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Wirtschaftliche Entwicklung und Innovationsverhalten im geteilten Deutschland am Beispiel der Uhrenhersteller Junghans und Glashütte

Hausarbeit 2005 30 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung der BRD und DDR
2.1 BRD
2.2 DDR
2.3 Soziale Marktwirtschaft (BRD) vs. zentrale Planwirtschaft (DDR)

3 Innovationen
3.1 Definition und Begriffsabgrenzung
3.2 Zum Innovationsverhalten der beiden deutschen Staaten
3.3 Theorien über den Innovationsrückstand der DDR zur BRD

4 Betrachtung von Junghans und Glashütte vor 1945 und nach 1990
4.1 Junghans
4.2 Glashütte

5 Vergleich von Junghans und Glashütte in der Zeit zwischen 1945 und 1990
5.1 Nachkriegszeit
5.2 1950er Jahre
5.3 1960er Jahre
5.4 1970er und 1980er Jahre bis zur Wiedervereinigung

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis und Quellen

8 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Der Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung und des Innovationsverhaltens der deutschen Staaten BRD und DDR nach 1945 ist nicht erst seit der Wiedervereinigung ein Gegenstand wirtschaftshistorischer Forschungen. „Mit der Innovationsproblematik in Zentralplanwirtschaften hat sich die wirtschaftswissenschaftliche Systemforschung seit den 1970er Jahren intensiver auseinandergesetzt“ (Bähr 1996, S. 34). Sicherlich war dies auch der Beginn von vergleichenden Untersuchungen in BRD und DDR. Nach der Wiedervereinigung erfolgte eine weitere Betrachtung dieser Thematik mit neuen Ansätzen, die auch andere Einflüsse mit einbezogen und nicht nur „[...] von der Analyse des Wirtschaftssystems ausgehen und das Innovationsverhalten auf der Ebene von Modellen diskutieren“ (ebd., S. 35).

Dennoch lässt sich feststellen, dass derartige Arbeiten meist die gesamte Wirtschaft oder lediglich die verschiedenen Wirtschaftsbereiche und Branchen behandeln. Dabei wird stets die Problematik der Vergleichbarkeit der Entwicklungen in beiden Staaten erwähnt, was die aufgestellten Theorien in nicht geringem Maße relativiert. Die Unvereinbarkeit von Statistiken, die Suche nach Quellen und Probleme mit den Umrechnungen erschweren den Vergleich (vgl. Wagener 1995, S. 22f).

Aus diesem Grund möchte ich mit dieser Arbeit den Versuch unternehmen, die wirtschaftliche Entwicklung insbesondere das Innovationsverhalten im geteilten Deutschland anhand von zwei Beispielen zu verdeutlichen. Zum Vergleich sollen dieUhrenfabriken Gebrüder Junghans AG (Schramberg/Baden-Württemberg, BRD) sowie derVEB Glashütter Uhrenbetriebe GUBspäterVEB Uhrenwerk Glashütte(Glashütte/Sachsen, DDR) dienen.

Die Branche der Uhrenhersteller erschien mir als interessant und damit betrachtenswert, da gerade auf dem Sektor der Uhren in der Zeit von 1945 bis 1990 nicht nur ein technischer Wandel sondern auch ein Wertewandel der Verbraucher vollzogen wurde. Besonders das starke Trendbewusstein in der Gesellschaft hat die Uhrenhersteller zu immer neuen technischen Innovationen gezwungen. In den 1970er Jahren begann das Zeitalter der Quarzuhren - um hier nur ein Beispiel zu nennen.

Die Unternehmen Junghans und Glashütte blicken beide auf eine über 140 Jahre lange Firmengeschichte zurück. „Junghans ist eine der innovativsten Uhrenfirmen der Welt und die bekannteste Uhrenmarke in Deutschland“ (Clef 2003, S. 96).

