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Die Region Dresden als attraktiver Standort für Hightech-Unternehmen

Hausarbeit 2007 19 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutende Entwicklungen in der Wirtschaftsgeschichte Dresdens
2.1 Wirtschaftlicher Aufschwung im 19. und frühen 20. Jahrhundert
2.2 Mikroelektronik in der DDR

3. Die Hightech-Branche in der Region Dresden
3.1 Was ist „Hightech“?
3.2 Beispiel eines Hightech-Unternehmens: Infineon

4. Standortvorteile für Hightech-Unternehmen
4.1 Allgemeine Standortanforderungen
4.2 Harte Standortvorteile der Region Dresden
4.2.1 Verkehrsinfrastruktur
4.2.2 Arbeitsmarkt
4.2.3 Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen
4.3 Weiche Standortvorteile der Region Dresden
4.3.1 „Grüne Stadt Dresden“
4.3.2 Bildungsangebot
4.3.3 Kunst und Kultur

5. Aussichten

6. Fazit

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Als eine der kulturell und historisch renommiertesten Städte Deutschlands und Europas spielt Dresden seit langem in der Tourismusbranche eine wirtschaftlich beachtliche und einträgliche Rolle. Die Frauenkirche, der Zwinger, das Blaue Wunder, die Semperoper, Dresden-Neustadt und Schlosspark Pillnitz sind nur einige der vielen Sehenswürdigkeiten, die jahrjährlich von deutschen und ausländischen Besuchern besichtigt werden. Unter den sächsischen Reisezielen war die Stadt Dresden 2004 mit 260 Besuchern je 100 Einwohner (SLfpB 2005, S. 116) der Favorit für Tagesausflügler, Wochenendbesucher und Urlauber.

Neben dieser Wirtschaftsspate hat die Landeshauptstadt Sachsens jedoch auch zunehmend an der Investionsgüterindustrie[1], insbesondere Hochtechnologie (high-tech), Bedeutung gefunden – nicht zuletzt, weil dieser Wirtschaftsstandort als Geburtsstätte vieler technologisch relevanten Entdeckungen und Erfindungen eine günstige Voraussetzung für zukünftige Investitionen und Firmengründungen, vor allem in der Mikroelektronik, Bio- und Informationstechnologie, bildete. Die Erfindung des ersten europäischen Hartporzellans (J. F. Böttger, 1708), der ersten deutschen Nähmaschine (C. Müller, 1855), des Mundwassers Odols (K. A. Lingner, 1892), der ersten Kleinbild-Spiegelreflexkamera der Welt (1898) und des Melitta-Kaffeefilters (M. Benz, 1908) stammen allesamt aus der Landeshauptstadt (SLfpB 2005, S. 40).

Der Innovationsgeist ist aber nicht über die Zeit verloren gegangen, zumal Dresden sich als bedeutsamen Wissenschaftsstandort behaupten konnte. Neben der Technischen Universität Dresden und Hochschule für Technik und Wirtschaft, sind die Fraunhofer-Gesellschaft, das Max-Planck-Institut, das TechnologieZentrum und 120 weitere Forschungseinrichtungen hier ansässig. Ungefähr 15 Prozent aller Erwerbstätigen besitzen einen Universitäts- oder Hochschulabschluss, während fast 70 Prozent über eine erfolgreiche Berufsausbildung verfügen (Kirk 2003, S. 10). Dieser Reichtum an qualifizierten Arbeitskräften ist neben den zahlreichen Wissenschaftseinrichtungen ein weiterer Vorteil, der Dresden zu einem höchstgeeigneten Standort für die Hightech-Industrie macht.

Renommierte Technologieunternehmen wie Chiphersteller Infineon und AMD sowie pharmazeutische Firmen wie Apogepha, AWD.pharma und das Sächsische Serumwerk Dresden haben sich für eine Niederlassung am Standort Dresden entschieden, weil auch hier den Investoren eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung steht. Autobahn, Zugverbindung, ein moderner Flughafen und eine reges ÖPNV-Netz erleichtern das Leben eines jeden Arbeitgebers und Arbeitnehmers.

