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Kurt-Georg Kiesinger und die Medien

Hausarbeit 2001 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Kurzportrait Kiesinger bis zur Kanzlerwahl 1966
2.1 Kiesingers Jugend (1904-1933)
2.2 Kiesinger und das „Dritte Reich“
2.3 Kiesinger in der jungen Bundesrepublik

3 Kiesingers Vergangenheit als Thema der Medien
3.1 Reaktion der inländischen Presse
3.2 Reaktion der ausländischen Presse
3.3 Das Spiegel-Papier
3.4 Kiesingers Informationspolitik und Reaktionen vor der Kanzlerwahl

4 Kanzler Kiesinger und die Medien
4.1 Kiesinger als „Hörkanzler“
4.2 Kiesingers in der Öffentlichkeit
4.2.1 Kiesinger und die 68er

5 Fazit

6 Literatur
6.1 Bücher und Aufsätze
6.2 Zeitungen und Zeitschriften

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird das Verhältnis zwischen dem dritten Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Kurt-Georg Kiesinger, und den Medien näher betrachtet.

In Anbetracht der bislang recht dünnen wissenschaftlichen Aufarbeitung des Themenfeldes und dem begrenzten Umfang dieser Arbeit, werden neben dem allgemeinen Überblick, einige als exemplarisch geltende Aspekte näher untersucht.

Zunächst wird nachfolgend ein kurzer biografischer Überblick über die Person Kiesinger gegeben.

Danach wendet sich die Arbeit der ersten Begegnung des werdenden Kanzlers Kiesinger mit Medien zu: Der Thematisierung der NS-Vergangenheit Kiesingers in der Presse. Der zweite Schwerpunkt der Arbeit soll im Umgang Kiesingers mit den Medien während der Studentenproteste 1968 liegen. Im letzten Kapitel beschäftigt sich die Arbeit kurz mit dem Verhältnis zwischen den Medien und der Großen Koalition.

Aufgrund der bereits erwähnten dünnen Literaturlage wird sich die Arbeit sehr stark auf Zeitungsartikel aus den besagten Zeiträumen beziehen.[1]

2 Kurzportrait Kiesinger bis zur Kanzlerwahl 1966

Eine Betrachtung der Kanzlerschaft Kiesingers ist nur in Verbindung mit seiner persönlichen Vergangenheit möglich. Denn diese prägte sowohl seine humanistische Weltsicht, als dass sie ihn auch besonders zu Beginn seiner Kanzlerschaft zum Ziel heftiger Kritik machte.

2.1 Kiesingers Jugend (1904-1933)

Kiesinger wurde am 6.April 1904 im schwäbischen Ebingen geboren. Sein Vater war Protestant und seine Mutter Katholikin. Schon durch diese in damaliger Zeit nicht selbstverständliche Konstellation wurde nach Meinung einiger Biografen seine Fähigkeit zu Verständigung und Kompromissen geprägt.

Trotz der einfachen Verhältnisse seines Elternhauses konnte Kiesinger ein Studium der Pädagogik, Philosophie und Literatur in Tübingen aufnehmen.

Dabei war vor allem der Ebinger Fabrikant Friedrich Haux eine wichtige Unterstützung. Haux entdeckte die poetische Ader Kiesingers und ließ seine Gedichte, die zuerst in der lokalen Zeitung erschienen, unter dem Titel „Wallfahrt zu Gott“ auf eigene Kosten verlegen.

Obwohl der weitere Lebensweg Kiesingers vor allem durch sein Jurastudium geprägt wurde, ließ ihn seine geisteswissenschaftliche Vorbildung nicht los. Nicht umsonst wurde Kiesinger auch unmittelbar vor der Kanzlerwahl der „Philosoph auf dem Kandidatenstuhl“[2] genannt.

1926 wechselte Kiesinger nach Berlin. Dort besuchte er unter anderem Vorlesungen von Thomas Mann und Gerhart Hauptmann. Kurz nach seinem Wechsel nach Berlin, wechselte er auch sein Studienfach und nahm sein juristisches Studium auf. Dies tat er nicht zuletzt wegen der besseren Berufsausichten als Jurist.

Sein Studium finanzierte Kiesinger gegen Ende als Lehrer für Repetitorien und bereitete Studenten auf ihr Examen vor.

2.2 Kiesinger und das „Dritte Reich“

Wie bei vielen deutschen Karrieren dieser Generation erhielt auch Kiesingers Lebenslauf 1933 einen entscheidenen Einschnitt.[3] Da die Vergangenheit Kiesingers sich wohl kaum mehr genau rekonstruieren lässt und einige Fragen offenlässt soll im folgenden nur das erwähnt werden, was als gesichert gilt und allgemein in der Literatur anerkannt wird.

Unmittelbar nach dem Wahsieg der Nationalsozialisten trat Kiesinger 1933 der NSDAP bei. 1935 ließ sich Kiesinger als Rechtsanwalt am Berliner Kammergericht nieder. Da Kiesinger allerdings nicht bereit war dem NS-Rechtswahrerbund, der nationalsozialistischen Berufsorganisation der Anwälte, beizutreten, war ihm der Staatsdienst verwehrt und seine Fälle eher unbedeutend.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 erhielt Kiesinger seine Einberufung. Einem seiner ehemaligen Schüler hatte er jedoch zu verdanken nicht an die Front zu kommen, sondern stattdessen als Referent in der „Kulturabteilung Rundfunk“ des Auswärtigen Amtes eingestellt zu werden. Aufgabe der sogenannten Abteilung „Kultur R“ war die Koordination der Informationspolitik des Auswärtigen Amtes mit dem Reichspropagandaministerium. Dort blieb Kiesinger bis zum Kriegsende 1945.

