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Erich Kästners „Fabian“ vor dem Hintergrund der ausgehenden Weimarer Republik

Examensarbeit 2007 97 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historischer Kontext: Die ausgehende Weimarer Republik

3. Fabian und die literarische Erscheinung der „Neuen Sachlichkeit“
3.1 Zum Begriff der „Neuen Sachlichkeit“
3.2 Neusachliche Elemente in Erich Kästners Fabian

4. Gesellschaftliche Krisen und Werteverfall in Kästners Fabian
4.1 Arbeitslosigkeit und Weltwirtschaftskrise
4.2 Sexualität, Prostitution und Auflösung der Ehe
4.3 Gesellschaftliche Orientierungslosigkeit und Fabians moralisches Scheitern

5. Die Politik in Kästners Roman

6. Die Figurenkonstellation
6.1 Fabian und Cornelia Battenberg
6.2 Fabian und Stephan Labude

7. Der „Zerrspiegel“ – Die Rolle der Satire

8. Biografische Elemente in Fabian

9. Der Film Fabian von 1980 – Ein Gesellschaftskritischer Film?

10. Fazit

11. Literaturverzeichnis

12. Schlusserklärung

1. Einleitung

„Obgleich Erich Kästner eine Reihe von Romanen geschrieben hat, sowohl für Kinder wie für Erwachsene, kommt als ernsthafte Kritik der Zeit und der Gesellschaft nur sein Fabian in Betracht. […] Das Bekehren und Belehren wird im Fabian mit satirischem Ernst betrieben“.[1]

Dieses Urteil von Egon Schwarz über Fabian. Die Geschichte eines Moralisten charakterisiert Kästners Werk als Roman, der kritisch der Zeit und der Gesellschaft der ausgehenden Weimarer Republik gegenüberstehe. In dieser Arbeit nun soll es darum gehen, den in der Forschungsliteratur als „Erwachsenenroman“ bezeichneten Fabian vor dem Hintergrund der ausgehenden Weimarer Republik zu untersuchen.[2] Die dieser Untersuchung zugrunde liegende Fragestellung ist, inwieweit ein gesellschaftlicher Werteverfall zu beobachten ist und inwieweit dieser in der Weimarer Republik kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Kästners Roman kritisiert wird. Gerade der Erscheinungszeitpunkt des Werkes, das Jahr 1931, wirft die Frage auf, ob und in welchem Maße sich hier der nahende Zusammenbruch der ersten deutschen Demokratie widerspiegelt und inwieweit sich dieser auf die Gesellschaft und ihre Institutionen auswirkt. Dabei ist es wichtig, zu analysieren, ob in Fabian gesellschaftlicher Werteverfall lediglich beobachtet oder auch gleichzeitig kritisiert wird. Wenn sich also die Gesellschaft bei einem „Tanz auf dem Vulkan“ befindet, so ist die begleitende Analyse wichtig, inwieweit dieser Tanz kritisiert wird.

In der Forschungsliteratur wird immer wieder betont, dass sich Leben und Werk Erich Kästners in der Hauptfigur Fabian widerspiegeln.[3] Was diese Arbeit aber nicht leisten soll, nicht leisten kann, ist eine vollständige Analyse dieser Verbindung. Trotzdem soll aber auch diese Verbindung in der Arbeit Berücksichtigung finden. Die eigene Biografie Kästners in der Weimarer Republik könnte auch benutzt worden sein, um an der Gesellschaft Kritik zu üben. Im Vordergrund sollen die Analyse eines möglichen Verfalls der Gesellschaft und die Verwendung der Kritik daran stehen.

2. Historischer Kontext: Die ausgehende Weimarer Republik

Die Schlussphase der Weimarer Republik war vor allem von zwei tief greifenden Krisen gekennzeichnet: Zum einen befand sich das demokratisch-parlamentarische System in einem Auflösungsprozess, zum anderen erschütterte ab dem Herbst 1929 die in den USA ausgelöste Weltwirtschaftskrise nach der US-amerikanischen selbst vor allem die deutsche Wirtschaft:[4] Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Freitag“, begann an der New Yorker Effektenbörse ein dramatischer Verfall der Aktienkurse; teilweise traten Kursstürze ein, die den Wert einiger Aktien um bis zu 90% verringerten. Diese Kursstürze kamen jedoch nicht aus heiterem Himmel, sondern waren Folge einer jahrelangen Aufblähung des Marktes durch Überinvestitionen der Industrie, worauf Überproduktionen entstanden.[5] Das Angebot war auf diese Weise größer als die tatsächliche Nachfrage auf dem Markt, die bereits ab dem Jahr 1928 zurückgegangen war.[6] Der „Schwarze Freitag“ „korrigierte […] eine spekulative Überhitzung mehrerer Jahre“.[7] Die Folge war eine Weltwirtschaftskrise, die vor allem das Deutsche Reich mehr als andere Länder traf. Grund war, dass die deutsche Wirtschaft nach dem Ersten Weltkrieg mit Geld aufgebaut worden war, das US-amerikanische Banken der deutschen Wirtschaft kurzfristig geliehen hatten. Dieses Geld forderten sie angesichts des dramatischen Kurseinsturzes zurück.[8] Hinzu kam, dass das Deutsche Reich sich seit kurzem auf dem Weg in eine Rezession befand; durch den „Schwarzen Freitag“ weitete sich dieser Konjunktureinbruch zu einer weit gehenden Wirtschaftskrise aus. Das Überangebot an Waren führte in Deutschland vielerorts zu Einführung von Kurzarbeit, zu Massenentlassungen und Firmenzusammenbrüchen. „Es entstand ein Teufelskreis aus sich verringernder Kaufkraft, zurückgehender Nachfrage, sinkender Produktion und weiterer Entlassungen“, so fasst Reinhard Sturm die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zusammen.[9]

Im Winter 1929/30 gab es in der Weimarer Republik bereits mehr als drei Millionen Arbeitslose, im Januar 1932 verdoppelte sie sich noch einmal auf die Zahl von sechs Millionen Arbeitssuchenden. Es gab ein nur rudimentär entwickeltes System der sozialen Sicherung bei Arbeitslosigkeit, diese war ein weitaus schlimmeres existenzielles Schicksal als heute. Das finanzielle Budget des Systems der Arbeitslosenversicherung in der Weimarer Republik war auf eine zunehmende Massenarbeitslosigkeit nicht ausgerichtet, es wurde durch die Strukturkrise in der Wirtschaft zu stark belastet.[10] Not und Elend begleiteten unmittelbar die Arbeitslosigkeit, zumal für viele Menschen angesichts der Massen an Arbeitssuchenden kaum Aussicht auf Besserung bestand.[11] Jede Gesellschaftsschicht konnte von der Arbeitslosigkeit betroffen sein, „viele Menschen aus allen Kreisen der Bevölkerung, insbesondere aus dem Mittelstand und der Jugend, waren […] sozial desintegriert und durch wirtschaftliche Not verunsichert“.[12] Der Reichsverband der Deutschen Industrie zeichnete in einer Stellungnahme vom 29. September 1930 ein pessimistisch anmutendes Bild von der wirtschaftlichen Lage und deren Folgen, die auch die Stimmung in der Bevölkerung wiedergab:

