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Die Niederländer in Lusoamerika – Zu den Anfängen und der Aufbauphase des niederländischen Kolonialreiches in Brasilien bis 1637

Seminararbeit 2007 22 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Anfangsphase des niederländischen Brasilien-Engagements.
1.1. Historische Gründe der niederländischen Expansion
1.2. Die Anfänge des niederländischen Engagements in Lateinamerika 1580- 1609
1.3. Waffenstillstand mit Portugal und Gründung der W.I.C. 1609-1621
1.4. Die West Indische Compagnie – W.I.C.
1.5. Koloniale Expansionsbestrebungen der Niederlande in Brasilien 1621-1630
1.5.1. Erste Anläufe bis 1628
1.5.2. Piet Heyn kapert die spanische Silberflotte vor Kuba 1628
1.5.3. Die Einnahme von Pernambuco 1630

2. Erweiterung, Aufbau und Konsolidierung der Kolonie bis 1637
2.1. Militärische Kampfhandlungen und Eroberungen
2.2. Aufbau und Konsolidierung der niederländischen Kolonie in Brasilien

3. Das öffentliche Leben im niederländischen Brasilien vor 1637
3.1. Politik und Verwaltung
3.2. Wirtschaft
3.2.1. Sklaven und Sklavenhandel
3.2.2. Zucker
3.2.3. Brasilholz und andere Erzeugnisse
3.3. Religion
3.4. Umgang mit den Indios

Schluss

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit den Anfängen und der Aufbauphase des niederländischen Kolonialreiches in Lusoamerika, dem heutigen Brasilien, bis 1637. Die Niederländer waren zwar bis 1654 in Brasilien präsent und der entgültige Friedenschluss mit Portugal erfolgte erst 1661, doch da hier nur die Anfänge und die Zeit des Aufbaus behandelt werden sollen, muss eine Zäsur gesetzt werden. Daher wurde das Jahr 1637, speziell die Ankunft von Johann Moritz von Nassau als Zäsur gewählt, da mit dessen Eintreffen und Regentschaft eine neue Epoche für die Kolonie begann, die mit Anfängen und Aufbau nichts mehr gemein hat.

Anspruch dieser Arbeit ist es zu zeigen, wie und warum sich das niederländische Engagement in Brasilien bis 1637 entwickelte. Um den Gesamtkontext für Lusoamerika nicht zu verfälschen, müssen dabei auch die Aktivitäten der Niederländer in Hispanoamerika und der Karibik entsprechende Beachtung finden, da hier, unter anderem durch die West Indische Compagnie[1](W.I.C.), ein sehr enger Zusammenhang besteht. Also soll gezeigt werden, wie sich die niederländischen Bestrebungen von den ersten Fahrten bis hin zu den militärischen Eroberungsunternehmen entwickelten. Im Zusammenhang damit müssen auch Entwicklung und Struktur der W.I.C. sowie die politischen Rahmenbedingungen in Europa ergänzend analysiert werden. Dabei sollen aber die damalige Lage in Europa sowie die Aktivitäten der anderen europäischen Mächte im atlantischen Raum nur soweit herangezogen werden, wie dies notwendig erscheint. Danach ist zu klären, wie sich das öffentliche Leben, ausdifferenziert in seinen Einzelaspekten, in niederländisch Brasilien gestaltete. Am Schluss muss dann eine Wertung und Einordnung der beschriebenen Phasen und Fakten vorgenommen werden.

Die Quellenlage bzw. die Quellenübersetzung in die deutsche und englische Sprache, ist sehr dünn. In spanischer, portugiesischer und niederländische Sprache hingegen sind ausreichend Quellen vorhanden. Aufgrund der Sprachbarriere[2]musste ein großer Teil der Quellen und Quelleninformationen über die Literatur erschlossen werden. Diese Literatur enthält allerdings genug Information für die verschiedenen Kapitel dieser Arbeit, auch wenn sich die Literaturrecherche bisweilen schwierig gestaltete. Die Kolonialgeschichte Brasiliens und die Geschichte der portugiesischen Expansion sind dabei in der internationalen, wie in der deutschsprachigen Literatur auch ihren Teilaspekten gut aufgearbeitet.

1. Die Anfangsphase des niederländischen Brasilien-Engagements.

In diesem ersten Kapitel soll die Anfangsphase des niederländischen Brasilien-Engagements dargestellt und analysiert werden. Der Beginn dieser Phase erschließt sich aus den ersten Entdeckungsfahrten und dem damit immer mehr geweckten Interesse der Niederländer am südamerikanischen Kontinent. Als Schluss dieses Abschnittes und als kleine Zäsur in der Thematik ist die Einnahme von Pernambuco zu sehen, da damit der Grundstock des Verbleibs der Niederländer in Brasilien bis 1654 gelegt wurde.

