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Musik in 'Soloalbum' von Benjamin v. Stuckrad-Barre

Seminararbeit 2006 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Formales

C. Analogien

D. Der Protagonist- die Kennzeichen eines Britpoppers

E. Warum Oasis?
E.1. Werther- Ossian
E.2 Beatles- Bigger Than Jesus

F. Die Überschriften- Der Inhalt

G. Exkurs

H. Schlussbemerkungen

I. Literatur

A. Einleitung

Kaum ein anderer Autor der Popliteratur beschäftigt sich so explizit mit Popmusik wie Benjamin von Stuckrad-Barre in seinem 1998 erschienen Debüt und bislang einzigen Roman Soloalbum.[1] Er macht die Musik, insbesondere den Britpop um die Band Oasis, zu einem seiner Hauptthemen, fast alle Ereignisse können mit Musik in Verbindung gebracht werden und sie nimmt einen Mittelpunkt im Leben des Protagonisten ein .

Musik kann als ein Medium gesehen werden, dass in der Lage ist Gefühle zu transportieren, Atmosphären zu schaffen und Inhalte zu vermitteln. Damit scheint sie der Literatur ebenbürtig.

Da von Stuckrad-Barre ähnlich wie sein Ich-Erzähler für ein Hamburger Musikmagazin und später für eine Plattenfirma arbeitete ist davon auszugehen, dass er mit großer Sorgfalt und Hintergrundwissen die Musik für sein Soloalbum ausgewählt hat. Denn auch auf formaler Ebene scheint der Musik eine große Bedeutung zu zukommen und es werden mehrere Vergleiche zwischen Leben und Musikwelt gezogen. Dennoch geriet Benjamin von Stuckrad-Barre für seine Wahl die Band Oasis um die Brüdern Noel und Liam Gallagher in den Mittelpunkt zu stellen in die Kritik vieler Journalisten.

Ich möchte daher klären ob diese Kritik gerechtfertigt ist, warum der Protagonist ausgerechnet Fan des Noel-Pops ist und zudem der Theorie widmen, dass es für jedes Lebensgefühl mindestens einen Popsong gibt und an Hand von Soloalbum und Songtexten überprüfen, ob Oasis über jedes geschilderte Lebensgefühl das passende Lied schrieb. Oder kürzer gesagt, ich möchte die Bedeutung und Auswirkungen der Musik für den Protagonisten und die Erzählung klären.

B. Die Formale Ebene

Schon der Titel Soloalbum macht deutlich, dass es sich hier nicht nur um eine Geschichte handelt, sondern auch um eine Geschichte über Musik und über eine Geschichte des alleine Seins. Des Weiteren bestehen die Überschriften der Kapitel aus Musiktiteln von Oasis. Jeweils 5 stammen von den Alben (What’s The Story) Morning Glory?[2] (1.[3] Roll With It; 2. Don’t look back in Anger; 5. Some Might Say; 6. Hey Now; 22. Morning Glory), Definitely Maybe[4] (4. Slide Away; 8. Cigarettes&Alcohol; 13. Supersonic; 25. Live Forever; 28. Rock’n’Roll Star), und The Masterplan[5] (7. Headshrinker; 12. Half The World Away; 18. Stay Young; 23. The Masterplan; 27. Talk Tonight). Bei Letzterem handelt es sich allerdings um ein B- Seiten Album, das zu der Handlungszeit des Romans noch nicht erschienen ist. Hierfür gibt es auch im Roman einen konkreten Hinweis(„ Auf der offiziellen Oasis-Homepage…seine Lieblings-B-Seiten angeben, und irgendwann gebe es dann eine Compilation“)[6].7 Titel sind auf Be Here Now[7] (3. D’You Know What I Mean?; 10. Stand By Me; 11. Be Here Now; 14. It’s Getting Better (Man!!); 16. I Hope, I Think, I Know; 20. My Big Mouth; 24. Fade In-Out; 26. Round Are Way) zu finden. Whatever (15.) wurde 1994 als Weihnachtssingle veröffentlicht. Die restlichen Kapiteltitel (9, (I Got) The Fever; 17.Alive; 19. Flashbax; 21. Step Out; 26. Round Are Way) setzten sich aus weiteren B- Seiten zusammen.

Die Aufteilung in Teil A und B ist dem bis in die neunziger Jahre aktuellen und heute teilweise noch dem DJ dienenden Vinyl Schalplattenseiten nachempfunden. Dies spiegelt weniger die Nostalgie, die heute oftmals mit diesem Medium verbunden wird, wieder, als den Fanatismus in eine Band. Dies wird besonders durch die Aussage des Protagonisten, er besitze noch nicht mal einen Plattenspieler, „aber Fansein verpflichtet zu solchen Nebenwidersprüchen“ deutlich.[8] Auch die graphische Gestaltung des Covers und des Inhaltsverzeichnisses weißen auf das Medium Schallplatte/ CD hin.

Des Weiteren sind neben den Seitenzahlen, die Vor- und Zurückspulzeichen zu finden.

C. Analogien

„Der Text bleibt einer relativ typischen Romanerzählung verpflichtet“.[9] Jedoch vergleicht der Protagonist immer wieder sich, sein Leben oder seine Mitmenschen mit musiktragenden Medien und gebraucht diese im metaphorischen Sinne.

