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Bachelor und Master - Wie haben sich die Studentenzahlen in den gestuften Studiengängen seit ihrer Einführung verändert?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 31 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Bologna – Prozess

3. Erhoffte Vorteile der Studienreform
3.1. Studiendauer
3.2. Abbrecherquote
3.3. Internationalität und Kompatibilität

4. Beschreibung der ausgewerteten Daten

5. Bachelor- und Masterstudiengängen in der BRD
5.1. Zahl der Studiengänge
5.2. Verteilung auf Hochschularten
5.3. Verteilung auf Studienfächer
5.4. Studienanfänger und Abschlüsse in BA- und MA-Studiengängen
5.5. Unterscheidung nach Bundesländern

6. Veränderung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt
6.1. Akzeptanz von BA- und MA-Abschlüssen
6.2. Vergleich mit Magister und Diplom-Abschlüssen

7. Umsetzung Bachelor- und Master-Studiengang an der Uni Göttingen
7.1. Bachelor of Economics
7.2. Master of Economics

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang
10.1. verwendete Daten
10.1.1. Absolventen Bachelor und Master nach Bundesland von 2000-2003
10.1.2. Bachelor nach Bundesland 2000-2003
10.1.3. Master nach Bundesland 2000-2003
10.2. Studienanfänger nach Studienfach
10.3. Mögliche Bachelor- und Masterabschlüsse in den Fachrichtungen
10.4. Diagramme

1. Einleitung

Das Studiensystem der Bundesrepublik Deutschland steht immer wieder in der Kritik. Gerade aus der Wirtschaft werden Stimmen laut, dass deutsche Studenten immer älter werden, immobil und unflexibel sind, und dass die deutschen Studiengänge nicht oder nur mangelhaft an die vorherrschende Internationalisierung angepasst sind. Mit der im Jahr 1998 unterzeichneten Sorbonne-Erklärung und der damit einsetzenden europäischen Hochschulreform sollte der Kritik am deutschen Hochschulsystem entgegen gewirkt werden. Das Hauptaugenmerk der Reform lag auf der Einführung von gestuften international vergleichbaren Studiengängen.

Gesetzlich ist die Einführung dieser Studienmöglichkeiten schon seit 1998, also seit der Änderung des Rahmenhochschulgesetzes, beschlossen. Allerdings wurde erst nach einer vier Jahre dauernden Erprobungsphase im Artikel 19 Absatz 1 folgende Ergänzung eingefügt: „Die Dynamik der Entwicklung im Hochschulbereich ist so beachtlich, dass es [...] nicht mehr angemessen ist, die Vergabe von Bachelor- und Mastergraden lediglich zur Erprobung zuzulassen. Sie bilden deshalb künftig eine reguläre Alternative zu den Hochschulgraden nach §18.“ (Gensch 2003: 1). [Anmerkung des Verfassers: Hochschulgrade nach §18 sind Diplom und Magister]

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich in erster Linie mit den aus dem Bologna-Prozess hervorgegangen neuen Studiengängen, also Bachelor (BA) und Master (MA). Dazu stelle ich in den ersten beiden Kapiteln die Hintergründe zur Änderung des Hochschulrahmengesetzes vor. Danach gehe ich auf die erhofften Vorteile der Studienreform ein. In den folgenden beiden Kapiteln beantworte ich zum einen die Frage, wie sich die neuen Studiengänge seit ihrer Einführung entwickelt haben und zum anderen, wie sich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Absolventen von Bachelor- und Masterstudiengängen darstellen. Zum Ende stelle ich die Umsetzung der beiden Studiengänge am Beispiel der Uni Göttingen vor. Ziel dieser Hausarbeit ist es herauszufinden, ob sich die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen „gelohnt“ hat und in welcher Form die BA- und MA-Absolventen von ihren neuen Abschlüssen profitieren.

2. Der Bologna – Prozess

Die so genannte Sorbonne-Erklärung wurde im Mai 1998 in Paris von den Bildungsministern aus Frankreich, Italien, Großbritannien und Deutschland unterschrieben. Ziel dieser Erklärung ist es, dass der europäische Hochschulbereich mehr zusammenwachsen soll, um dadurch eine bessere Nutzung des vorhandenen Wissenspotentials zu gewährleisten. Die Länder verpflichteten sich, bestehende Barrieren abzubauen und so für eine Verbesserung in der gemeinsamen europäischen Hochschulentwicklung Sorge zu tragen.

Bereits ein Jahr später unterzeichneten weitere 29 europäische Staaten die Bologna-Deklaration und bekannten sich damit zu dem Ziel, bis zum Jahr 2010 einen europäischen Hochschulrahmen zu schaffen, um damit die Wettbewerbsfähigkeit des Bildungsortes Europas zu stärken.

