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Donauländischer Minnesang - Der Kürenberger

Hausarbeit 2003 22 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Allgemeine Einführung
2.1. Der Begriff Minnesang
2.2. Kleiner Exkurs: Große Heidelberger Liederhandschrift / Manessische Handschrift (Manesse-Codex)
2.3. Der Minnesang-Vortrag

3. Phasen des Minnesangs
3.1. Anfänge der Liebeslyrik
3.2. Der donauländische Minesang (1150/60 - 1170)

4. Bedeutende Dichter des donauländischen Minnesangs
4.1. Meinloh von Sevelingen
4.2. Dietmar von Aist
4.3. Der Kürenberger

5. Form des donauländischen Minnesangs
5.1. Männer-, Frauenstrophen und Wechsel
5.2. Form des Minnesangs beim Kürenberger

6. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Mit dieser Ausarbeitung möchte ich einen Überblick über die Anfänge des Minnesangs im zwölften Jahrhundert geben. Speziell eingehen möchte ich dabei auf den so genannten donauländischen Minnesang (die Frühphase des Minnesangs) und dessen Besonderheiten im Vergleich zur später folgenden so genannten „Hohen Minne“. Darüber hinaus möchte ich im vierten Kapitel drei der bedeutendsten Dichter des donauländischen Minnesangs vorstellen; mein Hauptaugenmerk habe ich dabei auf den Kürenberger gerichtet. Abschließend möchte ich noch auf die Form der frühen Minnelyrik eingehen. Auch dabei orientiere ich mich an den Werken des Kürenbergers.

Das Interesse an der Anfangsphase der Minnelyrik wurde bei mir in unserem Seminar geweckt. Der Minnesang hat im Mittelalter eine unbeschreibliche Entwicklung in seiner Form und Variation genommen. Für mich war dies Motivation, um an den Ursprung des Minnesangs zurückzugehen und die Merkmale des frühen (donauländischen) Minnesangs zu untersuchen.

2. Allgemeine Einführung

Dieses erste Kapitel soll zunächst einen allgemeinen Überblick über den Minnesang, losgelöst von der Einteilung in einzelne Phasen, verschaffen. Im dritten Kapitel möchte ich dann verstärkt auf die Besonderheiten des donauländischen Minnesangs eingehen.

2.1. Der Begriff Minnesang

Das Wort Minnesang verbindet das damals gebräuchliche Wort für die Liebe (minna) mit dem "Sang", der damals üblichen Einheit von Dicht- und Sangeskunst.

Minnesang ist die zusammenfassende Bezeichnung für die mittelhochdeutsche Liebeslyrik, beginnend in der Mitte des zwölften Jahrhunderts bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. Der Begriff Lyrik (vom griechischen lyra = die Leier, Harfe) verweist dabei auf die älteste Gedichtform, das sangbare Lied.

Die meisten Lieder des Minnesangs wurden in großen Sammelhandschriften überliefert. Die bekannteste und kostbarste Sammelhandschrift ist die „Große Heidelberger Liederhandschrift“, auch „Manessische Handschrift“ genannt (siehe Exkurs unter 2.2.).

Das „Deutsche Universalwörterbuch“ des Duden beschreibt den Minnesang als „höfische Liebeslyrik“ (Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 1993, S. 840) und die Minne als „verehrende, dienende Liebe eines höfischen Ritters zu einer meist verheirateten, höher gestellten Frau“ (Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 1993, S. 840).

Wie aus dieser Definition bereits hervorgeht, ist das Thema des Minnesangs die innerweltliche Liebe zwischen Mann und Frau (oder vielmehr die Sehnsucht nach dieser Liebe). Dabei ist „nicht Hingabe und Erfüllung [ … ] das Ziel, die Minne ist vielmehr ein Weg, auf dem der Ritter in ständiger Erprobung dem Ideal des höfischen Menschen sich nähert.“ (Walz, 1976, S. 58). Dabei gilt die Minne immer der verheirateten Frau und nicht dem unverheirateten Mädchen, „denn nur die frouwe als Herrin ist in der höfischen Gesellschaft gegenwärtig“ (Walz, 1976, S. 58). Durch die Tatsache, dass beim Minnesang immer eine verheiratete und meist höher gestellte Frau gemeint ist, kann man sagen, dass die Minne unerfüllt bleibt. „Diese Unerfüllbarkeit macht den Minnesang zur Minneklage“ (Walz, 1976, S. 58). Die Frau wurde im Minnesang zu einem Ideal erhoben, obwohl eine bestimmte Frau (oder ein bestimmter Name) in den Liedern nicht erwähnt wird. Weder der Werbende noch die umworbene Frau sind konkrete Personen.

