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Die Vereinbarkeit von Freiheit mit Notwendigkeit in David Humes Enquiry concerning Human Understanding

Hausarbeit 2006 13 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Humes Argumentation
2.1 Notwendigkeit
2.1.1 Notwendigkeit in der Natur
2.1.2 Notwendigkeit im menschlichen Handeln
2.2 Freiheit
2.3 Freiheit und Notwendigkeit sind vereinbar

3 Kommentar

1 Einleitung

David Hume (1711 - 1776) wurde 24 Jahre nach der Vero entlichung von Sir Isaac Newtons Philosophiae Naturalis Principia Mathematica\ geboren, in " einer Zeit, die von den aufstrebenden Naturwissenschaften beherrscht wurde.

Man hatte damit begonnen, die Vorgange in der Natur mit Gesetzen zu be- schreiben. Nach diesen Gesetzen mussten auf bestimmte Ursachen notwendig bestimmte Wirkungen folgen. Wurde man nur samtliche Informationen uber alle materiellen Korper zu einem bestimmten Zeitpunkt kennen, dann konne man, so nahmen die Naturwissenschaftler an, den Lauf der Welt bis in alle Ewigkeit exakt vorhersagen.

Wenn die materielle Welt streng nach Gesetzen von Ursache und Wirkung regiert wird, und wenn wir Menschen Teil dieser Welt sind, dann sind auch unsere Entscheidungen und Handlungen seit Anbeginn der Zeit vorherbe- stimmt. Anscheinend im Widerspruch dazu haben wir aber die Vorstellung, frei in unseren Handlungen zu sein, Entscheidungen nach unserem Belieben tre en und spontan andern zu konnen. Wir erleben uns nicht als in all un- seren Bewegungen determinierte Materie, sondern als frei entscheidende und handelnde Wesen.

Es scheint, als gabe es nun genau zwei Positionen, die man vertreten konne: Die Lehre, dass menschliches Entscheiden und Handeln vorherbe- stimmt sei, den sogenannten Determinismus, und die Lehre, dass sie frei seien, den Indeterminismus. Seit jeher tobt ein heftiger Streit zwischen den Anhangern dieser beiden Lehren. Hume nennt die Frage, ob wir in unseren Entscheidungen frei sind, oder kausal determiniert, sogar the most conten- " tious question of metaphysics, the most contentious science\ (S. 77) . Umso erstaunlicher ist Humes These, that all men have ever agreed in the doctrine both of necessity " and of liberty, according to any reasonable sense, which can be Ich zitiere nach dem IV. Band der Philosophical Works of David Hume\, edited by " T.H. Green and T.H. Grose, 4 Bde., London 1874/75.

put on these terms; and that the whole controversy has hitherto turned merely upon words\ (S. 67). Diese These mochte Hume im ersten Teil des achten Abschnittes seiner En- " quiry concerning Human Understanding\ 2 belegen. Er versucht zu zeigen, dass das menschliche Handeln einerseits kausal determiniert ist, und dass wir andererseits dennoch frei sind. Damit nimmt Hume eine dritte Positi- on zwischen Determinismus und Indeterminismus ein, die man gewohnlich als Kompatibilismus (von kompatibel, vereinbar) bezeichnet. Wie der an- scheinende Widerspruch zwischen Freiheit und Notwendigkeit aufgelost wer- den soll, hat Hume schon angekundigt: Indem man diesen Begri en einen vernunftigen Sinn gibt.

Ich werde im folgenden Abschnitt Humes Argumentation darstellen, in- dem ich, beginnend mit der Notwendigkeit, erklare, was Hume unter Frei- heit und was unter Notwendigkeit versteht, und warum seiner Ansicht nach menschlichen Handlungen sowohl die eine, wie auch die andere Eigenschaft zukommt. Bei der Darstellung von Humes Notwendigkeitsbegri gehe ich zuerst auf Humes in Abschnitt VII seiner Enquiry dargelegten Gedanken

" zur Notwendigkeit bezuglich Naturereignissen ein. Zum Schluss, im letzten Abschnitt, kommentiere ich Humes Position aus meiner personlichen Sicht. Humes Ausfuhrungen zur Vereinbarkeit seiner Lehre von der Notwendig-keit mit Moral und Religion behandle ich in dieser Arbeit nicht.