Natürlich sind weiche Standortfaktoren wie die hohe Lebensqualität nicht zu übersehen. Einkaufsmeilen, Museen, Galerien sowie wohnortnahe Einkaufs-, Sport- und Freizeitmöglichkeiten bieten einem Mitarbeiter eines Unternehmens eine vielfältige Möglichkeit zur Erholung und persönlichen Entfaltung. Daneben eignen sich Promenaden entlang der Elbe und durch den Großen Garten oder eine Fahrt ins grüne Umland sehr gut, dem stressigen Alltag in der Großstadt zu entfliehen.

Die Folgen der Dresdner Niederlassungen sind äußerst positiv. Fast die Hälfte der Industrieproduktion der Stadt (etwa zwei Milliarden Euro) wird nun durch die Halbleiterbranche[2] erwirtschaftet und 20 000 neue Arbeitsplätze sind seitdem geschaffen worden. Hierdurch ist Dresdens Arbeitslosenquote um 6 Prozent gefallen, von 20 auf 14 Prozent. Zudem wurde im Jahr 2004 der Freistaat Sachsen mit 2,2 Prozent Wachstum zum „Wirtschaftsmotor Deutschlands“ (ZEIT vom 13.10.2005, „Im Tal der Tüftler“) gekrönt, nicht zuletzt wegen des ökonomischen Beitrags der Landeshauptstadt.

In dieser Hausarbeit werde ich mich mit den verschiedenen Standortfaktoren auseinandersetzen, die Dresden zu einem solch attraktiven Wirtschaftsstandort für deutsche sowie internationale Hightech-Unternehmen gemacht haben. Zuerst werde ich einen historischen Überblick über wichtige wirtschaftliche Entwicklungen verschaffen und danach auf die bedeutendsten harten sowie weichen Standortfaktoren eingehen.

2. Bedeutende Entwicklungen in der Wirtschaftsgeschichte Dresdens

2.1 Wirtschaftlicher Aufschwung im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Es waren insbesondere die Wirtschaftszweige Maschinen- und Anlagenbau, Finanzen, Optik, Elektrotechnik und Mikroelektronik sowie Pharmazeutik, die am Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Boom in der Region Dresden ermöglichten. Noch heute sind viele Unternehmen dieser Wirtschaftsbranchen deutschlandweit bekannt, auch wenn der Sitz oft nicht mehr in Dresden ist – Melitta, Dresdner Bank, Zeiss Ikon als Beispiele. Die damaligen Entscheidungskriterien für den Standort Dresden waren andere als die der heutigen global player. Meist wurden Unternehmen dort gegründet, wo eine starke Nachfrage (z.B. für Lokomotivmotoren) bestand und genügend Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Physisch-geographische Bedingungen spielten auch eine Rolle, im Fall Dresden war schon durch die Elbe und ihrem relativ flachen Muldental eine gute Voraussetzung für die Industrialisierung gegeben. Des Weiteren war für Dresden die Beziehung zu anderen (deutschen) Städten ein wesentlicher Vorzug für die Erweiterung von wirtschaftlichem Einfluss über Sachsen hinaus.

Als im Jahre 1872 die Dresdner Bank gegründet wurde, wusste man nicht, dass diese sich bis ins 21. Jahrhundert bewähren würde. Die damals sächsische Regionalbank übernahm innerhalb kurzer Zeit viele kleinere Provinzbanken, aber blieb bis zur Errichtung einer Filiale in der Reichshauptstadt Berlin noch ein rein sächsisches Unternehmen. Die Umsätze in Berlin übertrafen bald die in Dresden, sodass die Geschäftsleitung in die preußische Hauptstadt verlegt wurde. Daraufhin folgten zahlreiche Übernahmen und Filialeröffnungen deutschlandweit und bereits 1900 besaß die Deutsche Bank das größte Filialnetz unter allen deutschen Banken (Dresdner Bank 2003, S. 1). Gleichzeitig gewann das Auslandsgeschäft zunehmend an Bedeutung und 1895 wurde die erste Auslandsniederlassung in London gegründet, u.a. weil die britische Hauptstadt zu dieser Zeit als wichtigster Standort für finanzielle Transaktionen galt.

Neben der Dresdner Bank ist die VEM Sachsenwerk GmbH ein nennenswertes Traditionsunternehmen, das einen erheblichen Beitrag im sekundären Sektor (Industrie) leistete.