1.1. Historische Gründe der niederländischen Expansion

An dieser Stelle sind vor dem eigentlichen Einstieg in die Thematik die historischen Hintergründe und Ursachen für das niederländische Streben nach Lateinamerika herauszustellen.

Brasilien wurde im Vertrag von Tordesillas am 7.6.1494 den Portugiesen zugesprochen, allerdings wurde es de facto erst sechs Jahre später von Pedro Cabral entdeckt und für die portugiesische Krone in Besitz genommen. Mitte und Ende des 16. Jahrhunderts wurde ein großer Teil des eigentlich von den Portugiesen kontrollierten Zuckerhandels zwischen Brasilien und Europa von niederländischen Schiffen abgewickelt[3]. Mit Abspaltung der Niederlande 1566/67 von Spanien und dem Beginn des Achtzigjährigen-Krieges wurden diese zum Hauptfeind der spanischen Krone[4]. 1580 erbte Philipp II. von Spanien die portugiesische Herrschaft. Damit wurden die beiden Reiche Personalunion regiert, welche bis 1640 hielt[5]. Trotz der hoch angespannten Situation zwischen den Niederlanden und Spanien änderte sich an der Situation im Brasilienhandel bis 1594 nichts, doch in diesem Jahr verbot Philipp II. den niederländischen Schiffen das Anlaufen des Hafens von Lissabon. Diese Maßnahme und „die großen Beschlagnahmeaktionen gegen niederländische Schiffe in iberischen Häfen 1585, 1595 und 1598“[6]veranlassten die Niederländer nun dazu, nach neuen Wegen für den Erhalt der begehrten Produkte zu suchen, die sie vorher ohne großen Aufwand über Lissabon beziehen konnten[7]. Neben diesen seewirtschaftlichen Problematiken war ein weiterer Motivationsgrund für das koloniale Engagement der Niederländer „der Wunsch, den Krieg in die spanischen und portugiesischen Kolonien zu tragen“[8]. Um ihre Bürger in diesem Sinne entsprechend zu beeinflussen, verfügten die Generalstaaten der Vereinigten Niederlande, dass derjenige, der ein neues Gebiet entdeckte, mit einem Monopol für sechs Expeditionen dorthin ausgestattet würde[9]. Ein weiterer Grund für das erwachende niederländische Streben nach Lateinamerika war die Aussicht auf eine Steigerung der eignen und Verminderung der gegnerischen Staatseinnahmen[10]. Die Begründung für den Beginn der niederländischen Expansion, allgemein wie in Brasilien, ist also der Konflikt, in seinen verschiedenen beschriebenen Feldern, mit Spanien und durch die Personalunion auch mit Portugal.

1.2. Die Anfänge des niederländischen Engagements in Lateinamerika 1580- 1609

Nachdem die Gründe für das Erwachen des niederländischen Interesses vorgestellt wurden, soll nun ein Blick auf die ersten Versuche in der Praxis, sprich die ersten Seefahrten in Richtung Lateinamerika und Brasilien geworfen werden.

Im Gegensatz zu den anderen europäischen Mächten besaßen die Niederlande bei ihren Unternehmungen in der Neuen Welt den Vorteil, dass niederländische Schiffe und Seefahrer bereits im 16. Jh., allerdings unter der Regie des Hauses Habsburg, Reisen nach Südamerika unternommen hatten[11]. Berichte über die ersten feindseligen niederländischen Seefahrer kamen erst 1594 auf[12]. Der erste Angriff seitens der Niederländer auf das von den Portugiesen besetze Brasilien fand allerdings erst vier Jahre später statt[13]. Diese Bestrebungen setzen sich weiter fort. Berichte über erste Stützpunkte auf dem südamerikanischen Festland liegen für den Zeitraum um 1599/1600 für den Raum um die Flüsse Xingu und Amazonas[14]sowie etwas später für das heutige Guayana vor[15]. Der wichtigste Antriebsfaktor für die Niederländer waren allerdings in diesem Zeitraum nicht der Tauschhandel mit den Eingeborenen sowie die Kaperung spanischer Karavellen, sondern die Salzfunde vor der venezolanischen Küste[16]. Im 16. Jh. Begann die niederländische Fischindustrie aufzublühen, doch war sie von Salzimporten aus Spanien abhängig, welche aus bekannten Gründen ab 1595 versiegten. Auf der Suche nach einem sicheren Salzlieferanten stieß man auf die großen Salzvorkommen an der venezolanischen Küste bei Punta de Araya, welche bis zum Waffenstillstand von 1609 immer wieder von niederländischen Schiffen angefahren wurden[17]. In der Zeit bis 1609 lag hier eindeutig der Schwerpunkt der niederländischen Aktivitäten. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Piraterie bzw. dem Kapern spanischer Schiffe[18]. Brasilien wurde bis auf die beschriebenen Stützpunkte weniger beachtet, erst 1604 erfolgte ein erster erfolgloser Angriff auf Bahia[19]. Insgesamt lief diese Phase des niederländischen Auftretens in Lateinamerika noch sehr unkoordiniert ab, zumal es jedem freien Bürger der Niederlande freigestellt war, in die Neue Welt zu segeln[20]. Brasilien war zwar bekannt, aber nur für den Schmuggel und Handel mit den Indios ein primäres Ziel[21].