Zu den wichtigsten Punkten der Bologna-Deklaration und dadurch der Hochschulreform zählen:

- Die Einführung von gestuften Studiengängen, die in die Stufen „undergraduate“ (entspricht Bachelor) und „graduate“ (entspricht Master) unterschieden werden.
- Um die Studienstrukturen transparenter zu machen, wird das so genannte ECTS (European Credit Transfer System) als Leistungspunktesystem eingeführt.
- Damit die Studenten mobiler werden können, müssen die neuen Abschlüsse und ihre Qualifikationen durch einen so genannten Diplomzusatz beschrieben und erläutert werden.
- Im europäischen Rahmen soll die Zusammenarbeit bei der Lehrplanentwicklung und auch von Hochschulen mit außerhochschulischen Programmen gefördert werden.

3. Erhoffte Vorteile der Studienreform

Mit der Studienreform sind selbstverständlich unzählige Wünsche und Hoffnungen verknüpft. Gerade im Hinblick auf die aus der Wirtschaft geäußerte Kritik wird die bessere Vergleichbarkeit der Studiengänge, mehr Internationalität, eine kürzere Dauer des Studiums und nicht zuletzt damit einhergehend weniger Studienabbrecher erwartet (vgl. List 2000:5ff).

3.1. Studiendauer

Das Alter der Absolventen liegt in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern sehr hoch. Laut dem Statistischen Bundesamt schließen deutsche Studenten ihr Erststudium mit knapp über 28 Jahren ab (vgl. www.destatis.de/download/hoch/knz99_7.xls). Schaut man in Länder wie die USA , Frankreich oder Kanada so stellt man fest, dass ein solch später Abschluss bedingt durch ein langes Studium nicht von Nöten ist, um erfolgreich im Berufsleben zu sein. Rund ein Drittel aller Studenten verlässt in diesen Ländern die Universität nach dem Bachelor-Abschluss und nimmt einen Beruf an (vgl. List 2000: 6). Der Wissenschaftsrat ist deshalb der Meinung, dass die Einführung des Bachelorstudiums in erheblichem Maße zur Verkürzung der Studienzeiten beiträgt (vgl. www.wissenschaftsrat.de/texte/4418-00.pdf: 23).

3.2. Abbrecherquote

Zudem erwartet man durch die kürzere Studiendauer einen weiteren Effekt, nämlich ein Absinken der Zahl der Studienabbrecher. Viele Abbrecher schließen ihr Studium nicht ab, weil sie der Meinung sind, dass ein Magister- oder Diplomstudiengang einfach eine zu lange Zeitspanne in Anspruch nimmt. Mit der Einführung des Bachelors haben sie allerdings die Möglichkeit, die Universität innerhalb kurzer Zeit mit einem berufsqualifizierenden Abschluss zu verlassen (vgl. Pasternack 2001: 293). Bei Magister- und Diplomstudiengängen ist dies durch die Unterteilung in Grund- und Hauptstudium so nicht möglich. Jochen Hellmann weißt allerdings auf eines hin: „Der Bachelor eignet sich nicht als Trostpreis, mit dem Unerwünschte hinaus komplimentiert werden können“ (Hellmann 2001: 502). Die Zielsetzung muss sein, dass der Bachelor-Abschluss einen angemessen hohen Schwierigkeitsgrad besitzt.

3.3. Internationalität und Kompatibilität

Viele Studenten wünschen sich, einen Teil ihres Studiums im Ausland zu verbringen. Dies ist zugegebenermaßen eine erfolgsversprechende Idee, bringt aber zwangsläufig eine Verlängerung der Studienzeit mit sich. Zum einen gibt es Hindernisse bei der Finanzierung eines solchen Auslandsaufenthaltes, das viel größere Problem besteht allerdings in der Anerkennung der Prüfungsleistungen, die im Ausland erbracht wurden. Diese Hemmschwelle mindern die eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge. Ähnlich dem europäischen Kreditpunktesystem ECTS, gibt es in den neuen Studiengängen auch Leistungspunkte. Dies erleichtert bei einem Hochschulwechsel oder einem Auslandssemester die Überprüfung, Anerkennung und Anrechnung von erbrachten Leistungen. Durch die Einführung von Bachelor und Master wird nicht nur das Studieren von Deutschen im Ausland, sondern auch die Attraktivität deutscher Universitäten für ausländische Studenten erhöht.

4. Beschreibung der ausgewerteten Daten

Die vorliegende Hausarbeit versucht zu klären, ob man aus den Absolventenzahlen herauslesen kann, dass die Bachelor- und Masterstudiengänge von den Studierenden angenommen werden und somit immer mehr Absolventen ihren Abschluss in einer der beiden Richtungen machen.

Dazu müssen folgende Untersuchungsfragen beantwortet werden:

- Wie hat sich die Zahl der Bachelorabsolventen seit 2000 entwickelt?
- Wie hat sich die Zahl der Masterabsolventen seit 2000 entwickelt?
- Wie ist das Verhältnis zwischen Gesamtabsolventenzahl und Bachelorabsolventenzahl?
- Wie ist das Verhältnis zwischen Gesamtabsolventenzahl und Masterabsolventenzahl?
- Wie hat sich dieses Verhältnis in den Jahren 2000 bis 2003 entwickelt?
- Gibt es Unterschiede in den einzelnen Bundesländern was die Absolventenzahlen in den BA- und MA-Studiengängen anbelangt?
- Gibt es für diese Unterschiede Erklärungen?

