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Talcott Parsons und die Sozialisationstheorie sowie die Anwendung der Theorie am Beispiel der Uni Konstanz

von Christian Schöpf (Autor) Iris Reutter (Autor)

Hausarbeit 2007 29 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Biographie und Hauptwerke Talcott Parsons

II. Die Theorie Parsons
Handlungstheorie und Strukturfunktionalismus
Systemtheorie

III. Sozialisation
Sozialisation Allgemein
Parsons Sozialisationstheorie
Primäre Sozialisation
Sekundäre Sozialisation
Geschlechtsreife

IV. Anwendung der Sozialisationstheorie auf die Universität, speziell auf die Universität Konstanz im Jahr 2007

V. Kritik

VI. Literaturverzeichnis und Bildnachweis

Literatur:

I. Biographie und Hauptwerke Talcott Parsons

Talcott Parsons wurde am 13. Dezember 1902 in Colorado Springs (USA) als Sohn von Edward Smith Parsons Senior und Mary Augusta Parsons geboren. Nach seiner schulischen Ausbildung, studierte er – wie für viele Klassiker der Soziologie nicht ungewöhnlich – zunächst etwas vollkommen Fachfremdes, in Parsons Falle eben Biologie und Nationalökonomie, zunächst in London, ab 1926 dann an einer der ältesten Universitäten in Deutschland, in Heidelberg, bevor er zur Soziologie kam. Im Jahre 1944 wurde er zum „Full Professor of Sociology“ in Harvard ernannt. 1946 gründete Parsons in Harvard das „Departement of Social Relations“, welchem er bis zu seiner Emeritierung 1973 vorstand.

Während seiner knapp vierzigjährigen Schaffensphase entstanden mehrere Werke, Essays und Schriften, die von nachhaltiger Bedeutung auch über die Soziologie hinaus sind. Als Hauptwerk und zugleich als Klassiker der Soziologie gilt das 1937 erschienene Buch Parsons: „The Structure of Social Action“.

Weitere nennenswerte Arbeiten und Bücher sind unter anderem das 1951 erschienene „The Social System“, das 1966 erschienene „Societies“, das 1971 erschienene „The System of Modern Societies“ und das 1973 zusammen mit G.M. Platt veröffentlichte Buch „The American University“. Darüber hinaus publizierte Talcott Parsons zahlreiche weitere Bücher, Essays und Festschriften, sowie weitere Beiträge in Büchern und Zeitschriften.

II. Die Theorie Parsons

Um nun in das Thema einzusteigen, soll an dieser Stelle die Theorie von Parsons vorgestellt werden.

Parsons begann seine theoretischen Ausführungen im Bereich der Handlungstheorie, was im Kontext der soziologischen Geschichte – erinnert sei hier an Weber – seiner Anfangszeit naheliegt. Er entwickelte diese dann weiter zum Strukturfunktionalismus und begründete auf diesem die soziologische Systemtheorie, welcher er bis zu seiner Emeritierung eng verbunden blieb. Luhmann wiederum bediente sich dieser, um selbst einer der bedeutendsten Systemtheoretiker unserer Zeit zu werden. Und so bilden Systemtheorie, Parsons und Luhmann eine begriffliche Trinität für die Ewigkeit.

Handlungstheorie und Strukturfunktionalismus

Parsons Ziel war es, ein theoretisches Konstrukt zu schaffen „von logisch zusammenhängenden Begriffen […], durch welches alle relevanten Aspekte der gesellschaftlichen Realität erfasst werden können.“[1]

Gesellschaft wird zunächst durch Handlungen realisiert. In kritischer Anlehnung an den Utilitarismus seien „menschliche Handlungen als zielgerichtetes Verhalten zu kennzeichnen, d.h. als ein Verhalten, welches ein vom Standpunkt des Handelnden aus erwünschtes Ziel durch Anwendung geeigneter Mittel zu erreichen sucht.“[2]

Parsons wollte eine universell gültige Theorie schaffen, die alle sozialen Vorgänge in einer Gesellschaft berücksichtigt, unabhängig von einer bestimmten Zeit oder einer bestimmten Gesellschaft. In seinem Werk „The Structure of Social Action“ definiert Parsons Handlung als „zielgerichtetes, adaptives, normativ orientiertes und motiviertes, durch symbolische Prozesse angeleitetes Verhalten“ […], die wichtigere Frage, was „soziales Handeln ausmache, wird nicht wirklich behandelt.“[3]

Systemtheorie

Später richtete sich Parsons Interesse auf diese Fragestellung und damit auch auf die sozialen Systeme. Soziales Handeln ist dabei kein isoliertes Phänomen, sondern es tritt „immer nur in Konstellationen und spezifischen Verbindungen“[4] auf. Verschiedene Konstellationen sozialen Handelns bezeichnet Parsons dabei als Systeme. Er identifiziert vorerst drei verschiedene Systeme:

1. organisches System
2. psychisches System
3. soziales System

Diese Unterscheidung in drei Systeme hat Parsons dann weiter spezifiziert und in vier Subsysteme menschlichen Handelns aufgeteilt:

1. das organismische System (bzw. der Organismus)
2. das personale System
3. das soziale System
4. das kulturelle System

