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Fluchtgebiet Somalia - Was treibt die Somalis aus ihrer Heimat?

Hausarbeit 2007 27 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Süd-Nord-Wanderungen und die „Festung Europa“

3. Somalia
3.1 Verortung und Klima
3.2 Clanstruktur
3.3 Geschichte
3.4 Wirtschaft
3.5 Humanitäre Lage

4. Fazit

Literaturverzeichnis

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1. Einleitung

„Sturm auf Europa“[1], „Flüchtlinge aus Somalia ertrinken vor dem Jemen“[2], „Somalia vor humanitärer Katastrophe“[3] oder „Afrikas Afghanistan“[4] lauteten die Schlagzeilen der Medien in den vergangenen Monaten. Europas Angst vor Flüchtlingen aus anderen Teilen der Erde wird von Jahr zu Jahr deutlicher. Immer öfter häufen sich Medienberichte über ankommende Flüchtlinge. Besonders gefürchtet sind die Süd-Nord-Wanderungen aus Afrika nach Europa. Doch sind es wirklich Flüchtlingswellen, die auf uns zurollen – unzählige Menschenmassen, die kaum aufzuhalten sind? Und wie sieht es beispielsweise in Somalia, als einem der Hauptherkunftsländer aus?

Diese Hausarbeit beschäftigt sich unter dem Thema „Fluchtgebiet Somalia – Was treibt die Somalis aus ihrer Heimat?“ mit den afrikanischen Flüchtlingen, die Jahr für Jahr nach Europa „strömen“ und zeigt am Beispiel Somalias, aus was für Ländern die Menschen fliehen.

Um einen Überblick zu geben, werden in Kapitel 2 zunächst aktuelle Flüchtlingszahlen dargestellt und auf die Reaktion Europas auf ankommende Flüchtlinge eingegangen. In Kapitel 3 folgt daraufhin die Analyse des ostafrikanischen Staates Somalia unter verschiedenen Gesichtspunkten. Es schließt sich das Fazit in Kapitel 4 an.

2. Süd-Nord-Wanderungen und die „Festung Europa“

Nach Angaben des UNHCR gab es im Jahr 2005 weltweit rund 8,4 Millionen Flüchtlinge, die vor Konflikten ins Ausland flohen (siehe Abbildung 1)[5].

Dies ist der niedrigste Stand seit 26 Jahren. Trotzdem stieg die Gesamtzahl der beim UNHCR Schutz suchenden Menschen im Vergleich zum vergangenen Jahr auf 20,8 Millionen an.

Dies ist vor allem auf die verstärkte Rolle des UNHCR in Bezug auf Binnenvertriebene (6,6 Mio.) zurückzuführen. Im Jahr 2004 waren es dem gegenüber mit 9,5 Millionen mehr grenzüberschreitende Flüchtlinge, jedoch insgesamt 1,3 Millionen vom UNHCR geschützte und unterstützte Personen weniger[6].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der öffentlichen Diskussion der Medien wird jedoch deutlich, dass Europa sich vor riesigen Flüchtlingswellen fürchtet. Heere von Einwanderern, insbesondere aus Afrika, werden dort beschrieben. Tatsächlich gelangt jedoch nur ein kleiner Teil nach Europa. Die meisten, der weltweiten Flüchtlinge werden innerhalb ihres eigenen Landes vertrieben oder retten sich in ein Nachbarland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Betrachtet man die Statistik für Deutschland aus dem Jahr 2005 (siehe Abbildung 2, S. 2), wird deutlich, dass die Afrikaner, die immer wieder als Bedrohung Europas in den Medien beschrieben werden, mit 275.000 nur einen kleinen Teil der insgesamt in Deutschland lebenden Ausländer ausmachten. Insgesamt lebten im Jahr 2005 6,76 Millionen Ausländer in der Bundesrepublik.

In Abbildung 3 werden die Hauptflüchtlingsländer Afrikas dargestellt. Deutlich lässt sich erkennen, dass es insbesondere die Länder Subsahara-Afrikas sind, in welchen die Menschen zur Flucht getrieben werden. Besonders betroffen sind der Sudan, die Demokratische Republik Kongo, Uganda und die Elfenbeinküste. Doch es wird auch ersichtlich, dass in Somalia und Liberia Flüchtlingsbewegungen in hohem Maße stattfinden. Oft stecken hohe Erfolgserwartungen und jegliches Geld einer Familie oder eines ganzen Dorfes in einer einzigen Person. Von dieser wird nicht nur erwartet, dass sie den langen und beschwerlichen, von Schleppern organisierten Weg übersteht, sondern auch, dass sie in Europa einen Arbeitsplatz findet und Geld an die Daheimgebliebenen zurück überweist. „Meist sind sie motiviert durch ein von den Medien verzerrtes Europabild oder den rosa gefärbten Schilderungen afrikanischer Rückkehrer, die häufig kein Wort von den Demütigungen und Entbehrungen erwähnen, die das Leben in der Schattenwelt mit sich bringt“[7].

