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Sozialisation in der Jugendphase. Der Beitrag der Peer-Group zur Identitätsentwicklung

Hausarbeit 2006 21 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. theoretischer Hintergrund
2.1 Sozialisation
2.2 Jugend
2.3. Peer Group

3. Hauptteil
3.1 Aufbau und Funktion von Freundschaftsbeziehungen in der Jugendphase
3.2 Bedeutung der Peer-Group in Bezug auf Sozialisation und Individualisierung im Jugendalter
3.2.1 Die Identitätsbildung
3.2.2 Der Beitrag der Peer-Group zur Identitätsbildung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Soziologieseminars „Subjekt und Kooperation“ bei Prof. Wolfgang Braun, befasse ich mich in der vorliegenden Arbeit mit dem Thema Sozialisation in der Jugendphase.

Den Schwerpunkt dieser Arbeit habe ich auf die Identitätsentwicklung gelegt.

Viele Faktoren beeinflussen die Entwicklung der Identität. Da es für meine Arbeit zu ausführlich wäre auf all diese Faktoren einzugehen, habe ich mich dazu entschlossen den Blickwinkel auf die Peer-Group zu legen. Ziel meiner Arbeit soll es sein den Einfluss, welchen die Peer-Group auf die Identitätsentwicklung eines Jugendlichen hat, näher darzustellen.

Der Sozialisationsprozess eines Menschen ist ein lebenslanger Prozess- ich persönlich halte diese Tatsache für sehr interessant. Dies ist der Grund, dass ich mich in meiner Arbeit näher mit dem Thema Sozialisation befasse.

Die Peer-Group gewinnt in den Medien zunehmend an Bedeutung. Wissenschaftler befassen sich mit den Einflüssen, welche Jugendliche auf Gleichaltrige haben. Zunehmend kommen Bücher auf den Markt, die unter anderem folgende Titel tragen: „Die heimlichen Erzieher“ (Hubert Wisskirchen), „Null Zoff & Voll Busy- Die erste Jugendgeneration des neuen Jahrhunderts“ (Jürgen Zinnecker), „Handbuch Peer-Education- Bildung und Erziehung von Gleichaltrigen durch Gleichaltrige“ (Hrsg. Martin Nörber) und „Ist Erziehung sinnlos?“ (Judith Rich Harris). Jedoch ist der Wissenschaft diese Thematik nicht neu. Bereits Hurrelmann, Erikson, Havighurst und viele andere Wissenschaftler, befassten sich mit dem Thema Sozialisation, Identitätsfindung und -entwicklung und Jugend.

Da ich bisher viel im Bereich der Jugendarbeit tätig war und mir dies auch für die Zukunft wünsche, möchte ich den Schwerpunkt meiner Arbeit auf den Sozialisationsprozess in der Jugend richten, in dem die Identitätsentwicklung eine wichtige Rolle spielt. Da die Peer-Group in dieser Zeit, neben der Familie, den Medien und anderen Einflussfaktoren, eine sehr wichtige Funktion übernimmt, möchte ich diesen Einflussfaktor genauer betrachten.

Zu Beginn meiner Arbeit möchte ich zunächst theoretisch auf die Begriffe Sozialisation, Jugend und Peer-Group eingehen, da diese die Grundlage meiner Arbeit darstellen. Ich werde darauf verzichten gezielt auf die verschiedenen Sozialisationstheorien einzugehen, da meiner Ansicht nach in meiner Arbeit der Sozialisation als Prozess und Gegenstand von Bedeutung ist, nicht jedoch wie Sozialisation zustande kommt.

Im Hauptteil meiner Arbeit befasse ich mich zunächst mit der Struktur und Funktion von Freundschaftsbeziehungen in der Jugendphase. Peer-Groups gibt es allerorten- sie entstehen beinahe überall dort, wo Gleichaltrige aufeinander treffen. Ziel dieses Gliederungspunktes soll es sein, den Aufbau einer Peer-Group und die verschiedenen Formen von Gleichaltrigengruppen darzustellen.

Dabei ist es mir wichtig aufzuzeigen, welche Bedeutung eine Peer-Group in der Jugendphase für Teenager hat.

Im weiteren Verlauf der Arbeit setze ich mich mit der Entstehung der Identität auseinander. Was bedeutet es eine „Identität“ zu haben, wie setzt sich diese zusammen und wodurch wird die Identitätsentwicklung beeinflusst?

Zum Abschluss werde ich herausstellen, welchen Beitrag die Peer-Group zur Identitätsbildung leistet.

