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Neue methodisch-didaktische Gestaltungsmöglichkeiten im Wirtschaftsunterricht einer 8. Klasse am LBZ für Körperbehinderte durch den Einsatz von Multimedia

Hausarbeit 2007 55 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist Multimedia?
2.1 Zur Definition
2.2 Technologische Aspekte
2.3 Pädagogische Aspekte

3 Multimedia in der Schule für Körperbehinderte
3.1 Grundsätzliche Überlegungen
3.2 Unterricht mit Multimedia aus didaktischer Sicht
3.3 Merkmale von Computer-Software
3.4 Lernen mit dem Internet
3.5 Der Einsatz von Multimedia im Unterricht mit körperbehinderten Schülern
3.5.1 Multimedia im Unterricht
3.5.2 Multimedia als „Kommunikationsprothese"
3.5.3 Multimediale Förderung körperbehinderter Kinder
3.6 Zusammenfassende Betrachtungen

4 Was lernen die Schüler im Wirtschaftsunterricht der 8. Klasse

5 Multimedia im Wirtschaftsunterricht meiner 8. Klasse
5.1 Die Klasse 8b
5.2 Unsere materielle Ausstattung
5.3 Einkaufsfallen im Supermarkt
5.4 Planspiel Kiosk
5.5 Einkaufen im Internet
5.6 Die Geschichte des Geldes
5.8 Zusammenfassende Betrachtungen

6. Schlussbemerkungen

7 Literaturverzeichnis

Anhang
Anhang A – Sitzplan der Klasse 8b
Anhang B – Einkaufsfallen im Supermarkt
Anhang C – Planspiel Kiosk
Anhang D – Einkaufen im Internet
Anhang E – Die Geschichte des Geldes

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Lehrercomputer. Foto aus der Schule

Abbildung 2: Schülercomputer. Ebd.

Abbildung 3: Computerraum. Ebd.

Abbildung 4: Schüler 2 K. Ebd.

Abbildung 5: Schüler 6 S. Ebd.

Abbildung 6: Schüler 3 K. Ebd.

Abbildung 7: Herr Schrowe. Ebd.

Abbildung 8: Smartboard. Ebd.

Abbildung 9: Screenshot der Internetsite „Einkaufsfalle Supermarkt“ – Startseite. Wilke , Konstantin: Einkaufsfalle Supermarkt. Eine Untersuchung anhand Minimal. Online: URL: http://www.wr-unterricht.de/falle/index.htm [Stand: 03.01.2007]

Abbildung 10: Bilder der o. g. Site. Word-Dokument

Abbildung 11: fertig gestelltes Arbeitsblatt – Verkauftricks. Word-Dokument Vgl. WDR-Fernsehen – Quarks & Co: Die Wissenschaft vom Einkaufen. Verführung im Supermarkt. Online: URL: http://www.quarks.de/einkaufen/01.htm [Stand: 03.01.2007]

Abbildung 12: Präsentation zu den Käuferfallen. PowerPoint-Präsentation Vgl. WDR-Fernsehen – Quarks & Co: Die Wissenschaft vom Einkaufen. Verführung im Supermarkt. Online: URL: http://www.quarks.de/einkaufen/01.htm [Stand: 03.01.2007]

Abbildung 13: Lösung des Puzzles zu Verkaufstricks . Fischer, Renate: Einkaufsfallen im Supermarkt. Online: URL: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/einkaufsfallen/medio/puzzle.htm [Stand: 03.01.2007]

Abbildung 14: Screenshot vom „Planspiel Saft“ - Vorbereitung zum Verkaufstag .. Sparkassen Schul-Service: Planspiel Saft. Von der CD-ROM: Otto’s Lernspiele. Zusammengestellt von Otto Mandler.

Abbildung 15: Screenshot vom „Planspiel Saft“ – Der Verkaufstag läuft . Ebd.

Abbildung 16: Screenshot vom „Planspiel Saft“ – Ergebnis des 1. Tages . Ebd.

Abbildung 17: Screenshot vom „Planspiel Saft“ – Übersicht der bisherigen Verkaufstage . Ebd

Abbildung 18: Screenshot vom „Planspiel Saft“ – Abschlussbilanz . Ebd.

Abbildung 19: Screenshot vom „Planspiel Saft“ – Abschlusswertung . Ebd

Abbildung 20: Screenshot vom „Planspiel Kiosk“ – Startseite Wolf, Heinz-Ulrich und Wolf, Tilman: Planspiel Kiosk. CD-ROM vom Sparkassen Schulservice.