Der Verlassene schreibt von der alten „Hitsingle der Verlassen“ und von „Soloprojekten“, während seiner Zeit mit Katharina, welche in seinem Fall „Isabell, Susanne, Katinka“ hießen.[10] Jedoch erkennt er in seiner Popstarsichtweise an, dass „Soloalben“ im Gegensatz zu „Gastrollen auf einer Single“ „fasst immer scheiße“ sind.[11] Jenes bezieht er nicht nur auf sich, sondern auch auf sein neues erbärmliches Single Dasein. Indirekt nimmt der Autor mit diesem Satz jedoch auch seinen härtesten Kritikern die Beurteilung vorweg.

Der Ich-Erzähler beschreibt außerdem „Katharina“ als seine „bisher erfolgreichste Platte“, welche „am längsten in den Charts, in den Herzen und auf Tour“ mit ihm war.[12] Dies erwähnt er zudem im Zusammenhang, dass Nachfolgeralben nie an die ersten Werke heranreichen.

An einem Sonntag vergleicht er Menschen mit Kassettenrecordern und wünscht sich auf „Pause“ drücken oder vor- und zurückspulen zu können, weil „Wiedergabe“ oder „Aufnahme“ nicht funktionieren.[13] Weiter vergleicht er Hamburgs „Schlemmermeile“ mit dem Schlager-Grand-Prix, da dort ebenfalls jede Nation vertreten sei.[14]

D. Der Protagonist- die Kennzeichen eines Britpoppers

In der Jugendphase eines Menschen sucht sich der Heranwachsende sich seine Subkultur. „Musikgattungen, Sprachelemente[…], Kleidung, also insgesamt ein neuer Lebensstil“ wird als „Reaktion auf die Einseitigkeiten des Hauptstromes der Kultur“ entwickelt.[15] Der Protagonist hat längst seine Subkultur im Britpop gefunden und behält sie auch noch in der Postadoleszenzphase bei. Die Musik dient dem Ich-Erzähler „als Körper und Lebensgefühl“ mit dem man sich von anderen Subkulturen und Menschen abgrenzen kann.[16]. Er zeigt die Noel’eske Intoleranz und Vorurteilshaltigkeit gegenüber anderen Bands und Menschen, weicht nicht von dieser Meinung ab und genießt es jene Kund zu tun. Dies spiegelt sich ebenfalls im Sarkasmus, Zynismus, dem Hass auf andere Menschen und dem Drogen/Alkoholkonsum des Protagonisten wieder. Noels „Geschmackserrorismus“[17] würde somit zum Vorbild werden und rechtfertigt seinen.

Im Britpop findet im Gegensatz zu anderen rockmusikalischen Bewegungen wie etwa Punk, nicht das streben nach ökonomischer Unabhängigkeit oder nach politischen Veränderungen statt. Auch dem Ich-Erzähler „geht es“ nicht um Politik und stattdessen um sein „persönliches Vergnügen“.[18]

Jedoch übernimmt er, da er lieber Anzüge trägt, nicht den typischen Kleidungsstil eines Britpoppers, der, wie man beispielsweise in den Musikvideos diverser Bands sehen kann, eher retro-sportlich elegant ist( „charity-shop clothing that took in either 60s fashions or decade-old sportswear“)[19]. Andererseits kauft er sich eine „Blur-Pudelmütze“[20] Außerdem tanzt er „exaltiert“[21], obwohl der gemeine Britpopper eher rauchend/trinkend in der Ecke steht. Zudem fehlt der charakteristische Gin Tonic.

E. Warum Oasis?

Ein großer Kritikpunkt den viele gegen diesen Roman haben, ist die Wahl der Gruppe Oasis. So schreibt der Spiegel „…dass außer ihm niemand in der Britpopband Oasis den Mittelpunkt der Welt sieht…“.[22] Denn es gab weitaus größere beliebtere und bedeutendere Bands Ende der Neunziger, die ebenfalls mit dem Liebeskummergefühlen mithalten hätten könnten, die nicht so vergänglich gewesen wären und nicht als „drugged-up version of The Stone Roses“[23] galten. Außerdem galt zum Zeitpunkt des Erscheinens des Romans Britpop bereits als tot.[24] Dennoch gibt es auch etliche Gründe die bestätigen, dass Oasis eine gute Wahl war.

[...]


[1] von Stuckrad-Barre, Benjamin: Soloalbum. Köln: Kiepenheuer&Witsch, 1998.

[2] Oasis:(What’s the Story) Morning Glory?, 1995

[3] Kapitel Zahl

[4] Oasis: Definitely Maybe, 1994

[5] Oasis: The Masterplan, 1998

[6] Ebd. Soloalbum

[7] Oasis: Be Here Now, 1997

[8] Ebd. Soloalbum.

[9] Paulokat, Ute: Benjamin von Stuckrad-Barre. Frankfurt am Main: Europäischer Verlag der Wissenschaften, 2006.

[10] Ebd. Soloalbum

[11] Ebd. Soloalbum

[12] Ebd. Soloalbum

[13] Ebd. Soloalbum

[14] Ebd. Soloalbum

[15] Oerter, Montada (Hrsg.): Entwicklungspsychologie. Beltz Verlage, 2002.

[16] Ebd. Paulokat

[17] Vgl. Der Spiegel: Amoklauf eines Geschmacksterroristen 7.9.1998

[18] Ebd. Paulokat

[19] Ebd. Harris

[20] Ebd. Soloalbum

[21] Ebd. Soloalbum

[22] In : Baßler, Moritz: Der deutsche Pop-Roman, Die neuen Archivisten. München: Beck, 2002.

[23] Ebd. Harris.

[24] Ebd. Harris

Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638678995
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73973
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
2,3
Schlagworte
Musik Soloalbum Benjamin Stuckrad-Barre Popliteratur

Autor

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