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Frauenbilder in 'La familia de Pascual Duarte' von Camilio José Cela

Hausarbeit 2007 15 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschlechterverhältnisse in Spanien
2.1 sex/gender- System
2.2 Die Entwicklung der Geschlechterverhältnisse - Tradition der Frauendiskriminierung
2.3 Typisch spanische Frauenbilder

3. Lola und Concepción: Typisch spanische Frauenbilder?
3.1 Lola
3.1.1 Lola auf der Suche nach einem Mann
3.1.2 Lolas erste Schwangerschaft
3.1.3 Lolas zweite Schwangerschaft
3.1.4 Pascualillos Tod
3.1.5 Lolas dritte Schwangerschaft
3.2 Concepción: ein Vergleich mit Lola

4. Konklusion

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Frauenbilder in 'La familia de Pascual Duarte' von Camilio José Cela. Die Arbeit soll anhand von zwei exemplarisch ausge-wählten Frauen, Lola und Concepción, untersuchen, inwieweit der Autor typische Frauenbilder für sein Werk gewählt hat.

Eine wichtige Grundlage für das bessere Verständnis des typisch spanischen Frauenbildes ist die Kenntnis über die Situation der spanischen Frau zu Anfang des 20. Jahrhunderts. So wird zunächst die Entwicklung der Geschlechterverhältnisse in Spanien unter Berück-sichtigung von sex und gender dargestellt. Als nächstes sollen das sich aus den Ge-schlechterverhältnissen entwickelte für Spanien typische Frauenbild und eventuelle Abweichungen von diesem Frauenbild erläutert werden.

Schließlich wird Lola, eine bedeutende Figur in diesem Roman, dargestellt. Das Frauen-bild von Lola soll anhand der wichtigsten Szenen, Lolas Suche nach einem Mann, ihrer ersten Schwangerschaft, ihrer zweiten Schwangerschaft, dem Tod ihres zweiten Kindes und ihrer dritten Schwangerschaft, erarbeitet werden. Zuletzt wird eine weitere Frau, Concepción, hinzugezogen, um diese mit dem Bild der Lola vergleichen zu können.

Der Roman wurde 1942 erstmals veröffentlicht, stand allerdings im folgenden Jahr unter Zensur und wurde in Spanien bis ins Jahr 1946 verboten.[1] Die fiktionale Autobiographie des Pascual Duarte spielt ungefähr in einem Zeitraum von den Anfängen des 20. Jahr-hunderts bis zum Tod des Protagonisten, Pascual Duarte, 1935 oder 1936.

Der Protagonist Pascual Duarte wächst in einem Dorf in der Provinz Badajoz auf. Er lebt in einer zerrütteten Familie: Der Vater, ein Ex-Sträfling, ist gewalttätig und die Mutter ist eine kalte, mürrische Frau, die beim Tod des Vaters, anstatt zu weinen, lacht. Von seinen zwei Geschwistern wird die Schwester zur Prostituierten und sein Bruder, der geistig behindert ist, stirbt mit zehn Jahren. Bei der Beerdigung werden Pascual und seine zu-künftige Ehefrau Lola ein Paar. Sie wird zwei Mal von ihm schwanger, aber keines der Kinder überlebt. Nach dem Tod des zweiten Kindes, flieht Pascual, getrieben durch Mordgedanken, nach Madrid, wo er einige Wochen bei Estevéz und seiner Frau, Concepción, unterkommt und reist dann weiter nach La Coruña. Als er nach zwei Jahren nach Hause zurückkehrt, eröffnet ihm Lola, dass sie vom Estirao, dem Verführer seiner Schwester, schwanger ist, woraufhin sie stirbt. Pascual tötet den Estirao und seine Mutter und bekommt dafür die Todesstrafe.[2]

2. Geschlechterverhältnisse in Spanien

2.1 sex/gender -System

Zu Beginn sollte gesagt werden, dass für eine Analyse der Geschlechterverhältnisse die Unterscheidung zwischen sex und gender von Bedeutung ist.[3] Durch die Differenzierung eines biologischen Geschlechts (sex) und eines soziokulturell bedingten und erworbenen Geschlechts (gender) wird eine angeborene Geschlechtsidentität ausgeschlossen.[4]

Doch viele Jahrhunderte ging man davon aus, dass die biologischen Geschlechterunter-schiede mit einer pränatal erworbenen Geschlechtsidentität einhergingen, so dass die Frau in Spanien lange Zeit als das „schwächere Geschlecht“ unterdrückt wurde.[5]