„Das deutsche Volk steht vor der Erschöpfung seiner wirtschaftlichen Kräfte. Wenn es nicht gelingt, […] eine neue Steigerung der Arbeitslosigkeit zu verhindern, […] drohen unserem Vaterlande die schwersten Gefahren für die materiellen, ideellen und kulturellen Werte der Nation“.[13]

Hier wird angesprochen, was neben der materiellen Not der Menschen ebenfalls Folge der Massenarbeitslosigkeit und der Weltwirtschaftskrise war, wenn auch der Reichsverband der Deutschen Industrie eher in Opposition zum System der Weimarer Republik stand: Die kulturellen Werte, der soziale Zusammenhalt, die Solidarität untereinander und die Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben nahmen immer mehr ab, Egoismus und die Bemühungen der Menschen um ihr eigenes Fortkommen griffen immer mehr Raum. Darüber hinaus ist eine weitere Entwicklung zu beobachten: Die Angst vor Arbeitslosigkeit und der zunehmende Sinnverlust in der Gesellschaft führten dazu, dass die Vergnügungsindustrie vor allem in den Großstädten Zulauf hatte: In dem Maße, in dem sich Republik und Gesellschaft in einem Auflösungsprozess befanden, nahm das Verlangen der Menschen nach kurzweiligem Vergnügen zu. In direktem Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise kann die schrittweise Erodierung des politischen Systems der Weimarer Republik gesehen werden. Die Weimarer Republik hatte einen schweren Start, der von bürgerkriegsähnlichen Zuständen auf den Straßen und einem Misstrauen von Teilen der Bevölkerung gegen das demokratische System gekennzeichnet war. Die Legende vom „Dolchstoß“ der Regierung gegen die deutschen Truppen im Ersten Weltkrieg durch den Friedensschluss und der von vielen als ungerecht empfundene Versailler Vertrag lasteten schwer auf dem demokratisch-parlamentarischen System. Die Weltwirtschaftskrise trug zum endgültigen Bruch mit diesem System bei.[14] Mit der Ernennung des Zentrumspolitikers Heinrich Brüning durch Reichspräsident Paul von Hindenburg begann die Ära der sog. Präsidialkabinette, die mit Notverordnungen auch gegen das Parlament regieren konnten.[15] Die Schlussphase der Demokratie war damit eingeleitet. Teile der Bevölkerung sahen diese Entwicklungen mit Genugtuung, waren die Demokraten durch die Unfähigkeit in der Problemlösung in ihren Augen doch diskreditiert. Das Wort von der „Demokratie ohne Demokraten“ machte die Runde.[16] Wie wenig Akzeptanz die Demokratie in der Bevölkerung gegen Ende der Weimarer Republik fand, zeigte sich auch in dem rasanten Aufstieg der NSDAP, die aus ihrem Willen zur Beseitigung der Demokratie nie einen Hehl gemacht hatte: Hatte die NSDAP 1928 lediglich 2,6% für sich verbuchen und aus dem Status der Splitterpartei nicht herauskommen können, schickten die Wähler sie bei der Reichstagswahl vom 14. September 1930 mit 107 Sitzen oder 18,3% als zweitstärkste Fraktion in den Reichstag. Aber auch die Präsidialkabinette erwiesen sich nicht als dauerhaft.[17] Innerhalb von zwei Jahren folgten Heinrich Brüning die Kanzler von Papen und von Schleicher.

In der Bevölkerung machte sich Unmut über die unstabilen Verhältnisse breit, der Parlamentarismus machte sich in den Augen vieler lächerlich. Eine Bildunterschrift in der Satirezeitschrift Simplicissimus bringt die Stimmung in Teilen der Bevölkerung auf den Punkt: „,Kein Grund zum Verzagen, solange noch Kanzler am laufenden Band produziert werden‘“.[18] Es erschien daher nur als eine weitere Episode, als von Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum neuen Reichskanzler ernannte. Viele sehnten sich nach einem neuen „starken Mann“, den sie in Hitler sahen.

Natürlich gab es auch Stimmen, die sich warnend äußerten. Viele sahen die Demokratie, die es in ihren Augen wert war, verteidigt zu werden, in akuter Gefahr. Sie äußerten sich auch öffentlich warnend. Dazu gehörten neben vielen Künstlern, Intellektuellen und Schriftstellern auch Politiker.[19] So äußerte sich Reichsinnenminister Carl Severing im Dezember 1929 besorgt über die Auflösungstendenzen und die zunehmende Radikalisierung in der Gesellschaft: „[Es] vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo in Deutschland […] auf politisch Andersdenkende geschossen, eingeschlagen oder eingestochen wird […] Die Ursache dieser betrübenden Erscheinung ist die hemmungslose Verhetzung durch Wort und Schrift, die von den Gegnern der Republik auf der äußersten Linken und auf der äußersten Rechten getrieben wird“.[20] Darüber hinaus erhoben Künstler, Intellektuelle und Journalisten ihre Stimme gegen den politischen und gesellschaftlichen Verfall. Gegen die Forderung nach baldiger Beendigung der Republik versuchten sie, diese zu verteidigen. Sie waren jedoch zu schwach: Am 30. Januar 1933 war die Republik mit der Machterschleichung Hitlers am Ende.

3. Fabian und die literarische Erscheinung der „Neuen Sachlichkeit“

3.1 Zum Begriff der „Neuen Sachlichkeit“

Erich Kästners Roman Fabian. Die Geschichte eines Moralisten[21] gehört nach Auffassung des Großteils der Forschung zur literarischen Erscheinung der „Neuen Sachlichkeit“.[22] Entgegen Kästners Ansicht („Und wer die Dummheit beging, diesen Stil [den Stil des Fabian, Anmerkung J. M.] die ,Neue Sachlichkeit‘ zu nennen, den möge der Schlag treffen!“)[23] ordnet die Forschungsliteratur Kästners Roman dieser Stilrichtung zu. Es ist daher wichtig, diesen Roman auf Aspekte der „Neuen Sachlichkeit“ hin zu untersuchen und ihn in diese literarische Erscheinung der Zwanziger Jahre einzuordnen.

Es bedarf jedoch einiger einleitender Bemerkungen zum Begriff der „Neuen Sachlichkeit“, bevor Kästners Fabian auf diese neusachlichen Aspekte hin untersucht werden kann.

Der Begriff „Neue Sachlichkeit“ kommt ursprünglich aus der Kunst. Der Kunsthistoriker Georg Friedrich Hartlaub prägte den Begriff, als er 1925 in der Mannheimer Kunsthalle eine Ausstellung mit dem Titel „Neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus“ vorstellte.[24] Vor allem Otto Dix und George Grosz mit ihren Darstellungen des modernen Großstadtlebens können als typische und bekannteste Vertreter dieser Kunstrichtung angesehen werden.

