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Globalisierung - Die Veränderung der Arbeits- und Lebensverhältnisse

von Lars Berghaus (Autor) Steffen Engelhardt (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 38 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Wandel der Arbeitsverhältnisse
2.1 Vom Familienbetrieb zum Industrieunternehmen
2.2 Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
2.2.1 „Stabile Vergangenheit“ – Die Nachkriegszeit
2.2.1.1 Das Verständnis von Arbeit
2.2.1.2 Der räumliche Rahmen
2.2.1.3 Der zeitliche Rahmen
2.2.2 Flexible Gegenwart
2.2.2.1 Das Verständnis von Arbeit
2.2.2.2 Räumliche Mobilität
2.2.2.3 Zeitliche Flexibilität
2.3. Auswirkungen der veränderten Arbeitsverhältnisse auf Identität, Selbstverständnis und Lebensverhältnisse

3. Der Wandel der Lebensverhältnisse
3.1. Arbeit und die persönliche Identität
3.2. Mobilität und Flexibilität
3.3. Familienplanung und der Zwang zur Mobilität
3.4. Gemeinschaft und Solidarität am Arbeitsplatz

Anhang 1: Ergebnis der Gruppenarbeit im Seminar

Anhang 2: Folie „täglicher und lebenszeitliche Aktionsradius und Arbeits- und Freizeit“

Anhang 3: Materialien aus dem Unterricht

Anhang 4: Zeitplan für den Seminarverlauf

Literaturverzeichnis / Internetquellen

„Unter den Vorzeichen der Globalisierung verändert sich heute die ökonomische Basis in weit rasanterem Tempo als je zuvor. Der bahnbrechende Wandel, vor allem in den Informations- und Kommunikationstechniken, bestimmt nicht nur Weltwirtschaft und Welthandel. Er wirkt auch hinein in unseren wirtschaftlichen Alltag, in unsere Arbeits- und Sozialverhältnisse. […] Globalisierung ist ein Prozess, der tiefgreifende Veränderungen in unseren Arbeitsbedingungen und in unserer Lebensweise mit sich bringt.“ (Bundeskanzler Gerhard Schröder, 1999)

1. Einleitung

Für viele gehören Phrasen wie Globalisierung, Flexibilisierung, Deregulierung und Mobilität zu modernen Schlagwörtern, die in Politik und Medien immer wiederkehren, über deren Aktualität, Zusammenhänge und Auswirkungen sich aber die wenigsten bewusst sind. In seiner Regierungserklärung vom 16.06.1999 zum Thema „Globalisierung gemeinsam gestalten“ skizzierte Bundeskanzler Gerhard Schröder kurz und knapp, dass einerseits Globalisierung ein Prozess ist, der vor allem auf dem Wandel der Technik beruht und von diesem beschleunigt wird, andererseits dieser Veränderungsprozess jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Finanzmärkte, die Weltwirtschaft und Städte und Staaten außerhalb von Deutschland und Europa hat, sondern direkten Einfluss auf den Alltag der in Deutschland lebenden Bevölkerung nimmt.

Jeder ist auf unterschiedliche Weise und auf verschiedenen Ebenen mit weitreichenden oder kurzfristigen Auswirkungen in diese Wandlungsdynamik miteinbezogen, da sie in die Arbeits- und Gesellschaftsverhältnisse hineinwirkt. Ziel dieser Arbeit ist es, die Veränderungen der Arbeits- und Lebensverhältnisse im Rahmen der Globalisierung darzustellen, indem wir ihre Entwicklung von der vorindustriellen Gesellschaft bis zur modernen Gesellschaft beschreiben und die Änderungen der Verhältnisse und die damit verbundenen Auswirkungen unter dem besonderen Augenmerk der Flexibilisierung und Deregulierung in Raum und Zeit hin untersuchen.

