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Die Gruppendiskussion - Verfahren und Besonderheiten der Methode in Bezug auf ältere Menschen

Hausarbeit 2006 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Methoden und Forschungslogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinition

3 Anwendungsbereiche der Gruppendiskussion

4 Das Gruppendiskussionsverfahren
4.1 Durchführung
4.2 Hauptvariablen der Gruppendiskussion
4.2.1 Anforderungen an den Moderator
4.2.2 Gruppenformationen
4.2.3 Gruppengröße

5 Vor- und Nachteile der Gruppendiskussion
5.1 Vorteile
5.2 Nachteile
5.3 Resümee

6 Besonderheiten der Methode in Bezug auf ältere Menschen
6.1 Der Begriff „Alter“
6.2 Ausgangslage
6.3 Anforderungen an die Zusammenarbeit mit älteren Menschen

7 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Gruppendiskussion – als eine der, lange Zeit vernachlässigten qualitativen Forschungsmethoden, weist eine Vielzahl möglicher Anwendungsgebiete auf. Gegenstand von Gruppendiskussionen können Meinungen, Einstellungen und Verhaltensweisen zu den verschiedensten Themen sein.

Als wissenschaftliche Methode ist sie in zahlreichen Disziplinen, wie bspw. der Soziologie, Psychologie, Pädagogik oder Politikwissenschaft vertreten.[1]

Häufig wird die Gruppendiskussion synonym auch als ‚Fokusgruppe’ oder ‚Focus Group’ bezeichnet. Oberflächlich gesehen lässt sich der Begriff Gruppendiskussion definieren als „ein Gespräch mehrerer Teilnehmer zu einem Thema, dass der Diskussionsleiter benennt (...) und dazu dient, Informationen zu sammeln.“[2]

Ziel dieser Arbeit ist es nicht, das Verfahren der Gruppendiskussion im Detail zu erläutern, vielmehr soll ein Überblick über die Methodik und die Besonderheiten dieses Instrumentes gegeben werden, um im Anschluss daran deren Eignung in Bezug auf ältere Menschen zu analysieren.

Die Gruppendiskussion ist hierbei durchaus als eigenständige Methode zu betrachten. Zwar ist sie im Rahmen der drei basalen Methoden – der Befragung, dem Experiment und der Beobachtung noch am ehesten der Befragung zuzuordnen, allerdings würden hierbei wichtige Aspekte, wie etwa die Beobachtung des Verhaltens der Gruppenteilnehmer oder die Lieferung eines experimentellen Designs durch den Moderator vernachlässigt werden.[3]

Im folgenden Kapitel soll das Gruppendiskussionsverfahren definiert, beschrie-ben und eine Abgrenzung zu anderen Verfahren gegeben werden.

2 Begriffsdefinition

Häufig trifft man in der Literatur bei der Suche nach dem Begriff „Gruppen-diskussion“ auf verwandte Begriffe wie Gruppenbefragung, Gruppeninterview und Gruppenexperiment. Dieses vielseitige Verständnis verlangt somit zunächst nach einer Methodendefinition, mit Hilfe derer die Gruppendiskussion als solche eingeordnet werden kann. Während es bei der Gruppenbefragung darum geht mehrere Personen mündlich oder der Reihe nach schriftlich zu einem bestimmten Thema zu befragen, liegt der Fokus beim Gruppenexperiment darauf ein gegebenes Thema kontrovers zu diskutieren.[4] Bei der Gruppen-diskussion hingegen, handelt es sich jedoch um „eine ‚arrangierte’ Gesprächs-situation mit einem feststehenden Handlungskontext.“[5] Im Rahmen dieser Arbeit ist mit dem Begriff „Gruppendiskussion“ immer deren klassische Form gemeint, d.h. ein Moderator gibt einer, nach bestimmten Kriterien zusammen-gestellten Gruppe ein Thema vor und regt die Teilnehmer dazu an, persönliche Meinungen zu äußern und mit den anderen auszutauschen. Die Gruppendiskussion als Methode kann unterschiedliche Funktionen erbringen. Als vermittelnde Methode erfüllt sie die Aufgabe Gruppenprozesse in Gang zu setzen, um Einstellungs- und Bewusstseinsveränderungen zu bewirken. Bei der ermittelnden Form dagegen sind je nach Erkenntnisabsicht Meinungen, Motive, Einstellungen und Verhaltensweisen im Interesse des Forschers.[6] Im Rahmen dieser Arbeit soll die Gruppendiskussion als ermittelnde Technik verstanden werden, die dazu dient, eine sich im Laufe der Diskussion bildende, einheitliche Gruppenmeinung zu erfassen, umfassende Informationen über Sachverhalte, Ereignisse und Wissen abzufragen oder individuelle Meinungen und Einstel-lungen zu ermitteln.[7]