Der aus der Kunst entlehnte Begriff bezeichnet in der Literatur „stiltypologisch […] die dem Journalismus verwandte Tendenz zur Berichterstattung und Informationsvermittlung, was in Gattungsbegriffe wie ,Gebrauchslyrik‘, ,Tatsachenroman‘ und ,Zeitstück‘ als Bedeutungskomponente mit eingeht“.[25] Damit grenzt sich die „Neue Sachlichkeit“, die von Klaus Petersen als „dominante Kulturströmung […] in der ökonomischen und politischen Stabilisierungsphase in der Weimarer Republik (etwa 1924-1929) bezeichnet wird, bewusst von der zeitgenössischen Strömung des Expressionismus ab.[26] Während vor allem der späte Expressionismus in der Literatur für die Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“ als utopisch und realitätsfern bzw. „idealist[isch]-pathet[isch]“[27] bezeichnet wurde, zeichnete sich diese Gegenbewegung durch „wirklichkeitsnahe und zeitbezogene Themengestaltung, sachlich-neutrale Perspektive, schnelle Szenenwechsel, schlichte Alltagssprache, Lakonie und Sprachwitz“ aus.[28]

Auch die Erzählform des Berichtes, der Reportage und der Dokumentation können als typische Merkmale neusachlichen Erzählens bezeichnet werden.[29] Wichtig hierbei ist jedoch, dass zwar der Anspruch des neutralen Berichtens im Vordergrund steht, aber eine subjektive Sichtweise oder eine „aktivistische Änderungsintention“ des Autors mit einfließt.[30] Einen besonders fruchtbaren Boden fand die „Neue Sachlichkeit“ in den Romanen der späten Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Hier sind es vor allem die Schilderung der modernen Lebenswelt des Menschen in der Großstadt, aber auch die Auswirkungen der ökonomischen Krise der Weimarer Republik auf die Angestelltenschicht, die in diese Romane einfließen.[31] Die „Neue Sachlichkeit“ ist vor allem von den „urbanen Modernebewegungen“ beeinflusst worden:[32] Zur Auseinandersetzung mit der zunehmenden Industrialisierung und Urbanisierung und ihren Auswirkungen auf den Menschen gab es bereits seit 1890 verschiedene literarische Strömungen, die eine „Beobachtung der äußeren Wirklichkeit, Antisubjektivismus und Antipsychologismus“ forderten.[33] Eine Kontinuität zwischen „Neuer Sachlichkeit“ und diesen Strömungen ist nicht zu übersehen. Es ist daher kein Zufall, dass viele der neusachlichen Romane wie Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz und eben Erich Kästners Fabian ihren Handlungsort in der Großstadt, namentlich in Berlin, haben. Hier wurden die Auswirkungen der Industrialisierung am deutlichsten, technische und künstlerische Neuerungen trafen hier aufeinander.

Darüber hinaus steht die „Neue Sachlichkeit“, vor allem die neusachlichen Romane, aber auch in einer Tradition mit der bereits im 19. Jahrhundert auftauchenden Großstadtdichtung, die „die Konflikte, Erlebnisse und Erfahrungen (Angst, Bedrohung, Entfremdung) des menschlichen Lebens im rastlosen strömen der anonymen, unüberschaubaren Welt- und Millionenstädte mit ihrem Massencharakter“ thematisieren, wie Gero von Wilpert es analysiert.[34]

Vor allem Sabina Becker stellt sich gegen das in Teilen der Literatur angeführte Argument, dass sich die literarische Strömung der „Neuen Sachlichkeit“ ausschließlich an die Stabilisierungsphase der Weimarer Republik anlehnt:

„Die ökonomische Krise, besonders in ihren Auswirkungen auf die Klasse der Angestellten, erweist sich als wichtigstes neusachliches Sujet nach 1929. […] Diese thematische Sondierung zeigt, daß die Neue Sachlichkeit als literarisches Phänomen kein Produkt der wirtschaftlichen Konsolidierung und Stabilisierung ist, sondern auch nach 1929 als eine Möglichkeit zur adäquaten Erfassung der Realität genutzt wird, ja der neusachliche Roman in den Jahren nach 1929 sogar eine spezielle Ausprägung als Roman der Weltwirtschaftskrise erfährt“.[35]

Dass vor allem in Erich Kästners Fabian, in Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz und in Hans Falladas Kleiner Mann – was nun? die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf den Angestellten zum bestimmenden Thema wird, gibt Becker insofern recht, als dass der Begriff über das Jahr 1929 hinaus angewendet werden kann und nicht nur in der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik Anwendung findet.

3.2 Neusachliche Elemente in Erich Kästners Fabian

In Kästners Roman nimmt vor allem die Hauptfigur, der 32 Jahre alte promovierte Germanist Jakob Fabian die Rolle eines Beobachters ein, der nach Volker Klotz wie „eine Sonde“ funktioniert.[36] Er sitzt zu Beginn des Romans in einem Café, einem öffentlichen Ort inmitten des sozialen Lebens. Fabian wird bereits zu Beginn nicht in seinem privaten Umfeld gezeigt, sondern befindet sich in der Öffentlichkeit. So kann er das Leben um ihn herum beobachten: Fabian liest in dem Café die „Schlagzeilen der Abendblätter: Englisches Luftschiff explodiert über Beauvais, Strychnin lagert neben Linsen, Neunjähriges Mädchen aus dem Fenster gesprungen, Abermals erfolglose Ministerpräsidentenwahl. […] Die künstliche Stimme in der Westentasche […] Skandal um Clara Bow. […] Das tägliche Pensum. Nichts Besonderes“ (Fabian, 11).

Der Leser wird durch diese Schlagzeilen im Massenmedium Zeitung informiert, was in der Welt um Fabian herum passiert. Die „wirklichkeitsnahe und zeitbezogene Themengestaltung“ der „Neuen Sachlichkeit“, von der Isa Schikorsky spricht, greift hier.[37] Die Schilderung des politischen und alltäglichen Geschehens stellt einen klaren Zeitbezug her. Durch den Reportagestil, der hier eingeschoben wird, wird ein Stilmittel der „Neuen Sachlichkeit“ verarbeitet.

