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Zu: Max Webers "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus"

Seminararbeit 1999 24 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Der Begriff des Kapitalismus

III. Die Analyse der gesellschaftlichen und historischen Situation
1. Protestantismus und Ökonomie
2. Protestantismus und Bildung
3. Eigenarten des gelebten Protestantismus

IV. Der “Geist” im Kapitalismus
1. Was ist der “Geist” des Kapitalismus
2. Die Bedeutung eines “Geistes” im Kapitalismus
3. Was kommt zuerst? Der “Geist” oder die Geschichte

V. Die Lebens- und Wirtschaftspraxis in den protestantischen Sekten
1. Luther und die Berufspflicht
2. Calvin, die protestantischen Sekten und der Prädestinationsgedanke
3. Die protestantischen Sekten und der “Geist” des Kapitalismus

VI. Schluß

VII. Literaturliste

“Sie glauben sich in der That

so losgelöst als möglich vom

asketischen Ideale, diese

‘freien, sehr freien Geister’”[1]

I. Einleitung

In seinem Werk “Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus” erforscht der deutsche Soziologe Max Weber die Entstehungsgeschichte des modernen Kapitalismus als Spezifikum des Abendlandes. Seine Vorgänger Marx, Sombart und Brentano hatten zwar das ihrige für die Erarbeitung dieses Gegenstandes beigetragen - ihre vornehmlich materialistischen, politischen oder ökonomischen Herleitungen des kapitalistischen Wirtschaftssystems (als zwangsläufige ökonomische Rationalisierung) konnten Webers Anspruch an eine umfassende kulturhistorische Analyse jedoch nicht befriedigen. Für das Verstehen jeglicher sozialer Entwicklungen in der Übergangszeit vom Mittelalter zur Renaissance sei der Einfluß der Religion als fundamental prägender Kulturbestandteil des Abendlandes auf keinen Fall zu vernachlässigen.

Und so sucht Weber nach den Zusammenhängen von religiöser und ökonomischer Entwicklung jener Epoche. Eine Verflechtung von Religion und Wirtschaft kann aber nur, aufgrund der spezifisch geistigen Eigenart des Religiösen, in einem ebensolchen Wirtschafts-“geist” zu finden sein. Daß der dabei festgestellte Zusammenhang von religiösem und wirtschaftlichem Streben maßgeblicher Bevölkerungsschichten nicht nur begleitender oder gar zufälliger Natur ist, sondern daß ganz im Gegenteil die Wirtschaftsethik des Protestantismus eine maßgebliche Quelle des “kapitalistischen Geistes” darstellt, ist Webers zentrale Erkenntnis.

Er konstatiert dabei am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts eine vergessene Eigenart des schon “selbstverständlich” gewordenen Kapitalismus, die in der modernen, säkularisierten Welt überdeckt geworden ist: Seine Wurzel in der “Irrationalität” der Menschen, seine geradezu anthropologische “Widernatürlichkeit”.

Weber leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung, zur Kritik an zeitgenössischen Materialismustheorien und erweitert so erheblich den Horizont sozialwissenschaftlichen Denkens in der Moderne.

II. Der Begriff des ‘Kapitalismus’

Max Weber erkennt es als unerläßlich an, für eine Untersuchung der Verbindungen von protestantischer Ethik und Kapitalismus eben jenen Begriff des Kapitalismus eng zu definieren. Dabei habe man sich von den naiven Bezeichnungen der “kulturgeschichtlichen Kinderstube”[2] zu lösen und für die Eingrenzung des Terminus vom Kapitalismus wirklich nur die Merkmale zu destillieren, die für ihn wesensbestimmend sind. Die “schicksalsvollste Macht unseres modernen Lebens”[3] sei mitnichten im Kern gekennzeichnet durch irgendeine Form von Gewinnstreben, Materialismus oder zügelloser Geldgier: diese Eigenschaften gesellschaftlichen Lebens seien - auch in größerem Ausmaß - zu allen Zeiten in allen Kulturen der Erde vorgekommen. Kapitalistische Einzelunternehmungen, die sich, in friedlichen oder kriegerischen Zeiten, auf das Primat der Rentabilität ihrer ökonomischen “Abenteuer” gestützt haben, “sind uralt und waren recht universell verbreitet.”[4]

Was nun aber das spezifische Wesen und wohl auch die Wirkungsmächtigkeit des modernen Kapitalismus unfraglich abendländischen Ursprungs ausmache, könne nur mit Blick auf andere neuzeitliche Entwicklungen gefaßt werden. Der zeitgenössische Kapitalismus organisiere zum ersten Mal in der Geschichte formell freie Arbeit. Rechtlich freie Arbeiter seien nunmehr durch nichts anderes als ihren direkten Existenzdruck zur Arbeit gezwungen.

Der Unternehmer orientiere sich bei seinen Kalkulationen an einem weitgehend von Staatslenkung und religiösen Traditionen befreiten Warenverkehr.

Dieses Wirtschaftssystem manifestiere sich in und werde weitgehend gestützt von der Trennung von Haushalt und Betrieb, von privatem und geschäftlichem Kapital: der Betrieb stehe in hohem Maße außerhalb von persönlichen Belangen, werde zum Werkzeug des Wirtschaftens. Ermöglicht werde dieser Sachverhalt aber erst durch die Entwicklungen des modernen Rechts, das Betriebs- und Privatvermögen unabhängig behandelt.

Vor diesem Hintergrund erst bilde sich jenes typisch abendländische System heraus, das man den bürgerlichen Betriebskapitalismus nennt. Dieser wird im folgenden bei Weber auf seine Ursachen und Zusammenhänge untersucht unter der Fragestellung einer Verflechtung von Religion oder Wertestreben, dem “Geist”, und der wirtschaftlichen Entwicklung.

[...]


[1] Friedrich Nietzsche 1887, Kap. 24.

[2] Weber 1920, S. 12.

[3] Ebd. S.12.

[4] Ebd. S.14.

Details

Seiten
24
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638690447
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74292
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Institut für Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Webers Ethik Geist Kapitalismus Weber

Autor

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