Abbildung 21: Screenshot vom „Planspiel Kiosk“ – Verkaufstagsvorbereitung beim Monopol . Ebd

Abbildung 22: Screenshot vom „Planspiel Kiosk“ – Verkaufstag beim Monopol . Ebd

Abbildung 23: Screenshot vom „Planspiel Kiosk“ – Start vom Oligopol . Ebd

Abbildung 24: Screenshot vom „Planspiel Kiosk“ – Verkaufstag beim Oligopol . Ebd

Abbildung 25: Screenshot vom „Planspiel Kiosk“ – Verkaufshilfen beim Oligopol . Ebd

Abbildung 26: Screenshot vom „Planspiel Kiosk“ – Werbung beim Oligopol . Ebd

Abbildung 27: Screenshot vom „Planspiel Kiosk“ – Tagesbilanz beim Oligopol . Ebd

Abbildung 28: Tabelle für den Vergleich der Online-Anbieter . Word-Dokument

Abbildung 29: Screenshot der Internetsite www.amazon.de – Startseite . Online: URL: www.amazon.de [Stand: 04.01.2007]

Abbildung 30: Screenshot der Internetsite www.booxtra.de – Startseite Online: URL: www.booxtra.de [Stand: 04.01.2007]

Abbildung 31: Screenshot – Mediator-Programmoberfläche . MatchWare: Mediator Version 8.0

Abbildung 32: Screenshot – Startbildshirm 1 . Eigenes mit Mediator erstellte Exe

Abbildung 33: Screenshot – Starbildschirm 2 . Ebd.

Abbildung 34: Screenshot – Übersicht . Ebd.

Abbildung 35: Screenshot – Es wurden nicht immer Geld und Tausch gebraucht . Ebd.

Abbildung 36: Screenshot – Ware gegen Ware . Ebd.

Abbildung 37: Screenshot – Naturalgeld . Ebd.

Abbildung 38: Screenshot – Metallgeld . Ebd.

Abbildung 39: Screenshot – Münzgeld . Ebd.

Abbildung 40: Screenshot – Papiergeld . Ebd.

Abbildung 41: Screenshot – Buchgeld/ Giralgeld . Ebd.

1 Einleitung

Unsere heutige Gesellschaft wird vor allem durch Informations- und Kommunikationstechnologien geprägt. Computer und Multimedia am Arbeitsplatz, aber auch im privaten Bereich sind die sichtbarsten Boten dieser Entwicklung. Die moderne Welt der Hightech ist ohne Multimedia gar nicht mehr vorstellbar. Die Multimediatechnik erhält schon lange Einzug in unser alltägliches Leben und immer mehr auch in den schulischen Bereich.

Ziel dieser Arbeit ist es, am Beispiel des Wirtschaftsunterrichts des achten Schuljahrganges einer Schule für Körperbehinderte die Möglichkeiten aufzuzeigen, die der Einsatz von Multimedia sowohl in methodisch-didaktischer Hinsicht bietet.

Multimedia ist zu einem Modewort geworden, das gern benutzt aber selten hinterdacht wird. Fragt man Lehrer, was Multimedia ist, werden die meisten mit Beispielen wie Computer, DVD oder CD antworten. Was Multimedia genau ist, wissen die meisten nicht. Darum möchte ich mich bei meiner Arbeit als erstes mit diesem Begriff auseinandersetzen.

Anschließend werde ich Überlegungen darlegen, warum die neue multimediale Technik für das schulische Vorhaben so gut geeignet ist und wie es dazu eingesetzt werden kann. Hierzu werden allgemeine methodisch-didaktische Überlegungen kurz aufgegriffen. Insgesamt soll hier nur ein kleiner theoretischer Ausblick gegeben werden, denn sowohl allgemein als auch fachbezogen sind ausführliche Betrachtungen sehr umfangreich. Dazu verweise ich gern auf das Buch „Computer & Internet im Unterricht“ von Gerhard Tulodziecki und Bardo Herzig, in dem Überlegungen praktisch und anschaulich in methodisch-didaktischen Zusammenhang zum Unterricht gebracht werden. Ein wichtiger Aspekt dieses dritten Kapitels wird dann noch die Spezifik der Schule für Körperbehinderte. Denn nicht ohne Grund sollte man besonders hier die Schüler in ihrem Lernen durch den Einsatz von Multimedia fördern.

Natürlich ist der Multimediaeinsatz nicht nur fachrichtungs-, sonder auch fachspezifisch zu betrachten. In dieser Arbeit möchte ich mich auf das Fach Wirtschaft konkretisieren und dabei ganz speziell auf den achten Schuljahrgang. Im vierten Kapitel zeige ich kurz auf, was die Schüler in diesem Schuljahrgang im Wirtschaftsunterricht vermittelt bekommen sollen.