Die Tagespolitik wird ebenso thematisiert wie Unterhaltungs- und Sensationsmeldungen, das Banale ebenso wie das vermeintlich Wichtige. Dass diese Meldungen als alltägliches „Pensum“ bezeichnet werden, könnte Abbild der rasanten Zeitumstände sein, in die der Leser eingeführt wird. Eben die Schilderung der schnell- und kurzlebigen Zeit, die durch die Literatur der „Neuen Sachlichkeit“ beabsichtigt ist, greift hier: Vieles passiert schnell hintereinander. Ebenso wie die Schlagzeilen abrissartig und staccatohaft vorgetragen werden, verläuft auch das Leben um Fabian herum. Das öffentliche Treiben wird nach Volker Klotz durch die Verbindung von öffentlichem Lokal und Schlagzeilen abgebildet: „Öffentlichkeit hat den Vorrang, das Treiben Berlins und der Welt, hier vermittelt und unverdünnt in knalligen Schlagzeilen […] Das Medium Boulevardpresse ebnet das Besondere ein.“[38] Darüber hinaus ist die Handlung, als Gesamtheit betrachtet, ebenfalls aus schnell aufeinander folgenden Episoden gestaltet, in insgesamt 24 Kapiteln wechselt Fabian andauernd den Ort, bewegt sich vom Café in Etablissements, von einem Tanzlokal in das andere. Diese schnell aufeinander folgenden Szenen passen zum kurzlebigen und unstetigen Leben der Menschen in der Großstadt. Eben die Hektik, die durch die häufig wechselnden Orte gezeigt wird, könnte neusachliches Erzählen sein: Reale Abbildung der gesamten hektischen Lebenswelt im Berlin der späten Weimarer Republik. Britta Jürgs spricht darüber hinaus davon, dass „der szenische Aufbau des Romans und die abrupten Szenenwechsel mitunter wie filmische Szenen wirken“.[39] Das Medium des Films, das gerade in der späten Weimarer Republik immer mehr zum Massenmedium wurde, ist wie die Zeitung eines der Medien, die in neusachlichen Romanen eine Rolle spielen: Durch den Aufbau des Romans im filmischen Charakter wird dieser Thematisierung des Mediums Films in der literarischen Strömung der „Neuen Sachlichkeit“ Rechnung getragen.

Während die Zeitungsmeldungen das Leben in einem weitläufigeren Kontext schildern, beobachtet Fabian das unmittelbare öffentliche Treiben und das nächtliche Angebot, das sich unmittelbar um ihn herum abspielt:

„Die Stadt glich einem Rummelplatz. Die Häuserfronten waren mit buntem Licht beschmiert. […] Ein Flugzeug knatterte über die Dächer. […] Er überquerte den Kurfürstendamm. An einem der Giebel rollte eine Leuchtfigur, ein Türkenjunge war es, mit den elektrischen Augäpfeln“ (Fabian, 12f.).

Diese Bestandsaufnahme des Vergnügungslebens um ihn herum ist typisch für die „Neue Sachlichkeit“. Zum einen wird nüchtern und abrissartig geschildert, zum anderen ist das geschilderte Thema ein neusachliches Sujet: Der Mensch in der Großstadt mit ihren leuchtenden Angeboten, moderne Technik wie ein Flugzeug und bunte Leuchtreklame.[40] Darüber hinaus wird die Stadt als „Rummelplatz“ beschrieben: Unübersichtlichkeit und Vielfalt statt Klarheit und Einfachheit kennzeichnen die Situation; neusachliches Erzählen hat eben die Absicht, diese Auswirkungen der Modernität zu beschreiben.

Auch der Sprachstil der „Schnodderigkeit“, von dem Bernd Neumann spricht, als eine klare Alltagssprache, ist kennzeichnend für den Erzählstil der „Neuen Sachlichkeit“.[41] Auch für die Rede der Figuren in Kästners Fabian ist eine solche Alltagssprache kennzeichnend: So brüllt ein Polizist Fabian an, als dieser fast von einer Straßenbahn überfahren wird: „,Passense auf!“‘ (Fabian, 13). Der Vater von Fabians Freund Stephan Labude beschreibt das Talent seiner Geliebten mit den Worten: „,Da habt ihr’s. Kleine Sängerin, großes Talent, keine Beschäftigung. Kann sämtliche Opern auswendig. Bißchen laut auf die Dauer. Na, Wiedersehen“‘ (Fabian, 68). Die Verwendung der Alltagssprache als Mittel der realen Abbildung der Verhältnisse ist Stilmittel neusachlichen Erzählens.[42]

Der Handlungsort in Kästners Roman ist das Berlin der späten Zwanziger Jahre bzw. frühen Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Dieser Handlungsort weist Fabian als Großstadtroman aus.[43] Die moderne Lebenswelt des Menschen in der Großstadt wird hier beobachtet und geschildert. Fabian befindet sich eben nicht in seinem privaten Umfeld, sondern schlendert oft ziellos durch die Stadt. Hierbei wird die Stadt beschrieben, der Leser kann sich orientieren:

„Er hatte keine Ahnung, wo er sich befand. Wenn man am Wittenbergplatz auf den Autobus 1 klettert, an der Potsdamer Brücke in eine Straßenbahn umsteigt […], kann man wirklich nicht wissen, wo man ist. Er folgte drei hastig marschierenden Arbeitern und geriet, über Holzbohlen stolpernd, an Bauzäunen und grauen Stundenhotels entlang, zum Bahnhof Jannowitzbrücke“ (Fabian, 12).

Der Leser kann sich durch die klare Nennung der Ortsnamen – im Gegensatz zu Fabian – orientieren; bei dem Rundgang durch die Stadt begegnet Fabian der Arbeitswelt mit „marschierenden Arbeitern und der Vergnügungsindustrie mit „grauen Stundenhotels“ gleichermaßen. Durch die klare Nennung von Ortsnamen befindet sich Fabian nicht an einem beliebigen Ort, sondern in der Großstadt Berlin mit seinen Erscheinungen. Während er auf die moderne Technik wie Straßenbahnen, Flugzeuge und Leuchtreklame trifft, kommt er auch mit der Arbeits- und Vergnügungswelt in Kontakt. Das gesamte Spektrum des modernen Lebens in der Metropole wird so von Fabian aufgesogen und dem Leser geschildert. Durch die Festlegung auf einen klaren Ort - der pulsierenden Großstadt – und die nüchterne Schilderung der Erscheinungen des Großstadtlebens wird die Verbindung von neusachlichen Elementen und der Gattung des Großstadtromans deutlich.

Allerdings fällt auf, dass Fabian zwar auf der einen Seite nüchtern beobachtet und das Geschehen um ihn herum an den Leser weitergibt, auf der anderen Seite aber genau so gut ein subjektives Urteil zum Geschehen in der Großstadt fällt. „Was hatte er hier in dieser Stadt, in diesem verrückt gewordenen Steinbaukasten, zu suchen?“ (Fabian, 38). Wenn Klaus Petersen davon spricht, dass in der Literatur der „Neuen Sachlichkeit“ eine „subjektive Sichtweise oder eine aktivistische Änderungsintention“ zu beobachten ist, so kann ihm an dieser Stelle zugestimmt werden.[44] Obwohl Fabian nüchtern beobachtet, fließen doch auch subjektive Sichtweisen ein.