2.2 Die Entwicklung der Geschlechterverhältnisse – Tradition der Frauendis-kriminierung

Die Unterdrückung der Frauen entwickelte sich in Spanien durch den Einfluss der Mauren sowie den Einfluss des Römischen Rechts, das im 13. Jahrhundert an Bedeutung gewann. Als schließlich im siglo de oro das Germanische Recht durch das Römische und Kirchenrecht ersetzt wurde, erließ man Gesetze, die es der Frau nicht erlaubten, in der Öffentlichkeit aufzutreten und die sie auf das Dasein als Ehefrau, Hausfrau und Mutter beschränkten.[6]

Die patriarchalische Familie wurde nun zur Tradition und die Diskriminierung der Frauen reichte bis weit ins 20. Jahrhundert. Der Mann war der jefe, der alles bestimmen durfte, sei es wie die Frau die Kinder zu erziehen oder die Hausarbeit zu machen hatte.[7] Aus-schließlich der Mann hatte Anspruch auf eine gute Bildung sowie einen guten Arbeits-platz, durfte sich politisch beteiligen, Verträge abschließen, die Finanzen regeln und er bestimmte sogar über die Besitztümer, die die Frau mit in die Ehe brachte.[8] Eine even-tuelle Untreue der Ehefrau war ein Angriff gegen die Ehre des Mannes und konnte vom Gesetz bestraft sowie vom Mann gerächt werden. Seitensprünge des Ehemanns wurden in der Regel nicht bestraft, wogegen bei einer Frau der bloße Verdacht ausreichte.[9]

Im Laufe der Jahrhunderte gab es einige wenige positive Entwicklungen bezogen auf die Rolle der Frau, wie z.B. die im 18. Jahrhundert in Madrid entstandenen Sitten des paseo, ein täglicher Spaziergang der Ehepartner, des cortejo, ein Begleiter bzw. Liebhaber einer verheirateten Frau, und des baile, eine Tanzveranstaltung.[10]

Die größten Fortschritte entstanden ab 1931, denn mit der 2. Republik kam es auch zur Gleichberechtigung von Mann und Frau und zu weiteren Rechten für die Frau, wie z.B. Scheidung, Arbeitsplatz und Wahlrecht.[11]

Allerdings wurden diese Errungenschaften unter Franco, 1936/39 bis 1975, recht schnell wieder zunichte gemacht. Schon während des Bürgerkriegs, 1936 bis 1939, der mitunter aus Angst vor der weiblichen Sexualität ausgelöst wurde, erklärte Franco die Frau erneut zu einem dem Mann untergeordnetem Geschlecht. Die Frauen wurden wieder den Regeln aus dem 16. Jahrhundert unterstellt und der Mann zum „gottgewollten superioren Teil“ ernannt. Die Mutterschaft wurde zum „heiligen Amt“, welches keine Frauenarbeit mit sich vereinbaren und so Frauen zu „Gebärmaschinen“[12] werden ließ.[13]

Durch diese Geschlechterverhältnisse, die mit der jahrhundertlangen Unterdrückung der Frau einhergehen, hat sich ein für Spanien typisches Frauenbild entwickelt. Dieses soll im nächsten Kapitel erläutert werden.

2.3 Typisch spanische Frauenbilder

Das Idealbild der spanischen Frau ist während der Renaissance entstanden.[14] Es ist das traditionelle Bild einer religiösen und fügsamen Frau. Sie ist sittsam und tugendhaft und lebt nach strengen christlichen Regeln. Als inferiores und hilfsbedürftiges Geschlecht ist sie immer vom Mann abhängig, sei es in der Kindheit und Jugend von Vater und Brüdern oder später vom Geliebten und Ehemann. Sie muss ihm dienen und seinen Befehlen ge-horchen.

[...]


[1] http://www.tu-dresden.de/sulifr/cela/doctorando.html

[2] Vgl. Cela (1985)

[3] Vgl. Collado Seidel/ König (2002: 197)

[4] Vgl. Osinski (1998: 135)

[5] Vgl. Truxa (1982: 20-21)

[6] Vgl. Truxa (1982: 20), Rhode/Dudek (1985: 28)

[7] Vgl. Rhode/Dudek (1985: 15)

[8] Vgl. Scanlon (1986: 128-130), Rhode/Dudek (1985: 32-33)

[9] Vgl. Scanlon (1986: 131-133)

[10] Vgl. Hertel-Mesenhöller (2001: 41, 43, 93)

[11] Vgl. Scanlon (1986: 261-262, 264)

[12] Truxa (1982: 25)

[13] Vgl. Bernecker/Oehrlein (1991: 313-315)

[14] Vgl. Hertel-Mesenhöller (2001: 95)

Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638796422
ISBN (Buch)
9783638797313
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75215
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,0
Schlagworte
Frauenbilder Pascual Duarte Camilio José Cela Gewalt Lektüren Literatur

Autor

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