2. Der Wandel der Arbeitsverhältnisse

Im Laufe der europäischen Geschichte hat sich das Verständnis von Arbeit gewandelt, ein Ergebnis, welches auf den technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrhunderte beruht. Arbeit als Tätigkeit ist zur Arbeit als Erwerb geworden – Arbeit mit dem „Zweck, etwas herzustellen, zu leisten, zu erreichen“ (Kocka, 2002, S. 5) wurde zur Arbeit, „die zur Herstellung von Gütern oder zur Erbringung von Leistungen zum Zweck des Tausches auf dem Markt dient“ (ebd. S. 6). Die Durchsetzung der Marktwirtschaft führte zu einem veränderten Verständnis, und durch die Entstehung von Fabriken, Büros und Verwaltungen im Zuge der Industrialisierung entwickelten sich für die Arbeit eigene Regeln und Strukturen, und eine bisher nicht gekannte Dynamik begann Gesellschaftsprozesse auszulösen. Der Begriff von Arbeit differenzierte sich heraus, und Arbeit grenzte sich mehr und mehr von Nicht-Arbeit und Freizeit ab, um im Zuge der Technisierung des 21. Jahrhunderts wieder zusammengeführt zu werden. Arbeit, Arbeitszeit und Arbeitsverhältnisse wurden im letzten Jahrhundert durch Gesetze und Verordnungen normiert; heute ändert sich die Arbeit im Besonderen auf zwei Ebenen: zum einen ändert sich das Verhältnis der Arbeits- und Geschlechterrollen, zum anderen kommt es zur Fragmentierung von Raum und Zeit.

2.1 Vom Familienbetrieb zum Industrieunternehmen

Die ersten einschneidenden und Gesellschaft umwälzenden Veränderungen und Einschnitte im Arbeitsleben der in Deutschland lebenden Bevölkerung gab es mit der einsetzenden Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit der Trennung von Wohnort und Arbeitsplatz veränderten sich nicht nur die Stellung der Familie und die Lebensverhältnisse sondern auch die Art und Weise der Arbeit.

Das Arbeitsleben der vorindustriellen Gesellschaft sah wie folgt aus: Die Familie war der Kern der Verbindung von Hausgemeinschaft und Arbeitsstätte, in der häufig drei Generationen unter einem Dach zusammenlebten, zu denen man Gesinde, Gesellen und Lehrlinge hinzurechnen musste. Es herrschte eine gewisse Arbeitsteilung, welche patriarchalisch organisiert war. Diese Arbeitsorganisation produzierte primär subsistenzwirtschaftlich.

Die Arbeit in dieser kleinen Zelle war gekennzeichnet von Familiarität, aber auch von Sicherheit und Stetigkeit und einem gewissen Ausgleich; ein Zustand, der sich mit der Phase der Industrialisierung ändern sollte. Zwar kannte man auch schon zu dieser Zeit, dass Arbeit bis zur Erschöpfung verrichtet werden musste und man vom Rhythmus der Natur abhängig und auf das Gutdünken des Grundherrn angewiesen war; auch die Not und Zwänge der Marktverhältnisse waren bekannt, jedoch konnte der Haushaltsvorstand noch zu einem gewissen Maß über Arbeitszeit und Arbeitsteilung selber entscheiden, und die Beziehung zwischen „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“ war aufgrund der Familienkonstellation persönlicher und direkter.

Sowohl der zeitliche Rahmen als auch der räumliche waren recht klar abgesteckt. Man stand mit der Sonne auf und legte die Arbeit nieder, wenn die Sonne unterging. Die zu erledigende Arbeit richtete sich Jahr aus Jahr ein nach den Jahreszeiten: im Sommer arbeitete man im Garten und auf dem Feld, im Winter im Haus. Das Leben spielte sich im Dorf ab, dessen Mittelpunkt die Kirche und der Brunnen waren. Hier traf man sich, tauschte Informationen aus, bot Naturalien an und nahm am gesellschaftlichen Leben teil. Da andere Orte und Dörfer nur zu Fuß oder mit der Kutsche zu erreichen und die Wege oft gefährlich und in schlechtem Zustand waren, beschränkte sich der Bewegungsradius auf wenige hundert Meter.

Mit der Industrialisierung wurde die Arbeits- und Lebenseinheit von Bauernhof bzw. Werkstätte aufgehoben, und die neu entwickelten großen Maschinen wurden in Fabrikhallen aufgebaut, so dass der Arbeiter nun von zu Hause zur Arbeit gehen musste, dort den Lebensunterhalt für seine Familie verdiente und erst am Abend zum eigenen Haus und Hof wieder zurückkehrte. War die Arbeit vor der Industrialisierung noch von Vertraulichkeit und Verbundenheit gekennzeichnet, so änderte sich dies nun auf einschneidende Weise. Der Fabrikbesitzer war an einer Steigerung der Produktion interessiert, und so war die Arbeit von einer neuen Art der Arbeitsteilung geprägt, und Arbeitslänge, Arbeitsrhythmus und Arbeitsgestaltung änderten sich. Der Arbeiter bestimmte nun nicht mehr selber seine Arbeit und deren Ablauf, sondern war durch Rhythmus und Anforderungen der Maschinenarbeit auf eine gewisse Weise fremdbestimmt.

