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Theorie und Praxis der Elternbildung Mit besonderer Schwerpunktlegung auf sozial Benachteiligte und Familien mit Migrationshintergrund

Seminararbeit 2007 25 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Von ‚Bildung heute’ zur Notwendigkeit einer Elternbildung
1.1 Bildung heute
1.2 Definition ‚Elternbildung’
1.3 Hintergründe von Elternbildung
1.4 Aufgaben und Ziele von Elternbildung

2 Umsetzung der Kooperation von Eltern und Schule
2.1 Kontaktsituationen zwischen Eltern und Schule
2.2 Probleme bei der Kooperation zwischen Eltern und Schule

3 Elternbildung von und Zusammenarbeit mit sozial Benachteiligten sowie Eltern mit Migrationshintergrund
3.1 Die Institution Schule
3.2 Die Rolle der Lehrkräfte
3.3 Die Ressourcentheorie zur Erklärung ungleicher Bildungschancen
3.4 Konsequenzen für die Elternarbeit mit sozial Benachteiligten und Eltern mit Migrationshintergrund

4 Perspektiven und Forderungen über die Elternbildung hinaus

Literaturverzeichnis

Vorwort

In der vorliegenden Ausarbeitung möchte ich die wichtigsten theoretischen Aspekte der Elternbildung und der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule ansprechen und deren praktische Umsetzung näher betrachten. Dazu widme ich mich im ersten Kapitel einer allgemeinen Einführung in die Elternbildung, unter Berücksichtigung ihrer Hintergründe, Aufgaben und Ziele. Im zweiten Kapitel erfolgt ein Einblick in die tatsächliche Kontaktsituation zwischen LehrerInnen und Eltern, die die Schwierigkeiten bei der Kooperation beider Instanzen deutlich werden lässt. Das dritte und umfangreichste Kapitel problematisiert auf Basis der beiden vorangegangenen das Verhältnis von Schule und LehrerInnen einerseits und Eltern, die sozial niedrigen Schichten und dem Ausland entstammen andererseits. Dabei gehe ich anhand der sog. Ressourcentheorie auf Erklärungsversuche ungleicher Bildungschancen ein und ziehe daraus Konsequenzen für eine konkrete Anwendung in der Elternbildung und der Kooperation von Elternhaus und Schule. Das vierte und letzte Kapitel öffnet schließlich das Thema der Elternbildung nach außen hin und stellt politisch-gesellschaftliche Forderungen im Hinblick auf eine Pädagogik der Vielfalt.

1. Von ‚Bildung heute’ zur Notwendigkeit einer Elternbildung

1.1 Bildung heute

‚Bildung’ hat sich zu einer der meist diskutiertesten Fragen des 21. Jahrhunderts entwickelt und stellt, wie Becker und Lauterbach es formuliert haben, schon lange keine nur „formale, auf dem Arbeitsmarkt verwertbare Ressource im Sinne des Humankapitals [dar] , sondern eine entscheidende Voraussetzung für viele unterschiedliche Lebenschancen“ (in Becker & Lauterbach, 2007, S. 10), in der sie als solche einen immer größer werdenden Stellenwert in der gegenwärtigen Gesellschaft einnimmt. Ein in diesem Zusammenhang seit den 1950er Jahren auftretendes und bis heute zu beobachtendes Phänomen ist das der ‚Bildungsexpansion’, das zwar erfreulicherweise nachweislich zu einer alle Sozialschichten betreffenden größeren Bildungsbeteiligung geführt hat, jedoch keinen umfassenden Abbau, der – nicht erst seit PISA beobachteten – sozialen Ungleichheit von Bildungschancen geführt hat. Bei der Suche nach den Ursachen dieses ernst zu nehmenden und langwierigen Problems stößt man in der Literatur häufig auf Zusammenhänge zwischen Bildungserfolg und Elternhaus, die Bildungsnachteilen der Kinder mit der sog. Elternbildung entgegenwirken möchten.

1.2 Definition ‚Elternbildung’

Bevor ich mich der Elternbildung unter verschiedenen Gesichtspunkten nähere, halte ich es für notwendig zunächst eine Begriffsklärung vorzunehmen, die kurz und knapp zusammenfassen soll, was ich im Folgenden unter Elternbildung verstehen werde:

Elternbildung ist jedes fachliche Bemühen, (a) das relevante Wissen der Eltern zu erhöhen und (b) ihnen dabei zu helfen, aus ihrem neuen Wissen eine reifere Einstellung und daraus wiederum ein sachgemäßeres Verhalten zu entwickeln.“ (Bäuerle, 1970, S. 232)

1.3 Hintergründe von Elternbildung

Das Elternhaus ist die erste und folglich auch die nachhaltigste Sozialisierungsinstanz. Es spiegeln sich sowohl fachliches Wissen, als auch Einstellungen, Normen und Verhaltensweisen der Eltern in ihren Kindern nieder. Dieser Aspekt und die im Normalfall von den Eltern für ihre Kinder erwünschte bestmögliche Zukunft im Hinblick auf das unerschöpfliche Bildungskapital machen das Wissen der Eltern um ihre Rechte und Pflichten, wie auch um ihre Rolle als Mit-, wenn nicht Hauptverantwortliche auf dem Bildungsweg der Kinder, unentbehrlich.

