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Die Bedeutungskonstitution von Schuhen

Hausarbeit 2006 25 Seiten

Anglistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wortbedeutungen
2.1 Denotative und referentielle Bedeutung
2.1.1 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Denotation
2.1.2 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Referenz
2.2 Konnotative und assoziative Bedeutung
2.2.1 Begriffsklärung nach Leech
2.2.2 Arten von Konnotationen
2.3 Das Verhältnis zwischen Denotation und Konnotation
2.4 Kontextabhängige Bedeutung
2.4.1 Monosemierung und schematisches Hintergrundwissen
2.4.2 Das Interpretationsmodell
2.4.3 Bedeutetes und Gemeintes
2.4.4 Konversationelle Implikaturen

3 Analyse einer Teststudie
3.1 Dimensionen bei Kaiser u.a.
3.2 Die einzelnen Probanden im Überblick
3.3 Verknüpfung von Theorie und Datenanalyse
3.3.1 Referentielle Bedeutung
3.3.2 Kontextabhängige Bedeutung
3.3.3 Konnotative Bedeutung

4 Schlussbetrachtung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Schuhe spielen in der Gesellschaft eine bedeutsame Rolle. Sie sind essentieller Bestandteil der menschlichen Kleidung und erfüllen als diese eine Vielzahl an Bedeutungsdimensionen. So werden Schuhe sowohl als funktionaler Gegenstand betrachtet, der die Fortbewegung in unserer Umwelt erleichtert, als auch als modisches Kleidungsstück, das unsere charakterlichen Facetten betont. Neben diesen grundlegenden Dimensionen werden sie jedoch auch unter einer Vielzahl weiterer Gesichtspunkte definiert, die an dieser Stelle nicht alle aufgezählt werden sollen. Es ist somit ersichtlich, dass dem Begriff „Schuh“ eine Vielzahl unterschiedlicher Bedeutungen zugewiesen werden kann, wobei die jeweiligen Sprachbenutzer darüber entscheiden, welche der möglichen Bedeutungen sie prozessieren. Da die Problematik der Bedeutungszuweisung in der Linguistik eine wichtige Rolle spielt, werde ich diesen Terminus in der vorliegenden Arbeit einer näheren Betrachtung unterziehen und dabei dem Lexem „Schuh“ besondere Aufmerksamkeit schenken. Folgende These soll der Ausgangspunkt meiner Untersuchungen sein:

Die Bedeutung des Lexems „Schuh“ lässt sich häufig nicht auf seine Denotation beschränken, sondern ist darüber hinaus auch konnotativer, referentieller sowie kontextabhängiger Art.

Um nun diese These zu verifizieren/falsifizieren gliedere ich die Arbeit in einen Theorie- sowie einen Analyseteil. Im Theorieteil konzentriere ich mich auf unterschiedliche Aspekte wie Denotation, Konnotation, Referenz oder auch Kontextabhängigkeit und gehe der Frage nach, inwiefern Bedeutungen im Wort „vorliegen“, sich ändern können oder erst durch den Rezipienten konstituiert werden. Im darauf folgenden Analyseteil werde ich mich schließlich mit einer qualitativen Teststudie zur Bedeutung von Schuhen auseinandersetzen und anhand dieser aufzeigen, auf welch unterschiedliche Weise dieser Terminus von den Probanden konstituiert wird und wie kontextabhängig die Bedeutung demnach ist.

2 Wortbedeutungen

Bedeutung ist ein äußerst vielschichtiger Begriff der Linguistik, der aus einer Vielzahl wissenschaftlicher Perspektiven betrachtet werden kann, sollte und auch muss. Aus diesem Grunde werde ich ihn im folgenden Abschnitt näher definieren, indem ich seine unterschiedlichen Ausprägungen sowie die teilweise strittige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihm beschreibe.

2.1 Denotative und referentielle Bedeutung

2.1.1 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Denotation

Lyons (1977) unterscheidet zwischen der deskriptiven, sozialen sowie expressiven Bedeutung (Lipka 1990, S. 46) und ordnet der erstgenannten, primären Bedeutungsart – gemäß wissenschaftlicher Intersubjektivität - Denotation und Referenz zu. Dabei kommt er zu der Erkenntnis, dass sich die Denotation eines Lexems wie folgt definiert:

[A denotation is] the relationship that holds between that lexeme and persons, things, places, properties, processes and activities external to the language-system. We will use the term denotatum for the class of objects, properties, etc., to which the expression correctly applies. (Lyons 1977. In: Lipka 1990, S. 58)

Weiterführend unterscheidet Lyons zwischen zentraler Denotation (“central or focal denotation of a lexeme“) und totaler Denotation („total denotation“) (Lipka 1990, S. 60). Lipka formuliert dies wie folgt:

Languages may differ with respect to the denotational boundaries of words, but still be in agreement concerning the “focal denotation” of equivalent words. Thus, certain “focal types of colour, shape, texture, biological and social function” have to be recognized. (Lipka 1990, S. 60 f.)

