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Wenn aus Liebe Hass wird. Die zerstörerische Kraft der Eifersucht

Hausarbeit 2007 20 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Fragestellung/ Thema

2 Theoretische Grundlagen
2.1. Emotion
2.2. Liebe
2.3. Hass
2.4. Eifersucht
2.5. Aggression
2.6. Wut
2.7. Rivalität

3 Praktische Anwendung
3.1. Steves Kindheit
3.2. Steves Jahre vor der Tat
3.3. Die Überreaktion (Straftat)
3.4. Fazit zum Fallbeispiel

4 Schlussfolgerungen für die Lehrertätigkeit
4.1. Konsequenzen für die Lehrertätigkeit insgesamt
4.2. Zusätzliche Möglichkeiten als LER-Lehrerin/Lehrer

5 Schlusswort

Literaturangaben

1 Fragestellung/ Thema

Emotionen wie Liebe, Hass und Eifersucht sind so alt wie die Menschheit selbst, und doch werden sie noch viele Generationen nach uns begleiten, verwirren und zur Verzweiflung bringen. Dem Grunde nach sind Liebe und Hass Gegensätze, ebenso wie Gut und Böse, Schwarz und Weiß oder Tot und Lebendig. Aber andererseits liegen sie auch nah beieinander bzw. wandeln sich schnell von dem einen in das andere Extrem. Wenn Menschen lieben, ist oft auch Eifersucht im Spiel, und diese kann evtl. mit Aggression(en) einhergehen.

Wie kommt es zu diesem Phänomen? Wie kann es sein, dass aus Liebe plötzlich Hass wird? Wodurch entsteht Eifersucht und wieso beeinflusst sie das menschliche Denken, Fühlen und Handeln so stark? Warum sind manche Menschen kaum und andere sehr eifersüchtig? Und wie kommt ein Mensch dazu, den eigentlich geliebten Menschen aus Eifersucht zu ermorden? Diesen Fragen soll in der vorliegenden Hausarbeit nachgegangen werden. Dazu sollen im direkt folgenden, theoretischen Teil grundlegende Begriffe erklärt und voneinander abgegrenzt bzw. zueinander in Beziehung gesetzt werden.

Anschließend sollen die theoretischen Grundlagen auf ein Beispiel angewandt werden. Dazu finden Sie im Anhang ein Interview mit einem Mann, der aus Motiven der Eifersucht seine Partnerin ermordet hat. Er hat seine Strafe bereits „abgesessen“ und ist vollständig resozialisiert. Es soll herausgefunden werden, aus welchen Motiven er handelte und wie es zu der Tat kommen konnte. Sind mögliche Gründe für den Mord lediglich in dem Lebensabschnitt zu suchen, in dem er die Tat beging, oder muss in der Analyse des Falls viel weiter zurückgeschaut werden, sind Tendenzen zu Eifersucht und Aggression bereits in der Kindheit begründet?

Im abschließenden Teil der Hausarbeit sollen die gewonnenen Erkenntnisse kurz zusammengefasst und ein Bezug zur Lehrertätigkeit hergestellt werden. Es soll insbesondere darum gehen, ob und wie das Thema in den LER-Unterricht miteinbezogen werden soll.

2 Theoretische Grundlagen

Zuerst sollen einige Begriffe geklärt werden, angefangen bei dem Begriff Emotion im Allgemeinen, und schließlich die Begriffe Liebe, Hass, Eifersucht, Aggression, Wut und Rivalität im Speziellen.

2.1. Emotion

Der Begriff Emotion gehört zu den „umstrittensten Phänomenen in der Psychologie, und die Auffassungen darüber, was eine Emotion ist, gehen weit auseinander.“ (Goller, 1995, 30)

Die erste Schwierigkeit entsteht durch ähnliche Begriffe - wie Gefühl oder Neigung – und ihre gegenseitige Abgrenzung. Ulich sieht den Begriff Emotion als „Oberbegriff für Affekt, Gefühl, Stimmung usw.“ (Ulich/ Mayring, 2003, 52) Steden definiert Stimmungen, Gefühle, Emotionen, Leiden-schaften und Affekte in Abgrenzung zueinander. Dabei lässt er zwar indirekt auch eine gewisse Hierarchie erkennen, setzt aber keinesfalls den Begriff Emotion über alle anderen. Um dies abzukürzen sei zusammenfassend gesagt, dass „jeder der Begriffe (…) je nach zugrunde liegender Theorie und verfolgten Forschungszielen verschiedene Bedeutungen“ annehmen kann (Ulich/ Mayring, 2003, 51). Da dies jedoch nicht Thema der Hausarbeit sein soll, wird im Folgenden ausschließlich der Begriff Emotion verwendet. Doch auch bei dem Versuch, den Begriff Emotion losgelöst von ähnlichen Begriffen zu definieren, stößt die/der Psychologie-Interessierte schnell an ihre/seine Grenzen, denn so etwas wie eine allgemein gültige Definition gibt es schlichtweg nicht. Dennoch sollten sich die weiteren Ausführungen dieser Hausarbeit auf etwas beziehen können, und deshalb wird die folgende Arbeitsdefinition herangezogen, die auch im Seminar verwendet wurde:

„Eine Emotion wird üblicherweise dadurch verursacht, dass eine Person – bewusst oder unbewusst – ein Ereignis als bedeutsam für ein wichtiges Anliegen (Ziel) bewertet.