Nach Kriegsende erwarteten Kiesinger zunächst 18 Monate Inhaftierung im Internierungslager Ludwigsburg. Ob Kiesinger interniert wurde, weil er für das Auswärtige Amt gearbeitet hatte oder die Ursache in einer Verwechslung mit in dem Dorf untergebrachten KZ-„Ärzten“ lag, konnte bislang nicht belegt werden.[4]

2.3 Kiesinger in der jungen Bundesrepublik

1947 stand Kiesinger dann mit Frau und zwei Kindern vor dem Nichts. Sein erster Wunsch war die Rückkehr in seine Heimat nach Südwürtemberg. Doch ließ die französische Besatzung keine Zuzüge von Deutschen in ihre Zone zu, wenn diese nicht bereits 1939 dort gelebt hatten. Hilfesuchend wendete Kiesinger sich an Gebhard Müller, einen alten Studienfreund, den späteren Ministerpräsident von Würtemberg-Hohenzollern.

Müller bot Kiesinger die Stelle des Landesgeschäftsführers der CDU in Tübingen an, die ihm einen Zuzug ermögichtete. Zu diesem Zeitpunkt begann Kiesingers politische Karriere aus im Kern völlig unpolitischen Beweggründen.

„Ganz gegen seinen Willen...“[5] wurde er schließlich 1949 zum Kandidaten seines Wahlkreises Ravensburg-Wangen-Tettmang gekürt. Mit einem der besten CDU-Ergebnissen zog Kiesinger in den ersten Deutschen Bundestag in Bonn ein und machte sich dort schnell einen Namen als großer Redner. Dieser Redekunst verdankte er bald seinen zunächst spöttisch gemeinten Beinamen „König Silberzunge“, den aber bald auch seine Freunde benutzten.

Dass ihm dennoch während seiner Bonner Zeit Ämter verwehrt blieben lag vor allem am Fehlen von „Ellenbogen“ und „Hausmacht“[6].

Im Jahre 1958 wurde Kiesinger als Nachfolger von Müller nach Stuttgart gerufen. Auch wenn es ihm schwerfiel die Bundespolitik zu verlassen, so reizte ihn auch die Möglichkeit zu regieren. Gegenüber Journalisten äusserte er einmal, dass zu seinen Leidenschaften neben Reisen, Reden und Repräsentieren auch das Regieren gehöre.[7]

Als baden-würtembergischer Ministerpräsident erwarb Kiesinger schnell das Vertrauen weiter Teile der Bevölkerung. Nicht zuletzt durch seinen Einsatz für die kleineren Städte, die er neben den Großstädten, zu Kulturzentren ausbauen ließ. Deutlichstes Beispiel für diese Förderung ist die Gründung der Universität Konstanz, die vor allem Kiesingers persönlichen Engagement zuzuschreiben ist.

Kulturelle Förderung und gesellschaftliche Repräsentation waren selbstverständlich auch kostspielg. So stieg der sogenannte Repräsentationfonds des Landes auf das dreifache der Zeit vor Kiesinger an. Kritikern entgegenete Kiesinger einmal: „ Wenn man einen Staat verwaltet, muß man auch Staat machen.“[8]

Nicht zuletzt dienten Auftritte, wie bei der Eröffnung der Universität Konstanz auch als willkommene positive Auftritte in den Medien.

Kiesinger ließ trotz seiner Arbeit in Baden-Würtemberg die Bundespolitik nicht aus den Augen. In der Zeit als Ministerpräsident „machte er zahlreiche verschiedene Auslandsreisen (nach Indien, Süd- und Nordamerika) und hielt vielbeachtete Vorträge über die weltpolitischen Entwicklungen.“[9]

Als Ende 1966 die FDP die christlich-liberale Koaltion verließ und Kanzler Erhard, nicht zuletzt durch Intrigen in den eigenen Reihen, aufgab, tauchte der Name Kiesinger recht bald auf der Liste der Nachfolgekandidaten auf.

[...]


[1] Zeitungsartikel in Kopie zur Verfügung gestellt durch das Bundespresse- und Informationsamt

[2] Frankfurter Rundschau vom 11.November 1966

[3] Eine nähere Erläuterung zur Diskussion um die NS-Vergangenheit Kiesingers im Kapitel 3

[4] Letzteres wird besonders von Schmoeckel behauptet

[5] Schmoeckel, Reinhard in Schmoeckel, Reinhard; Kaiser, Bruno Die vergessene Regierung, Bonn 1991 S.93

[6] ebenda S.94

[7] vgl. a.a.O. S.96

[8] zitiert nach Ziegler,Gerhard in von Sternburg, Wilhelm (hrsg.) Die deutschen Kanzler- Von Bismark bis Kohl. Berlin 1998 S.407-417

[9] Schmoeckel/Kaiser a.a.O. S.97

Details

Seiten
19
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638104944
ISBN (Buch)
9783656299677
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v759
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Publizistik
Note
2,0
Schlagworte
Politik Kanzler Medien Wahlkampf PR.

Autor

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