Lade Inhalt...

Sexualität und Ehe in der Bibel. Die Rolle von Mann und Frau

Seminararbeit 2004 25 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Vorwort

2. Geschlechterbeziehungen in der Bibel
2.1 Die Rolle des Mannes und der Frau im Alten Testament
2.1.1 Der Mann als Herr der Frau
2.1.2 Die glückliche Frau
2.2 Die Rolle des Mannes und der Frau im Neuen Testament
2.2.1 Die übergeordnete Rolle des Mannes
2.2.2 Die gleichberechtigte Frau

3. Sexualität im Alten Testament
3.1 Bedeutung von Sexualität
3.2 Unzucht und sexuelle Vergehen
3.2.1 Prostitution
3.2.2 Vergewaltigung
3.2.3 Homosexualität

4. Eheverständnis im Alten Testament
4.1 Bedeutung der Ehe
4.2 Ehescheidung und Ehebruch

5. Sexualität und Eheverständnis im Neuen Testament
5.1 Auffassungen des Paulus
5.1.1 Ehelosigkeit
5.1.2 Ehe und Ehescheidung
5.1.3 Unzucht und Homosexualität
5.2 Auffassungen Jesu
5.2.1 Ehelosigkeit
5.2.2 Scheidung und Ehebruch
5.2.3 Prostitution und sexuelle Vergehen
5.3 Weiteres im Neuen Testament

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis
7.1 Quellen
7.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Wie haben die Israeliten die Ehe gelebt und wie die Menschen zur Zeit Jesu? Welche Rolle spielte Sexualität im Leben dieser Menschen? Stimmt es, dass die Frauen wirklich so unterdrückt worden, wie immer behauptet wird? Und haben die Männer immer das machen können, was sie wollten?

Auf diese Fragen soll in den folgenden Ausführungen eine Antwort gegeben werden. Es soll ein Überblick verschafft werden über die Bedeutung der Sexualität und Ehe diesbezüglich auf Gesetze und Freiheiten der Menschen im Alten und im Neuen Testament. Dabei wird auf die Rolle von Mann und Frau Wert gelegt. Auf tiefgehende exegetische Überlegungen wird deshalb verzichtet werden, da es eine Darstellung hinsichtlich dieser beiden Themen in Verbindung mit der Geschlechterbeziehung ist. Die Situation der Israeliten wird dabei etwas ausführlicher beschrieben werden, als die der neutestamentlichen Menschen. Im übrigen wird darauf geachtet, auch Vergleiche zwischen Altem und Neuem Testament nicht völlig auszulassen und Bezug auf die heutige Zeit zu nehmen.

2. Geschlechterbeziehungen in der Bibel

2.1 Die Rolle des Mannes und der Frau im Alten Testament

2.1.1 Der Mann als Herr der Frau

Bei den Israeliten war, wie es auch heute bei vielen Völkern, z.B. in Afrika oder in den arabischen Ländern noch so ist, der Mann derjenige, der in vielerlei Hinsicht der Frau übergeordnet war. Einige Beispiele dazu werden im Folgenden anführt.

Der Mann ist der Herr der Frau, oder anders formuliert „(...) die Frau [gehört] zur beweglichen Haushabe des Hausherrn.“1 Teilweise wird die Frau als Besitz des Mannes bezeichnet.2 Er bestimmt darüber, was die Frau tun darf und was nicht. Nicht einmal die Ausübung der Religion war Privatsache der Frau, denn wenn z.B. eine Frau ein Gelübde ablegen wollte, so konnte der Ehemann dies befürworten oder verbieten: „Ihr Mann kann jedes Gelübde und jeden Eid, der zu einer Einhaltung verpflichtet, anerkennen oder außer Kraft setzen.“3

Wenn die Entscheidung über eine Ehe getroffen werden sollte, so einigten sich die Väter des zukünftigen Ehemanns und der zukünftigen Ehefrau durch einen Kaufvertrag.4 Die israelitische Frau ist also durchaus als unfrei zu bezeichnen, denn solange sie nicht verheiratet war, war sie ihrem Vater untergeordnet (der sie sogar als Sklavin verkaufen konnte5 ) und wenn sie verheiratet war ihrem Mann. Erst, wenn eine Frau zur Witwe geworden war, war sie freier und konnte selbständiger handeln, vor allem in der Ausübung der Religion.

Deutlich bevorzugt wurde der israelitische Mann vor allem aber auch in der Rechtsprechung. Die Frau hatte nicht einmal die Möglichkeit sich zu verteidigen. Zu belegen ist dies damit, dass die Frau den Lebenslaunen des Mannes ausgeliefert war, z.B. dem „(...) sogenannte[n] Eifersuchtsopfer (Num 5,11-31), dem sich eine Frau zu unterwerfen hatte, die von ihrem Mann, sei es zu Recht oder zu Unrecht, des Ehebruchs verdächtigt wurde (...). Die Frau war dabei der willkürlichen Eifersucht des Mannes ausgeliefert, der (...) eine Frau, deren er überdrüssig war, loswerden konnte. Ihn trifft keinesfalls Schuld (...), selbst wenn die Frau dabei zugrunde geht.“6 Insgesamt sollte man jedoch nicht behaupten, dass jeder Mann ein Tyrann war. Im folgenden Punkt wird dies belegt.