Der Kern sind Handlungsbereitschaft und das Nahelegen von Handlungsplänen. (…) Eine Emotion kann andere mentale Prozesse unterbinden (…). Eine Emotion wird gewöhnlicherweise als ein bestimmter mentaler Zustand erlebt, der manchmal von körperlichen Veränderungen, Ausdruckserscheinungen und Handlungen begleitet oder gefolgt wird.“ (Otto, Euler, Mandl, 2000, 1)

Es fällt auf, dass in dieser Arbeitsdefinition nicht festgelegt wird, ob Emotionen vorübergehend oder von Dauer sind. „Wie die meisten anderen psychischen Prozesse sind sie beides.“ (dtv-Atlas Psychologie, 1997)

Was jedoch in dieser Arbeitsdefinition deutlich wird, ist, dass eine Emotion „ein kompliziertes Zusammenspiel seelischer und körperlicher Vorgänge“ (Goller, 1995, 33) ist, welches drei verschiedene Komponenten enthält: die Gefühlskomponente, die körperliche Komponente und die Ausdrucks - komponente. Wichtig ist auch der Drang zur Handlung.

Es gibt eine Vielzahl von einzelnen Emotionen, die von unterschiedlichen Autoren/ Psychologen verschiedenen Gruppen zugeordnet werden. Im folgenden wird ausschließlich auf die Emotionen eingegangen, die für die Fragestellung von Bedeutung sind.

2.2. Liebe

„Die Liebe ist eine intensive zwischenmenschlich verbindende Emotion“ (Ulich/ Mayring, 2003, 152), die auf Zuneigung/Sympathie beruht. Sie hat Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden, die Selbstachtung und die Gesundheit. Es gibt mehrere Formen der Liebe: Geschwisterliebe, Elternliebe, Partnerliebe usw. Nachfolgend erfolgt eine Beschränkung auf die romantische Liebe, also die Liebe zwischen zwei Partnern, die mit einer Liebesbeziehung einhergeht. Die romantische Liebe ist gekennzeichnet durch starke Zuneigung zu der geliebten Person, Freude über das Zusammensein, Sehnsucht und Bedürfnis nach Zärtlichkeit, Vertrauen, Ehrlichkeit, Wertschätzung des Partners und Toleranz.

Es gibt eine Vielzahl von Theorien über Liebe, unter anderem die bekannte Dreieckstheorie von Sternberg, der annimmt, dass sich Liebe aus drei Komponenten, nämlich Intimität, Leidenschaft und Entscheidung/ Verpflichtung zusammensetzt. Die Größe des Dreiecks variiert je nach Ausmaß der Liebe, die Form des Dreiecks wird durch den Anteil der einzelnen Komponenten bestimmt. (Bei der erfüllten Liebe wäre das Dreieck somit groß und gleichschenklig.)

Der bindungstheoretische Ansatz sieht einen Zusammenhang zwischen der Bindung des Kleinkindes an seine Bezugsperson und der Art der Liebesbeziehung des späteren Erwachsenen. Es werden von Hazan und Shaver (1987) drei Bindungsstile bei Erwachsenen unterschieden:

- Ängstlich-ambivalente Erwachsene haben einen besonders ausgeprägten Wunsch nach Nähe, sehen diesen oft durch den Partner nicht erfüllt und haben stets Angst vor dem Verlassen-Werden.
- Vermeidende Menschen wahren stets eine gewisse Distanz zu ihrem Partner und weichen großer Nähe gern aus.
- Sicher gebundene Personen haben weder Angst vor Nähe noch Angst davor, verlassen zu werden.

2.3. Hass

Es ist auffällig, dass die Emotion Hass nur in wenigen psychologischen Werken vorkommt. Oft finden sich dafür die Begriffe Ärger, Zorn oder Wut. Diese zu empfinden ist in unserer Gesellschaft auch akzeptiert, doch Hass wird uns als ein „anormales Gefühl“ dargestellt, das tunlichst vermieden werden sollte. (Goldberg, 1996, 17) Hass wird oft mit etwas Bösem verbunden, dabei ist er eine normale menschliche Emotion und wird erst dann böse, wenn er mit einer destruktiven Tat einhergeht. Hass ist auch nicht von der Liebe zu trennen oder als ihr Gegenteil anzusehen. Denn nur die Menschen, die wir lieben, können Hassgefühle in uns auslösen, Menschen die uns gleichgültig sind vermögen dies nicht.

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Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638812504
ISBN (Buch)
9783638813990
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75454
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Psychologie
Note
1,7
Schlagworte
Liebe Hass Kraft Eifersucht Emotionen Aggression

Autor

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Titel: Wenn aus Liebe Hass wird. Die zerstörerische Kraft der Eifersucht