Da ich die methodisch-didaktische Vielseitigkeit des Multimediaeinsatzes belegen möchte, werde ich nicht auf eine spezielle Unterrichtseinheit oder -sequenz eingehen. Vielmehr werde ich verdeutlichen, dass Multimedia an verschiedensten Stellen des Unterrichts eingesetzt werden kann und soll, um eine gewisse Kontinuität zu erlangen. Ich werde dazu verschiedene Beispiele meiner Unterrichtspraxis beschreiben, in denen ich multimedial gearbeitet habe.

2 Was ist Multimedia?

2.1 Zur Definition

Beim Versuch, eine Definition für den Begriff Multimedia zu finden, kann man sich leicht in den Tiefen der Literatur verirren. Das Dilemma des Definitionsversuches zeigt z.B. die Arbeit von Malwina Prokopczyk mit dem Thema „Multimedia – eine Definition“, die im Internet als PDF-Datei unter dem Link http://ddi.cs.uni-potsdam.de/ Lehre/HypermediaLernsystemeWS2002-03/Papers/ multimedia_def.pdf zu finden ist.

Es gibt also keine eindeutige Definition für den Begriff Multimedia. Steinmetz z.B. definiert ihn wie folgt: Ein Multimediasystem ist durch die rechnergestützte, integrierte Erzeugung, Manipulation, Darstellung, Speicherung und Kommunikation von unabhängigen Informationen gekennzeichnet.“[1]

Allgemein wird der Begriff Multimedia als ein solcher verstanden, der Inhalte und Werke bezeichnet, die aus mehreren der folgenden digitalen Medien bestehen: Text, Fotografie, Grafik, Animation, Audio und Video. Es ist nichts Neues, dass Inhalte mit verschiedenen Medien präsentieren werden. Aber der Begriff Multimedia bezieht sich überwiegend auf digitale Inhalte. Außerdem sind die unterschiedlichen Interaktionsmöglichkeiten von großer Bedeutung. Damit ist das aktive Navigieren und Manipulieren von Inhalten oder das Steuern von bestimmten Parametern gemeint. „Multimedia bedeutet [also die] Integration verschiedener digitaler Geräte zu einem großen Medium.“[2] Mehrere kombinierte Medien werden aber nur dann als Multimedia bezeichnet, wenn mindestens eines von ihnen zeitabhängig ist wie z.B. Video oder Audio. Somit ist ein Text mit Bildern keine Multimedia.

2.2 Technologische Aspekte

Um mit Multimedia arbeiten zu können, bedarf es ein bestimmtes Maß an Rechen- und Speicherkapazität. Daher waren bis ca. 1990 multimediale Inhalte sehr eingeschränkt. Durch die enorme Leistungssteigerung der PCs wurden diese Einschränkungen überwunden. Ausschlaggebend waren v.a. die Verbesserung der CPUs und die allgemeine Verfügbarkeit von High-Color-Grafikkarten, Soundkarten, grafischen Benutzeroberflächen (z.B. Windows) und vor allem von CD-/ DVD-ROM. Somit wurde Multimedia zum vielseitigen Schlagwort der 90er Jahre und 1995 sogar zum Wort des Jahres.

Im Internet werden Beschränkungen aufgrund geringer Bandbreiten und fehlender QoS-Funktionalität in den verbreiteten Netzwerkprotokollen durch den zunehmenden Einsatz von Breitbandanschlüssen wie DSL gelindert. Im Bereich der Dateiformate sind durch neue Kompressionsverfahren von Bild (GIF/ JPEG), Ton (MP3) und Video (MPEG/ AVI) oder spezialisierte Softwarepakete wie Mediator (Autoren-Software) erhebliche Verbesserungen in Qualität und verminderte Datengrößen erreicht worden. Mit neueren Tools, wie dem Flashplayer von Macromedia, wurden auch Web-Inhalte besser zugänglich. Neben den Entwicklungen auf dem Computermarkt wurden auch in der Unterhaltungselektronik innovative Geräte entwickelt, die den Ansprüchen von Multimedia entsprechen.

Ein leidiger Aspekt sind Standardisierungsbemühungen der Abspiel-Software von Trägermedien (CD/ DVD) und Kompressionsverfahren (ZIP/ RAR). Die verschiedenen Firmen versuchen dabei stets ihre eigenen Standards durchzusetzen und damit Marktvorteile zu gewinnen. Das geht aber lediglich auf die Kosten des Benutzers. So sind z.B. nicht alle CD- und DVD-Formate in jedem beliebigen CD- bzw. DVD-Player abspielbar.