2 Humes Argumentation

2.1 Notwendigkeit

Hume beginnt mit dem Beleg seiner doctrine of necessity\ (S. 67), der Lehre, "

dass menschliche Willensentschlusse notwendig geschehen, dass menschliches Handeln durch innere Motive und au ere Umstande festgelegt ist. Seine Behauptung ist, dass diese Lehre von der Notwendigkeit zwar in der Sache von allen Menschen vertreten wird, diese aber in ihren Worten etwas anderes sagen, namlich dass unser Handeln unverursacht, frei, sei.

I have frequently considered, what could possibly be the reason " why all mankind, though they have ever, without hesitation, ack- nowledged the doctrine of necessity in their whole practice and reasoning, have yet discovered such a reluctance to acknowledge it in words, and have rather shown a propensity, in all ages, to profess the contrary opinion\ (S. 75).

Der Grund dafur ist Humes Ansicht nach ein Missverstandnis (S. 68), das auf einem falschen Begri von Notwendigkeit (und von Freiheit) beruht. Deshalb ist der ganze Streit fur ihn ein blo er Wortstreit.

Um dies nachzuvollziehen, mussen wir uns zunachst in Erinnerung rufen, was Hume unter Notwendigkeit bezuglich der Abfolge von Ereignissen in der Natur versteht.

2.1.1 Notwendigkeit in der Natur

Von der Vorstellung einer notwendigen Verknupfung zwischen Ereignissen in der Natur handelt Abschnitt VII der Enquiry\ . Hume sucht darin nach dem "

Ursprung dieser Vorstellung. Er kommt zu dem Schluss, dass dieser einzig in dem Gefuhl besteht, zwei Ereignisse seien miteinander verknupft, welches wir durch die Erfahrung gewonnen haben, dass zu fruheren Zeiten ahnliche Ereignisse immer zeitlich aufeinandergefolgt sind.

It appears, then, that this idea of a necessary connexion among " events arises from a number of similar instances which occur of the constant conjunction of these events; nor can that idea ever be suggested by any one of these instances, surveyed in all pos- sible lights and positions. But there is nothing in a number of instances, di erent from every single instance, which is supposed to be exactly similar; except only, that after a repetition of simi- lar instances, the mind is carried by habit, upon the appearance of one event, to expect its usual attendant, and to believe that it will exist. This connexion, therefore, which we feel in the mind, this customary transition of the imagination from one object to its usual attendant, is the sentiment or impression from which we form the idea of power or necessary connexion. Nothing farther is in the case\ (S. 62).

Wenn wir also sagen, das Herunterfallen eines Buches sei durch unser Los- lassen dieses Buches aus unserer Hand verursacht worden, dann sagen wir nicht mehr als Folgendes: In allen fruheren Fallen, in denen wir ein Buch losgelassen haben, ist dieses anschlie end heruntergefallen, und unser Geist hat aus dieser Erfahrung heraus eine Verknupfung zwischen Loslassen und Herunterfallen gebildet. Von irgendeiner tatsachlichen kausalen Verknupfung zwischen den Ereignissen des Loslassens und des Herunterfallens, oder einer zwischen ihnen wirkenden Kraft\ , konnen wir nichts erkennen. Kausalitat

"existiert in unserem Kopf, nicht in der realen Welt".

2.1.2 Notwendigkeit im menschlichen Handeln

Ist nun menschliches Handeln in diesem Sinne kausal determiniert? Dafur muss untersucht werden, ob es darin Regelma igkeit gibt, ob Menschen im- mer wieder nach ahnlichen Ereignissen ahnlich handeln, und ob unser Denken zwischen solchen Ereignissen und den ihnen regelma ig nachfolgenden Hand- lungen eine Verknupfung bildet, die uns bei ahnlichen Ereignissen ahnliche Handlungen erwarten lassen. Dies steht aber laut Hume fur alle Menschen

[...]


2 Das Buch erschien erstmals 1748, damals noch unter dem Titel Philosophical Essays " concerning Human Understanding\. Seinen heutigen Titel tragt es seit 1758.

3

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638695404
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74184
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,3
Schlagworte
Vereinbarkeit Freiheit Notwendigkeit David Humes Enquiry Human Understanding

Autor

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Titel: Die Vereinbarkeit von Freiheit mit Notwendigkeit in David Humes Enquiry concerning Human Understanding