Während Junghans heute eher als High-Technology-Marke im mittleren Preissegment (200- 1500 €) angesehen wird, bezeichnen sich die derzeitig bestehenden Uhrenhersteller in Glashütte als Manufakturen und besinnen sich somit auf die Tradition der manuellen Uhrenherstellung zurück. Demzufolge sind die Uhren aus Glashütte größtenteils im Luxussegment (Bsp.: Glashütte Original ca. 2 900-100 000 €) angesiedelt. Diese aktuellen Unterschiede zwischen den beiden Uhrenherstellern beziehen sich allerdings auf die Entwicklung der Unternehmen nach 1990 und machen deshalb einen Vergleich für die Zeit des geteilten Deutschlands dennoch interessant. Für den Vergleich von Junghans und Glashütte ist zunächst ein kurzer Überblick über die wirt- schaftliche Entwicklung sowie die Wirtschaftssysteme der BRD und DDR notwendig. Außerdem wird die Begrifflichkeit von Innovation und die Theorien über das unterschiedliche Innovations- verhalten beider Staaten erläutert.

Zur Vollständigkeit und um keine beeinflussenden Faktoren zu vernachlässigen, wird die Ent- wicklung der beiden Unternehmen vor 1945 sowie nach 1990 kurz dargestellt. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt bei der ausführlichen Betrachtung des wirtschaftlichen und technischen Verlaufs von Junghans und Glashütte zwischen 1945 und 1990. Diese Betrachtung soll dann in einem vergleichenden Fazit enden. Dieses Kapitel soll auch zur Klärung der Frage dienen, inwieweit es möglich ist, die Wirtschaft von BRD und DDR mit ihren technischen Fortschritten anhand von Beispielen zu vergleichen bzw. warum sich ein derartiger Vergleich so schwierig gestaltet.

2 Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung der BRD und DDR

2.1 BRD

Ausgangslage 1945-1949

Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 lag die deutsche Wirtschaft völlig am Boden. Während die Kriegsschäden in der BRD relativ hoch waren (21 % des Vermögensbestandes von 1939), hielten sich die Verluste aufgrund der Demontagen durch die Alliierten in Grenzen (12 % des Vermögensbestandes von 1939).[1]

Die Bevölkerungszahl steigt aufgrund der Zuwanderung von Vertriebenen und Flüchtlingen aus den ehemaligen ostdeutschen Gebieten und Siedlungsgebieten in der Nachkriegszeit an. Nach der Übernahme der staatlichen Gewalt durch die Besatzungsmächte tritt 2 Jahre später, 1947, der Marshallplan in Kraft. Dieses Wiederaufbauprogramm für Europa wird von der Sowjetunion und damit für die sowjetische Besatzungszone mit der Befürchtung abgelehnt, in politischer oder wirtschaftlicher Hinsicht von den USA abhängig zu werden - ein erster Beitrag zur späteren Spal- tung Deutschlands. Auch die auf die Westzonen beschränkte Währungsreform von 1948, bei der die Reichsmark durch Deutsche Mark ersetzt wurde, hat die Spaltung erheblich vorangetrieben. Trotzdem legte sie für die westlichen Zonen, die mit der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 zur Bundesrepublik Deutschland zusammengeschlossen worden, den Grundstein für den folgenden wirtschaftlichen Aufschwung.

Das Wirtschaftswunder 1949-1966

Nach der Gründung der BRD stand der Aufbau und die Umstrukturierung der Wirtschaft zu einem kapitalistischen Wirtschaftssystem im Vordergrund. Der 1949 zum Bundeswirtschafts- minister ernannte Ludwig Erhard trug zur Durchsetzung einer sozialen Marktwirtschaft maß- geblich bei.

