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Anglizismen im Spanischen

Seminararbeit 2007 17 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein sprachgeschichtlicher Überblick des Spanischen

3. Der Einfluss des Englischen - Englisch als Kulturadstrat

4. Was versteht man unter Anglizismen ?
4.1. Allgemeine Definition
4.2. Lexikalische Anglizismen
4.3. Syntaktische Anglizismen
4.4. Pseudoanglizismen

5. Der Umgang mit Anglizismen in spanischen Wörterbüchern

6. Resümee

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„El inglés es el idioma de mayor influencia en el mundo.“[1]

JAVIER MEDINA LÒPEZ

Die dominante weltweite Lingua Franca, das Englische, versteht sich nicht nur als Muttersprache vieler Millionen Menschen, sondern auch als internationale Sprache und Kulturadstrat vieler europäischer Sprachen. In dieser Arbeit soll dabei der Blick auf das Spanische gerichtet werden, eine Sprache, die jahrtausendelang einem ständigen Wandel unterzogen war und heute durch das Englische beeinflusst wird. Anglizismen sind im heutigen spanischen Wortschatz allgegenwärtig und oft werden sie auch benutzt ohne dass eine genaue Differenzierung zum Spanischen gemacht wird, weil der Anglizismus schon fest in das Sprachensystem integriert ist und nicht mehr als Fremdwort angesehen wird.

Der Gegenstandsbereich dieser Arbeit „Anglizismen in der spanischen Sprache“ kann aus vielen Blickwinkeln betrachtet werden, von denen in dieser Arbeit folgende Aspekte geklärt werden sollen: Zunächst möchte ich einen Schwerpunkt auf die sprachgeschichtliche Entwicklung des Spanischen setzen und dem Einfluss anderer Sprachen. Danach möchte ich näher auf die Rolle des Englischen als heutiges Kulturadstrat eingehen und auf die Faktoren, die bei dieser Entwicklung eine Rolle spiel(t)en.

In dieser Arbeit soll auch untersucht werden, wie Anglizismen in syntaktischer, morphologischer und orthographischer Hinsicht in die spanische Sprache integriert werden und welche Klassifikationstypen dabei unterschieden werden. Des weiteren wird untersucht, welchen Stellenwert Anglizismen in spanischen Wörterbüchern haben und wie sie aus sprachpolitischer Sicht gesehen werden.

In vielen europäischen Sprachen sind Anglizismen allgegenwärtig, in Frankreich ist es das Franglais, in Deutschland das Denglish und in Spanien das Spanglish oder espangles. Doch inwieweit beeinflusst das Englisch diese Sprachen wirklich? Sind die Kritikpunkte der Sprachwissenschaftler berechtigt, die vor einer Unterwanderung der eigenen Sprache warnen?

Ich möchte versuchen in meiner Arbeit auf diese Fragestellungen einzugehen, um die Anglizismusproblematik näher zu beleuchten und gegebenenfalls Antworten zu finden.

2. Ein sprachgeschichtlicher Überblick des Spanischen

Bevor ich mich in den nächsten Kapiteln dem Einfluss der englischen Sprache und den Anglizismen zuwende, möchte ich in einem kurzen geschichtlichen Abriss auch die anderen sprachlichen Einflüsse, die auf die spanische Sprache wirkten, Bezug nehmen. Ich bin der Meinung, dass dies eine Grundlage für meine weiteren Ausführungen schafft, um die Wirkung und Bedeutung von Anglizismen in der spanischen Sprache besser verstehen zu können.

Das Spanische wurde im Laufe seiner sprachgeschichtlichen Entwicklung von vielen anderen Sprachen beeinflusst und geprägt. Wie auch J.M. López noch einmal aufgreift:

En efecto, si nos centramos en le caso de la historia de la lengua española vemos cómo la misma nos muestra frecuentes testimonios de aportaciones extranjeras en diferentes épocas.[2]

Nach der Eroberung der Iberischen Halbinsel zwischen 241 und 238 n.Chr. durch die Römer verbreitete sich das Lateinische und läutete einen Sprachwechsel ein, welcher das Iberisch-Keltische verdrängte und Grundlage für das heutige Spanisch wurde.

Nach dem Zerfall des römischen Reiches drangen mehrere germanische Stämme auf die Halbinsel ein. Die Germanen gaben ihre Sprachen zugunsten der Eroberten auf, hinterließen aber – wenn auch nur sehr geringe – sprachliche Spuren, z.B. Wörter wie guerra, rico, ganso oder guicar.[3]

Im Mittelalter eroberten die Araber die Halbinsel und herrschten dort bis zur Reconquista im Jahre 1492. Anders als bei der Romanisierung durch die Römer kam es unter arabischer Herrschaft zu keinem Sprachwechsel, arabisch galt als Kultur- und Amtssprache und da es auch nicht durch die Sprache der Eroberten verdrängt wurde, gilt es als Adstrat. In vielen Bereichen des spanischen Wortsschatzes tauchen Arabismen bis heute auf. Beispielsweise bei Begriffen der Kriegsführung (jinete, alférez, tambor) oder bei Lebensmitteln (aceite, algodon, arroz).[4]