Als Beispiel für Denotation sei hier das Substantiv Kuh aufgeführt: Die denotative Bedeutung dieses Begriffes liegt (ungeachtet der jeweiligen Äußerungsumstände) in der Klassifizierung dieser Tierart sowie den individuellen Vertretern (losgelöst von situativen Kontexten).

2.1.2 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Referenz

Kommt es hingegen zu Formulierungen wie Stefans Kühe oder die drei Kühe dort drüben, so liegt eine referentielle Bedeutung vor, die sich anhand der Tatsache zeigt, dass der Begriff Kuh hier einer konkreten Situation zugeordnet werden muss (Lipka 1990, S. 58). Lipka hierzu:

In this case the reference of these expressions containing cow is partly determined by the denotation of the lexeme cow in the system of the English language. (Lipka 1990, S. 58)

Die Referenz eines Begriffes steht also in Abhängigkeit zur denotativen Bedeutung, da letztere die Grundlage bildet für seine situationsspezifische Anwendung. Koll-Stobbe beschreibt die Differenzierung von Denotation und Referenz folgendermaßen:

Die für eine konkrete Lexikologie wichtige Differenz zwischen virtueller versus aktualisierter Information wird aus der Perspektive der Semantik in der Differenzierung zwischen Denotation und Referenz festgehalten: Während Lexeme als abstrakte Einheiten des Sprachsystems Entitäten der Objektwelt oder einer imaginären Welt denotieren, referieren lexikalische Einheiten auf konkrete (oder spezifische) Entitäten in der außersprachlichen Welt. (Koll- Stobbe 2000, S. 37)

Bei Hansen u.a. wird der Referenz-Terminus hingegen in den Denotationsbegriff eingegliedert. Die denotative Bedeutung fungiert hier als […] das interindividuell invariante rationale Abbild der Merkmalstruktur einer Erscheinung, Eigenschaft oder Beziehung der Realität, das einem bestimmten Formativ im sprachlichen Zeichensystem zugeordnet ist […]: interindividuell invariant, weil sonst die sprachliche Kommunikation zusammenbrechen würde; rational, weil hier nichtrationale Abbilder wie Emotionen ausgeschlossen sind; Merkmalstruktur einer Erscheinung, Eigenschaft oder Beziehung der Realität, weil hier Abbilder über andere Abbilder ausgeschlossen sind. (Hansen u.a. 1982, S. 154)

Referenz definieren Hansen u.a. als eine den sprachlichen Zeichen zukommende Funktion, die darin besteht, „eine bestimmte Erscheinung, Eigenschaft oder Beziehung der Realität zu vertreten bzw. zu repräsentieren“ (Hansen u.a. 1982, S. 154). Sie gliedert diesen Terminus deshalb in die denotative Bedeutung ein, weil beide Begriffe „als Intension (Inhalt) und Extension (Umfang) des rationalen Abbilds in dialektischer Einheit miteinander verbunden sind […]“ (Hansen u.a. 1982, S. 154).

Eine weitere, sehr treffende Definition für Referenz liefert Lyons. Dieser betrachtet Referenz als ein Beziehungskonzept, das nicht von abstrakten Sätzen, sondern von konkreten Äußerungen abhängig ist (Lipka 1990, S. 58).

[Reference is] the relationship which holds between an expression and what that expression stands for on particular occasions of its utterance. (Lyons 1977. In: Lipka 1990, S. 58)

Der Referenz-Terminus ist deshalb so bedeutsam, weil er der Differenzierung zwischen der Bedeutung eines linguistischen Ausdrucks und seiner Beziehung zum außersprachlichen Objekt der realen Welt Aufmerksamkeit verleiht. Eine solche Differenzierung ist laut einer Vielzahl von Philosophen und Linguisten, so auch Lyons, notwendig, da verschiedene linguistische Ausdrücke auf ein und dasselbe außersprachliche Objekt verweisen können (Lipka 1990, S. 47). Beispielsweise können sich Stefan und Autofahrer auf die gleiche Person beziehen, obwohl sie zweifelsohne in ihrer Bedeutung differieren.