Wie schon oben beschrieben, kannte man in der vorindustriellen Zeit zum einen die Arbeitsteilung, zum anderen aber auch die räumliche Trennung von verschiedenen Arbeitsvorgängen, auch wenn diese sich eher auf Haus und Hof beschränkten, während sich Entfernungen in der industriellen Zeit nicht nur auf Trennung von Haus und Hof sondern auch auf die Trennung von Arbeitsvorgängen innerhalb einer Fabrik bzw. eines Fabrikgeländes bezogen. Schon in der Manufakturwerkstatt waren Arbeitsprozesse wie Weben, Spinnen, Wollscheren, Färben und Schneidern getrennt und an verschiedene Orte und auf verschiedene Arbeitsgruppen verlagert. Was sich mit der Mechanisierung jedoch änderte waren zu einem Arbeitstechnik und -ausstattung, zum anderen aber auch die Art der Arbeitsorganisation auf horizontaler als auch vertikaler Ebene. Neue Maschinen und Techniken so wie die neuen Energien zur Betreibung der Apparaturen ermöglichten eine Produktionssteigerung und Produktspezialisierung. Dies erforderte sowohl ein größeres Kontingent an Arbeitskräften als auch eine Herausbildung einer Arbeitshierarchie. Aus den zuvor kleinen familiären Arbeitszellen entwickelten sich nun vielerorts Arbeitsgruppen mit größeren Personenmengen, die innerhalb der Betriebsorganisation einen Großgruppencharakter bekamen. Aus der vormals patriarchalischen Arbeitsorganisation entwickelte sich eine befehlshierarchische Organisation, an deren oberster Stelle der Fabrikant saß. Es entfalteten sich dadurch neue zwischenmenschliche Beziehungskonstellationen und Verhaltensweisen, aber auch das Selbstverständnis des Einzelnen änderte sich und führte zu einer Veränderung der Identifizierung mit der Arbeit. Es herrschten nun strenge(re) Über- und Unterordnungsverhältnisse, und der Arbeiter war mit einer neuen und bis dato unbekannten Form von Kontrolle, Überwachung und Regulierung konfrontiert, die ihn in ein System und einen Arbeitsprozess einbanden, in dem er nicht mehr sein eigener Herr war. Er galt als einer unter vielen und war Angestellter in fremdem Haus auf fremdem Boden, was bis zu diesem Zeitpunkt traditionell als entehrend galt.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert und im Verlauf des 20. Jahrhunderts haben sich der Begriff der Arbeit und das Verständnis von Arbeit weiter verändert. War Arbeit zuvor von einem Zweck bestimmt, nämlich dem zu produzieren, zu leisten und etwas zu erreichen, so differenzierte sich im Laufe der sich verstärkenden Industrialisierung und der Verstädterung die Erwerbsarbeit aus und man konnte zunehmend von Erwerbsarbeit sprechen, die sich von Nicht-Erwerbsarbeit und von der „Freizeit“ abhob. Auch etablierte sich mit der administrativ-gesetzlichen Normierung und Regulierung der Arbeit die Differenz von Arbeit und Arbeitslosigkeit, und neben der selbständigen Arbeit kristallisierte sich die Lohnarbeit aus den unterschiedlichen Formen abhängiger Arbeit heraus – eine Form der Arbeit, die sich als vorherrschende Form des 20. Jahrhunderts herausstellen sollte. Sie umfasste und umfasst den größten Teil der Erwerbstätigen und vermittelt soziale Sicherheit, Integration, einen Status und persönliche Identität.

Im Laufe der Jahrzehnte nahm vor allem die Mobilität zu, da sich bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung immer mehr Menschen ein Auto leisten konnten, und so nicht mehr auf einen Arbeitsplatz vor Ort angewiesen waren, sondern auch bis in den Nachbarort fuhren, um dort ihrer Arbeit nachzugehen.

