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Asien nach der Krise - Gender und Trade

Hausarbeit 2004 24 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Ökonomie und Genderforschung

3. Globalisierung

4. Die Asienkrise
4.1 Daten und Fakten
4.2 Folgen
4.3 Gründe
4.4 Konsequenzen

5. Asien nach der Krise: Der Arbeitsmarkt
5.1 Truongs 4-Stufen-Modell industrieller Arbeit
5.2 Frauen in der asiatischen Arbeitswelt
5.2.1 Frauen als Brotverdienerinnen
5.2.2 Der informelle Sektor
5.2.3 Macht und Ohnmacht
5.3 Migration
5.4 Reproduktionsarbeit
5.4.1 Care
5.4.2 Economic man vs. Social woman

6. Fazit

7. Literatur

1. Einleitung

„Globalisierung ist […] ein durch und durch geschlechtsspezifischer Prozeß.“ (Young 1998)

Im Verlauf der Globalisierung verändern sich weltweit sowohl Finanz- als auch Arbeitsmärkte. An der Asienkrise 1997/8 und deren Folgen zeigt sich, welche Konsequenzen daraus resultieren können.

Im Folgenden soll beschrieben werden, wie sich die Veränderungen darstellen und welche Auswirkungen sie auf die asiatische Gesellschaft haben. Im Mittelpunkt steht dabei die aus der Genderperspektive betrachtete Entwicklung des Arbeitsmarktes. Denn ebenso wenig, wie die Globalisierung in ihren Strukturen und in ihren Wirkungen geschlechtsneutral ist (vgl. Wichterich 1), sind es ökonomische Krisen und deren Folgen (vgl. Truong 2000).

Es wird zu untersuchen sein, wie sich die Folgen konkret gestalten und in wie weit kulturell geprägte Genderstrukturen für unterschiedliche ökonomische Ausgangspositionen, Lebensbedingungen und Handlungschancen von Männern und Frauen[1] verantwortlich sind (vgl. Young 2002 a).

Im Gegensatz zu dem derzeitig eher genderblinden Diskurs über die neoliberale Globalisierung (vgl. Wichterich 1), soll in dieser Arbeit beschrieben werden, welche Rolle Frauen auf dem – von der Globalisierung erheblichen Änderungen unterworfenen – asiatischen Arbeitsmarkt spielen (vgl. Wichterich 1998).

Wie lässt sich die finanzielle Situation asiatischer Familien beschreiben, nachdem das fordistische Modell in vielen Fällen der Realität nicht mehr entspricht?

Sind Frauen passiv und durchweg in der Opferrolle? Oder sind sie Heldinnen, die der Familie und manches Mal sogar dem Staat das Überleben sichern?

Unter welchen Bedingungen arbeiten Frauen und was leisten sie? Denn dass Frauen arbeiten, steht außer Frage.

„Das bedeutet keineswegs das Ende existenter patriarchaler Strukturen, aber es öffnen sich neue Handlungsfelder und Verhandlungspositionen auf der lokalen Ebene.“ (Wichterich 1998)

Diese Arbeit wird versuchen, die beschriebenen Umstände näher zu erläutern, auf die gestellten Fragen eine Antwort zu geben und am Ende ihrerseits weiterführende Fragen zur Diskussion zu stellen.

2. Ökonomie und Genderforschung

“[…] gender is importantly related to trade, influencing trade outcomes and at the same time influenced by trade decision making procedures, trade patterns, and trade volumes.” (van Staveren 2002 a)

Dass Irene van Staveren sich so deutlich bezüglich der Beziehung zwischen Gender und Trade[2] äußert, hat seine Gründe. Viele WissenschaftlerInnen betonen immer wieder, wie wichtig es sei, Ökonomie und Genderforschung zu verbinden, um umfassende wissenschaftliche Erkenntnisse zu erlangen. Denn gerade durch die Integration beider Gesichtspunkte würden viele Sachverhalte in ein neues Licht gerückt. So hätten beispielsweise als „soziologisch“ eingeordnete Probleme wie Kinderlosigkeit ökonomische (Hinter-)Gründe (vgl. van Staveren 2002 a).