3 Anwendungsbereiche der Gruppendiskussion

Lamnek zufolge ist die Gruppendiskussion „als Gespräch einer bestimmten Gruppe unter Laborbedingungen“[8] aufzufassen. Die Gruppendiskussion als qualitative Datenerhebungsmethode findet dementsprechend ihre Anwendung, wenn ein gruppendynamischer Prozess, so wie er tagtäglich stattfindet simuliert werden soll. Hierbei geht es, wie Winter formuliert „nicht um die zahlenmäßige Erhebung eines ‚Status Quo’, sondern um die Generierung neuer Hypothesen und Ideen oder die Erforschung von Hintergründen von Verhalten und Einstel-lungen“.[9]

Die Gruppendiskussion eignet sich im Besonderen dazu psychische Kontrollen der Teilnehmer abzubauen, spontane Reaktionen zu provozieren und Kleingruppen-Effekte wirksam werden zu lassen.[10] Sie findet zudem als freundliche, respektvolle und interaktive Forschungsmethode ihre Anerken-nung.[11]

Pollock, Mangold, Nießen und zuletzt Bohnsack sind als wichtige Vertreter des Verfahrens anzuführen.[12] Anhand ihrer methodologischen Begründungen wird bereits deutlich, wie flexibel die Methode, auch bei unterschiedlichen Erkenntnisinteressen eingesetzt werden kann. Nutzt Pollock die Gruppen-diskussion dazu, um die nicht-öffentliche Meinung zu erfassen[13], so setzt Mangold das Verfahren ein, um informelle Gruppenmeinungen zu ermitteln, die sich aus dem Konsensbestreben der Diskussionsteilnehmer ergeben.[14] Nach Nießens Auffassung wiederum dient die Gruppendiskussion dazu die soziale Wirklichkeit abzubilden, die sich durch die Situation der handelnden Akteure ergibt und sich nicht mittels Einzelinterviews erfassen lässt.[15] Bohnsack bevorzugt die Methode zur Ermittlung kollektiver Phänomene, wobei ihm die Gruppendiskussion einen „weniger mittelbaren, wenn auch nicht direkten, so doch empirisch überprüfbaren Zugang zu kollektiven Orientierungen“[16] verspricht. Des Weiteren erfüllt die Gruppendiskussion vor allem in der Marktforschung die Funktion möglichst viele Lösungen für ein Problem zu finden, „dieser Sachverhalt hat sich auch in der Alltagserfahrung des Sprichwortes ‚vier Augen sehen mehr als zwei’ niedergeschlagen.“[17]

4 Das Gruppendiskussionsverfahren

Nicht immer verläuft eine Gruppendiskussion ideal. Es besteht die Gefahr so genannte ‚Schweiger’ unter den Teilnehmern zu finden, genau so wie Opini- ion Leader, die das Gespräch dominieren. Ebenso ist das Risiko gegeben, dass eine Gruppendiskussion zu geregelt oder zu chaotisch abläuft und manchmal verlässt die Gruppe zu oft das vorgegebene Thema. Wie die Gruppen-diskussion optimalerweise durchgeführt wird soll im Folgenden erläutert werden.

