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TOUCHÉ - Der tägliche Comic in der TAZ

Hausarbeit 2002 19 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK
Einmal Amerika und zurück

3. ©TOM UND DIE TAZ

3.1 DIE ENTSTEHUNG DER TAZ
Sponits und Genossenschaftler

3.2 DER ZEICHNER
Thomas Körner

3.3 TOUCHÉ-SERIEN
Zwischen Sandkasten und Bademeister

4. Literatur
Kindheit im Comic
Der tägliche Comic in der TAZ

1. EINLEITUNG

Entgegen dem Wesen einer Einleitung soll hier zu Beginn der Hausarbeit auf ein Seminar zurückgeblickt werden. Stand am Anfang der Titel Kindheit im Comic so veränderte sich der Eindruck und der Charakter des Seminars recht schnell. Der Focus wurde immer mehr auf die historische Entwicklung des Comics gelegt und die Darstellungs- und Erzählweisen wurden zunehmend wichtiger. Auch spielten die unterschiedlichen Autoren und damit verbunden natürlich auch die Themen der Comics eine wichtige Rolle. Ein wirklicher Comic, welcher die reine Kindheit zum Thema hat, wurde nicht gefunden. Selbst so bekannte strips wie die Peanuts und Calvin und Hobbes konnten zwar durch ihre große Zahl an dargestellten Kin- dern überzeugen, aber einerseits fehlten die kindheitstypischen Probleme und an- dererseits die markanten Problemlösungsstrategien von Kindern. Calvin und Hob- bes schafft es noch die Phantasiewelt von Kindern darzustellen indem Hobbes - der Stofftiger - zum Leben erwacht und zahlreiche Abenteuer mit Calvin bestehen muss.

Da gegen Ende des Seminars der eigentliche Sinn dieser Veranstaltung klarer wurde, nämlich einen Überblick über ein Medium zu erhalten, welches zu großen Teilen von Kindern konsumiert wird, wurde für mich Themenfindung für die hier vorliegende Hausarbeit wesentlich erleichtert. Seit 1999 bin ich Abonnent der Ber- liner Tageszeitung DIE TAGESZEITUNG - TAZ und somit auch regelmäßiger Leser des täglichen Comicstrips TOUCHÉ von ©TOM. Da auch hier in einigen Serien Kinder als Protagonisten zu finden sind, lag es für mich nahe, diese als Thema für meine Ausarbeitung zu wählen.

Die Entwicklung dieser strips ist eng mit der Entwicklung der TAZ verknüpft und so werde ich im Laufe dieser Hausarbeit kurz auf die Geschichte der TAZ eingehen und einen Überblick über die TOUCHÉ-Serien geben. Natürlich wird auch versucht eine Verbindung zwischen Zeichner und Comic zu ziehen. Letztendlich werde ich ein paar Comicreihen und -strips, welche sich vorrangig mit Kindern oder/und deren Problemen beschäftigen, genauer beleuchten.

2. GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK Einmal Amerika und zurück

Da es in dieser Hausarbeit um einen bestimmten Typus von Comicstrip gehen soll, soll an dieser Stelle nicht auf die gesamte Geschichte des Comic eingegangen werden, welche je nach Definition nicht nur ca. 100 Jahre sondern auch bis über 1000 Jahre umfassen würde. (McCloud 2001 : 18ff.) Die Wurzeln des von mir be- handelten funny oder short strip finden wir Ende des 19 Jahrhunderts. Die ersten Comics der „Neuzeit“ erschienen in Tages- oder Wochenzeitungen wie der ameri- kanischen NEW YORK WORLD. RICHARD FELTON OUTCAULT (1863 - 1928) zeichnete 1895 erstmals den Comic Down Hogans´ Alley, welcher ein Jahr später in The Yel- low Kid umbenannt worden ist. Die Kennzeichen dieses modernen Comics sind in dem Buch „Comic - Kunst und Konsum der Bildergeschichten“ benannt.

„Im allgemeinen wird die Auffassung vertreten, dass die Comics in ihrer modernen Erscheinungsform 1896 von der amerikanischen Zeitschriftenindustrie ins Leben gerufen wurde.

Drei Punkte gestatten diese genaue zeitliche Fixierung: die Erzählung wird durch eine Bildfolge dargeboten, ein und dieselbe Person tritt in mehreren Folgen einer solchen Zeitungs- oder Zeitschriftenserie auf und Bildinnenbeschriftungen oder Bildunterschriften bilden die Rede der Personen ab.“ (GUBERN/MOLITERNI 1978 : 12) Hier war Schritt von einer einfachen Bildergeschichte, wie wir sie von RODOLPHE TÖPFER und zahlreichen Bilderbögen kennen, hin zum wöchentlichen oder täglichen strip in einem Massenmedium wie der Zeitung vollzogen. Zwar hatten zu dieser Zeit gerade in Deutschland die Bilderbögen aus Stuttgart, München oder Neurup- pin noch bis zu 6-stellige Auflagen, aber die Entwicklung hin zu den funny strips fand auch hauptsächlich in den Vereinigten Staaten statt. Unverkennbar hingegen sind die Einflüsse gerade auch deutscher Autoren und Zeichner auf die Gestal- tungsweisen und Themen dieser Comics. So bildeten WILHELM BUSCHS Max und Mo- ritz die Grundlage für die Comicreihe Katzenjammer kids des Amerikaners KNERR. Einige gestalterische Elemente aus deutschen Bilderbögen finden sich ebenfalls in den ersten Comics wieder. So zum Beispiel die Aneinanderreihung von einzelnen Bildern oder die Verknüpfung von Text im Bild. (Abb.1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Die Landstraße I. Münchener Bilderbogen Nr. 1222 HERMANN STOCKMANN München 1929