Die Frage, ob die “soziologische“ Genderperspektive auf ein „ökonomisches“ Phänomen wie die Asienkrise überhaupt sinnvoll ist, wird in dieser Hausarbeit mit „Ja!“ beantwortet.

„Die sozial konstruierte Kategorie Geschlecht hat eine real-ökonomische Wirkkraft, weil entlang ihrer Achse die unterbezahlte Lohnarbeit und die unbezahlte Sozial- und Sorgearbeit organisiert wird.“ (Wichterich 1)

Im Verlauf der Arbeit soll beschrieben werden, in wie weit die „ökonomische“ Asienkrise die weibliche Bevölkerung betroffen hat und immer noch betrifft. Dies wird besonders im Kapitel „5.2 Frauen in der asiatischen Arbeitswelt bei der Beschreibung der Verhältnisse frauendominierter Arbeitsbereiche wie den Freihandelszonen und dem informellen Sektor (vgl. Wichterich 1998) deutlich werden.

3. Globalisierung

Der neue Kapitalismus hat die Rolle des Staates in den asiatischen Ländern verändert. Liberalisierung und Deregulierung der Bankstrukturen und die Privatisierung der Wirtschaft haben unter anderem dazu geführt, dass sich die lokalen und regionalen Marktkonditionen für ausländische Investoren verbessert haben (vgl. Young 2002 b). Ob und in wieweit dies ein durch den „Washington-Konsensus“ (siehe Kapitel „4.1 Daten und Fakten“) angesteuertes Ziel war, soll hier nicht näher erläutert werden.

Auf Grund des engen Zusammenhangs, in dem Asienkrise und Globalisierung aber unbestritten stehen, wird im Folgenden kurz dargestellt, wie der Begriff „Globalisierung“ in dieser Hausarbeit verstanden und verwendet wird.

In den letzten Jahren mischen sich zunehmend kritische Stimmen in den Globalisierungsdiskurs. Dabei fällt auf, dass immer mehr Menschen, die sich selbst nicht als ausgesprochen globalisierungsfeindlich bezeichnen würden, die internationalen Kapitalflüsse, regionalen Handelsabkommen, die Ausweitungen des Ex- und Imports sowie die zunehmende Informalisierung in einem zwiespältigen, wenn nicht sogar negativen Licht sehen (vgl. van Staveren 2002 a).

Auch Wichterichs Globalisierungsdefinition in ihrer Arbeit „Gegen die Zerstörung von Vielfalt: viele andere Asien sind möglich“ fällt eher kritisch aus:

„Die neoliberale Globalisierung ist ein konkurrenzgetriebener transnationaler Prozeß grenzvergessener Expansion und Intensivierung des Weltmarkts.“ (Wichterich 2003)

Dabei stehen nicht nur ökonomische Gesichtspunkte, wie der „gegenläufige Verarmungs- und Bereicherungsprozess“ (Wichterich 1998), der lokale bzw. regionale Verlust von Kontrolle über Ressourcen und Arbeitsplätze (vgl. Wichterich 2003) und die weltweite Entwicklung der Staaten vom Wohlfahrts- zum Wettbewerbsstaat (vgl. Young 2002 b) im Blickpunkt der KritikerInnen. Zunehmend werden auch „soziale“ Globalisierungsauswirkungen wie der Verlust von Demokratie, kultureller Vielfalt und Souveränität und die Zunahme ethnischer Ausgrenzung und staatlicher Gewalt nach Innen und Außen als Argumente gegen die Globalisierung angeführt (vgl. Wichterich 2003).

4. Die Asienkrise

In den Jahren 1997/8 erlebte Asien eine tief greifende Krise im Finanz- und Wirtschaftsmarkt (vgl. Schubert 2000: Seite 120).