Dass viele der Flüchtlinge oftmals falsche Vorstellungen von Europa haben, zeigt auch der Film „Europa, paraíso o espejismo“ (deutsch: Europa, Paradies oder Fata Morgana)[8]. Die Dokumentarfilmerin und gebürtige Spanierin Alicia Navarro drehte diesen Kurzfilm über die afrikanischen Flüchtlinge, die sich auf die spanischen Atlantikinseln „gerettet“ haben. Ziel dieses Filmes sei es mit Fehlvorstellungen der Afrikaner aufzuräumen, so Navarro. „So wüssten die meisten Afrikaner nicht, dass sie, wenn sie endlich auf den Kanarischen Inseln gelandet sind, noch lange nicht das geografische Europa erreicht haben.

Dass sie noch einmal 1800 Kilometer Atlantik hinter sich bringen müssen und dass ihnen dabei niemand hilft. Ebenso hartnäckig hält sich die Idee, dass es in Europa zu viel Arbeit gäbe und diese immer gut bezahlt sei“[9]. Aber nicht nur, dass Navarro diesen Film gedreht hat, sie zeigte ihn auch in Guinea, von wo aus immer wieder Boote mit Flüchtlingen aufbrechen, um die Kanarischen Inseln zu erreichen. Es sind „Bilder von gekenterten Booten, anonymen Beerdigungen, überfüllten Aufnahmelagern. Die Realität eben“[10].

Während Alicia Navarro noch ihren Aufklärungsfilm – nicht ohne Erfolg – in Afrika zeigt, hat Europa sich schon seit Jahrzehnten auf eine Abschottungspolitik eingestellt. Grundlage dafür ist das Schengener Durchführungsübereinkommen aus dem Jahr 1985, welches zunächst von Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg unterzeichnet wurde und bis heute erheblich an Mitgliedern gewann.

„Mit dem Schengen-Abkommen führten die europäischen Staaten eine Angleichung in der Visa- und Asylpolitik innerhalb der Mitgliedsstaaten ein, schufen gemeinsame Mindeststandards für die Durchführung von Asylverfahren und setzten einen gemeinsamen rechtlichen Rahmen für Menschen, die in die EU-Staaten einwandern wollen. Des weiteren wurde ein gemeinsames Vorgehen gegen illegale Einwanderung beschlossen. Diese Vereinbarungen wurden durch den Vertrag von Amsterdam in den Rechtsrahmen der Europäischen Union integriert“[11].

Nicht zuletzt ist in Verbindung mit dem Schengener Abkommen die Drittstaatenregelung zu nennen. Diese ist vor allem für die Staaten mit einer EU-Außengrenze ein Problem. Länder aus der Mitte Europas, beispielsweise Deutschland, können sich dagegen glücklich schätzen, da ihre Nachbarstaaten als sichere Drittstaaten bezeichnet werden können und Asylantragsteller somit dorthin abgeschoben werden können.

[...]


[1] http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E388C8F 268E6444429DCE48F0BFB6E0DB~ATpl~Ecommon~Scontent.html [Stand 17.02.2007].

[2] http://www.welt.de/politik/article705190/Fluechtlinge_aus_Somalia_ertrinken_vor_dem _Jemen.html [Stand 18.02.2007].

[3] http://www.welt.de/politik/article705034/Somalia_steht_vor_humanitaerer_Katastrophe .html [Stand 18.02.2007].

[4] http://www.welt.de/print-welt/article705174/Afrikas_Afghanistan.html [Stand 11.03. 2007].

[5] Vgl. http://www.unhcr.de/statistiken.html?PHPSESSID=425977583f6ecdf9912fab54ffef 027a [21.03.2007].

[6] Ebd.

[7] Babila, Susanne: Der lange Weg nach Europa. Warum junge Afrikaner ihre Heimat verlassen. In: Böhler, Katja/Jürgen Hoeren (Hrsg.) (2003): Afrika. Mythos und Zukunft. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder. S. 176.

[8] Vgl. http://www.welt.de/print-welt/article148403/Die_Entzauberung_des_vermeintlichen_ Paradieses.html [Stand 18.02.2007].

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Babila, Susanne: Der lange Weg nach Europa. Warum junge Afrikaner ihre Heimat verlassen. In: Böhler, Katja/Jürgen Hoeren (Hrsg.) (2003): Afrika. Mythos und Zukunft. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder. S. 173.

Details

Seiten
27
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638800396
ISBN (Buch)
9783638803113
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75536
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,3
Schlagworte
Fluchtgebiet Somalia Somalis Heimat Internationale Migration Sicherheit Entwicklung

Autor

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