Auf sehr pragmatische Weise ausgelegt ist die Referenz bei Searle (1969), welcher diesem Terminus in seiner Sprechakttheorie eine zentrale Rolle zukommen lässt. Lipka erkennt deutliche Parallelen zwischen Lyons und Searle:

For Searle […] – as for Lyons – reference is a linguistic act, by means of which a speaker may sucessfully “pick out or identify” an extralinguistic “object X”, or referent, for a hearer. (Lipka 1990, S. 60)

Laut Searle lässt sich eine eindeutige Referenz (“definite reference“) durch sprachliche Kategorien wie Eigennamen, komplexe Substantivphrasen (Stefans Bruder, der Mann dort drüben etc.), Pronomen sowie Titel (die Bundeskanzlerin etc.) herstellen (Lipka 1990, S. 60).

Entgegen vieler weiterer Linguisten machen Ogden/Richards (1923) in ihrem Semiotischen Dreieck vom Referenz-Terminus nicht als Relationskonzept Gebrauch, sondern vielmehr als gedankliche Entität. Eine Verbindung zwischen Symbol und außersprachlichem Objekt besteht hier nur auf indirekte Weise, d.h. über die Referenz bzw. den Gedanken als Vermittlungsinstanz.

They stress the point that the meaning of a linguistic symbol (as a concept or thought) has to be clearly distinguished from the extralinguistic object (or referent) denoted by it. Words, as linguistic signs, are therefore indirectly related to extralinguistic referents. (Lipka 1990, S. 43)

2.2 Konnotative und assoziative Bedeutung

2.2.1 Begriffsklärung nach Leech

Zu den sekundären Bedeutungen zählen die konnotative sowie die assoziative Bedeutung. Leech (²1981) versteht unter Bedeutung eine Art kommunikativer Ausprägung (communicative value), die in Sinn (bzw. konzeptionelle Bedeutung), assoziative sowie thematische Bedeutung aufgegliedert werden kann. Hinsichtlich der assoziativen Bedeutung erstellt Leech weitere Subklassen, wobei eine von ihnen die konnotative Bedeutung ist (Lipka 1990, S. 46). Für ihn besteht zwischen konnotativer und assoziativer Bedeutung insofern ein Zusammenhang, als letztere eine Umschreibung für den Begriffskern der erstgenannten darstellt. Oder wie bei Lipka beschrieben:

[Leech] regards this type of meaning as a subclass of his associative meaning […], which could be seen as a paraphrase of the more general sense of connotation. (Lipka 1990, S. 63)

2.2.2 Arten von Konnotationen

Eine bedeutsame Rolle wird der Konnotation hinsichtlich der Gliederung des Lexikons zuteil, da „doch der gesamte Lexembestand einer Sprache als im weitesten Sinne konnotativ markiert angesehen werden“ muss (Hansen u.a. 1982, S. 19). Hansen u.a. haben diesbezüglich ein System entwickelt, das sich grob in stilistische sowie expressive Konnotationen gliedern lässt. Die Masse des Gemeinwortschatzes weist laut Hansen u.a. eine stilistische Neutralität (auch als Null-Konnotation bezeichnet) auf, die „zwischen dem gehobenen oder förmlichen Stil (formal) und der Umgangssprache (coll)“ (Hansen u.a. 1982, S. 19) anzusiedeln ist. Dies impliziert bereits eine weiterführende Aufgliederung stilistischer Konnotationen in gehobene und gesenkte Konnotationen. Gehobene Konnotationen lassen sich wiederum unterteilen in förmliche (angewendet in förmlichen Texten), literarische/poetische (angewendet in poetischer Literatur), archaische Konnotationen (bei veraltetem Sprachgebrauch) sowie Konnotationen fremder Herkunft. Letztere „kennzeichnet Lexeme, die ihrer Schreibung und oft auch ihrer Lautung nach eindeutig aus fremden Sprachen stammen.“ (Hansen u.a. 1982, S. 20) Stilistisch gesenkte Konnotationen lassen sich hingegen aufgliedern in umgangssprachliche (von gehoben-umgangssprachlich bis zwanglos-umgangssprachlich reichende) Konnotationen, Slang- sowie vulgäre Konnotationen. Während Hansen u.a. die Slang-Konnotation als „salopp-umgangsprachlich“ bezeichnen, klassifizieren sie vulgäre Konnotationen als „roh und verletzend“ und ordnen sie „unterhalb des Slang“ an (Hansen u.a. 1982, S. 21).

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Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638800907
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75583
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für Anglistik/Amerikanistik Greifswald
Note
1,3
Schlagworte
Bedeutungskonstitution Discursive Acts Schuhe

Autor

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