Nachdem Asien in den voran gegangenen 20 Jahren regelrecht „geboomt“ hatte – man sprach sogar vom „Asian miracle“ (Truong 1999 b) – kam dies für Beteiligte und Beobachter überraschend (vgl. Young 2002 b). Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über den Verlauf der Krise, sowie über Gründe, wirtschaftliche Folgen und politische Konsequenzen gegeben werden.

4.1 Daten und Fakten

Die Asienkrise begann in Thailand, breitete sich dann nach Indonesien und Korea aus und erfasste von da aus ganz Asien (vgl. Young 2002 a).

Am 02.Juli 1997 war der Finanzmarkt Thailands derart beeinträchtigt, dass sich die thailändische Zentralbank gezwungen sah, die einheimische Währung, den Bath, vom US-Dollar abzukoppeln. Bis zum Jahresende verlor der Bath, ebenso wie der südkoreanische Won 50% seines Wertes vom Jahresbeginn, der malaysische Ringgit 41% und der indonesische Rupia sogar 70%.

Die finanzielle Krise – Brigitte Young bezeichnet sie als regelrechten „Melt-down“ (Young 2002 b) – zog eine wirtschaftliche nach sich und so stieg nach Schätzung der International Labor Organisation die Zahl der Arbeitslosen bis Ende 1998 auf zehn Millionen an, was wiederum politische Konsequenzen hatte. In Thailand beispielsweise musste die Regierung Chavalit im Herbst 1997 zurück treten, da sie für die Krise mitverantwortlich gemacht wurden (vgl. Schubert 2000: Seite 123).

Die westliche „Lösung“ der Situation war der so genannte „Washington-Konsensus“, den der Internationale Währungsfond und die Weltbank Asien verordneten (vgl. Schubert 2000: Seite 128). Er umfasste Vorgaben für eine neue asiatische Haushaltsdisziplin, Steuersenkungen, Handelsliberalisierungen, Privatisierung öffentlicher Unternehmen, die Deregulierung staatlicher Einflussnahme sowie die Förderung ausländischer Direktinvestitionen. Insgesamt gesehen wurde Asiens Wirtschaft also dem westlichen Neoliberalismus angepasst (vgl. Young 2002 a).

4.2 Folgen

Für Asien war die Krise nicht nur auf Grund der unerwarteten Geldentwertung und Rezession ein Schock – Wechselkurse, Zinssätze und Wirtschaftswachstum haben sich in den Jahren seit der Krise wieder einigermaßen erholt (vgl. Young 2002 a) – viel tief greifender ist die psychologische Krise der Bevölkerung (vgl. Schubert 2000: Seite 126).

Die Folgen des Zusammenbruchs des sozialen Systems und des damit verbundenen Verlusts des Vertrauens in die Regierung sind bis heute zu spüren (vgl. Heyzer).

Die oben beschriebene hohe Arbeitslosigkeit hing mit massiven Einbrüchen im formalen Sektor (vgl. Wichterich 1) zusammen, wobei vor allem viele lokale Betriebe die Krise nicht überstanden (vgl. Young 2002 a).

[...]


[1] Allgemeine Formulierungen wie „die Frauen“, „die Gesellschaft“, „der Arbeitsmarkt“ etc. beziehen sich im Folgenden in erster Linie auf die Frauen, bzw. die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt Asiens.

[2] Weil es meines Wissens im Deutschen für „Trade“ keinen äquivalenten Ausdruck gibt, („Handel“ oder „Gewerbe“ empfinde ich als nicht ganz passend), werde ich in dieser Hausarbeit das englische Wort „Trade“ wie ein deutsches verwenden.

Details

Seiten
24
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638712606
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74307
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Politikwissenschaft
Note
2,7
Schlagworte
Asien Krise Gender Trade Geschlechtergerechtigkeit Globalisierung

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Titel: Asien nach der Krise - Gender und Trade