2.3 Pädagogische Aspekte

Die Nutzung verschiedener Medien hat zur Folge, dass der Benutzer Informationen mit verschiedenen Sinnen aufnimmt, wodurch die Wissensaufnahme erleichtert werden soll. Dem zugrunde liegt die Theorie, dass Informationen besser gespeichert werden, wenn sie über möglichst viele Kanäle vermittelt werden. Der Psychologe Bernd Weidenmann bezeichnet diese Argumentation als naive Summentheorie, der jeder empirischer Beweis fehlt.

Empirisch belegt ist allerdings, dass das Lernen positiv beeinflusst wird, wenn Informationen auf verschiedenen Kanälen präsentiert werden, wie z.B. ein Bild und ein Audio-Beitrag. Begründet wird dies durch die begrenzte Kapazität eines einzigen Kanals. Hat man demzufolge ein Bild und geschriebenen Text, würde der visuelle Kanal überfordert werden. Ein Bild und ein Audio-Beitrag wiederum können gleichzeitig wahrgenommen werden.[3]

Der o. g. sehr bedeutsame interaktive Aspekt von Multimedia ermöglicht dem Betrachter zudem eine individuell zugeschnittene Wissensvermittlung, eine erfahrungsorientierte Aufnahme von sowie eine aktive Auseinandersetzung mit Inhalten.

3 Multimedia in der Schule für Körperbehinderte

3.1 Grundsätzliche Überlegungen

Aus dem letzten Kapitel geht hervor, dass Multimedia Medien beschreibt, die computerbasiert sind. Wenn ich hier also von Multimedia spreche, die ich im Unterricht einsetzen möchte, dann meine ich verschiedene Softwareangebote (offline) und Netzwerkangebote (online). Die Computersoftware entwickelte sich aus der programmierten Unterweisung mittels neuer Lehr-Lern-Theorien und besserer technischer Möglichkeiten, wobei man beispielsweise folgende Typen neuer Medien unterscheiden kann:

- Lehrprogramme zur Erarbeitung neuer Inhalte;
- Übungsprogramme für die individuelle Übung, Festigung und Automatisierung;
- Offene Lehrsysteme, d.h. didaktisch und hypermedial aufbereitete Inhalte;
- Datenbestände zur Bereitstellung von Informationssammlungen;
- Lernspiele, also pädagogisch entworfene Situationen mit Handlungsalternativen;
- Tools (Werkzeuge) zur Erzeugung, Gestaltung und Bearbeitung von Produkten;
- Experimentier- und Simulationsumgebungen zur Simulation von Prozessen;
- Kommunikations- und Kooperationsumgebungen.[4]

Bei diesen neuen Medien kann man zu einem Thema unterschiedliche Zugänge wählen. Ein Zugang kann u. a. informations-, erkundungs-, problem-, entscheidungs-, gestaltungs-, spiel- oder kommunikationsorientiert sein, wobei sich einzelne Möglichkeiten unter Umständen auch überschneiden können. Damit gibt es vielfältige Möglichkeiten für eine variationsreiche Präsentation verschiedener Lerninhalte und für eine abwechslungsreiche Arbeit.[5]

Multimedia gibt also eine gute Chance, viele Inhalte und Vorgehensweisen mit Rücksicht auf Lernvoraussetzungen in variationsreicher und lernwirksamer Weise zu vermitteln. Das zeigt u. a. auch schon die unter „2.3 Pädagogische Aspekte“ angestellten Überlegungen. Somit ist ersichtlich, warum der Einsatz von Multimedia im Unterricht unumstritten ist. Gleichwohl in verschiedensten Diskussionen synonym von Multimedia, neuen Medien oder Computer (-Software) gesprochen wird, ist die Frage nicht mehr nach dem „Ob?“, sondern mittlerweile vielmehr nach dem „Wie?“.