4.1 Durchführung

Zu Beginn der Gruppendiskussion stellt der Moderator das Thema vor. Häufig liefert er dazu einen Grundreiz zur Erleichterung des Einsteigs in die Diskussion. Der Grundreiz ist meist provokativ und komplex gestaltet[18] und soll dazu dienen Selbstläufigkeit herzustellen[19], sodass die Teilnehmer zu einer regen und ungehemmten Diskussion motiviert werden. Die Gruppendiskussion ist nicht standardisiert, d.h. Wortlaut und Reihenfolge der Fragen durch den Moderator sind vorher nicht präzise festgelegt worden[20], sondern orientieren sich lediglich an einem mehr oder weniger grob vorgegebenen Leitfaden. Ziel des Moderators ist es, sich so wenig wie möglich in die Diskussion einzubringen, um die Einstellungen und Meinungen der Teilnehmer nicht zu beeinflussen. Seine Aufgabe besteht darin, den formal vorgegebenen Ablauf der Diskussion zu gewährleisten, dafür zu sorgen, dass die Gruppe nicht von Thema abschweift und die Gruppendiskussion zu beenden, wenn Müdigkeit und Wiederholungen der Teilnehmer überwiegen.[21]

In der Regel haben Gruppendiskussionen eine Dauer von ein bis zwei Stunden, kürzere Zeiten bergen die Gefahr in sich wichtige Aspekte nicht zu erfassen, längere Zeiten führen zur Erschöpfung der Teilnehmer und unproduktiven Beiträgen.[22] Zur Erfassung der gewonnenen Daten sollte die Gruppen-diskussion entweder direkt protokolliert oder mittels Tonband bzw. Video aufgezeichnet werden.[23]

4.2 Hauptvariablen der Gruppendiskussion

Die Gruppendiskussion wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, die Wichtigsten sollen im Folgenden aufgeführt werden.

4.2.1 Anforderungen an den Moderator

Lamnek hat einen umfassenden Kriterienkatalog mit den Eigenschaften zusammengestellt, die ein Moderator optimalerweise mitbringen sollte. Diese beziehen sich sowohl auf einen gewissen Erfahrungshorizont im Umgang mit Gruppen, auf theoretisches Wissen als auch auf Charakter- bzw. Persönlichkeitseigenschaften. So sollte ein Moderator im Interesse einer erfolgreichen Gruppendiskussion neugierig sein und Fragen provozieren, freundlich, offen und humorvoll sein und sich geduldig zeigen, auch wenn Äußerungen, Meinungen und Verhaltensweisen nicht mit den seinen übereinstimmen oder seiner Meinung nach Unsinn erzählt wird.[24] Der Moderator sollte sich nicht in die Diskussion verwickeln lassen, er muss Probleme in den unterschiedlichen Phasen der Diskussion frühzeitig erkennen und ihnen überaus flexibel mit Know-How und Einfühlungsvermögen entgegnen.[25]

4.2.2 Gruppenformationen

Die Kriterien zur Gruppenzusammensetzung variieren nach Zielsetzung und Erkenntnisabsicht des jeweiligen Forschungsgegenstandes. So gilt es zu unterscheiden zwischen natürlichen Gruppen (Realgruppen), die auch außerhalb der Diskussionssituation Bestand haben und künstlichen Gruppen (Ad-hoc-Gruppen), die eigens für die Diskussion zusammengestellt werden.[26] Im Weiteren muss differenziert werden zwischen homogenen und heterogenen Gruppen, bei der die Teilnehmer sich hinsichtlich eines bzw. mehrerer soziodemografischer oder psychografischer Aspekte – wie Bildung, Geschlecht, Herkunft – ähnlich sind oder unterscheiden.[27] In jedem Fall sollte darauf geachtet werden, dass die Teilnehmer insofern Homogenität aufweise, dass sie vom zu untersuchenden Thema betroffen sind und sich dazu äußern können.

4.2.3 Gruppengröße

Über die optimale Größe einer Gruppendiskussion gibt es sehr unterschiedliche Meinungen in der gängigen Literatur. Morgan entzieht sich einer Definition in Form von Teilnehmerzahlen und spricht sich für verschiedene Variationen aus.[28] Als Aufgabe bei der Gestaltung des Untersuchungsdesigns sind somit Teilnehmerzahlen von zwei bis zwanzig Personen möglich[29], wobei die Vor- bzw. Nachteile großer und kleiner Gruppen zu berücksichtigen sind. Sollen im Rahmen der Diskussion möglichst viele verschiedene Meinungen und Einstellungen aufkommen, so empfiehlt es sich eine größere Gruppe zusammenzustellen, da kleinere Gruppen in diesem Fall weniger ergiebig sind. Die Bildung kleinerer Gruppen wiederum empfiehlt sich dann, wenn die Teilnehmer vom untersuchten Thema in besonderer Weise betroffen sind und wenn zu erwarten ist, dass das Thema polarisiert bzw. kontrovers diskutiert wird oder wenn es im Detail erfasst werden soll.[30]

5 Vor- und Nachteile der Gruppendiskussion

Die Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile von Gruppendiskussionen soll unter Bezugnahme des jeweiligen Untersuchungsgegenstandes und der Erkenntnisziele veranschaulichen, in welchen Fällen sich das Verfahren zur Erhebung qualitativer Daten gut bzw. weniger gut eignet.

