwieweit sich ein Wandel von der klassischen Finanzierung durch die öffentliche Hand hin zu einer stärkeren Beteiligung von Vereinen und Privatinvestoren vollzogen hat.

Der Begriff Sportarena soll im folgenden ausschließlich Stadien umfassen, die vorrangig zur Ausrichtung von Fußballspielen dienen und darüber hinaus eventuell Möglichkeiten für eine multifunktionale Nutzung bieten. Dieser Fokus ist bewusst durch die hohe Bedeutung des Fußballs in Deutschland gewählt und ermöglicht gleichzeitig einen einheitlichen Analyserahmen, sowie die Zeichnung eines homogenen Bildes bei der Untersuchung.

Bis vor wenigen Jahren konnte eine Vielzahl der deutschen Fußballstadien den gestiegenen Anforderungen nicht genügen und erfüllte darüber hinaus nicht die Auflagen der UEFA und der FIFA.[1] Der im internationalen Vergleich geringe Komfort und das geringe Angebot an Business Seats und VIP-Logen führte zu einer geringeren Zahlungsbereitschaft und letztendlich zu brachliegenden Einnahmepotentialen. Somit bestand die Erfordernis zu Neubauten oder Renovierungen auf absehbare Zeit auch unabhängig von der Ausrichtung der WM im eigenen Land, um die Einnahmesituation und damit die Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere der international vertretenen Erstligavereine, zu verbessern.[2]

Lange wurde die Finanzierung von Sportarenen überwiegend als öffentliche Aufgabe betrachtet, die jedoch durch die angespannte Haushaltslage vieler Städte und Kommunen, sowie die zunehmende Professionalisierung im deutschen Fußball zunehmend in Frage gestellt und ordnungspolitisch kritisiert wird. Die Einzigartigkeit von Sportarenen und die damit verbundenen Risiken schrecken allerdings auch heute noch viele private Investoren von einer Beteiligung an entsprechenden Projekten ab.

Diese Arbeit soll zunächst die derzeit in Deutschland geltenden Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Sportarenen aufzeigen. Dabei wird zuerst kurz die Rolle der öffentlichen Hand dargelegt. Anschließend werden die Finanzkraft der deutschen Lizenzfußballvereine und der Markt für Sportarenen mit seinen Chancen und Risiken dargestellt, um die organisatorischen und finanziellen Möglichkeiten von Privatinvestoren und insbesondere Profifußballvereinen für eine Beteiligung an Stadionprojekten einzuschätzen. Diese Ausführungen bilden die Basis für die anschließende Darstellung und Analyse aktueller Modelle zur Finanzierung von Sportarenen und ihren Lösungsmöglichkeiten der spezifischen Probleme. Hierbei soll zwischen großen Stadionprojekten (mehr als 40.000 Plätze und ca. 4.000 Euro pro Sitz) und Stadien mittlerer Größe (etwa 25.000 Plätze und ca. 1.000 Euro pro Sitz) unterschieden werden.

2 Die Rahmenbedingungen in Deutschland

2.1 Die Rolle der öffentlichen Hand in Vergangenheit und Zukunft

Historisch wurde der Sportstättenbau in Deutschland als öffentliche Aufgabe interpretiert. Die Gründe hierfür liegen zum einen in der Betrachtung des Sports als meritorisches Gut, das der Förderung von Gesundheit, Integration und Unterhaltung der Bevölkerung dient.[3] Zum anderen werden regionalwirtschaftliche Ziele, wie der Attraktivität des Standorts und höhere Steuereinnahmen verfolgt. Die erhofften Einkommens-, Beschäftigungs- und Verteilungseffekte werden als Verzinsung der hohen Anfangsinvestition betrachtet,[4] wenngleich die zugrundeliegenden Kosten-Nutzen Analysen in der Literatur kritisch betrachtet werden.[5] Letztendlich resultiert die Förderung des Baus von Sportstätten auch aus politischer Rationalität, indem sie dem Aufbau einer positiven Reputation und somit der Erhöhung der Wiederwahlwahr­scheinlichkeit dient.