In den 1950er Jahren „[...] wandelte sich die Bundesrepublik in eine reife Industrienation. Alle In- dikatoren - ob sie nun die Bevölkerungsentwicklung oder die Sozial- und Wirtschaftsstruktur be- treffen - zeigen die westdeutsche Industriegesellschaft auf dem Höhepunkt ihrer Ausdehnung und Bedeutung“ (Abelshauser 1987, S. 74). Die Bedingungen waren besonders dadurch begüns- tigt, dass zunächst die geringe Zerstörung der Produktionsanlagen kaum Engpässe in der Pro- duktion nach dem Krieg aufkommen ließ und genügend eigene Rohstoffe und Ressourcen vor- handen waren. Des Weiteren gab es eine große Zahl qualifizierter Arbeitskräfte, welche „[...] wegen der zunächst sehr hohen Arbeitslosigkeit zu günstigen Bedingungen für das Kapital beschäftigt werden konnten und [...] im Laufe der 50er Jahre durch Flüchtlinge aus den Ostgebieten des ehemaligen Reiches und der DDR ergänzt“ wurden (Huffschmid 1979, S. 43). Hinzu kommt, dass die gesamte Bevölkerung aufgrund der Entbehrungen im Krieg gewisse Nachholbedürfnisse den Konsum betreffend aufwies und „[...] der schnelle Anstieg der Zahl der Beschäftigten eine rasche Ausdehnung der privaten Konsumnachfrage [...]“ bewirkte (ebd., S. 44).

Im Laufe der 1960er Jahre kommt es zu einem erheblichen Rationalisierungsprozeß durch die zunehmende Mechanisierung in der industriellen Fertigung. „Das Ausmaß dieses technischen Umbruchs dokumentiert die Steigerung der Arbeitsproduktivität: während sich die Zahl der Beschäftigten im industriellen Bereich zwischen 1950 und 1965 von 8,5 Millionen auf 13 Millionen erhöht, vervielfacht sich in diesem Zeitraum die Summe der hergestellten Waren von 63 Milliarden auf 240 Milliarden DM“ (Kehl 1989, S. 301).

Zeit der Krisen 1966-1982

Das Konzept der Staatsverschuldung von 1963, um die Wirtschaftsentwicklung zu fördern, ent- wickelt von Wirtschaftsminister Karl Schiller und dem späteren Bundesfinanzminister Franz Josef Strauß, währte nicht lange als gutes Rezept für das Wirtschaftswachstum. 1967 kam es zur ersten größeren Rezession: die Zuwachsraten stagnierten und die Arbeitslosigkeit stieg nach 1966 erst- mals seit fünf Jahren wieder an (nachdem sie seit 1961 bis 1966 fast immer unter 1 % lag).[2] Die Gewerkschaften nutzen diese Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, um den Arbeitnehmern endlich ihre „Beteiligung am sogenannten Produktivitätsfortschritt zu sichern“ (Borchardt 1985, S. 198). Die Löhne stiegen schneller, als Gewinne eingefahren werden konnten. Außerdem wirk- ten sich äußere Einflüsse wie der Anstieg der Ölpreise negativ auf das Wirtschaftswachstum aus. Neben steigender Arbeitslosigkeit gab es auch erhebliche Inflationstendenzen. Man erkannte, dass die soziale Marktwirtschaft als Wirtschaftssystem nur in einer wachsenden Wirtschaft funktionierte. Nun galt es, einen Strukturwandel mithilfe von Reformen durchzuset- zen. Diese hatten das Ziel, den Handlungsspielraum des Staates in der Wirtschaft auszuweiten, um die Entwicklung der Wirtschaft und das Wachstum stärker steuern zu können. Dennoch verstärkten sich die Probleme - die Arbeitslosigkeit und die Staatsverschuldung stiegen weiter an.

Bis zur Wiedervereinigung 1982-1990

Unter der im Oktober 1982 gewählten neuen Regierung aus CDU/CSU und FDP unter Bundeskanzler Helmut Kohl traten wirtschaftspolitische Maßnahmen aufgrund der Aussicht auf die deutsche Wiedervereinigung von BRD und DDR und den damit verbundenen Anstrengungen zunehmend in den Hintergund. Durch den Wiedervereinigungs-Boom wurden die immernoch vorhandenen Strukturschwächen der Wirtschaft verschleiert. Die Arbeitslosenzahl war bis 1990 auf 1 883 147 Millionen in der BRD angestiegen, das ist eine Quote von 7,2 %. [3]

2.2 DDR

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung

der DDR auseinandergesetzt und diese Entwicklung von 1945 bis 1990 in fünf Phasen unterteilt (vgl. DIW 1985, S. 38-48):

Phase der Reparationen 1945-1953

Im ostdeutschen Gebiet hielten sich die Verluste durch Kriegsschäden relativ gering (15 % des Vermögensbestandes von 1939); die Verluste durch Demontagen hingegen waren enorm (26 % des Vermögensbestandes von 1939).[4] Diese betrafen nicht nur die Produktionsanlagen, sondern auch die Infrastruktur.