2. theoretischer Hintergrund

2.1 Sozialisation

Sozialisation ist ein lebenslanger Prozess, der mit der Geburt eines Lebewesens beginnt und mit dem Tod endet. Die Kindheit und die Jugend werden als die wichtigste Sozialisationsphase eines Menschen definiert. Claessens definiert Sozialisation als “die zweite, soziokulturelle Geburt des Menschen“ (vgl. Hagemann-White. 1988. S.507)

Der Mensch wird als ein unvollkommenes Wesen geboren. Er ist darauf angewiesen, dass sich andere Menschen um ihn kümmern und er in die Gesellschaft sozialisiert wird, d.h. dass er die anerkannten Werte und Normen einer bzw. seiner Kultur erlernt und somit ein Teil seiner Gesellschaft wird. Nach Geulem ist Sozialisation einerseits ein Aneignungsprozess- ein Mensch erlernt die Grundlagen des sozialen Handelns und die Kulturstile der Gesellschaft, in der er lebt. Andererseits ist Sozialisation ein Prozess der Identitätsbildung- neben den gesellschaftlichen Grundanforderungen werden auch spezifische persönliche Merkmale entwickelt. (vgl. 2001. S.124) Durch diese Teilung wird deutlich, wie auch Zimmermann anmerkt, dass der Aneignungsprozess nicht als eine Anpassung verstanden werden darf. (2003. S.15)

Jeder Mensch ist ein Individuum, welches zwar lernen muss in seiner Gesellschaft und jeweiligen Kultur zu leben und sich dort in gewisser Hinsicht anzupassen, jedoch trifft auch jeder Mensch Entscheidungen, die sein Leben und seinen Stellenwert in einer Gesellschaft beeinflussen. Die Persönlichkeit eines Menschen entwickelt sich vom Säuglingsalter an in der Sozialen Umwelt, wobei sich durch verschiedene Einflüsse (z.B. gesellschaftliche, soziale und individuelle) die soziale Identität eines Individuums entwickelt. Das zentrale Modell des „produktiv realitätsverarbeitenden Subjekts“ der neueren Sozialisationsforschung von Hurrelmann (nach Zimmermann), beinhaltet drei Perspektiven der Akzentuierung von Sozialisation. Demnach ist Sozialisation subjektbezogen, institutionsbezogen und kulturbezogen. „Unverkennbar ist Sozialisation hiermit als ein interaktiver Prozess zu verstehen, in dem Persönlichkeits­ent­wicklung in der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt stattfindet.

Die beiden Einheiten Organismus/Psyche und Gesellschaft finden ihren Schnittpunkt in der Persönlichkeit.“ (Zimmermann. 2003. S.17) Sozialisation gliedert sich in zwei Phasen. Man spricht von der primären und der sekundären Sozialisation. Die ersten Bezugspersonen eines Säuglings sind die Eltern, was dazu führt, dass der Sozialisationsprozess im Elternhaus beginnt- ein Kind wird in die „Regeln des Lebens“ eingeführt, erste Eindrücke über Lebensarten und -formen werden gemacht und verinnerlicht. (primäre Sozialisation). In der zweiten Phase der Sozialisation (sekundäre Sozialisation) hat der Jugendliche die Möglichkeit selber Sozialisationspartner (Schulkameraden, Peer-Group etc.) zu wählen. Häufig werden neue Kontakte geknüpft und alte abgebrochen. An dieser Stelle entwickelt der Jugendliche eine persönliche Identität, indem er bisher erlernte Verhaltensformen überprüft und eventuell erneuert. Es ist nötig zu betrachten, dass Sozialisation nicht mit Erziehung gleichgestellt oder verwechselt wird. Zimmermann merkt an, dass Sozialisation durch Erziehung ermöglicht wird (vgl. 2003. S.14). In der Erziehung stehen Erzieher und zu Erziehender in Beziehung zueinander und dem Erzieher ist das Wohl des Kindes von Wichtigkeit bzw. der Erzieher plant die Einflüsse, welche er auf das Kind ausübt. In der Sozialisation stehen Individuum und Gesellschaft in Beziehung zueinander. Die Sozialisation bezieht die geplanten Vorgänge der Erziehung mit ein, beinhaltet jedoch auch die ungeplanten Einflüsse, wie zum Beispiel solche des Medieneinflusses, der Peer-Group oder der Werbung. Eickelpasch definiert: ‚„Sozialisation“ ist die Gesamtheit aller geplanten und ungeplanten Einflüsse der sozialen Umwelt, durch die das Individuum zum Mitglied einer Gesellschaft wird.’ (2002. S.28)