4. Gesellschaftliche Krisen und Werteverfall in Kästners Fabian

4.1 Arbeitslosigkeit und Weltwirtschaftskrise

Die Themen Arbeitslosigkeit und Erwerbsleben ziehen sich wie rote Fäden durch Erich Kästners im Jahr 1931 erschienenen Roman Fabian. Die Auswirkungen der bereits eingangs beschriebenen Weltwirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt und damit auf die persönliche Situation von Millionen von Menschen in der Weimarer Republik rücken in den Mittelpunkt der Schilderungen.[45] Interessant ist die Beobachtung, dass der wirtschaftliche Niedergang parallel mit einem allgemeinen moralischen Verfall abläuft. Es ist allerdings bei einer Analyse dieser Schilderungen darauf zu achten, dass es sich teilweise um satirische Überzeichnungen der gesellschaftlichen Verhältnisse handelt.

Die Arbeitslosigkeit begegnet Fabian in zahlreichen Schattierungen. Er nimmt sie zunächst nur als Beobachter wahr, ohne selbst von ihr betroffen zu sein. Bereits zu Beginn des Romans wird er direkt mit ihren Auswirkungen konfrontiert. In seinem Stammcafé beobachtet er, wie die Kellner einen „schäbig gekleideten Mann“ am Zutritt hindern. (Fabian, 22). Der Bettler wird als Ausgestoßener von den Kellnern behandelt. Er darf am gesellschaftlichen Leben nicht mehr teilnehmen. Die Kellner agieren nicht diplomatisch, sondern wählen deutliche Worte: „,Scheren Sie sich auf der Stelle fort. Den ganzen Tag diese Bettelei, das ist ekelhaft‘“, so die Worte des Kellners (Fabian, 22). Nur wer wie Fabian am Erwerbsleben teilnimmt, hat Zutritt zum gesellschaftlichen Leben, alle anderen haben ihn nicht; der verweigerte Zutritt zum Café könnte hier sinnbildlich für den zur Gesellschaft stehen. Es ist ein Zerfallsprozess zu beobachten: Anhand dieser Szene wird deutlich, dass der Bettler mit einer Gesellschaft konfrontiert wird, die den Wert eines Menschen anhand seiner Stellung im Arbeitsleben zu bemessen scheint.[46] Ein Bettler hat nach dieser Auffassung keinen Respekt verdient und wird dementsprechend respektlos von den Kellnern behandelt. Die hohe Arbeitslosigkeit in der Weimarer Republik führte zu Massenverelendung, deren Konsequenzen bei der geschilderten Szene abzulesen sind. Die Gesellschaft wird zunehmend egoistischer, sie stößt die Schwachen aus, um selbst zu überleben. Die Schilderung dieser Szene könnte daher gesellschaftskritische Elemente aufweisen. Der Verfall des wirtschaftlichen Systems und die mangelnde Teilhabe der Bevölkerung am Wohlstand führt zu Massenverelendung und menschlicher Kälte.

Allerdings ist auch zu sagen, dass die Reaktion der Kellner eine logische Konsequenz ist: Wer kein Geld hat, ein Café zu betreten, der hat in jeder Gesellschaft, sei sie rücksichtslos oder nicht, nur schwer die Möglichkeit dies zu tun. Die beschriebene Szene drückt allerdings in ihrer drastischen Schilderung und durch die Wortwahl der Kellner eine gewisse Rücksichtslosigkeit aus; die Gesellschaft der späten Weimarer Republik mit ihren egoistischen Tendenzen wird hier an den Pranger gestellt.

Fabian handelt auf den ersten Blick wenig verständnisvoll, er wirkt nicht wie eine erhabene Gestalt, sondern wie ein Abbild der Gesellschaft: Auch er gibt dem Mann zunächst eine Teilschuld an seiner Situation: „Bloß, weil Ihr Jackett geflickt ist, […] wagen Sie nicht, richtig auf dem Stuhl zu sitzen? Sie sind ja selber mitschuldig, daß man Sie nirgends durch die Tür läßt“ (Fabian, 22).

Indem er den Bettler jedoch auf seine Situation aufmerksam macht und ihn zu sich an den Tisch lädt, zeigt sich Fabian eben nicht als passiver Beobachter. Er greift mit moralischen Absichten handelnd ein.[47] Allerdings bemerkt Marianne Bäumler, dass das Verhalten Fabians an dieser Stelle „als blanker Hohn zu werten“ ist, „wenn der trotz aller Schwierigkeiten noch sauber und adrett gebliebene Werbetexter dem schmuddelig heruntergekommenen Mann in schulterklopfender Manier mangelndes Selbstwertgefühl vorzuwerfen sucht“[48] Dies bleibt bestehen, allerdings berührt es die Aussage von Hans Wagener damit nicht, wenn er sagt: Der „Zaungast Fabian sieht […] nicht ganz passiv zu“.[49] Dennoch urteilt Fabian an dieser Stelle von der Position des Außenstehenden. Er greift zwar ein, ist aber noch nicht mit den Auswirkungen der Arbeitslosigkeit persönlich konfrontiert. Von daher ist Marianne Bäumler zuzustimmen, Fabian ist von der Not erhaben und kann dem Bettler leicht Ratschläge geben, ist er doch selber nicht von dessen Elend betroffen.[50]

Der Bettler jedoch weiß, was es heißt, arbeitslos zu sein und damit jeder moralischen wie staatlichen Unterstützung verlustig zu gehen: „,Wenn man zwei Jahre arbeitslos ist, denkt man anders darüber. […] Ich schlafe am Engelufer in der Herberge. Zehn Mark zahlt mir die Fürsorge‘“ (Fabian, 22). Fabian versucht vergeblich, die Auswirkungen des gesellschaftlichen Verfalls durch die Zunahme an Arbeitslosigkeit abzumildern. Er will den Bettler einladen, doch dieser flieht.

Egon Schwarz arbeitet die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit und sozialem Elend heraus, wenn er sagt:

„Arbeitslosigkeit ist das Gespenst, das […] entsetzenerregend umgeht. [Ist man] arbeitslos, dann schildert Kästner die Qualen der vergeblichen Arbeitssuche, die Erniedrigungen und Absurditäten der Sozialunterstützung und die seelischen Torturen des Versagens, zu denen außerdem noch die Mißhandlungen durch eine Gesellschaft kommen, [in] der eben nur der Geldverdiener ein vollgültiger Mensch ist“.[51]

Schwarz macht hier klar, dass die Arbeitslosigkeit neben dem sozialen Elend auch gesellschaftliche Isolierung mit sich bringt. Die Gesellschaft schottet sich, menschlich und räumlich, von den sozial Abgehängten ab. Diese gesellschaftlichen Tendenzen sind vor allem in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit, wie es in der späten Weimarer Republik der Fall war, zu beobachten. Durch die rücksichtslose und erbarmungslose Behandlung des Bettlers werden diese Tendenzen geschildert und kritisiert. Hilde Spiel vertritt darüber hinaus die Ansicht, dass „Berlin sein Rückgrat verloren“ habe, was sich dadurch ausdrücke, dass beispielsweise eine „Kälte dem erbarmungswürdigen Mitbürger gegenüber“ herrsche.[52] Diese Kälte wird im Fabian beispielsweise in der beschriebenen Szene deutlich. Fabian, und das ist hier der Aussage Spiels jedoch entgegengesetzt, versucht, handelnd einzugreifen. Er bittet den Bettler an seinen Tisch und gibt ihm Ratschläge, wie er seine Situation verbessern könne. Die Gesellschaft kann als kalt und erbarmungslos angesehen werden; das Auftreten der Kellner gibt dieser Ansicht Recht. Fabian jedoch handelt dem entgegengesetzt.