In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde unter Einfluß der Sowjetunion die Umgestaltung der Gesellschaftsordnung nach kommunistischen Grundsätzen angestrebt, die durch folgende Maßnahmen durchgesetzt werden sollte:

1. politische und wirtschaftliche Macht der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED)
2. sozialistisches/Volkseigentum an den Produktionsmitteln
3. zentrale Planung, Verwaltung und Kontrolle der Wirtschaft

Zunächst wurde aber in der SBZ 1945 „[...] durch die Befehle 124 und 126 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) das Eigentum des deutschen Staates, der Mili- tärbehörden, der NSDAP und ihrer Organisationen sowie der führenden Mitglieder der NSDAP, die in besonderen Listen genannt wurden, als beschlagnahmt erklärt. Die Betriebe hatten ihre normale Tätigkeit fortzusetzen“ (DIW 1985, S. 31). In Sachsen fand sogar eine Volksabstimmung über das „Gesetz über die Übergabe von Betrieben von Kriegs- und Naziverbrechern in das Eigentum des Volkes“ statt, was eine große Zustimmung fand. Unter Berufung auf dieses Ergebnis wurde auch in den anderen Ländern des ostdeutschen Gebietes das Vermögen in Volkseigentum überführt. Die Überführung in Volkseigentum erfolgte vorrangig in der Form der volkseigenen Betriebe (VEB), die Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre größtenteils zu den konzernähnlichen Kombinaten zusammengeschlossen wurden.

Jene Sequestrierungen wurden teilweise auch wieder rückgängig gemacht, aber zum größten Teil als Reparationsleistungen in sowjetisches Staatseigentum überführt, sogenannte Sowjetische Aktiengesellschaften (SAG), die aber 1952/1953 gegen Bezahlung in das Volkseigentum der DDR übergingen. Weitere Reparationszahlungen wurden auch in Form von Entnahmen aus der laufenden Produktion geleistet. Ein Jahr nach der Ausrufung der DDR am 7. Oktober 1949 wurden die Reparationsverpflichtungen auf die Hälfte herabgesetzt; 1953 wurden die Rest- schulden dann gänzlich erlassen. Festzustellen ist, dass durch die Reparationszahlungen kaum wirtschaftliche Erfolge zu erkennen waren, der Lebensstandard der Erwerbstätigen hatte sich nur unwesentlich erhöht, was die Motivation der Arbeitnehmer stark sinken ließ. Die Nachkriegszeit war auch durch den Wiederaufbau geprägt - die Anlagen wurden wieder instand gesetzt, kaum entwickelte Wirtschaftszweige wurden aufgebaut. Zunächst konzentrierte man sich auf den Ausbau der Grundstoffindustrie, denn Roh-, Brenn- und Treibstoffe waren in der DDR knapp und der Außenhandel kam erst nach der Eingliederung in den Ostblock mit dem Beitritt zum Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) 1950 zustande.

Die Wirtschaft sollte nun mithilfe von Plänen gelenkt werden, die durch immer neu gesetzte Ziele zusammengestellt wurden. Das zentrale Ziel für die Wirtschaftsführung der DDR war es, „die Überlegenheit des sozialistischen Wirtschaftssystems durch hohes Wachstum, internationale Wettbewerbsfähigkeit und steigenden Lebensstandard nachzuweisen“ (ebd., S. 35). Die damit verbundene Konzentration auf den Ausbau der Produktionskapazitäten ging aber zu Lasten der Konsumgüterindustrie. In den ersten Plänen von 1948 sowie 1949-1950 ging es vordergründig um die Ingangsetzung der Produktion, die Abzahlung der Reparationsleistungen sowie die Siche- rung der Versorgung der Bevölkerung. Im Fünfjahrplan von 1951-1955 stand die Umstrukturie- rung der Volkswirtschaft und der Ausbau der Energie- und Brennstoffindustrien im Mittelpunkt.