2.2 Jugend

Das Leben eines Menschen wird in verschiedene Lebensabschnitte gegliedert, die da wären: Kindheit, Jugend (Pubertät und Adoleszenz), Erwachsenenalter und Ruhestandsalter. Die Jugend ist bekannt als eine Phase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, die meist als sehr turbulent, aufregend, erlebnisreich, schwierig und lehrreich angesehen wird, sowohl für den Jugendlichen selber, als auch für sein Umfeld (Familie, Freunde, Schule etc.). Nach Auffassung von Zimmermann kann man den Begriff Jugend nicht eindeutig definieren, da er in vergangenen Zeitabschnitten und auch in unterschiedlichen Kulturen ungleich dargelegt wurde. Wissenschaftler warnen vor einer schnellen Generalisierung des Begriffes Jugend, da verschiedenste Deutungen mit diesem Begriff verbunden sein können- zum Beispiel Jugend als eine Entwicklungsphase, als eine soziale Gruppe, als eine Subkultur oder als ein Wertebegriff. Meistens wird Jugend jedoch, wie von mir eben oben genannt, als eine Übergangszeit (Kindheit- Erwachsenheit) in einem Alter von ca. 13 bis 25 Jahren betitelt. (vgl. 2003. S. 165f) Laut Zimmermann finden in dieser Lebensphase wesentliche körperliche, emotionale, geistliche und soziale Entwicklungen statt. (vgl. 2003. S.165) Bekannt ist, dass Jugendliche, die sich im Prozess der Identitätsentwicklung (soziale Identität und persönliche Identität) befinden und sich langsam von ihren Eltern abgrenzen um ihren eigenen Lebensstil zu entwickeln. Hurrelmann beschreibt, dass Jugendliche in der Zeit, in der sie sich vom Kind zum Erwachsenen entwickeln, verschiedene Entwicklungsaufgaben bewältigen müssen. Entwicklungsaufgaben spielen sowohl in der Psychologie als auch in der Soziologie eine wichtige Rolle zur Abgrenzung der Phasen Kind- Jugendlicher- Erwachsener. Es wird unterschieden zwischen Entwicklungsaufgaben des Kindesalters, des Jugendalters und des Erwachsenenalters. Die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters sind, laut Hurrelmann: Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz, Entwicklung der eigenen Geschlechtsrolle und des sozialen Bindungsverhaltens zu Gleichaltrigen (Partnerfähigkeit), Fähigkeit zur Nutzung des Warenmarktes und Entwicklung eines Werte- und Normensystems. (Hurrelmann. 1994. S.31-47) Dabei werden auf der einen Seite die engen Kontrollen und Bindungen der Eltern gelockert, auf der anderen Seite kann ein Jugendlicher noch nicht die Aufgaben und Erwartungen erfüllen, die an einen Erwachsenen gestellt werden. Hurrelmann beschreibt, dass die Soziologie „die strukturellen Handlungsmöglichkeiten und Statuskonfigurationen, die durch gesellschaftliche Vorgaben bestimmt sind“, unter Einbeziehung der psychologischen Sichtweise, fokussiert. Aus diesem Blickwinkel ist die Zeit der Jugend ein Abschnitt, „der durch ein Nebeneinander von noch unselbstständigen, quasi kindheitsgemäßen, und selbstständigen, quasi schon erwachsenengemäßen Handlungsanforderungen charakterisiert ist.“ Um ein Ende der Jugendphase benennen zu können, gibt Hurrelmann den öffentlichen Bereich (Schulabschluss und Berufseinstieg) und den privaten Bereich (Ablösung und Auszug aus dem Elternhaus und Familiengründung) an. (vgl. 1994. S.46)

Demnach kann man sagen, dass die Jugendphase beendet ist, wenn ein Mensch emotional sowie wirtschaftlich auf eigenen Beinen steht. Der Mensch ist dann sozial kompetent und in der Lage eigenständige Entscheidungen, die ihn und seine Familie anbelangen, zu treffen. Mit dem Begriff Jugend werden häufig die Begriffe Pubertät und Adoleszenz verknüpft, wobei der Begriff Pubertät gesellschaftlich deutlich verbreiteter und bekannter ist. „Die Pubertät“, so schreibt Baacke, „ist die Phase in der der Heranwachsende besonders einschneidende physiologisch-biologische Veränderungen durchmacht (er wird geschlechtsreif) und im Zusammenhang dieser Erfahrungen die allmähliche Ablösung vom Elternhaus intensiviert.“ (1991. S.36)

Diese Phase der physiologischen, sowie psychologischen und sozialen Entwicklung, lässt sich zeitlich nur schwer eingrenzen- tendenziell kann man die Altersspanne von 13-18 Jahren benennen. Dabei ist die genitale Entwicklung stärker eingrenzbar, als das körperliche Wachstum. Beides beginnt mit ca. 13 Jahren. Die genitale Reife ist meist mit 17/18 Jahren beendet, wo hingegen „der puberale Wachstumsschub“ weiter anhalten kann. Adoleszenz hingegen meint, dass die körperlichen Veränderungen häufig bereits abgeschlossen sind (Pubertät), jedoch die „sozialen und emotionalen“ Folgen noch nicht überwunden wurden. Diese Phase ist in der Regel weiter gesteckt als die Phase der Pubertät. Adoleszenz bedeutet, dass neue physische und psychische Erfahrungen gemacht und verarbeitet werden, was zur Identitätsbildung des Jugendlichen beiträgt. (vgl. Baacke. 1991. S.36f) Man kann von einem psychosozialen Entwicklungsprozess nach der Pubertät sprechen.

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Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638804875
ISBN (Buch)
9783656899105
Dateigröße
380 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76079
Institution / Hochschule
Ev. Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
Sozialisation Jugendphase Beitrag Peer-Group Identitätsentwicklung

Autor

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Titel: Sozialisation in der Jugendphase. Der Beitrag der Peer-Group zur Identitätsentwicklung