2.2 Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Zeit von der Industriellen Revolution bis hin zum Ende des Zweiten Weltkriegs war gekennzeichnet von großer Innovation und gleichzeitig wachsender Verunsicherung und tief greifenden Einschnitten und großen Verlusten durch die beiden Weltkriege. Der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts machte eine Achterbahnfahrt an den Börsen und bei schlechten Investitionen kam es zu Katastrophen und Crashs. Das Auf und Ab der Wirtschaft beinhaltete zwar für viele eine Verbesserung des Lebensstandards und neue Perspektiven in der Arbeitswelt, jedoch sorgten die Talfahrten für eine bleibende Verunsicherung und gaben den Menschen wenig Sicherheit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte diese Berg- und Talfahrt von Wirtschaft und Gesellschaft weitestgehend unter Kontrolle gebracht und das wirtschaftliche und soziale Leben in Bahnen gelenkt werden. Eine Phase relativer Stabilität konnte durch starke Gewerkschaften und die Garantien des Wohlfahrtstaates und großer Firmen geschaffen werden. Die Zeitspanne von etwas 30 Jahren, die als „stabile Vergangenheit“ bezeichnet werden kann, wurde mit den 80er Jahren von einer neuen Form des Kapitalismus abgelöst, der die Gesellschaft und Wirtschaft in eine „flexible Zukunft“ führt.

2.2.1 „Stabile Vergangenheit“ – Die Nachkriegszeit

Der Soziologe Richard Sennet stellt in seinem Buch „Der flexible Mensch“ die Veränderung der Arbeits- und Lebensverhältnisse in den letzten 50 Jahren anhand zweier Charaktere dar, an denen sich die Wandlung exemplarisch aufzeigen lässt. Im Laufe der beiden folgenden Abschnitten soll eine kurze Vorstellung dieser Personen – Vater Enrico und Sohn Rico – erfolgen, um einen veranschaulichenden Einstieg in die Arbeits- und Lebenswelt zu ermöglichen.

Als italienischer Einwanderer arbeitete Enrico als Hausmeister und lebt in einem eigenen Haus in einem Vorort einer amerikanischen Stadt, für das er die letzten 25 Jahre gearbeitet hat. Seine Frau arbeitete als Reinigungskraft, um die Familie finanziell zu unterstützen und den beiden Söhnen eine gute Ausbildung zu ermöglichen. In sie hatten die Eltern die Hoffnung gesetzt, dass es ihnen mal besser gehen und leichter fallen würde, ihren Lebenstraum zu realisieren und anders leben zu können. Man könnte ihn als Autor seines eigenen Lebens beschreiben, der von Reparatur zu Reparatur und Ratenzahlung zu Ratenzahlung lebt.

2.2.1.1 Das Verständnis von Arbeit

Ziel der Arbeit in der Mitte des letzten Jahrhunderts war der Dienst an der Familie. Man lebte unter einer bürokratischen Struktur, welche die Zeit rationalisierte. Die Arbeit wurde nach einem festen Lohnsystem entlohnt und eine Pension war gesichert, wobei durch eine gute Selbstdisziplin die Eigenwirtschaftlichkeit gesteigert werden konnte. Es wurde Dienst nach Vorschrift erfüllt, welche gleichzeitig einen gewissen Schutz bot und ein Gefühl an Sicherheit vermittelte. Sowohl der Arbeits- als auch die Zeitrahmen waren klar abgesteckt und vorherbestimmt. Bestimmt wurde die Wirtschaft vom Fordismus: die Massenproduktion für den Massenkonsum der Nation war die Grundlage des Wirtschaftswunders. Dem Sozialstaat kam die wichtige Aufgabe zu, die Lebensunterhaltungskosten der Arbeiterschaft durch Sozialleistungen zu senken.

2.2.1.2 Der räumliche Rahmen

Mit der Erfindung des Automobils und seiner Weiterentwicklung wurden die Menschen zunehmend mobiler, jedoch blieb das Auto zunächst ein Privileg der Reichen, so dass der Normalbürger an seinen Arbeitsplatz vor Ort gebunden war oder aber mit dem Bus oder der Straßenbahn zur Fabrik oder ins Büro in den Nachbarort fahren musste. Auch Besorgungen zur Deckung des täglichen Bedarfs wurden im Ort erledigt: Metzger, Bäcker, Schuster und ein kleine Haushaltsladen waren zumeist in der näheren Umgebung; die Kindern wurden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den weiterführenden Schulen im Umland gebracht, wenn sie nicht nach Beendigung der Volksschule in eine Lehre am Ort gingen. Die Stunden, die an Freizeit zur Verfügung standen, verbrachte man ebenfalls mit Freunden und Nachbarn am Ort; ein Ausflug in die nähere Umgebung blieb eher eine Ausnahme und wurde wenn dann oft zu Fuß unternommen. So blieb auch zu Beginn der Nachkriegszeit der Bewegungsradius der Bevölkerung klein und beschränkte sich zumeist auf den eigenen Ort und den nächst größeren Nachbarort.