Die Investitionen in die neun Stadien für die Fußball-WM 1974 in Deutschland wurden noch ausschließlich durch die öffentliche Hand getätigt und beliefen sich inflationsbereinigt auf 317 Mio. Euro.[6] Dieser Wert macht die geänderten Dimensionen im Stadionbau deutlich, wenn das Investitionsvolumen der Allianz-Arena in Höhe von 340 Mio. Euro hierzu in Relation gesetzt wird. Diese Unterschiede sind gleichzeitig ein eindeutiges Indiz für die Professionalisierung im deutschen Fußball. Die stark gestiegenen Einnahmen der Vereine, sowie die zunehmend angespannte Haushaltslage vieler Städte, Kommunen und Länder erschweren somit die Rechtfertigung für staatliche, teils intransparente Subventionen, da gleichzeitig Opportunitätskosten auftreten, wenn die verwendeten Mittel alternativ z.B. in Kultur und Bildung investiert werden könnten. Aus ökonomischer Sicht treten zudem durch Subventionen, die auch oft indirekt durch den Ausgleich von Verlusten beim Stadionbetrieb erfolgen, Wettbewerbsverzerrungen auf, die insbesondere bei der Ausrichtung von Großveranstaltungen in Fußballstadien immens sein können.[7]

Es zeichnet sich jedoch teilweise in den vergangenen Jahren ein kontinuierlicher Wandel ab, indem sich die staatlichen Hilfen zunehmend auf die Übernahme von Bürgschaften, die Unterstützung in Worst Case Szenarien[8] oder den Verkauf von günstigen Grundstücken konzentrieren. Als positives Beispiel wird in der Literatur die privat finanzierte Allianz-Arena genannt, bei der nur die erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen von mehr als 200 Mio. Euro, die gleichzeitig der Standortförderung zugute kommen, durch die öffentliche Hand erfolgt sind.[9] Es kann jedoch nicht übersehen werden, dass auch heute noch viele Stadien nur durch staatliche Beteiligung betrieben oder gebaut werden können.

2.2 Die Finanzsituation der Vereine

Eine gute und nachhaltig stabile Finanzlage ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit sich Fußballvereine an den Stadieninvestitionen beteiligen und diese refinanzieren können. Bis vor wenigen Jahren bestand jedoch kein ausreichender Anreiz für die Vereine, sich finanziell zu beteiligen, da wesentlich mehr Stadien in öffentlichem Besitz waren und durch indirekte Subventionen sehr kostengünstig verpachtet wurden, wodurch der Anteil der Kosten für die Stadionnutzung an den Gesamtaufwendungen in der Saison 98/99 nur drei Prozent betrug.[10] Trotz gestiegener Einnahmen und stetig steigender Zuschauerzahlen wurden zusätzliche finanzielle Mittel von den Vereinen, mit Hinweis auf die hohen Aufwendungen zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit, eher in Spieler, als in den Bau eines neuen Stadions investiert.[11] Die Lizenzvereine trugen nur etwa neun Prozent der Stadioninvestitionen über die letzten zehn Jahre.[12]

Die Erträge der 36 Lizenzvereine stiegen in der Vergangenheit mit Ausnahme der Saison 03/04 stetig an und erreichten in der letzten Saison einen Höchstwert von ca. 1,5 Mrd. Euro, wobei zwei Drittel der Vereine ein positives Nachsteuerergebnis bei einem durchschnittlichen EBITDA von 5,9 Mio. Euro aufweisen konnten.[13] Jedoch sind auch einige Vereine hoch verschuldet. Das Fremdkapital aller Lizenzvereine in der Saison 04/05 belief sich auf insgesamt 717 Mio. Euro, bei einem erstmalig leichten Rückgang seit 1999. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote von ca. 25 % über die letzten drei Jahre in der 1. Liga weist eine positive Tendenz auf, wenngleich die Lage in der 2. Liga mit durchschnittlich 1,5 Mio. Euro negativem Eigenkapital als dramatisch bezeichnet werden muss.[14] Die Einnahmen weisen eine starke Korrelation zum Tabellenplatz auf, was Unsicherheit und Ungleichverteilung mit sich bringt. Dies resultiert aus dem Zusammenhang von sportlichem Erfolg und erzielbaren Zuschauer-, Werbe- und TV-Einnahmen, die zusammen über 75% ausmachen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Durchschnittliche Erträge pro Club in T€, gruppiert nach Tabellenplatz, Saison 03/04.

Daten: DFL (2005), S. 48; siehe auch Abb. 4 im Anhang.

Zu kritisieren ist bei einigen Vereinen der unwirtschaftliche Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und die mangelnde Bilanzdisziplin. Die Gründe hierfür werden unter anderem in der nicht auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Rechtsform des Vereins und den daraus resultierenden Anreiz- und Kontrollproblemen gesehen.[15] Die in den letzten Jahren auf den Weg gebrachten Änderungen der Rahmenbedingungen,[16] die eine bessere Verteilung der Einnahmen auf Ligaebene, sowie die Zulassung von Kapitalge­sellschaften beinhalten, die es u.a. ermöglichen auf andere Finanzierungs­formen als den klassischen Bankkredit zurückzugreifen, der bis dahin als einzige Finanzierungsform für eingetragene Vereine zugelassen war, ergeben jedoch viele neue Möglichkeiten zur Beteiligung der Vereine an der Finanzierung von Sportarenen.