Der Institution Schule kommt als zweiter Sozialisierungsinstanz und als unumgänglicher Etappe beruflichen und nicht selten damit verbundenem persönlichen Erfolgs im Leben eines Individuums ein sehr hoher Stellenwert zu. Ihre pädagogische Zielsetzung beinhaltet stets eine optimale Ausnutzung der Ressourcen des Einzelnen/des Kindes im Hinblick auf allgemeines wie fachkundiges Wissen sowie auf ein tiefgründiges Verständnis der Welt und ihrer Zusammenhänge und schafft die Voraussetzung für ein eigenständiges und verantwortungsbewusstes Leben nach der Schulzeit. Diese in keinster Weise bescheidenen Bestrebungen bedürfen der Mithilfe aller Beteiligten: der SchülerInnen selbst (die jedoch in nicht unerheblichem Maße von der Atmosphäre zwischen den beiden Sozialisierungsinstanzen beeinflusst werden und stets eine Zwischenposition einnehmen, in der sie unterstützt werden müssen); aber vor allem auch ihrer LehrerInnen auf der einen und ihrer Eltern auf der anderen Seite. Von den Ersteren darf aufgrund ihrer pädagogischen Ausbildung vom Wissen um die Bedeutung von „Schule als Verteilungsinstanz von Lebenschancen“ (Dietrich, 1997, S. 44) ausgegangen werden; die Letzteren ist jedoch leider oftmals nicht klar, dass Schule und Elternhaus keine getrennten Lebenswelten sind[1] und in vielerlei Hinsicht voneinander abhängig und müssen erst behutsam an diesen Sachverhalt herangeführt werden, was, wie im Folgenden gezeigt werden wird, sehr viel Geschick erfordert und so früh wie möglich einsetzen sollte.

Fest steht jedenfalls, dass die durchaus schon im Gesetz festgehaltene Forderung nach Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule[2] zwar ein Schritt in die richtige Richtung ist – dieser reicht aber noch lange nicht aus, um auch in der Realität aus beiden gleichberechtigte Erziehungspartner zu machen, die sich über Sinn und Zweck einer Kooperation bewusst sind und Wege aufeinander zu suchen.

1.4 Aufgaben und Ziele von Elternbildung

Die hochgesteckten Anforderungen an die Zusammenarbeit von Schule und Eltern lassen die Frage nach den konkreten Aufgaben und Zielen von Elternbildung (und –beteiligung) aufkommen. Neben etlichen weiteren hat Bäuerle (1970, S. 248) vor allem drei Hauptaufgaben der Elternbildung zusammengestellt:

a) Die Eltern müssen für die Idee der Elternbildung gewonnen werden.
b) Im Rahmen der Elternbildung müssen reizvolle und interessante Gelegenheiten geschaffen werden, die die Teilnahme für die Eltern leicht machen.
c) Es sollen im Hinblick auf die Erziehungsaufgabe gewinnbringende Lernprozesse bei den Eltern ausgelöst werden.

Elternbildung als gesellschaftlich-politisches Instrument verfolgt demnach das übergeordnete Ziel der Reduzierung von Chancenungleichheit, da völlige Chancengleichheit homogene Gesellschaften mit undifferenziertem Bildungssystem voraussetzen würde, was in der Realität niemals gegeben sein kann (vgl. Ditton in Becker & Lauterbach, 2007, S. 267).

2. Umsetzung der Kooperation von Eltern und Schule

2.1 Kontaktsituationen zwischen Eltern und Schule

Neben den fast schon traditionellen Aufeinandertreffen von Eltern und LehrerInnen bei Elternabenden und Elternsprechtagen gibt es noch zahlreiche weite Möglichkeiten des Inkontakttretens: Es können bestimmte Veranstaltungen zum Anlass der Begegnung genommen werden, wie zum Beispiel die Einschulung, Schulfeste/Aktionstage und/oder Klassenprojekte, die die Unterstützung der Eltern erwünschen oder erfordern. Weiterhin kann ein Elternstammtisch eingerichtet werden, es können Telefongespräche geführt werden (wenn es schnell gehen muss), es gibt die Möglichkeit der Hausbesuche, der Elternrundschreiben, etc.

[...]


[1] Zur Veranschaulichung dessen ist Ulichs Darstellung des Schülers, der seine ‚Schülerrolle’ daheim nicht ablegt und auch in der Schule nicht nur Schüler, sondern auch Kind ist, sehr gut geeignet. (Ulich, 1989, S. 12/13)

[2] Siehe zum Beispiel das Schulgesetz Baden-Württemberg (§55, Abs.1&2), das Rechte und Pflichten von Schule und Eltern einander gegenüberstellt und miteinander verbindet.

Details

Seiten
25
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638719926
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74689
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,0
Schlagworte
Theorie Praxis Elternbildung Benachteiligte Familien Migrationshintergrund soziale Benachteiligung Schule

Autor

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Titel: Theorie und Praxis der Elternbildung Mit besonderer Schwerpunktlegung auf sozial Benachteiligte und Familien mit Migrationshintergrund