Um erklären zu können, wie ein soziales System zustande kommt, betrachtet Parsons Zwei-Personen-Interaktionen. In diesem Zusammenspiel stellt jedes Individuum als Alter und als Ego „für das jeweils andere sowohl ein Potential von Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung als auch von Frustrationsquellen dar.“[5] Durch entsprechende Reaktionen des Gegenübers – Ärger als Antwort auf frustrierende Handlungen bzw. Freude auf befriedigende Handlungen – lernen Individuen, ihr Verhalten einzuschätzen und zu reflektieren und der Situation gemäß anzupassen. Durch diese situative Anpassung entwickelt sich langsam ein „System gegenseitiger Erwartungen, welches festlegt, wie sich einer dem anderen gegenüber verhalten solle.“[6] Durch diese Erwartungen wird das Verhalten steuerbar und einschätzbar und liefert den Individuen nach und nach einen „Bezugsrahmen gemeinsamer Bedeutungen“[7]. So kann ein unabhängiges soziales System „mit gemeinsamen Werten, gemeinsamen Rollenerwartungen und einer feststehenden Mitgliedschaft“ entstehen.[8] Eine soziale Rolle definiert sich also durch die „normativen Erwartungen […], die von den Mitgliedern sozialer Gruppen und Institutionen an den Handelnden gerichtet werden.“[9]

Diese in einer Gesellschaft gültigen Wertvorstellungen über das richtige Verhalten lassen sich in fünf Kategorien beschreiben, den sogenannten Pattern Variables. Dabei handelt es sich um fünf dichotome Begriffspaare, nach denen ein Individuum handelt. Einerseits folgt es dabei persönlichen Motivationen, andererseits orientiert es sich an gesellschaftlichen Werten. Die Pattern Variables nannte Parsons in seinem Buch „The Social System“, später verloren sie aber bei ihm wieder an Bedeutung (den fünften Punkt strich er ganz).

1. Affektivität versus affektive Neutralität

Hier stellt sich die Frage, ob es angemessen ist, ein hohes Maß an Emotionen in eine bestimmte Art von Interaktion zu investieren oder nicht.

2. Diffusität versus Spezifität

Sind Erwartungen für das gesamte soziale Leben eines Akteurs definiert oder nur auf bestimmte spezifische Tätigkeitsbereiche beschränkt?

3. Universalismus versus Partikularismus

Sind die Erwartungen in einer Interaktion für alle Personen gleich oder unterscheiden sie sich für unterschiedliche Kategorien von Personen?

4. Leistung versus Zuschreibung

Beurteilung der Interaktionspartner nach Leistungskriterien oder nach von Geburts wegen vorgegebenen Kriterien (zum Beispiel Geschlecht, Alter, Rasse).

5. Selbstorientierung versus Gemeinschaftsorientierung

Sind persönliche, egoistische Eigeninteressen ausschlaggebend oder kollektive Ziele der Gemeinschaft?

Seine Theorie beruht dabei auf der grundlegenden Annahme, „jede Gesellschaft strebe nach einem störungs- und konfliktfreien Gleichgewicht“[10]. Um dieses Gleichgewicht dauerhaft zu erhalten, haben alle Teile einer Gesellschaft die Funktion, „den Erhalt ihrer Struktur zu gewährleisten“[11] (Strukturfunktionalismus). Aufgrund dieser Erhaltungsfunktion bedürfen Handlungen nach Parsons der Bestimmung dreier Eckpunkte:

1. Zunächst ist die Beschaffenheit der Situation zu betrachten
2. dann die Bedürfnisse des Handelnden
3. schließlich die Bewertung der Situation durch den Handelnden.

Parsons unterstellt den Handelnden dabei, dass sie kompromissbereit sind, um „das System immer in einem Gleichgewicht“[12] zu halten. Hierfür bedarf es eines Ausgleichs der Handelnden zwischen ihren Bedürfnissen und gesellschaftlichen Anforderungen. In diesen Zusammenhang gehören die erläuterten Pattern Variables als gesellschaftliche Wertorientierungen über das richtige Verhalten.

Die Topographie einer Gesellschaft wird durch die Wahl der Alternative der Pattern Variables bestimmt, welche die Mitglieder der Gesellschaft wählen. Diese gewählte Alternative bestimmt die „im System geltenden Orientierungen, die von den Teilen des System, den Subsystemen erhalten werden müssen.“[13] Menschliches Handeln wurde von Parsons in vier Subsysteme unterteilt.

Parsons beschrieb vier strukturerhaltende Funktionen, die jeweils einem Subsystem zugeordnet werden. Diese wurden sinngemäß von Hauck[14] entnommen und werden im Anschluss näher erläutert.

1. Adaptation (Anpassungsfunktion

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Organismus (Arbeit und Wirtschaft)

2. Goal attainment (Zielerreichungsfunktion

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Personales System (Parteien und Verbände)

3. Integration

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Soziales System (Gemeinwesen)

4. Latent pattern maintenance – Latenz (Werterhaltungsfunktion)

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Kulturelles System (Familie, Schule, Kirche)

Dieses AGIL-Schema (benannt nach den Anfangsbuchstaben der einzelnen Funktionen) definiert nun folgende „vier fundamentale, funktionale Probleme aller Handlungssysteme“[15].

[...]


[1] Hauck, S. 133.

[2] Hauck, S. 134.

[3] Hauck, S. 134.

[4] Hurrelmann 2002, S. 41.

[5] Hauck, S. 135.

[6] Hauck, S. 135.

[7] Hauck, S. 135.

[8] Hauck, S. 135.

[9] Hurrelmann 2002, S. 42.

[10] Faulstich-Wieland, S. 117.

[11] Faulstich-Wieland, S. 117.

[12] Faulstich-Wieland, S. 118.

[13] Faulstich-Wieland, S. 118.

[14] Vgl. Hauck, S. 139ff.

[15] Hauck, S. 139.

Details

Seiten
29
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638804110
ISBN (Buch)
9783638807340
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75978
Institution / Hochschule
Universität Konstanz – FB Geschichte und Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Talcott Parsons Sozialisationstheorie Anwendung Theorie Beispiel Konstanz Sozialisation

Autoren

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