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Die Informationsvermittlung im Fernsehen: Analyse eines Magazinbeitrages

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 27 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Visuelle Gestaltung
2.1. Bildaufbau
2.2. Einstellung
2.2.1. Einstellungsgröße
2.2.2. Einstellungslänge
2.3. Kameraführung
2.3.1. Kameraperspektive
2.3.2. Kamerabewegung

3. Auditive Gestaltung
3.1. Musik und Geräusche
3.2. Sprache
3.2.1. Kommentare
3.2.2. Originaltöne

4. Zusammenfassung

Strukturprotokoll
Feinprotokoll

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Trotz stark ansteigender Anzahl von Unterhaltungsformaten in den letzten Jahren fungiert das Fernsehen immer noch als „Instanz der Informations-vermittlung“[1]. Zu dieser Funktion der Television tragen in erster Linie die Nachrichtensendungen und politischen Magazine bei, welche über aktuelle und relevante Ereignisse berichten. Selbstverständlich dienen auch andere journalistischen Fernsehangebote zur Information. Dazu gehören sogar Formate, welche performativen und fiktionalen Elemente aufweisen. Dabei bedient sich das Fernsehen zweier Informationskanäle. Im Fernsehen werden Informationen mittels Bild und Ton übermittelt, im Gegenteil zur Presse und zum Radio.

Die Informationsvermittlung im Fernsehen ist das Thema der vorliegenden Arbeit. In Form einer Analyse wird am Beispiel eines Fernsehbeitrages untersucht, wie die Übermittlung von Informationen im Fernsehen mittels Bild und Ton erfolgt.

Die Untersuchungseinheit ist der „berichterstattende“[2] Film „Die Entführung von Susanne Osthoff“. Er wurde wegen seines aktuellen Nachrichtencharakters am 18.12. 2005 im auslandspolitischen Magazin „Weltspiegel“ ausgestrahlt.

Der zu untersuchende Fernsehbeitrag basiert auf Archivmaterialien der ARD und berichtet chronologisch über die Entführung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff im Irak. Zugleich informiert der Beitrag über die Verhandlungen der deutschen Regierung zur Befreiung der Geisel.

Die Erforschung beginnt mit einer Analyse der visuellen Darstellungs-mittel. Hierbei wird zuerst der Bildaufbau behandelt. Als Nächstes werden die Einstellungen vom Untersuchungsobjekt analytisch charakterisiert, welche durch ihre Größen und Längen den Informationstransfer ebenfalls visuell beeinflussen. Anschließend befasst sich die Analyse auf der Ebene der visuellen Informationsvermittlung mit der Kameraarbeit.

Da der Informationstransfer im Fernsehen zugleich auditiv erfolgt, wird in der vorliegenden Arbeit ebenfalls die akustische Gestaltung der Untersuchungseinheit analytisch betrachtet. Zuerst behandelt die Analyse die Geräusche und die Musikklänge, welche in dem oben genannten Fernsehbeitrag vorkommen. Danach beschäftigt sich die Untersuchung mit der im Bericht eingesetzten Sprache als Informationsträger. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der analytischen Ergebnisse.

2. Visuelle Gestaltung

Der erste Teil der Analyse behandelt die visuelle Gestaltung der Untersuchungseinheit bezüglich des Informationstransfers. Zuerst wird die Anordnung der Objekte und der Figuren beschrieben, anhand deren visuell Informationen generiert werden. Danach befasst sich die Arbeit mit den verschiedenen Einstellungen des Beitrages als weiteres visuelles Darstel-lungsmittel und mit ihren Größen und Längen. Anschließend wird die Kameraführung in Bezug auf die Informationsvermittlung analysiert.

2.1. Bildaufbau

In diesem Kapitel wird lediglich der Bildaufbau des zu charakterisierenden Fernsehbeitrages behandelt. Die akustische Gestaltung der Bilder wird nicht berücksichtigt. Hierbei stützt sich die Analyse auf die theoretischen Formulierungen von Christian Mikunda, Gerhard Schult und Axel Buchholz, Ingrid Hamm, Gilles Deleuze, Knut Hickethier und Peter Kerstan. Die oben genannten Theoretiker und Praktiker entwickelten signifikante Kriterien, welche eine plausible Analyse der Bildgestaltung ermöglichen.

In erster Linie werden bei dieser Untersuchung die Gestaltungsregeln von Christian Mikunda berücksichtigt, da dieser sich in seinem Buch „Kino spüren. Strategien der emotionalen Filmgestaltung“ am ausführlichsten mit Bildstrukturen beschäftigt.

In visueller Hinsicht bestehen berichterstattende Filme aus bewegten Bildern, aus Bilderfolgen[3]. Bewegte Bilder stellen ein „geschlossenes“[4] optisches „System“[5] dar, das anhand seiner Bildelemente und deren Anordnung implizit visuelle Informationen erfasst und vermittelt. In diesem Zusammenhang fungieren Bewegungs- Bilder als ein Informations-system. Im Fernsehjournalismus werden Bilder ebenfalls als bedeutungs-tragende Einheiten begriffen[6]. Sie dienen als visuelle Präsenz von konkreten Gegenständen und abstrakten Ideen.