Im 18. Jahrhundert war das Französische die Modesprache Europas, auch bedingt durch die französische Revolution und die damit verbundene Verbreitung philosophischer und aufklärerischer Ideen:

[...] el francés como medio de expresión en la diplomacia, en las ciencas, en las relaciones politícas y sociales.[5]

Französisch war in Spanien „la primera gran lengua moderna de cultura“[6] und damit prädestiniert vor allem in politischen, intellektuellen und kulturellen Bereichen Einfluss auszuüben. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wird der spanische Wortschatz geprägt durch französische Termini wie footing, caqueta, pantalón avalancha oder retreta.[7]

Doch ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Französische allmählich vom Englischen abgelöst und gerade nach dem Ende des zweiten Weltkrieges dominiert das American-English:

Sin embargo, hacia finales del siglo XIX y los arboles del XX la Europa afrancesada deja de serlo para entrar de lleno en la órbita anglosajona. Ahora ya no es el francés la lengua preferida por los ambientes cultos sino que es una lengua no románica –el inglés- la que ocupará el lugar que tenía la lengua gala durante más de un siglo.[8]

Die Gründe für die relativ schnelle Verbreitung und Eindringung des Englischen in den europäischen Sprachen sind sehr vielschichtig. Es spielen dabei unterschiedliche Faktoren eine Rolle; erwähnenswert ist aber hierbei insbesondere das Heraustreten der USA aus der globalen Peripherie nach dem zweiten Weltkrieg und die damit verbundene politische und wirtschaftliche Präsenz in Europa. Doch darauf möchte ich im nachfolgendem Kapitel näher eingehen.

3. Der Einfluss des Englischen - Englisch als Kulturadstrat

Englisch ist eine internationale, eine Weltsprache. Ihr Einfluss, besonders auf die europäischen Sprachen, ist sehr groß und wird auch in den nächsten Jahrhunderten weiter zunehmen. War Latein in frühester Zeit die Sprache des westlichen Abendlandes und einflussreichste Komponente für viele europäische – vor allem für romanische – Sprachen, ist dies heute das Englische. Auch wenn dabei weniger das Wort an sich, als vielmehr morphologische und syntaktische Strukturen verändert werden.

Der Einfluss des Englischen auf die spanische Sprache war vor allem nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von zunehmender Bedeutung. Davor war die Bedeutung des Angelsächsischen nur in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen erkennbar: der Schifffahrt beispielsweise oder in der industriellen Technik. Doch ab der Mitte des 20. Jahrhunderts nahm die USA eine immer herausragendere Stellung in der Welt ein: sowohl politisch, als auch ökonomisch und kulturell. Die Hegemonie der Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg und die unbestrittene Präsenz in Europa, vor allem auf politischer und wirtschaftlicher Ebene, resultierten natürlich auch in einem Niederschlag des Englischen in den europäischen Sprachen und läutete damit den Beginn der Verbreitung von Anglizismen ein. Der Autor Chris Pratt bestätigt dies, wenn er sagt:

Es un hecho incontrovertible que toda la Europa occidental está influida profundamente por los EE.UU., y que se ha producido una marcada americanización de estas sociedades.[9]

Die Beziehungen zwischen Europa und Nordamerika, vor allem auf ökonomischer Ebene wurden immer enger und vielschichtiger, dementsprechend verstärkte sich auch der interkulturelle Austausch. Es ist zu beobachten, dass in bestimmten Bereichen englische Wörter und Entlehnungen gehäuft auftreten. Autoren bekannter Anglizismuswörterbücher wie Chris Pratt oder Ricardo Alfaro stimmen darin überein, dass vor allem im Sport, im Filmgeschäft und in der Musik das Englische sehr dominant ist.[10]

[...] una mayor influencia del inglés (es) en campos como los deportes, los espactáculas – la música y el cine – y la publicidad.[11]

Ursächlich erklären lässt sich dies damit, dass diese Branchen vorwiegend von us-amerikanischen Firmen beherrscht werden und damit viele Wörter, vor allem Fachtermini, ins Spanische übernommen werden.

[...]


[1] J.M. López: El anglicismo en el español actual, S. 7

[2] J.M: López: El anglicismo en el español actual, S. 9

[3] Pomino, N./Zepp, S.: Hispanistik, S. 152

[4] ebd., S. 153

[5] Ricardo Alfaro: Diccionario de anglicismos, S. 7

[6] J.M. López: El anglicismo en el español actual, S. 10

[7] ebd., S. 10

[8] ebd.

[9] Javier Medina López: El anglicismo en el español actual, S. 11

[10] Isabel Álvarez: Anglicismos semánticos en el español peninsular actual, S. 49

[11] ebd.

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638785501
ISBN (Buch)
9783638795395
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75182
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Schlagworte
Anglizismen Spanischen Proseminar Lexikologie

Autor

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