Noch handelt Fabian „aus der Perspektive einer über die materielle Not und die denkbare nackte Existenzangst erhabenen Hauptfigur“, wie Andreas Drouve es ausdrückt.[53] Dies heißt jedoch nicht, dass er persönliche Erfüllung findet, nur weil er eine Arbeitsstelle und damit einen Broterwerb hat. Wie Schwarz bemerkt, ist Fabian „mit seinem Doktor der typische überqualifizierte Akademiker in Krisenlage, der mit seinem Beruf in keiner Weise identifiziert ist“.[54] Zum Zeitpunkt der geschilderten Szene arbeitet Fabian bei einer Zigarettenfirma als Werbetexter. Er berichtet darüber hinaus seinem Kollegen Fischer, dass er „während der Inflation […] für eine Aktiengesellschaft Börsenpapiere verwaltet, […] einen Grünwarenladen gekauft“ habe und „beim Messeamt als Adressenschreiber“ angestellt gewesen sei (Fabian, 35).

Der promovierte Germanist Jakob Fabian hat zum einen also schon die unterschiedlichsten Arbeiten ausgeführt, zum anderen ist er deutlich überqualifiziert für diese Tätigkeiten. Er muss sich, wie Walter Delabar es beschreibt, als „lohnabhängige[r] Intellektuelle[r]“ durchschlagen und darf nicht danach fragen, ob seine Arbeit seiner Qualifikation oder den Wünschen nach einer beruflichen Erfüllung entspricht.[55] In solchen Zeiten, in denen in der Weimarer Republik zeitweilig mehr als sechs Millionen Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen waren, mussten auch gut Qualifizierte ihre persönlichen Ziele dem Streben nach dem Überleben unterordnen.

Vor allem in der Tätigkeit des Werbetexters sieht Fabian keinen rechten Sinn: „Er tat seine Pflicht, obwohl er nicht einsah, wozu“ (Fabian 42). Diese Textstelle gibt Schwarz Recht: Fabian scheint sich mit seiner Arbeit als Werbetexter in keiner Weise zu identifizieren. Zum anderen belegt sie auch die Aussage von Helmut Lethen, der behauptet, dass Kästners „Roman […] Reklame für die Überlebenstechniken“ in einer Zeit ökonomischer Extremsituationen macht.[56] Fabian wendet diese Überlebenstechniken an, indem er auf Distanz zu seiner Arbeit als Werbetexter geht: „Wenn ich hier fliege, such ich mir einen neuen Beruf. Auf einen mehr oder weniger kommt es mir nicht mehr an“ (Fabian, 35). Dadurch erfüllt er die Forderungen seiner Zeit, in der abhängig Beschäftigte flexibel sein mussten und Tätigkeiten als Broterwerb und nicht als persönliche Erfüllung anzusehen hatten. Und selbst Fabians Mutter sieht, obwohl sie mit der Tätigkeit ihres Sohnes nicht einverstanden ist, die Situation realistisch:

„,Macht es Dir denn wirklich Spaß, für Zigaretten Reklame zu machen? […] Frau Thomas meinte, es ist doch ein Jammer […]. Aber ich sagte, das ist nicht seine Schuld. Wer heute nicht verhungern will, und wer will das schon, der kann nicht warten, bis ihm der richtige Beruf durch den Schornstein fällt‘“ (Fabian, 37).

Fabian handelt so, wie es die Zeit von ihm verlangt. Um nicht arbeitslos zu werden, muss er Kompromisse machen, glücklich machen ihn diese nicht. Aber „die Furcht vor dem Entlassenwerden und [der] psychologische Zustand des Entlassenwerdenkönnens“ macht solche Kompromisse notwendig.[57] Er macht sich aber ein Stück von dieser Furcht frei, da er bereit ist, jederzeit eine neue Tätigkeit aufzunehmen. Die von Lethen beschriebenen Überlebenstechniken in ökonomischen Extremsituationen bewahren Fabian davor, den „Weg vom arbeitslosen Kleinbürger zum Lumpenproletariat“ zu gehen. Auf diesem Weg sind die Menschen dazu gezwungen, „kriminell zu werden und so ihr eigenes Leben und das ihrer Familien zu retten“, wie Walter Biedermann analysiert.[58] Ein Arbeitsloser, dem Fabian begegnet, belegt diese Aussage: „,Ich bin jetzt bei der Krisenfürsorge. […] Ich kriege 24,50 Mark. […] Wenn das so weitergeht, fange ich nächstens an, einzubrechen‘“ (Fabian, 100). Auch hier wird wiederum an der Schilderung der ökonomischen Extremsituation in der ausgehenden Weimarer Republik der gesellschaftliche Moralverfall gezeigt; ist man arbeitslos, ist anscheinend das letzte zivilisatorische Band zerschnitten, das den Bürger des Mittelstands vom Kriminellen unterscheidet. Um zu überleben wird sogar das Stehlen in Betracht gezogen.[59]

Auf die Aussagen von Walter Delabar, dass sich Fabian als lohnabhängiger Intellektueller unter seiner Würde verkaufen muss, ist jedoch auch ganz deutlich zu erwidern, dass er eine hohe moralische Messlatte anlegt. Natürlich ist der Akademiker Dr. Jakob Fabian mit seiner aktuellen und den von ihm geschilderten Tätigkeiten unterqualifiziert beschäftigt. Dies ist nur schwer zu bestreiten. Die Arbeit in einem Grünwarenladen ist wohl kaum als eine zur Ausbildung passende Stellung für einen promovierten Germanisten anzusehen.

Dennoch ist zu sagen, dass Broterwerb auch in Zeiten von ökonomischer Entspannung immer Teil des Arbeitslebens ist. Auch in wirtschaftlich hervorragenden Zeiten kann sich kein Arbeitnehmer gänzlich davon freimachen, Dinge zu tun, die ihm manchmal zuwider sind. Die beschriebenen Überlebenstechniken lohnabhängiger Intellektueller können also genauso gut in wirtschaftlich stabilen Zeiten greifen.[60]

Darüber hinaus ist Bernd Neumann der Ansicht, dass Fabian „alle Ansprüche damaliger Modernität“ erfüllt. „Der kommunistische Intellektuelle Brecht […] verdiente sich gerade damals seinen Bugatti […] durch Zigarettenreklame“.[61] Dem Idealbild entsprechend verläuft Fabians Werdegang natürlich nicht, dieses Idealbild wird in Kästners Fabian allerdings nur zum Teil karikiert. Die Ausübung verschiedener Tätigkeiten und damit das Sammeln von Berufserfahrung gehört zunächst einmal zum Erwerbsleben dazu.