Um diese Untersuchungsfragen zu beantworten habe ich auf mehrere Studien Zugriff genommen und sie miteinander kombiniert. Zum einen ist das die Studie „Entwicklungen in den Bachelor- und Masterstudiengängen seit Einführung der neuen Studienstruktur 1999 – 2003“ vom Sekretariat der ständigen Konferenz der Kultusminister in der Bundesrepublik Deutschland (KMK), die im April 2005 erschienen ist. Als zweites habe ich die Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes verwendet, die allerdings im Internet nur die Zahlen für die Jahre 2002 bis 2004 veröffentlicht hatte. Als drittes kamen Daten aus der Fachserie 11, R 4.2 aus den Jahren 2000 und 2001 zum Einsatz, die ebenfalls vom statistischen Bundesamt erstellt wurden. Diese drei Studien konnten entweder aus dem Internet direkt heruntergeladen werden oder wurden auf Anfrage zugesendet. In der Studie der KMK sind alle Daten aufgeführt, die für Bachelor- und Masterstudiengänge von Bedeutung sind: Studienanfänger, Studierende im 1. Fachsemester, Studierende im 1. Hochschulsemester, Absolventen jeweils aufgegliedert nach Bundesland, Geschlecht, Bildungsinländer und –ausländer. Ausgegeben in relativen, absoluten und Prozentzahlen. Die Hochschulstatistiken geben Aufschluss über jeweils die bestandenen Prüfungen nach Bundesländern, gegliedert in Diplom, Promotion, Lehramtsprüfungen, künstlerischem Abschluss, Fachhochschulabschluss, Bachelor, Master und sonstigem Abschluss auf und unterteilen noch einmal nach Geschlecht.

Aus diesen Daten habe ich Excel-Dateien erstellt, die dann zur weiteren Berechnung benutzt wurden. Berechnet wurden jeweils die Steigerung der Studentenzahlen im Vergleich zum Vorjahr und die insgesamte Steigerung vom Jahr 2000 zum Jahr 2003 sowohl für Bachelor als auch für Master nach Bundesländern aufgegliedert. Außerdem habe ich den Anteil der Bachelor- und Masterabsolventen in den einzelnen Bundesländern an allen Absolventen im Zeitraum vom 2000 bis 2003 berechnet. Zusätzlich wurden Berechnungen zu den Bachelor- und Masterabsolventen im gesamten Bundesgebiet und deren Anteil an allen Absolventen in der BRD angegestellt. Die so erzeugten Resultate habe ich zur besseren Lesbarkeit und Übersichtlichkeit in verschiedene Diagramme übertragen, die jeweils im dazugehörigen Kapitel eingesetzt und erläutert werden.

5. Bachelor- und Masterstudiengängen in der BRD

5.1. Zahl der Studiengänge

Um die Zahl der neuen Studiengänge einordnen zu können, muss man sich darüber im Klaren sein, dass es drei unterschiedliche Formen gibt. Zum einen die grundständigen, zum anderen die postgradualen und zuletzt die konsekutiven Studiengänge.

Der Bachelor gilt dabei als Regelabschluss eines grundständigen Hochschulstudiums, der eine Vielzahl von Studierenden direkt danach ins Berufsleben einsteigen lässt (vgl. www.kmk.org/doc/beschl/BMThesen.pdf). Wichtig für die Bachelor-Studiengänge ist deshalb, dass sie die „für die Berufsqualifizierung notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen, Methodenkompetenz und berufsfeldbezogenen Qualifikationen vermitteln“ (ebenda). So ist es auch begründet, warum Hochschulen auch einen Bachelor-Studiengang einführen können, ohne jedoch den dazu passenden Master-Studiengang anzubieten. Für einen Bachelor sieht das Hochschulrahmengesetz (HRG) eine Mindeststudienzeit von drei Jahren, aber eine Höchstzeit von vier Jahren vor.

Unter den postgradualen Studiengängen versteht man einen Masterstudiengang, der allerdings einen vorher erworbenen Abschluss voraussetzt. Dieser kann sowohl ein Bachelor, also auch ein Magister oder Diplom sein. Grundständige Studien, die noch vier oder fünf Jahren mit einem Masterabschluss enden sind bei den postgradualen Studiengängen ausgeschlossen. Der Wissenschaftsrat hat diese Möglichkeit mit einer klaren Zielsetzung belegt: „Das Masterstudium sollte – anknüpfend an einen berufsqualifizierenden Abschluss [...] – weitere inhaltliche und fachliche Vertiefungen und Spezialisierungen in der gleichen Studienrichtung oder Erweiterungen vorhandener Qualifikationen durch die Wahl einer anderen Studienrichtung ermöglichen“ (www.wissenschaftsrat.de/texte/4418-00.pdf). Auch die Regelstudienzeit für den Master ist im HRG festgelegt: sie beträgt mindestens ein und maximal zwei Jahre.

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Details

Seiten
31
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638716055
ISBN (Buch)
9783638718547
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74470
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Schlagworte
Bachelor Master Studentenzahlen Studiengängen Einführung

Autor

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