5.1 Vorteile

Ein wesentlicher Vorteil ist die Ökonomie des Gruppendiskussionsverfahrens im Vergleich zu anderen Methoden. Der Grund hierfür sind kleinere Stichproben und die relativ kurze Zeit, in der die Daten erhoben werden können sowie die Tatsache, dass die Teilnehmer frei reden können und somit keine aufwendige Operationalisierung der Fragestellung vorgenommen werden muss. Die Variationsbreite des Verfahrens bietet dem Forscher die Möglichkeit unterschiedliche Methoden wie bspw. projektive oder kreative Techniken zum Einsatz zu bringen.[31] Gruppendiskussionen sind vielfältig einsetzbar und zeichnen sich durch ihre Offenheit, Alltagsnähe und Flexibilität aus.[32]

Das Verfahren ist prädestiniert dafür spontane Reaktionen, Emotionen und latent Vorbewusstes bei den Teilnehmern hervorzurufen. Der Prozess der Meinungsbildung und das Entstehen einer Gruppenmeinung werden ersichtlich und nachvollziehbar. Bei den Diskussionsteilnehmern findet die Gruppen-diskussion Anklang wegen ihrer freundlichen und entspannten Atmosphäre, nicht zuletzt deswegen, weil sie im Gegensatz zu Einzelinterviews keinem Meinungszwang unterliegen.[33] Häufig wird dem Gruppendiskussionsverfahren zum Vorwurf gemacht es sei ‚quick and dirty’. Wenn aber, so Lamnek methodisch und technisch korrekt gearbeitet wird und die Erkenntnisziele auf deskriptive Informationsermittlung gerichtet sind, dann „ist die Gruppen-diskussion tatsächlich ‚quick’, aber auch ‚clean and proper’ und erkenntnisträchtig.“[34]

[...]


[1] Vgl. Lamnek 2005, S. 73.

[2] Ebd., S. 11.

[3] Vgl. ebd., S. 23.

[4] Vgl. Gutjahr 2001.

[5] Erdogan 2001, S. 2.

[6] Vgl. Lamnek 2005, S. 35.

[7] Vgl. Erdogan 2001, S. 1.

[8] Lamnek 2005, S. 26.

[9] Winter 2000.

[10] Vgl. Gutjahr 2001.

[11] Vgl. Winter 2000.

[12] Vgl. Lamnek 2005, S. 53.

[13] Vgl. ebd., S. 54.

[14] Vgl. ebd., S. 57.

[15] Vgl. ebd., S. 58.

[16] Lamnek 2005, S. 59.

[17] Gutjahr 2001.

[18] Vgl. Düring 2000, S. 10.

[19] Vgl. Lamnek 2005, S. 131.

[20] Vgl. Düring 200, S. 10.

[21] Vgl. Lamnek 2005, S. 151f.

[22] Vgl. ebd., S. 144.

[23] Vgl. Winter 2000.

[24] Vgl. Lamnek 2005, S. 142f.

[25] Vgl. Lamnek 2005, S. 138f.

[26] Vgl. ebd., S. 54.

[27] Vgl. ebd., S. 109.

[28] Vgl. Morgan 1997, S. 7.

[29] Vgl. Winter 2000.

[30] Vgl. Morgan 1997, S. 42f.

[31] Vgl. Winter 2000.

[32] Vgl. Lamnek 2005, S. 88.

[33] Vgl, Düring 2000, S. 13.

[34] Lamnek 2005, S. 68.

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638783828
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74537
Institution / Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
1,7
Schlagworte
Gruppendiskussion Verfahren Besonderheiten Methode Bezug Menschen Empirische Medienforschung

Autor

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