Im Jahre 1903 wurde diese Firma unter dem Namen „Sachsenwerk, Licht- und Kraft AG“ im Stadtteil Leuben (im Südosten Dresdens) gegründet. Vor allem Transformatoren, Generatoren und Motoren gehörten damals zu den hergestellten Produkten. In den 20er Jahren wurde jedoch der Bau von Straßenbahn- und Lokomotivmotoren zur bedeutendsten Produktionssparte. Wegen Mitwirkung in den beiden Weltkriegen (Rüstungsproduktion) wurde das Werk 1946 demontiert und lenkte daraufhin seine Aufmerksamkeit auf die Produktion von Konsumgütern.

Ein weiterer industrieller Betrieb, Koch und Sterzel AG, spielte eine fördernde Rolle in der wirtschaftlichen Konjunktur Dresdens und der Entwicklung von Elektrotechnik in dieser Region. Das am 1. Oktober 1904 gegründete Unternehmen spezialisierte sich auf Hochspannungs- und Röntgentechnik, produzierte aber außerdem auch Radiogeräte. Heutzutage gehören die wesentlichen Teile des Unternehmens zwar zu Siemens, aber die Hochspannungsprüftechnik arbeitet selbstständig unter dem Namen Highvolt (Wikipedia-Artikel zu Koch & Sterzel).

2.2 Mikroelektronik in der DDR

Nach dem Mauerbau 1961 entwickelte sich Dresden zum Mikroelektronikzentrum des gesamten „Ostblocks“ – kaum überraschend, wenn man die lange Geschichte der Mikroelektronik in Dresden berücksichtigt. Als Teil des damaligen Robotron-Kombinats entwickelte der Betrieb Zentrum Mikroelektronik Dresden (ZMD) Computerchips, wie es heute die Nachfolger AMD und Infineon machen.

Die Gründung eines Instituts für Molekularelektronik (1961) war die Grundlage für die Firmengründung von ZMD. Anfang der 80er Jahre wurde das Unternehmen in das Kombinat Mikroelektronik Erfurt, später in das Kombinat Carl Zeiss Jena, eingegliedert. Im Jahre 1988 stellte das ZMD den ersten 1-Megabit-Speicherchip der DDR her, konnte aber eine Serienfabrikation des Produkts nicht erreichen. Nach einem massiven Stellenabbau (1989: ca. 4000, 2006: 625) ist das Unternehmen heute vorwiegend in der Produktentwicklung für u.a. Automobil- und Industrieelektronik sowie Medizintechnik tätig. (Wikipedia-Artikel zu ZMD).

Die Bedeutung des ZMD ist insofern ausschlaggebend für die künftige Entwicklung von Dresden als Wirtschaftsstandort, als die zahlreichen entlassenen qualifizierten Arbeitskräfte ein wichtiger Entscheidungsfaktor waren für Firmen wie AMD und Infineon. Zwar waren die ehemaligen ZMD-Mitarbeiter, was die modernsten technologischen Entwicklungen anging, ihren Kollegen in Westdeutschland unterlegen, aber „wegen ihrer guten naturwissenschaftlichen Ausbildung holten sie danach schnell auf […]“ (ZEIT vom 13.10.2005, „Im Tal der Tüftler“) und wurden zu einem wesentlichen Standortvorteil der Region Dresden. Auch wenn die ehemalig sozialistisch geprägte Wirtschaft Dresdens nach der Wende einige Mängel aufwies, konnte sich zumindest die Belegschaft in Kürze an die neuen Entwicklungen anpassen.

[...]


[1] Eine Gruppe von Industriezweigen, die Wirtschaftsgüter von langer Lebensdauer herstellt, die zur Leistungserstellung in Unternehmen eingesetzt werden, u.a. Maschinen und Werkzeuge (Leser 2005, S. 831).

[2] Halbleiter = Festkörper, dessen elektrische Leitfähigkeit stark temperaturabhängig ist und von daher je nach Temperatur sowohl als Leiter als auch als Nichtleiter betrachtet werden kann (Wikipedia: „Halbleiter“)

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638720793
ISBN (Buch)
9783638721844
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74487
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Schlagworte
Region Dresden Standort Hightech-Unternehmen

Autor

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