Das Bild als Informationsträger steuert visuell mittels gerichteter induzierter Spannung die Aufmerksamkeit der Rezipienten mental, emotional und physisch auf Schlüsselinformationen[7].

Die Bildstrukturhaftigkeit der Untersuchungseinheit ist ebenfalls bedeu-tungstragend. Die in den Bildern geordnete Elemente bzw. Bildmotive weisen signifikante informative Merkmale auf, welche durch bestimmte Gestaltungsprinzipien auf sich aufmerksam machen.

Bereits in der ersten Einstellung werden durch die abgebildeten Objekte Informationen erzeugt und transportiert. Hierbei ist das signifikanteste Bildelement eine Schaufel. Ihre gegenständliche Konkretheit als Ausgrabungswerkzeug deutet auf Ausgrabungsarbeiten hin. Die Schaufel ist im linken Unterbildrand platziert. Sie steht im Vordergrund des Bildes. Auf Grund dessen steigt ihr visuelles Gewicht im Bildfeld. Dadurch unterliegt die Schaufel einer gerichteten visuellen Spannung. Die visuelle Spannung im Bild wird durch die Bewegung der Schaufel wesentlich erhöht. Anhand der erzeugten visuellen Spannung im Bild wird die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf die Schaufel kanalisiert und zugleich die Information vermittelt, dass es sich dabei um Ausgrabungsarbeiten handelt.

Einen deutlicheren sinnhaften Hinweis auf Ausgrabungsarbeiten liefert das Bildmotiv der zweiten Kadrierung[8] des zu analysierenden Fernseh-beitrages. Dabei werden Ausgrabungsarbeiter mitten im Arbeitsprozess zusammen mit der Archäologin Susanne Osthoff gezeigt. Anbei bilden die Frames eine Landschaft ab. Somit werden Informationen über den Handlungsraum- und Zeit generiert. Durch diese Art „Horizontbildung“[9] werden die Zuschauer raumzeitlich in den Bericht eingeführt.

In der nächsten Einstellung wird die Hauptprotagonistin des bericht-erstattenden Films, Susanne Osthoff, visuell akzentuiert eingeleitet. Hierbei wird sie anhand eines Standbildes präsentiert. Die Figur ist frontal und mittig im Bild platziert. Sie füllt den Bildausschnitt aus. Dadurch fokussiert sich die Konzentration der Rezipienten lediglich auf Susanne Osthoff.

In der darauf folgenden Bilderfolge ist Susanne Osthoff mit ihrem Fahrer und einer weiteren Protagonistin optisch zu erfassen. Sie beladen ein Auto. Das gezeigte Bildmotiv weist auf eine bevorstehende Reise hin. Anhand der Bewegungen der Figuren wird in den Bildern eine visuelle Spannung induziert. Auf Grund dessen richtet sich die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf die agierenden Figuren.

In der sechsten Einstellung präsentieren die Bilder ein Auto, dessen Scheinwerfer eingeschaltet sind. Sie sind auf die Kamera gerichtet. Das Auto bewegt sich nach vorne. Es fährt in Richtung Kamerastandpunkt. Da der Kamerablick mit der Zuschauersichtweise identisch ist, kommt das Auto den Rezipienten entgegen. Deswegen erscheint es bedrohlich für sie zu sein. Durch die Bewegung des Objekts steigt die visuelle Spannung im Bild. Diese wird anhand der zwei fast blendenden Lichtstrahler zusätzlich erhöht. Zugleich erzeugt der „Low- Key- Beleuchtungsstil“[10] visuell eine psychische Spannung. Die im Bild herrschende Dunkelheit deutet auf eine dramatische Situation, auf ein Verbrechen hin.

Die Bilder in der nächsten Kadrierung stellen lediglich den vorderen Teil desselben Autos dar. Das Auto ist groß und aus der Froschperspektive aufgenommen. Mittels der Größe und der Platzierung des abgebildeten Objekts wird ebenfalls visuelle Spannung in den Bildern induziert. Das Objekt bewegt sich zwar nicht mehr, dennoch wirkt es auf Grund der oben aufgezählten Gestaltungsprinzipien bedrohlicher.

