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Hilfe für Byzanz? Von Clermont (1095) nach Jerusalem (1099)

Strukturelle Ursachen und Verlauf des Ersten Kreuzzuges

Studienarbeit 2007 22 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Gliederung

Vorbemerkungen

I. Ausgangslage 11. Jahrhundert - Kräftemessen der Kulturen?

II. Der Kreuzzugsaufruf
II.1 Kirche und Krieg?
II.2 wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren und Lohn

III. Verlauf des Ersten Kreuzzuges

IV. Folgen und Endbetrachtung

V. Literaturliste

Hilfe für Byzanz?

Von Clermont (1095) nach Jerusalem (1099)

Strukturelle Ursachen und Verlauf des Ersten Kreuzzuges

Vorbemerkungen

Die Kreuzzüge, und hier insbesondere der 1. Kreuzzug als wegweisender Impuls einer, wie Gerhard Armanski herausarbeitete, Genese der Gewalt in Europa, gehören zu den wesentlichen Einschnitten des Mittelalters. Europa überschritt die eigenen Grenzen und führte seine Heere nach Jerusalem. Der absehbare Zusammenstoß der Kulturen im Morgenland, bei dem das Byzantinische Kaiserreich schließlich zermürbt wurde, blieb im kollektiven Gedächtnis bis in unsere Tage. Die strukturgeschichtlichen Ursachen dieses Ausgreifens ins Zentrum der Welt sollen im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Dabei geht es vielmehr um die Mechanismen, die eine nahezu 500 Jahre präsente Idee, die Idee des Kreuzzuges, ins Rollen brachte, eine Idee, die nach der Herrschaft über das Grab des Herrn in Jerusalem strebte und eine Symbiose aus Blutrünstigkeit und Beutegier bedeutete.

I. Ausgangslage 11. Jahrhundert - Kräftemessen der Kulturen?

Mit Martin Erbstössers[1] kulturgeschichtlichen Forschungen zu den drei Hauptmächten am Vorabend des 1. Kreuzzuges gewinnen wir einen knappen innenpolitischen Eindruck im Hinblick auf Abbildung 1. Der Siegeszug des Islam hatte sowohl auf das Frankenreich als auch auf das Byzantinische Kaiserreich erheblichen Einfluss.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1[2] : Europa Ende 10./Anfang 11. Jahrhundert

Das arabische Kalifat erstreckte sich von Spanien über die Regionen Nordafrikas bis an den Persischen Golf. Ein so gewaltiges Territorium, das im Siegeszug des Islam unter Kontrolle gebracht wurde und unter der Führung eines in Bagdad sitzenden Kalifen („Fürst der Gläubigen“) stand, konnte es mit starken Nachbarn aufnehmen. Insbesondere das Byzantinische Kaiserreich erfuhr die ersten Erschütterungen.

Jerusalem befand sich ab 637 im Besitz des Kalifen. Toleranz gegenüber Andersgläubigen wie den Christen war auf der Tagesordnung, ganz im Gegenzug zu der den Kreuzzug vorbereitenden päpstlichen Propagandamaschinerie Ende des 11. Jahrhunderts. Den Islam charakterisierte eine hohe städtische Kultur, somit fungierten diese Städte auch als wichtige Bindeglieder in diesem Riesenreich. Ebenso sensationell wie der Aufstieg des Islam aber war die im 11. Jahrhundert einsetzende Verselbständigung einzelner Provinzen mit verschiedenen Sultanen an der Spitze. Von einem einheitlichen Reich konnte keine Rede mehr sein. Seldschuken und Fatimiden, in Glaubens- und Machtfragen zerstritten, begünstigten geradezu das Eingreifen der Kreuzfahrer. Neben berühmten Karawanenstraßen nach Osten kennzeichnete die islamische Welt eine enorme und beachtenswerte Wissenschaftsblüte. Unzählige Beispiele wären hier zu nennen.

In Westeuropa hatte sich die Feudalherrschaft/Grundherrschaft (Dreifelderwirtschaft) durchgesetzt. Die Lehnsherrschaft (Abbildung 2) war zur dominierenden Form geworden. Mit ihr gelang es auch, die Trifunktionalität der Gesellschaft sicherzustellen. Die Drei-Stände-Lehre prägte das Denken der Zeit. Den Stand der Betenden bildete der Klerus, den der Kämpfenden der Adel, den Stand der Arbeitenden die Bauern. Die Spezialisierung des Adels fand im Kriegsdienst ihre Ausprägung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2[3] : Das Lehnswesen