2.3 Der Markt für Sportarenen und seine Chancen und Risiken

Damit die Beteiligung an Stadien für Privatinvestoren attraktiv wird, muss sie eine entsprechende Rendite versprechen. Um diese Potentiale zu prognostizieren, ist es nötig den Markt für Sportarenen und die mit ihm sehr spezifischen Risiken zu kennen. Eines der größten Risiken für den Investor ist der Zusammenhang von sportlichem Misserfolg des beheimateten Vereins und den erzielbaren Umsätzen. So liegen die Zuschauerzahlen bei Vereinen im ersten Tabellendrittel über 40% höher als im letzten Tabellendrittel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Zuscherschnitt Bundesliga, gruppiert nach Tabellenplatz, Saison 03/04.

Hier sollte aber der Effekt von höheren Stadionkapazitäten bei den Topteams berücksichtigt werden.

Quelle: DFL (2005), S. 59.

Verpachtet ein Privatinvestor ein Stadion oder ist anteilig an den Gesamteinnahmen beteiligt und der Verein steigt ab, so kommt es zu erheblichen Einbußen bei den Zuschauer- und Werbeeinnahmen, sowie den TV-Geldern und Merchandisingerträgen, wodurch der Investor direkt über die Zuschauereinnahmen oder indirekt über möglicherweise ausfallende Mietzahlungen betroffen ist.[17] Er steht dann vor dem Dilemma, z.B. die Miete zu senken oder aber dies nicht zu tun, was den betroffenen Verein möglicherweise in noch größere finanzielle Schwierigkeiten bringt. Gleichzeitig sieht sich der Investor einer Informationsasymmetrie und einem Interessenkonflikt gegenüber. Es ist für ihn aufgrund der teils geringeren sportlichen Fachkenntnis und mangelnder Kontrollmöglichkeiten meist nicht möglich, die Vorteilhaftigkeit von Mannschaftsinvestitionen, die im Interesse des Vereins stehen, für seine Beteiligung abzuschätzen.[18]

[...]


[1] Vgl. Dietl/Pauli (2002), S. 240.

[2] Vgl. Dietl/Pauli (2002), S. 239.

[3] Vgl. Rebeggiani (2006), S. 4.

[4] Vgl. Vornholz (2005), S. 18f.

[5] Vgl. dazu ausführlich u.a. Baade (2003).

[6] Vgl. Regeggiani (2006), S. 4.

[7] Vgl. dazu ausführlich Vornholz (2005), S. 17.

[8] So besteht z.B. eine öffentliche Zahlungsgarantie i. H. v. 850.000 Euro an die Projektgesellschaft der AWD-Arena im Falle eines Abstiegs von Hannover 96, um befürchtete Einnahmeverluste auszugleichen.

[9] Vgl. Regeggiani (2006), S. 19.

[10] Daten: Pauli (2001), S. 134.

[11] Vgl. Dietl/Pauli (2002), S. 257; Der von der Bundesliga in ihrem Report 2006 angeführte Trend zu verstärkter Investition in Sach- und Finanzanlagevermögen sollte, mit Blick auf die WM und der dadurch hohen Anzahl von Neubauten in den letzten Jahren, nicht unbedingt als repräsentativ für das langfristige Verhalten gesehen werden.

[12] Daten: Bundesliga (2006), S. 69.

[13] Daten: Bundesliga (2006), S. 42; Das Æ-EBITDA der Erstligavereine beläuft sich auf 11,3 Mio. Euro.

[14] Daten: Bundesliga (2006), S. 43, 100f.

[15] Vgl. dazu ausführlich Dietl/Pauli (2002), S. 243ff.

[16] Diese betreffen u.a. die Gründung der Liga-GmbH; für weitere Ausführungen vgl. Dietl/Pauli (2002).

[17] Die Umsatzeinbußen fallen jedoch bei sehr traditionsreichen Vereinen geringer aus.

[18] Vgl. dazu ausführlich Dietl/Pauli (2002), S. 245ff.

Details

Seiten
28
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638805018
ISBN (Buch)
9783638807418
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76117
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,3
Schlagworte
Finanzierung Sportarenen Profisports

Autor

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