In der achten Einstellung weisen die Bildelemente visuell auf den Handlungsort hin. Sie stellen ein Fernsehstudio dar. Im Vordergrund wird ein Fernsehtechniker gezeigt. Im Mittelgrund wird ein Tonpult visuell aufgezeichnet. Im Hintergrund werden etliche Fernsehmonitore abgebildet. Durch die Unterteilung des Bildfeldes in Vorder- Mittel- und Hintergrund wird visuell eine große Spannung generiert und zugleich werden die Zuschauer über den Handlungsraum orientiert. Die Farbgebung der abgebildeten Elemente und die Kamerabewegung erhöhen die bereits erzeugte visuelle Spannung. Die ersten Frames der zehnten Kadrierung bilden groß ein Wandschild ab, auf dem „Auswärtiges Amt. Krisenzentrum“ steht. Das bedeutungstragende Bildelement an dieser Stelle ist das Wandschild. Mittels seiner grafischen Entität fungiert das gezeigte Objekt als Informationsträger. Es übermittelt die Information, dass es sich im Bericht um das Auswärtige Amt in Deutschland handelt. Das visuelle Gewicht des Wandschildes steigt auf Grund seiner Größe und Platzierung im Bild. Zugleich wird die visuelle Spannung im Bildausschnitt mit Hilfe der eingesetzten Kamerabewegung erhöht. Auf Grund der visuell aufgezeichneten Schrift steigt die Wirksamkeit der Bilder als Informa-tionsträger wesentlich.

Die Bilder der restlichen Einstellungen weisen ebenfalls durch ihren Aufbau einen informativen Charakter auf. Anhand der Anordnung von Objekten und Figuren mittels verschiedener Gestaltungsprinzipien werden Inhalte generiert und vermittelt.

In diesem Zusammenhang dienen die im zu untersuchenden Fernseh-bericht dargebotenen Bilder signifikant zum Informationstransfer. Durch ihre Konstruktion deuten sie visuell auf bedeutungstragende Objekte und Figuren hin, welche zur Bildung der Narration in dem berichterstattenden Film beitragen.

2.2. Einstellung

In ihren kommunikationswissenschaftlichen Studien weist Ingrid Hamm darauf hin, dass die Einstellungen und insbesondere die Einstellungs-größen- und Längen äußerst relevant für die Wahrnehmung von Bildinhalten und damit auch für die Informationsvermittlung sind.

Das vollständige Verstehen von visuellen Inhalten hängt von der Dauer der Einstellungen ab. Hierbei wird eine Dauer von mindestens 6 Sekunden empfohlen. Die Einstellungsgröße determiniert die Distanz zwischen dem Zuschauer und den abgebildeten Elementen. Sie „drückt den Standpunkt des Berichterstatters zum Aufnahmeobjekt aus“[11]. Ein starkes Engagement des Erzählers zum abgebildeten Objekt wird zum Beispiel durch eine Großaufnahme illustriert. Eine distanzierte Meinung des Berichterstatters zum gezeigten Bildelement wird beispielhaft durch eine totale oder halbtotale Aufnahme artikuliert. Laut Ingrid Hamm beeinflusst die geringe Distanz zum abgebildeten Element bzw. die Großaufnahme positiv die Informationsvermittlung.

In Anbetracht der oben genannten theoretischen Behauptungen beschäftigt sich die Untersuchung in diesem Kapitel mit den einzelnen Einstellungen des zu analysierenden Fernsehbeitrages im Hinblick auf die Informationsvermittlung. Hierbei basiert die Analyse auf den theoretischen Ansätzen von Ingrid Hamm, Peter Kerstan, Knut Hickethier, Axel Buchholz, Gerhard Schult, Lothar Mikos und Pierre Kandorfer.

[...]


[1] Lünenborg, Margreth (2005): Journalismus als kultureller Prozess. VS. Wiesbaden, S. 146.

[2] Kerstan, Peter (2000): Der journalistische Film. Jetzt aber richtig. Frankfurt: Zweitausendundeins, S. 84.

[3] Schult, Gerhard/Axel Buchholz (Hrsg.) (2002): Fernsehjournalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. München: List, S.22.

[4] Deleuze, Gilles (1989): Das Bewegungs- Bild. Kino 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch Verlag, S. 27.

[5] Deleuze, Gilles (1989): Das Bewegungs- Bild. Kino 1, S. 28.

[6] Hamm, Ingrid (1985): Inhalt und Audiovisuelle Gestaltung. Zur Gestaltung von Verbrauchersendungen des

Fernsehens, Nürnberg, S. 37.

[7] Mikunda, Christian (2002): Kino spüren. Strategien der emotionalen Filmgestaltung. Wien: WUV, S. 87.

[8] Deleuze, Gilles (1989): Das Bewegungs- Bild. Kino 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch Verlag, S. 27.

[9] Schult, Gerhard/Axel Buchholz (Hrsg.) (2002): Fernsehjournalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. München: List, S. 28.

[10] Hickethier, Knut (2001): Film- und Fernsehanalyse. Stuttgart/Weimer: Metzler, S. 80.

[11] Kerstan, Peter (2000): Der journalistische Film. Jetzt aber richtig. Frankfurt: Zweitausendundeins, S. 65.

Details

Seiten
27
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638797832
ISBN (Buch)
9783638797351
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75225
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Informationsvermittlung Analyse Hauptseminar Medienseminar Fernsehanalyse Fernsehbeitrag Susanne Osthoff Entführung Fernsehnachrichten Magazinbeitrag Fernsehen

Autor

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