Byzanz hatte das antike Erbe des Römischen Reiches ins Mittelalter überführt. Es konnte sich im Gegensatz zum Westen des Reiches gegen den Ansturm fremder Völkerschaften an der Schwelle von Spätantike zum Frühmittelalter stabilisieren. Im 11. Jahrhundert war die Dominanz des Kaisertums gerade gegenüber der geistlichen Macht ungebrochen. Konstantinopel war unangefochtenes Reichszentrum, die wohl bevölkerungsreichste Stadt der damaligen Zeit. Innenpolitisch vollzog sich mehr und mehr ein Wandel von den genossenschaftlichen Dorfgemeinschaften mit ihrem Wehrbauernwesen hin zur Akkumulation von Land durch Großgrundbesitzer, die aus den reichen adeligen Familien kamen. Im Zuge des Ansturmes des Islam verlor Byzanz zahlreiche Gebiete und damit Bevölkerung. Soldaten musste man nun in Form von bezahlten Söldnern finden, wollte man den Gefahren Herr werden. Der Hilferuf an den Papst fällt in diese für Byzanz außenpolitisch gespannte Epoche. Byzanz´ Hilferuf ab 1081 leitete jedoch unbeabsichtigt das Ende seines Vorherrschaftsanspruches ein. Als Schlusspunkt steht im Jahre 1204 die Einnahme Konstantinopels durch Heere des Westens. Ein Reich siechte langsam dahin. Die Zukunft war auf der Seite des Islam und des päpstlichen Europa.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3[4] : Byzantinisches Kaiserreich im Jahre 1095

Die folgenden Konfliktfelder, fassen wir zusammen, sind am augenscheinlichsten. Im Mittelpunkt stand ohne Zweifel die Mittelmeerwelt, sie war die Trennungslinie zwischen dem Islam und dem Christentum.

Im Investiturstreit, im Konflikt darüber, wer die Einsetzung der Bischöfe vorzunehmen habe, stritten das Reformpapsttum und der römisch-deutsche Kaiser um grundlegende weltliche Herrschaftsrechte. Heinrichs IV. Gang nach Canossa beendete diesen Streit zugunsten des Papstes Gregor VII. Dem Ausbau päpstlicher Suprematie stand nichts mehr im Wege.

Norditalien war in den Wirren zwischen Kaiser und Papst gefangen. Die handelspolitisch starken italienischen Städte der Lombardei emanzipierten sich zunehmend. Venedig hatte schon lange damit begonnen, sich von Byzanz, zu dem es rechtlich gehörte, zu entfernen.

Süditalien war auf Kosten Byzanz´ von den Normannen unterworfen worden. Die Byzantiner hatten es nicht vermocht, die Sarazenen zu vertreiben. Die Normannen unter König Roger nutzten diese Schwäche aus. Im Jahre 1059 geschah zu Melfi die Bindung der Normannen an den Papst, ein geschicktes Vasallenverhältnis war geboren, das dem Papst den Rücken freihielt gegen die deutschen Kaiser im Norden. Den Ausgleich zwischen Ost- und Westkirche konnte dieses Vasallenverhältnis des Papstes mit den Feinden Byzanz´, den Normannen, jedoch nicht untermauern.

Die Trennung in theologischen Fragen und das latent noch immer bestehende Zweikaiserproblem seit den Tagen Karls des Großen traten zu den machtpolitischen Veränderungen in Süditalien noch hinzu. Seit 1054 bestanden zwischen dem Patriarchen von Konstantinopel und den Legaten des Papstes Bannflüche. Versuche der Kirchenunion und des geregelten Miteinanders blieben jedoch nicht aus. Von einem Großen Schisma kann allerdings nicht die Rede sein. Dieses Schisma, diese Trennung, war eher an Einzelphänomene des kirchlichen Lebens gebunden, verhinderte jedoch nicht Verbindungen zwischen den Menschen beider Kirchen wie in Süditalien.

[...]


[1] Erbstösser, Martin: Die Kreuzzüge. Eine Kulturgeschichte, 3. Aufl., Edition Leipzig, 1996, S. 11-75.

[2] http://www.wcurrlin.de/links/kartendownload/mittelmeerwelt.jpg

[3] Geschichte, Lehrbuch für Klasse 6, 1. Aufl., Volk und Wissen, Volkseigener Verlag, Berlin, 1989, S. 42.

[4] http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/e/e1/Byzantium1095.jpg

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638729352
ISBN (Buch)
9783638729611
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74881
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Hilfe Byzanz Clermont Jerusalem Verschriftlichung Staatsexamensprüfung

Autor

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Titel: Hilfe für Byzanz? Von Clermont (1095) nach Jerusalem (1099)