Es bleibt aber natürlich festzuhalten, dass Fabian tatsächlich eine seiner Ausbildung ganz und gar nicht gerechte Tätigkeit ausübt, in der er „das Ungereimte reimen und den Umsatz eines Produktes, an das er nicht glaubt, durch die Erfindung von Preisausschreiben und die Herstellung von Werbetexten steigern“ muss, wie Egon Schwarz es beschreibt..[62]

Fabian selbst drückt das Dilemma seiner Überqualifizierung aus, als er bemerkt: „Ich bin auf meine Talente nicht eingebildet, sie reichen glatt zum Verhungern“ (Fabian, 127). Interessant ist auch die Personenbeschreibung, die Fabian von sich selbst gibt: „Fabian, Jakob, 32 Jahre alt, Beruf wechselnd, zur Zeit Reklamefachmann, Schaperstraße 17, herzkrank, Haarfarbe braun“ (Fabian, 13).

Hier wird seine Herzerkrankung, die er durch die Teilnahme am Ersten Weltkrieg davon getragen hat, angesprochen. Darüber hinaus wird hier aber angedeutet, dass auch „seine berufliche Karriere gleichfalls gänzlich nicht intakt ist“, so Christian Klein in seiner Analyse.[63] Diese Aussage von Christian Klein stimmt Delabar wiederum zu.

Schlecht bezahlte Stellungen und das häufige Wechseln dieser Anstellungen scheinen die logische Folge einer Zeit zu sein, in der Millionen von Menschen ohne Arbeit waren und die arbeitende Bevölkerung von dem Lohn schlecht leben konnte.[64] Auch bei Fabian hat diese unstetige Situation im Arbeitsleben zur Folge, dass er sich in einer Position des Ungewissen befindet. Ein Prozess der Sesshaftwerdung, wie man ihn bei einer geregelten Erwerbsbiographie beobachten würde, ist bei Fabian nicht zu erkennen, er führt eine „wechselhafte Geisterbahn-Existenz“, wie Hans Bertram Bock es auf den Punkt bringt.[65] Diese drückt sich beispielsweise dadurch aus, dass er zur Untermiete bei der Witwe Hohlfeld in einem möblierten Zimmer wohnt. Einen promovierten Akademiker könnte man eventuell unter normalen Bedingungen in anderen Wohn- und Lebensverhältnissen vermuten. Die Auswirkung unsicherer ökonomischer Zeiten macht also auch vor Fabians privaten Lebensverhältnissen nicht halt. Diese Auswirkungen gehen aber in dieser Hinsicht nicht nur an Fabian spurlos vorbei: Seine Vermieterin, die Witwe Hohlfeld, hatte laut Fabians Aussagen das „Vermieten früher nicht nötig gehabt“ (Fabian, 38). Sie ist auf die Mietzahlungen Fabians angewiesen, um zu überleben.

[...]


[1] Egon Schwarz: Erich Kästner. Fabians Schneckengang im Kreise. In: Zeitkritische Romane des 20. Jahrhunderts. Die Gesellschaft in der Kritik der deutschen Literatur. Stuttgart: Reclam 1975, S. 124.

[2] U. a. von Isa Schikorsky: Erich Kästner – Kinderbuchautor wider Willen? In: Fundevogel. Kritisches Kinder-Medien-Magazin 2 (1999). S. 12-22, hier S. 12.

[3] So zum Beispiel Werner Schneyder: Erich Kästner. Ein brauchbarer Autor. München: Kindler 1982, S. 56, der auch durch die Schreibweise „Fabian-Kästner“ eine enge Verbindung zwischen Autor und Hauptfigur herausstellt.

[4] Vgl. Detlef Lehnert: Die Weimarer Republik. Parteienstaat und Massengesellschaft. Stuttgart: Reclam 1999, S. 181.

[5] Vgl. Reinhard Sturm: Zerstörung der Demokratie 1930-1933. In: Informationen zur politischen Bildung: Weimarer Republik. Hg. von der Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn 2003, S. 48-65, hier S. 48.

[6] Detlef Lehnert: Die Weimarer Republik, S. 186.

[7] Ebd.

[8] Reinhard Sturm: Zerstörung der Demokratie, S. 48.

[9] Reinhard Sturm: Zerstörung der Demokratie, S. 48.

[10] Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik. München: Oldenbourg 2000, S. 111.

[11] Michael Ruck: Zwischen Historisierung und Aktualisierung der ersten deutschen Republik. Überlegungen zu Heinrich August Winklers Trilogie „Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik. In: Geschichte und Gesellschaft. Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft. Hg. von Werner Abelshauser u. a. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht (1993). S. 506-521, hier S. 515.

[12] Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik, S. 111.

[13] Zitiert nach: Deutsche Geschichte 1918-1933. Dokumente zur Innen- und Außenpolitik. Hg. von Wolfgang Michalka und Gottfried Niedhart. Frankfurt am Main: Fischer 2002, S. 185f., hier S. 185.

[14] Detlev Peukert: Die Weimarer Republik. Krisenjahre der Klassischen Moderne. Frankfurt am Main: Ullstein 1987, S. 244.

[15] Vgl. Horst Möller: Weimar. Die unvollendete Demokratie. München: Dtv 1985, S. 209.

[16] Horst Möller: Weimar, S. 209.

[17] Hans Mommsen: Die verspielte Freiheit. Der Weg der Republik von Weimar in den Untergang 1918-1933. Berlin: Propyläen 1989, S. 332.

[18] Zitiert nach: Karl Arnold: Drunter, drüber, mittenmang. Karikaturen aus dem Simplicissimus. München: Hanser 1974, S. 123.

[19] Vgl. Hagen Schulze: Weimar. Deutschland 1917-1933. Berlin: Severin und Siedler 1982, S. 365.

[20] Zitiert nach: Horst Möller: Weimar, S. 252f.

[21] Erich Kästner: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten. In: Erich Kästner: Gesammelte Schriften Bd 2. Köln: Kiepenheuer & Witsch 1959, S. 7-188. Wird im folgenden Text Erich Kästners Roman zitiert, so geschieht dies auf Grundlage der hier genannten Ausgabe im Fließtext und wird durch Verwendung der Seitenzahl und der Abkürzung Fabian am Zitatende kenntlich gemacht.

[22] Vgl. Regina Hartmann: Der Weg in den Ausweg – Erich Kästners und Hans Falladas Wunschtraum vom Sieg über die „Macht des Bösen“. In: Geist und Macht. Schriftsteller und Staat im Mitteleuropa des „kurzen Jahrhunderts“ 1914-1991. Hg. von Marek Zybura. Dresden: Thelem 2002, S. 241-253, hier S. 241.