2.2.1.3 Der zeitliche Rahmen

Betrachtet man den Tages- und Wochenablauf eines Arbeiternehmers in den 50er und 60er Jahren, so ist er von Linearität und Kontinuität gekennzeichnet. Ein Tag war wie jeder andere, eine Woche verlief wie die vorherige und auch die Jahre in einem Jahrzehnt waren nicht von erwähnenswerten Veränderungen gekennzeichnet. Die Zeit war für die Menschen wieder berechenbarer geworden und sie war vor allem langfristig, da die Veränderungen der Weltwirtschaftskrise und die Einschnitte des Zweiten Weltkriegs vorbei und die Arbeitsplätze durch Gewerkschaften gesichert waren. Das Heute war geregelt und die Zukunft gesichert: man wusste, wann man in Rente ging und wie viel Geld man noch verdienen würde und über wie viel man anschließend verfügen konnte.

2.2.2 Flexible Gegenwart

Zwei wesentliche Merkmale des postfordistischen Kapitalismus sind der Abbau überflüssiger Bestimmungen und Regelungen durch Revision und der Abbau von Bürokratie. Dies hat Auswirkungen auf die zeitliche und räumliche Dimension von Arbeit, denn durch das freie Spiel der Global Player findet eine Konzentration und Monopolisierung von Arbeit statt, die dazu führt, das das freie Wählen von Arbeit und Arbeitszeit oft nicht möglich ist und der Zwang, sich den Anforderungen anzupassen, immer größer wird.

Der in Kasten 1 angeführte Ausschnitt aus der Internetseite der Firma WELLA bringt es auf den Punkt: nicht nur räumliche Mobilität wird von den Mitarbeitern erwartet, sondern auch zeitliche Flexibilität. Letztere wird nicht explizit angesprochen wird, ist jedoch mit ersterem automatisch verbunden.

Kasten 1: Internetseite der Personalabteilung der Firma WELLA über Firmenwerte und

Kultur unter dem Aspekt der Globalisierung und Flexibilisierung

(Hervorhebung: eigene)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wer nicht flexibel und mobil ist, hat in der globalisierten Arbeitswelt der Informationsgesellschaft wenig Chancen. Die ungleichmäßig und unausgeglichen laufende Karriere wird zur vorherrschenden Lebens- und Arbeitsform und lebenslanges Lernen ist die Voraussetzung für viele, wechselnde Jobs. Dieser Wandel der Arbeitsverhältnisse hat seine Ursache in der sich wandelnden Technologie aber auch in einem sich ändernden Arbeitsverständnis.

2.2.2.1 Das Verständnis von Arbeit

Zurück zu Sennet: Wenn man nun Ricos Leben betrachten, so stellt man fest, dass es zu einem klaren Bruch zwischen den Generationen gekommen ist. Es ist in der Zwischenzeit nicht nur ein globaler Markt erschlossen und neue Technologien erfunden worden, sondern es sind neue Formen der Zeit- und Arbeitsorganisation entstanden.

Nach seinem Studium der Elektrotechnik konnte er eine Business School an der Ostküste der Vereinigten Staaten besuchen, und es schien als hätte er den Traum seines Vaters verwirklicht: er trägt nun einen Anzug und einen Ring am Finger und arbeitet mit Computer und neuester Technik und reist viel. Auch er sieht die Arbeit als Dienst an seiner Familie, doch befindet er sich in einem starken Konflikt, da sich seine Vorstellungen von Familie, Arbeit und sozialem Leben nicht wirklich umsetzen lassen und mit der Realität kollidieren.

Innerhalb einer Generation ist es zu einer wachsenden Entgrenzung gekommen. Als Folge der Globalisierung und einhergehenden Technisierung ist es zu einer Flexibilisierung der Arbeitszeit, der Arbeitsortes und der Arbeitsstruktur gekommen, welches wiederum zu neuen Arbeitsprozessen führen, so dass eine Vielfalt von Arbeits- und Beschäftigungsformen entstanden sind, die im Folgenden dargestellt werden sollen.

[...]

Details

Seiten
38
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638686303
ISBN (Buch)
9783638794237
Dateigröße
782 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74219
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Geographisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Globalisierung Veränderung Arbeits- Lebensverhältnisse Hauptseminar

Autoren

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Titel: Globalisierung - Die Veränderung der Arbeits- und Lebensverhältnisse