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Wissensintensive Organisationen als innovative Organisationen?

Seminararbeit 2007 25 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Gang der Untersuchung

3 Von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft?

4 Wissensintensive Organisationen

5 Wissensarbeit und ihre Akteure
5.1 Wissensarbeit
5.2 Wissensarbeiter

6 Die Bedeutung von Innovation und Routine
6.1 Innovation
6.2 Routine
6.3 Innovative Organisationen
6.4 Routine in Organisationen
6.5 Handeln wissensintensive Organisationen ausschließlich innovativ?

7 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aggregatzustände von Wissen

Abbildung 2: Spirale der Wissensschaffung

1 Problemstellung

Wissensarbeit gewinnt im 21. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung und lässt die handwerkliche und industrielle Arbeit in den Hintergrund treten. Der Trend verlässt die Landwirtschaft und industrielle Produktion und verlagert sich auf wissensbasierte Tätigkeiten (vgl. Willke 1998: 162 f.). Das Expertenwissen und Produkte mit „embedded intelligence“ [1] (ebd: 163) werden einflussreicher und bedeutender –materielle Produkte mit einem hohen Wertanteil an Arbeit hingegen werden zunehmend vernachlässigt. Die Fragestellung dieser Arbeit soll daher lauten: Ist Innovation ein typisches Charakteristikum für wissensintensive Organisationen, oder arbeiten diese auch routiniert?

Es sind Veränderungen qualitativer sowie quantitativer Art in den Bereichen der Arbeit zu beobachten. Stehr fragt in diesem Zusammenhang, ob diese Veränderungen lediglich jene Trends unterstützen und verfestigen, die es schon in der Industriegesellschaft gab (vgl. Stehr 2001: 188). Zumindest für die Veränderungen in Bezug auf die Arbeit wäre dann keine Innovation feststellbar, sondern eine schon längst eingespielte Routine. Alltäglich sichtbar ist, dass sich unsere Gesellschaft stetig weiterentwickelt, Innovationen einen hohen Stellenwert haben. So wird denn auch von den Mitgliedern der Gesellschaft eine hohe Innovationskompetenz verlangt. Verfügt ein Akteur nicht über diese Fähigkeit, erschwert sich dadurch sein Überleben in der Gesellschaft. Anpassung und eigene Entwicklungsfähigkeiten sind jedoch existenziell für die Akteure in der Gesellschaft. Trotzdem liegt der vorliegenden Arbeit die Vermutung zugrunde, dass Routine auch in wissensintensiven Organisationen eine Rolle spielt. Dies gilt es zu untersuchen.

2 Gang der Untersuchung

Ist die eben angesprochene Entwicklung lediglich ein Trend, eine Mode- Erscheinung, die wieder verblassen wird – oder schlägt unsere Gesellschaft eine neue Richtung ein, wandelt sich die so genannte Industriegesellschaft zu einer Wissensgesellschaft? Auf diesen Überlegungen, und ob sich tatsächlich eine Form der Deindustrialisierung abzeichnet, basiert der Abschnitt „Von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft?“. Nachdem der Blick auf die (westliche) Gesellschaft gerichtet wurde, wird explizites Augenmerk auf die Rolle wissensintensiver Organisationen in der sich wandelnden Gesellschaft gelegt. Lassen sich die gewonnenen Erkenntnisse auf die Institution der Organisation übertragen?

Im darauf folgenden Abschnitt wird auf den Begriff der „Wissensarbeit“ eingegangen. Es wird beleuchtet, was die publizierenden Wissenschaftler mit diesem Konzept bezwecken, welche Rolle die Wissensarbeit und ihre Akteure in einer Wissensgesellschaft spielen.

Die Frage nach der Rolle, die in dieser Idee Routine und Innovationen übernehmen, soll im Abschnitt „Die Bedeutung von Innovation und Routine“ angesprochen werden.

Schlussendlich wird versucht, im Fazit die formulierten Fragen zu beantworten. Zudem wird ein Ausblick auf die Zukunft einer Wissensgesellschaft und wissensintensiver Organisationen gewagt. In diesem Zusammenhang wird auf die Idee von Wikis als mögliche innovative Organisationsform eingegangen.

3 Von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft?

Wissensintensive Organisationen sind per definitionem in der Wissensgesellschaft angesiedelt. Daher scheint es sinnvoll, zu Beginn der Arbeit einen Blick auf die Entwicklung von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft zu werfen und einige teils heterogene Definitionen vorzustellen.