Interessant an dem gezeigten Münchener Bilderbogen sind auch die zu diesem Zeitpunkt schon auftauchenden speed-lines, welche hier noch sehr wirr und si- cherlich auch als eine Mischung von speed-line und Staub wirken. Meiner Ansicht nach, beerben die regelmäßigen Comics in Zeitungen den Platz der Bilderbögen in der Presselandschaft oder sind als Schnittmenge von Zeitung und Bilderbogen zu sehen. Gestützt wird diese Überlegung durch die Beschreibung von Bilderbögen in der BERTELSMANN LEXIKOTHEK.1 Das Ende der Bilderbögen in Deutsch- land lässt sich mit dem Aufkommen von Massenmedien datieren. Spätestens nach dem 2. Weltkrieg, als zusätzlich eine Vielzahl von Amerikanischen Comicheften nach Deutschland kamen, wurden kaum noch Bilderbögen in relevanten Stückzah- len verkauft. Ihr Kennzeichen - die Aktualität und der Unterhaltungswert - wird jetzt durch Rundfunk und Tagespresse mit Comic fortgeführt.

Kindheit im Comic Der tägliche Comic in der TAZ Somit ist der tägliche funny-strip eine der ersten „Erscheinungen“ der neueren Comicwelt und somit steht der TOUCHÉ-strip in der Berliner TAZ in guter Tradition und ist nicht etwa eine Randerscheinung einer kleinen alternativen deutschen Tageszeitung. Das die TAZ hier trotzdem eine gewissen Sonderrolle einnimmt soll im Verlauf der Arbeit noch erläutert werden.

Heute finden sich die regelmäßigen kurzen Comics in fast allen Arten von Publikationen. Neben Tages- oder Wochenzeitungen, welche zum Teil eigene Comiczeichner unter Vertrag haben, findet man die Peanuts oder Calvin und Hobbes in Fernsehzeitschriften, Kundenmagazinen oder auch Schülerzeitungen.

Zeitweise hat man den Eindruck, dass es egal ist, welcher Comic in ei- ner Zeitung abgedruckt wird. Sicher orientieren sich die Zeitungsmacher an ihrer gewünschten Zielgruppe, aber ob es eine Zielgruppe für den täglichen Comic Wurzel in der OSTTHÜRINGER ZEITUNG gibt, kann ich mir nicht vorstellen. (Abb.2)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Wurzel von ALEX GRAHAM aus OSTTHÜRINGER ZEITUNG OTZ

Trotzdem ist dieser ein gutes Beispiel dafür, welche Anziehungskraft solche gezeichneten Geschichten besitzen. Selbst wenn man weiß, dass die Geschichte, welche man erwartet nicht witzig oder vielleicht sogar tiefgründig ist, liest man sie trotzdem. Ein ähnliches Phänomen lässt sich bei einem eingeschalteten Fernseher beobachten, auf dem nur der berühmte Schneesturm zu sehen ist. Man wird wie magisch davon an- gezogen und wartet (wider besseren Wissens) darauf, dass Unterhal- tung geboten wird.

3. ©TOM UND DIE TAZ

Versucht man die Entstehungsgeschichte der TOUCHÉ-Comics zu beleuchten, kommt man nicht an der Erwähnung der TAZ vorbei. Da die Zeichnungen erstmals in der TAGESZEITUNG erschienen und auch heute noch täglich dort zu finden sind, lohnt sich ein kurzer Blick auf die wechselvolle Geschichte dieser Zeitung.

3.1 DIE ENTSTEHUNG DER TAZ

Sponits und Genossenschaftler

Im Jahr 1977 wurde die Verknüpfung zwischen Regierung und Medien immer en- ger. Durch die Aktivitäten der RAF und die Versuche des Staates dagegen anzuge- hen, wurden den Medien teilweise Nachrichtensperren erteilt und sie zogen brav mit. Aus dem Wunsch heraus eine offene und von der linken Seite her recherchie- rende Tageszeitung zu schaffen entstanden 1978 in 30 deutschen Städten Initia- tivgruppen, welche die Gründung einer alternativen Tageszeitung vorbereiten woll- ten.

„Die Leute kamen in die Initiativen, von niemand delegiert oder geschickt, unorganisiert, eben spontan. Spontis also. Die meisten waren vorher politisch aktiv in Bürgerinitiativen, Frauengruppen, Knastgruppen, an den Unis oder auf Demos in Berlin, Frankfurt und Gorleben. Einige hatten in Stadtteilzeitungen gearbeitet oder in alternativen Medien, Verlagen oder Druckereien. Viele waren Studenten.“2

Am 17. April 1979 schließlich erschien die erste Ausgabe der TAGESZEITUNG aus Berlin. Das besondere an der TAZ soll von nun an das Kollektiv sein. Alles sollte urdemokratisch ablaufen und jeder, vom Redakteur bis zum Drucker sollte das gleiche Mitspracherecht haben. Alle bei der TAZ bekamen den gleichen Lohn und musst bei allem was anfiel mitarbeiten. Man betrat nun nicht nur auf medialen sondern auch betriebswirtschaftlichen Gebiet Neuland.

[...]


1 „Elemente des Bilderbogens leben in den Comic strips fort.“ (Bertelsmann Lexikothek 1995 : 241)

2 TAZ von 16.04.1994

Details

Seiten
19
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638147316
ISBN (Buch)
9783656419600
Dateigröße
2.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7471
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
2.3
Schlagworte
TOUCHÉ Comic Kindheit

Autor

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Titel: TOUCHÉ - Der tägliche Comic in der TAZ