[23] Zitiert nach: Volker Ladenthin: Erich Kästners Bemerkungen über den Realismus in der Prosa. Ein Beitrag zum poetologischen Denken Erich Kästners und zur Theorie der Neuen Sachlichkeit. In: Wirkendes Wort. Deutsche Sprache und Literatur in Forschung und Lehre (1988). S. 62-77, hier S.64.

[24] Vgl. Sabina Becker: Neue Sachlichkeit im Roman. In: Neue Sachlichkeit im Roman. Hg. von Sabina Becker und Christoph Weiß. Stuttgart, Weimar: Metzler 1995, S. 7-26, hier S. 14.

[25] Klaus Petersen: Neue Sachlichkeit. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft Bd. II. Hg. von Harald Fricke. Berlin, New York: de Gruyter 2000, S. 699-701, hier S. 699.

[26] Ebd., S. 700.

[27] Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. Stuttgart: Kröner 1989, S. 619.

[28] Isa Schikorsky: Erich Kästner. München: dtv 1999, S. 84f.

[29] Horst Denkler: Die Theorie der „Neuen Sachlichkeit“ und ihre Auswirkungen auf Kunst und Dichtung. In: Wirkendes Wort. Deutsche Sprache und Literatur in Forschung und Lehre (1968). S. 167-185, hier S. 169.

[30] Klaus Petersen: Neue Sachlichkeit, S. 700.

[31] Zu weiteren neusachlichen Sujets vgl. Sabina Becker: Neue Sachlichkeit. Bd. 1: Die Ästhetik der neusachlichen Literatur (1920-1933). Köln, Weimar, Wien: Böhlau 2000, S. 14.

[32] Sabina Becker: Neue Sachlichkeit im Roman, S. 16.

[33] Ebd., S. 15.

[34] Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur, S. 352.

[35] Sabina Becker: Neue Sachlichkeit im Roman, S. 17.

[36] Vgl. Volker Klotz: Forcierte Prosa. Stilbeobachtungen an Bildern und Romanen der Neuen Sachlichkeit. In: Erich Kästner. Werk und Wirkung. Hg. von Rudolf Wolff. Bonn: Bouvier 1983, S. 70-90, hier S. 82.

[37] Isa Schikorsky: Erich Kästner, S. 84.

[38] Volker Klotz: Forcierte Prosa, S. 84.

[39] Britta Jürgs: Neusachliche Zeitungsmacher, Frauen und alte Sentimentalitäten. Erich Kästners Roman „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“. In: Neue Sachlichkeit im Roman. Neue Interpretationen zum Roman der Weimarer Republik. Hg. von Sabina Becker und Christoph Weiß. Stuttgart, Weimar: Metzler 1995, S. 195-211, hier S. 203.

[40] Volker Klotz: Forcierte Prosa, S. 85.

[41] Bernd Neumann: Erich Kästners Berlin-Roman Fabian als Zurücknahme von Lessings Nathan. In: Jugend. Psychologie, Literatur, Geschichte. Festschrift für Carl Pietzcker. Hg. von Klaus Michael Bogdahl u. a. Würzburg: Königshausen und Neumann 2001, S. 289-301, hier S. 291.

[42] Isa Schikorsky: Erich Kästner, S. 84.

[43] Vgl. Karl Werner Scheele: Aspekte der „Neuen Sachlichkeit“ in ausgewählten Romanen von H. Fallada, E. Kästner, I. Keun, E. Reger, und G. Tergit. Vermont (Diss.): 1993, S. 42.

[44] Klaus Petersen: Neue Sachlichkeit, S. 700.

[45] Vgl. Dieter Mank: Erich Kästner im nationalsozialistischen Deutschland. 1933-1945: Zeit ohne Werk? Frankfurt am Main, Bern: Peter Lang 1981, 32f.

[46] Zum gesellschaftlichen Verfall im Fabian vgl. u. a. Sven Hanuschek: Erich Kästner. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2004, S. 60ff.

[47] Dirk Walter: Zeitkritik und Idyllensehnsucht. Erich Kästners Frühwerk (1928-1933) als Beispiel linksbürgerlicher Literatur in der Weimarer Republik. Heidelberg: Universitätsverlag 1977, S. 95.

[48] Marianne Bäumler: Die aufgeräumte Wirklichkeit des Erich Kästner. Köln (Diss.): Prometh 1984, S. 35.

[49] Vgl. Hans Wagener: Erich Kästner. Berlin: Colloquium 1973, S. 54.

[50] Marianne Bäumler: Die aufgeräumte Wirklichkeit, S. 35.

[51] Egon Schwarz: Erich Kästner, S. 133.

[52] Hilde Spiel: In meinem Garten schlendernd. München: Nymphenburger 1981, S. 318.

[53] Andreas Drouve: Erich Kästner – Moralist mit doppeltem Boden. Marburg: Tectum 1993, S. 94.

[54] Egon Schwarz: Erich Kästner, S. 134.

[55] Walter Delabar: Was tun? Romane am Ende der Weimarer Republik. Opladen und Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1999, S. 82.

[56] Helmut Lethen: Neue Sachlichkeit 1924-1932. Studien zur Literatur des „Weissen Sozialismus“. Stuttgart: Metzler 1970, S. 143. Allerdings ist diese Analyse bereits mehr als dreißig Jahre alt und entspricht nicht in allen Teilen dem aktuellen Forschungsstand. Dies ist zu berücksichtigen.

[57] Egon Schwarz: Erich Kästner, S. 133.

[58] Walter Biedermann: Die Suche nach dem dritten Weg. Linksbürgerliche Schriftsteller am Ende der Weimarer Republik. Heinrich Mann, Alfred Döblin, Erich Kästner. Frankfurt am Main (Diss.): 1981, S. 189.

[59] Vgl. u. a. Dirk Walter: Zeitkritik und Idyllensehnsucht, S. 56.

[60] Vgl. Volker Klotz: Forcierte Prosa, S. 86.

[61] Bernd Neumann: Erich Kästners Berlin-Roman Fabian, S. 290.

[62] Egon Schwarz: Erich Kästner, S. 134.

[63] Christian Klein: Vom Glück des Scheiterns. Lebens- und Gesellschaftskonzepte in Kästners Fabian und Regeners Herr Lehmann. In: Scheitern und Biographie. Die andere Seite moderner Lebensgeschichten. Hg. von Stefan Zahlmann und Sylka Scholz. Gießen: Psychosozialverlag 2005, S. 255-264, hier S. 256.

[64] Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik, S. 127.

[65] Hans Bertram Bock: Der Gang vor die Hunde. Erich Kästner: Fabian. In: Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums 65 (1978). S. 159-162, hier S. 160.

Details

Seiten
97
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638712682
ISBN (Buch)
9783638714600
Dateigröße
736 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75494
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Schlagworte
Erich Kästners Hintergrund Weimarer Republik Thema Erich Kästner

Autor

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Titel: Erich Kästners „Fabian“ vor dem Hintergrund der ausgehenden Weimarer Republik