Zu einer stärken Fokussierung der Niederländer auf Brasilien sollte es dagegen erst später kommen.

[...]


[1]In dieser Arbeit wird bewusst die niederländische Schreibweise dieses Wortes übernommen.

[2]Der Autor beherrscht die spanische, portugiesische und niederländische Sprache nicht.

[3]Vgl.: Peter John Blackwell: A history of Latin America c. 1450 to the present. Malden, M.A. u.a. 22004, S. 331 u. S. 338.

[4]Vgl.: Ebd., S. 339.

[5]Vgl.: Karin Schüller: Einführung in das Studium der iberischen und lateinamerikanischen Geschichte. Münster. 2000, S. 34ff.

[6]Wolfgang Reinhard: Die neue Welt. (= Geschichte der europäischen Expansion; Bd. 2). Stuttgart u.a. 1985, S. 135.

[7]Vgl.: Fernand Salentiny: Aufstieg und Fall des portugiesischen Imperiums. Wien. 1977, S. 100f.

[8]Hermann Wätjen: Das holländische Kolonialreich in Brasilien. Ein Kapitel aus der Kolonialgeschichte des 17. Jahrhunderts. Gotha. 1921, S. 27.

[9]Vgl.: Johan van Oldenbarnevelt: Aushang der Generalstaaten der Vereinigten Niederlande vom 27.3.1614, in: Eberhard Schmitt, Matthias Meyn (Hg.): Der Aufbau der Kolonialreiche. (= Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion; Bd. 3). München. 1987. S. 65.

[10]Vgl.: Pieter Emmer: Die karibischen Gebiete 1600-1760, in: Walther L. Bernecker (Hg): Mittel-, Südamerika und die Karibik bis 1760. (= Handbuch der Geschichte Lateinamerikas; Bd. 1). Stuttgart. 1994, S. 720.

[11]Vgl.: Ebd., S. 720.

[12]Vgl.: Wolfgang Reinhard: Die neue Welt, S. 135.

[13]Vgl.: António Henrique R. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs. (= Kröners Taschenausgabe; Bd. 385). Stuttgart. 2001, S.

[14]Vgl.: Hermann Wätjen: Das holländische Kolonialreich in Brasilien, S. 29.

[15]Vgl.: Lyle N. McAlister: Spain and Portugal in the New World 1492 – 1700. Minneapolis. 21987, S. 306.

[16]Vgl.: Hermann Wätjen: Das holländische Kolonialreich in Brasilien, S. 29.

[17]Vgl.: Eberhard Schmitt, Piet C. Emmer (Hg.): Wirtschaft und Handel der Kolonialreiche.

(= Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion; Bd. 4). München. 1988, S. 82ff.

[18]Frederic Mauro: Portugal and Brazil: political and economic structures of empire, 1580-1750, in: Leslie Bethell (Hg.): Colonial Latin America. (=The Cambridge history of Latin America; Bd. 1). Cambridge u.a. 1984, S. 449.

[19]Vgl.: Lyle N. McAlister: Spain and Portugal in the New World 1492 – 1700, S. 442.

[20]Vgl.: Johan van Oldenbarnevelt: Aushang der Generalstaaten der Vereinigten Niederlande vom 27.3.1614. [...], S.65.

[21]Rita Krommen: Matthias Beck und die Westindische Kompagnie. Zur Herrschaft der Niederländer im kolonialen Ceara, in: Christian Wentzlaff-Eggebert, Martin Traine (Hg.): Arbeitspapiere zur Lateinamerikaforschung. Nr. II-01. Köln. 2001, S. 19.

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638740418
ISBN (Buch)
9783638755511
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76094
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Institut für Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Niederländer Lusoamerika Anfängen Aufbauphase Kolonialreiches Brasilien Geschichte Kolonialherrschaft Iberoamerika Aufbau Strukturen Vorabend Unabhängigkeitskriege

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