Arbeitsteilung charakterisiert gemäß Claude Henri de Saint Simon die im 19. Jahrhundert aufsteigende Gesellschaftsform der Industrialisierung (vgl. Hillmann 1994: 362 f.). Der sich zunehmend außerhalb des eigenen Wohnraumes befindende Arbeitsplatz gewinnt an Bedeutung. Fabriken werden eröffnet, Henry Ford entwickelt die Fließbandarbeit und Frederick Winslow Taylor [2] realisiert in Fords Automobilwerken seine Ideen des später als Taylorismus [3] bezeichneten Arbeitsstil. Die Industriegesellschaft scheint sich nun im Wandel zu befinden. Es wird der Übergang von der Industriegesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts zu einer postindustriellen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts diskutiert. Wissenschaftlicher Vorreiter in dieser Thematik war der Soziologe Daniel Bell, der in den 1970er Jahren prognostizierte, dass die Gesellschaft auf dem Weg zu einer „nachindustriellen Gesellschaft“ sei (Bell 1979). Bell beschreibt die nachindustrielle Gesellschaft als eine Gesellschaftsform, in der Dienstleistungen Überhand nehmen und die Produktion von materiellen Gütern in den Hintergrund gestellt wird. Zudem nimmt das theoretische Wissen eine zentrale Rolle ein (vgl. Bell 1979: 13). Mit der Zunahme der Dienstleistungen verbindet Bell eine Zunahme der Bildungsqualifikation und die Entwicklung einer "intellektuellen Technologie" (ebd.: 10).

Betrachtet man zeitgenössische Literatur zum Thema, so wird klar, dass der Wandel von der Industrie– zur Wissensgesellschaft rasant vonstatten zu gehen scheint. Es wird von der Entwicklung zu einer Dienstleistungsgesellschaft oder einer Informationsgesellschaft, von Postindustrieller Gesellschaft oder vom Aufbau einer Wissensgesellschaft gesprochen. Willke argumentiert für die Verwendung der Bezeichnung „Wissensgesellschaft“, da die Veränderungen, die erschaffen werden sollen, nicht auf Information, sondern auf Wissen und Expertise beruhen. Und Wissen entsteht immer dann, wenn Informationen in bestimmte Erfahrungskontexte eingebunden werden (vgl. Willke 1998: 162). Der Begriff „Wissensgesellschaft“ impliziert die Einbindung subjektiver Erfahrungen und Empfindungen, während die Informationsgesellschaft lediglich auf Daten und Fakten zu basieren scheint. Bei der Begriffswahl „Wissensgesellschaft“ wird also die Menschlichkeit in den Vordergrund gestellt.

Auch Stehr lässt dem Begriff Wissensgesellschaft den Vortritt, vergleicht ihn jedoch direkt mit dem Begriff der „postindustriellen Gesellschaft“. Zwar stimmt er der Meinung Bells zu, dass Angebot an und Nachfrage nach Primärgütern und dem Primärgüter verarbeitenden Wirtschaftssektor stetig sinken. Auch Zeit und Ort werden durch die zunehmende Globalisierung weniger relevant. Dennoch spricht Stehr sich gegen die Vorstellung einer Postindustriellen Gesellschaft aus (vgl. Stehr 2001: 118 f.), denn es liegt (noch) keine Trennung der Gesellschaftsformen vor. Stattdessen geschieht eine Verschmelzung, denn die Wirtschaftssektoren „Industrie“ und „Herstellung“ bleiben weiterhin erhalten, auch wenn sich eine Schwerpunktverlagerung vollzieht (vgl. ebd: 129). Eine Deindustrialisierung findet demgemäß nicht statt, von postindustriell kann folglich nicht gesprochen werden. Trotzdem gewinnt die Produktion immaterieller Güter wie Normen, Werte und Kultur eben stark an Einfluss und Macht und so sieht Stehr diesen Wandel als Zeichen zum beginnenden Übertritt in eine Wissensgesellschaft (vgl. Stehr 2001: 130 f.). Wichtig ist hierbei, dass die Entwicklung zur Wissensgesellschaft dabei kein revolutionäres Ereignis darstellt, sondern ein „evolutionärer Prozess“ (ebd: 119) sein wird.
Es wird durch diese Aussagen deutlich, dass die Gesellschaft sich erst im Aufbruch zur Entwicklung einer neuen Gesellschaftsform befindet und der Prozess noch längst nicht abgeschlossen ist (vgl. auch Willke 1998: 163). Von einer Wissensgesellschaft sollte erst dann gesprochen werden, „wenn eine qualitativ neu (sic!) Form der Wissensbasierung und Symbolisierung alle Bereiche einer Gesellschaft durchdringt und kontextspezifische Expertise in allen Bereichen der Gesellschaft generiert wird“ (ebd: 164).

[...]


[1] Mit Produkten, die über eine „embedded intelligence“ verfügen, meint Willke z. B. Computer, PC-Spiele oder auch Spielfilme (vgl. Willke 1998: 163)

[2] Willke bezeichnet Taylor daher als ersten Unternehmensberater (vgl. Willke 1998: 169).

[3] Taylorismus bedeutet die Optimierung der Leistung durch Trennung von Hand- und Kopfarbeit und durch eine hohe Arbeitsteilung unter Einbeziehung der vorherigen Arbeitsplanung. Der Fordismus entwickelte sich aus diesem Prinzip heraus und basiert auf den Grundlagen der Massenproduktion und der Fließbandarbeit. Vgl. hierfür z. B. Doray, B. (1988): From Taylorism to Fordism. A Rational Madness. London: Free Association Books

Details

Seiten
25
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638714914
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74632
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften; Arbeitsbereich personalwirtschaftslehre
Note
1,7
Schlagworte
Wissensintensive Organisationen Grundlagen-Seminar Innovationsmanagement“

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Titel: Wissensintensive Organisationen als innovative Organisationen?