2.1.2 Die glückliche Frau

Die israelitische Frau war aber kein völlig unterdrücktes und bevormundetes Individuum. Sie wurde auch geliebt von ihrem Mann und hatte Rechte. Nahezu uneingeschränkte Freiheit hatte sie im Haushalt und „Da ist nicht nur von ihren häuslichen Beschäftigungen wie Spinnen, Nähen, Stricken, Kochen und Vorräte-Anschaffen die Rede. Vielmehr kann sie auch Kaufverträge abschließen über große Projekte wie Felder und Weinberge, und zwar mit selbsterwirtschaftetem Geld.“7

Auch in den Gesetzestexten finden sich Vorschriften, nach denen eine Nebenfrau z.B. nicht benachteiligt werden durfte: „Nimmt er sich noch eine andere Frau, so darf er sie in Nahrung, Kleidung und Beischlaf nicht benachteiligen.“8

Man kann im Übrigen auch nicht davon sprechen, dass jede Frau unglücklich war und es keine Liebe zwischen Männern und Frauen gab. Die Bibel berichtet z.B. davon, dass Jakob Rahel, die Tochter seines Onkels Laban sehr liebte und für sie sogar sieben Jahre länger diente als verabredet worden war.9

Frauen wurden des weiteren auch sehr wegen ihrer Schönheit begehrt und verehrt. Besonders im Hohelied der Liebe wird ausführlich über die Schönheit der Frau in poetischer Weise erzählt: „Schön bist du, meine Freundin, ja, du bist schön. Hinter dem Schleier deine Augen wie Tauben. Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen, die herabzieht von Gileads Bergen.“10

Mann kann also sagen, dass die Frau durchaus geachtet wurde. Abgesehen davon kennt das Alte Testament einige Frauen, die sich sogar politisch durchsetzen konnten. Eine dieser Frauen ist Ester, der es gelingt die Ermordung der Juden, ihres eigenen Volkes zu verhindern.11

Somit ist festzustellen, dass die Aufgaben der Frauen im alten Israel zwar hauptsächlich darin bestanden, Kinder zu gebären, die Familie zu versorgen und den Haushalt zu führen, doch als Sklavin des Ehemannes kann sie nicht bezeichnet werden und dass sie auch selbständig handeln und selber Verantwortung übernehmen konnte ist belegt worden.

2.2 Die Rolle des Mannes und der Frau im Neuen Testament

2.2.1 Die übergeordnete Rolle des Mannes

Wie es auch bei den Israeliten zur Zeit der Urväter und der Propheten war, so war es auch bei den Juden zur Zeit Jesu üblich, dass die Frau v.a. die häuslichen Aufgaben zu übernehmen hatte. Die Männer führten handwerkliche Tätigkeiten aus. Sie waren Zimmermänner (wie Jesus), Fischer (wie Petrus und Andreas) oder arbeiteten als Zöllner (wie Zachäus). Die zwölf Jünger Jesu waren alles Männer, (obwohl im weiteren Jüngerkreis auch Frauen mit hinzuzuzählen sind, wie Maria von Magdala z.B. oder auch Elisabeth, eine Verwandte von Maria, der Mutter von Jesus.)

Im Neuen Testament wird die Frau jedoch aufgefordert sich ihrem Mann zu unterwerfen. So heißt es im Epheserbrief z.B.: „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie dem Herrn (Christus); denn der Mann ist das Haupt der Frau (...)“.12

Auch Paulus macht in seinem 1.Korintherbrief deutlich, dass sich die Frau zurückhalten solle mit dem, was sie sagt und Paulus schreibt ihr vor, wie sie sich zu kleiden habe.13

Von diesen Aspekten her betrachtet hat sich die Rolle des Mannes gegenüber der Frau nicht verändert. Dass es aber dennoch Abweichungen zum Alten Testament gibt, ist im nächsten Unterpunkt verdeutlicht.

2.2.2 Die gleichberechtigte Frau

Jesus liebte die Frauen nicht weniger als die Männer und er hat die Frauen auch nie benachteiligt. „Er hat Frauen belehrt – (...).“14 Zwar hat er nicht für eine bessere Stellung der Frauen gekämpft, aber er hat sie auch nicht den Männern untergeordnet behandelt und angesehen. Das Neue Testament berichtet davon, dass es Frauen waren, die den auferstandenen Jesus zuerst gesehen haben, nicht einmal seine Jünger sahen ihn vor ihnen, davon berichten zumindest Matthäus-, Markus-, und Johannesevangelium.15 Jesus machte auch keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern, wenn er heilte oder wenn er Sünden vergab. Die bekannteste Geschichte ist wohl jene von der Ehebrecherin, die gesteinigt werden sollte.16

Natürlich aber waren die Frauen dennoch den Männern in der Gesellschaft untergeordnet.