Die Minne war also eine leidenschaftliche Verehrung für ein Idealbild der Frau, die für immer unerreichbar blieb. Die Seele des Minnesängers, so die Überzeugung, wurde durch Leid und Verzicht gereinigt. In dieser zugleich vergeistigten und hoffnungslosen Liebe setzte der höfische Ritter alles daran, seiner Geliebten in jeder Weise zu dienen. Denn darin bestand für ihn die Liebe: dass er alle Taten, die er vollbrachte, nur für sie, seiner umworbenen Frau zu Ehren, vollbrachte.

Außer dieser hoffnungslosen, heldenhaften Liebe hatte der Minnesang auch einen materiellen Hintergrund. Die Minnesänger waren überwiegend so genannte „Ministeriale“ oder „Dienstmannen“, also unfreie Personen, die an einen adligen Herrn gebunden waren. Dieser Makel verhinderte bis weit in das 13. Jahrhundert hinein eine Ehe zwischen ihnen und einer adeligen Dame, die andernfalls einen gesellschaftlichen Abstieg durch eine solche Verbindung erfahren hätte. Auch als zur Jahrhundertwende viele dieser Dienstmannen den Titel des Ritters erhielten, wurde an dieser Tradition festgehalten. Diese Abhängigkeit erklärt ein spezielles Phänomen des deutschen Minnesangs, das es in Frankreich, wo es diese Form des Dienstes nicht gab und adlige Sänger oft von gleich zu gleich ihre Dame anschwärmten, nicht in diesem Ausmaß gab (vgl. www.minnesang.com).

2.2. Kleiner Exkurs: Große Heidelberger Liederhandschrift / Manessische Handschrift (Manesse-Codex)

Wie oben schon erwähnt, ist die Manessische Handschrift die größte und kostbarste mittelhochdeutsche Liederhandschrift. Sie entstand zwischen 1310 und 1340 in Zürich. Benannt ist die Manessische Handschrift nach dem Züricher Patrizier und Liedersammler Rüdiger Manesse. Nach ihrem heutigen Aufbewahrungsort, der Universitätsbibliothek Heidelberg, wird sie auch als Große Heidelberger Liederhandschrift bezeichnet.

Die Manessische Handschrift besteht aus 428 Pergamentblättern in Großformat. 140 Seiten sind leer (näheres dazu weiter unten), zahlreiche Seiten sind nur zum Teil beschrieben. Sie enthält insgesamt 140 mit einem Namen gekennzeichnete Sammlungen – ungefähr 6000 Strophen. Vor 137 der 140 Dichtersammlungen steht jeweils eine ganzseitige Miniatur (Buchmalerei), welche den jeweiligen Dichter idealisiert bei ritterlich-höfischen Aktivitäten zeigt. Neben Minneliedern verschiedener Spielarten findet man in der Manessischen Handschrift auch lehrhafte, moralische, geistliche und politische Texte. Die Handschrift versammelt Dichter von den Anfängen weltlicher Liedkunst (z.B. Der Kürenberger um 1150/60) bis zur Zeit der Entstehung der Handschrift um 1300.

Obwohl die Aufzeichnungen der Manessischen Handschrift etappenweise erfolgten und die Entstehungsgeschichte durchaus komplex ist, zeigt die Handschrift eine strukturierte Gesamtanlage. So sind beispielsweise die Dichter ständisch-hierarchisch geordnet, beginnend mit dem Staufer-Kaiser Heinrich VI. bis hin zu der Mehrheit der nichtadeligen Sänger.

Die Manessische Handschrift war als offene Sammlung konzipiert und sollte fortlaufend ergänzt werden. Um dies zu gewährleisten findet man, wie oben schon erwähnt, über den gesamten Codex verteilte leere Blätter.

Neben der Manessischen Handschrift gehörten die Kleine Heidelberger Liederhandschrift und die Weingartner Liederhandschrift zu den wichtigsten Handschriften. Später kommen zwei weitere Handschriften hinzu: die Würzburger Liederhandschrift aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und die Jenaer Liederhandschrift aus dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts.

Die nachfolgende Abbildung zeigt das Register der Manessischen Handschrift (Kapitel 4v: Register, Blatt 4v):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Register der Manessischen Handschrift (aus: www.uni-heidelberg.de)

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Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638741552
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74063
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Deutsche Sprache und Literatur II
Note
1,5
Schlagworte
Donauländischer Minnesang Kürenberger Einführung Literaturwissenschaft

Autor

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