Phase der Bevölkerungsflucht 1953-1961

Aufgrund der anhaltenden Krisen in der DDR, der Stagnation des Lebensstandards oder aus politischen Gründen kam es zu einer anhaltenden Abwanderung eines Teils der Bevölkerung in den „Westen“. Insgesamt waren von 1949 bis 1961 ca. 3,1 Millionen Menschen in die BRD geflüchtet (vgl. Seminarunterlagen Innovation und technische Kultur, 2005). Die Abwanderung hatte zur Folge, dass auch die Zahl der Beschäftigten abnahm. Nach wenigen Jahren war das Arbeitskräftepotential praktisch ausgeschöpft.

1961 wurde die Auswanderung in die BRD durch den Mauerbau gewaltsam unterbunden.

Der zweite Fünfjahrplan 1956-1960 hatte weiterhin die Strukturveränderung der Volkswirtschaft als Ziel sowie die Weiterentwicklung der chemischen Industrie. Noch vor Ende dieses Planes wurde im Siebenjahrplan 1959-1965 die Priorität auf den wirtschaftlichen Wettbewerb mit der BRD gelegt: der Pro-Kopf-Verbrauch der BRD sollte eingeholt, am besten sogar überholt werden.

Phase der Reformen 1961-1970

Mit der Einführung des „Neuen Ökonomischen Systems der Planung und Leitung“ (NÖS) im Jahr 1963 wird deutlich, wie die Wirtschaftsleitung der DDR versuchte, mithilfe von Reformen den Produktivitätsrückstand zur BRD aufzuholen. Das NÖS sollte durch Einbeziehung markt- wirtschaftlicher Elemente und damit einer Lockerung der starren Planung sowie durch die Über- tragung von mehr Verantwortung an die Betriebe ein höheres Wirtschaftswachstum erzielen. Auch die Perspektivpläne von 1964-1970 und von 1966-1970, die noch während ihrer Durch- führung weiterentwickelt werden konnten, zeugen von dem Versuch einer gelockerten Planung. Aber durch neue Engpässe in der Zulieferung, Energie und allgemeinen Reserven scheiterte das System und wurde 1967 durch die direkte zentrale Steuerung der Wirtschaft ersetzt. Um die Wirtschaft der BRD endlich einzuholen und einen geringeren Rohstoffeinsatz zu er- möglichen, wurde der neue Fokus auf die „Produktivkraft Wissenschaft“ und der damit verbun- denen Entwicklung neuer Verfahren in der Technik gelegt. Dennoch bleibt das Wachstum der Industrie auf einem Abwärtstrend, wie die folgende Grafik für die Jahre 1966 bis 1982 zeigt (Interessant ist hier das Wachstum der Feinmechanik/Optik, wozu auch die Uhrenherstellung zählt; problematisch ist aber bei derartigen DDR-Statistiken die Rechnung in Bruttogrößen, die meist Doppelzählungen enthalten und so die Lage verschleiern können):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Wachstum der Industrie nach Industriebereichen und ausgewählten Industriezweigen in %

Phase der außenwirtschaftlichen Belastung 1970 - Beginn der 1980er Jahre

Nach der Ablösung von Walter Ulbricht durch Erich Honecker als 1. Sekretär des ZK der SED am 3. Mai 1971 traten die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund und damit einher- gehend die Förderung der Verbrauchsgüterindustrien, des Wohnungsbaus und der Infrastruktur. Im Fünfjahrplan von 1971-1975 wird die „Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensni- veaus des Volkes“ als Ziel genannt. Im darauffolgenden Plan stand die „untrennbare Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ im Mittelpunkt, d. h. der Verbrauch müsse in Relation zum Erarbeitetem stehen.

[...]


1Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) 1985, S. 29

2Borchardt 1985, S. 199

3Statistisches Bundesamt www.destatis.de

4DIW 1985, S. 29

Details

Seiten
30
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638720564
ISBN (Buch)
9783656207528
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74732
Institution / Hochschule
Universität der Künste Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Wirtschaftliche Entwicklung Innovationsverhalten Deutschland Beispiel Uhrenhersteller Junghans Glashütte Innovation Kultur Wirtschaft Technologiepolitik

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