Paulus aber, der davon ausgeht: „die Frau komme vom Mann, nicht umgekehrt. Also sei die Frau nur ein Abglanz des Mannes (1Kor 11,7f).“17 hebt an anderer Stelle hervor, dass Frau und Mann einander gehören und nicht nur die Frau dem Manne. Im 1.Korinterbrief heißt es nämlich: „Nicht die Frau verfügt über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt nicht der Mann über seinen Leib, sondern die Frau.“18

Somit ist die Frau auch für den Mann verantwortlich, zumindest im privaten Bereich.

Mann kann also sagen, dass die Frau im Gegensatz zur Zeit Jesu eine anerkanntere Rolle gespielt hat. Ein Beispiel dafür ist im übrigen auch, dass Jesus am Kreuz Maria aufgefordert hat für Johannes zu sorgen: „Frau, siehe, dein Sohn!“19 und zu Johannes sagte Jesus, dass er Maria als seine Mutter annehmen solle und so wie sie für ihn sorgt, er auch für sie sorgen solle: „Siehe, deine Mutter!“20.

3. Sexualität im Alten Testament

In den folgenden Punkten soll geklärt werden, welche Bedeutung die Sexualität für die Israeliten gehabt hat und welche Probleme, Konsequenzen oder Strafen unter welchen Bedingungen auf Männer und Frauen zukommen konnten.

3.1 Bedeutung von Sexualität für die Israeliten

Herbert Haag schreibt „daß die Sexualität zum Normalzustand des Menschen gehört und daß sie ihm in der rauhen Wirklichkeit dieses Lebens Trost und Geborgenheit schenkt.“21 Die menschliche Nähe hatte für die Israeliten eine große Bedeutung und damit ist auch die sexuelle Hingabe gemeint.

Die Bibel spricht davon, dass der Mann die Frau „erkannte“.22 Haag schreibt, dass damit nicht nur der sexuelle Akt gemeint war, sondern auch die Liebe: „’Erkennen’ umfaßt Sexualität und Liebe, zwei Begriffe, die wir heute trennen.“23 Somit lässt sich schlussfolgern, dass der Geschlechtsverkehr nicht nur ein Akt war um Kinder zu zeugen, sondern auch ein Akt der Geborgenheitssuche zwischen Mann und Frau und der Zuneigung zum Partner.

Gott selber möchte, dass sich Mann und Frau einander hingeben, sie sollen ein Fleisch sein.24 und damit ist sicherlich nicht nur der rücksichtsvolle und liebende Umgang im alltäglichen Leben gemeint, sondern auch im höchst privaten und intimen Miteinander.

Natürlich aber wurde diese Forderung Gottes von den Menschen nicht immer eingehalten. Darauf wird später eingegangen werden. Doch zuvor noch einige weitere Bemerkungen.

Sexualität war eine höchst private Sache. Das Alte Testament erzählt, dass es verpönt war sich nackt zu zeigen.25 Allerdings, muss es häufiger vorgekommen sein, dass es bei nicht gottgewollten religiösen Riten (z.B. wenn die Israeliten sich abgewendet hatten von Gott und den kanaanäischen Fruchtbarkeitskult ausübten) durchaus dazu kam, dass sich Frauen den Männern ohne Scham in aller Öffentlichkeit hingaben.26

Weiterhin wird in der Bibel davon gesprochen, dass die Brüste der Frauen eine sehr „faszinierende und erregende Wirkung“27 auf den Mann gehabt hatten. Im Hohelied heißt es dazu: „Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, wie die Zwillinge einer Gazelle.“28 Der alttestamentliche Mann kannte die Reize der Frau und das sexuelle Verlangen des Mannes nach der Frau und der Frau nach dem Mann, wie es auch heute noch so ist.

[...]


1 Haag, Zur Liebe befreit, 69.

2 Vgl. Ex 20,17.

3 Num 30,14.

4 Gen 29,15-30.

5 Ex. 21,7.

6 Haag, Zur Liebe befreit, 72.

7 Ebd., 66.

8 Ex 21,10.

9 Gen 29,9-30.

10 Hld 4,1.

11 Est 8,7-12.

12 Eph 5,21-23.

13 1Kor 14,26-40.

14 Haag, Du hast mich verzaubert, 33.

15 Mt 28,9-10; Mk 16,9; Joh 20,11-18.

16 Joh 8,3-11.

17 Haag, Du hast mich verzaubert, 36.

18 1Kor 7,3-4.

19 Joh 19,26.

20 Joh 19,27.

21 Haag, Zur Liebe befreit, 38.

22 Gen 4,1.

23 Haag, Du hast mich verzaubert, 21.

24 Vgl. Gen 2,24.

25 Vgl. Jes. 47,2-3.

26 Vgl. Dtn 23,18-19.

27 Haag, Zur Liebe befreit, 43.

28 Hld 7,4.

Details

Seiten
25
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638716239
ISBN (Buch)
9783638718592
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74671
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,3
Schlagworte
Sexualität Bibel

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Sexualität und Ehe in der Bibel. Die Rolle von Mann und Frau