Empirischen Ergebnisse aus verschiedenen Studien lassen sich nach Tulodziecki in zwei Schlussfolgerungen zusammenfassen:

1. Mit geeigneter Software kann durch computerbasierte Angebote eine Verbesserung des Lernens im Sinne besserer Lerngewinne und verkürzter Lernzeiten erreicht werden.
2. Allerdings stellt sich eine solche Verbesserung nicht „automatisch“ ein, sondern nur unter bestimmten Bedingungen, die noch untersucht werden müssen.[6]

3.2 Unterricht mit Multimedia aus didaktischer Sicht

Die Arbeit mit Multimedia sollte sich in geeignete Lern- und Arbeitsformen eingliedern. Aus didaktischer und pädagogisch-psychologischer Literatur heraus lässt sich folgende idealtypische Strukturierung des Unterrichts – und damit auch des Unterrichts mit Computer und Internet – formulieren:

(1) „Aufgabenstellung, Sammeln und Problematisieren, Lösungsvermutungen;
(2) Zielvereinbarung;
(3) Verständigung über das Vorgehen;
(4) Erarbeitung von Grundlagen für die Aufgabenlösung;
(5) Durchführung der Aufgabenlösung;
(6) Vergleich von Lösungen und Zusammenfassung des Gelernten;
(7) Einführen von Anwendungsaufgaben und deren Bearbeitung;
(8) Weiterführung und Reflexion des Gelernten und der Lernwege.“[7]

In diesen verschiedenen Phasen des Unterrichts kann Multimedia (Computer, Software oder Internet) verschiedene Funktionen übernehmen:

- „Lernanregung und Lernhilfe
- Informationsquelle
- Werkzeug für die Erschließung von Informationen
- Werkzeug für die Be- und Verarbeitung von Daten
- Gegenstand von Analysen
- Bereitstellung von Materialien für die eigenständige Bearbeitung
- Instrument der Kommunikation und Kooperation
- Instrument der Speicherung und der Präsentation von Arbeitsergebnissen“[8]

3.3 Merkmale von Computer-Software

Für einen Pädagogen, der seinen Unterricht durch die Arbeit mit Multimedia bereichern will, ist es sehr wichtig, zu wissen, welche Merkmale es gibt, die man bei jedem Softwaretypus überwiegend finden sollte. Im Groben unterscheidet man hier vier Hauptmerkmale:

1. die „Interaktivität",
2. die „Individualisierung"
3. die „Adaptivität"
4. die „Kontrollinstanz".[9]

Der Begriff „Interaktivität" beschreibt eine Reihe von Eingriffs- und Steuermöglichkeiten des Benutzers. Versteht man nun motiviertes Lernen als aktiven Einbezug des Lernenden in das Lerngeschehen, so kann diese gleichermaßen durch interaktive Techniken gefördert werden. „Individualisiertes Lernen findet nun also dann statt, wenn die Interaktivität eines Programms die Auswahl und die Darbietung von Lerninformationen ermöglicht, die den jeweiligen Interessen und Lernbedürfnissen des Lernenden an einer bestimmten Stelle im Lernprozess entsprechen.“[10] Ein interaktives Programm ist nun noch adaptiv, wenn das Verhalten des Programms an den Merkmalen des Individuums orientiert ist. Es müssen also bestimmte Leitlinien vorhanden sein, damit der Lernende die Möglichkeit haben, die eigenen Lernprozesse einschätzen zu können. Durch die Kontrolle wird der persönliche Lernprozess beurteilt und für die Anwender wahrnehmbar.

3.4 Lernen mit dem Internet

Das Wichtigste Ziel der Schule ist es, die Schüler auf ihren Beruf vorzubereiten. Noch immer können viele junge Menschen nicht angemessen mit einem Computer umgehen, was aber in vielen Berufen inzwischen Voraussetzung ist. Da durch das Internet nun die Globalisierung noch weiter fort getrieben und wirtschaftlicheres Arbeiten möglich wird, wird der Umgang mit dem Internet in Zukunft von noch größerer Bedeutung werden. Deshalb ist es auch unbedingt nötig, das Internet vermehrt in den Lernprozess mit einzubauen.

Bei der Nutzung des Internets haben sich bereits einige Vorteile für den Unterricht und den Lernprozess abgezeichnet: Doch wo es Vorteile gibt, werden natürlich auch immer wieder Nachteile sein, so auch bei der Nutzung des Internets:

Bei den Nachteilen ist allerdings die Frage, wie weit sie sich vermeiden lassen. So können beispielsweise spezielle (z.B. pornographische) Websites für den Zugriff gesperrt werden. Informationen suchen und dann aus zahlreichen überflüssigen Angaben herauszusuchen kann auch eine Lernherausforderung sein. Es gilt also auch hier für jeden, die Vor- und Nachteile abzuwägen und einen angemessenen Konsens für sich selbst zu finden.

3.5 Der Einsatz von Multimedia im Unterricht mit körperbehinderten Schülern

Gleich zu Beginn des Computereinzugs in Schulen und Büros wurden auch seine kompensatorischen Aspekte für körperbehinderte Menschen erkannt. Mittlerweile ist Multimedia in kaum einer Fachrichtung so unumstritten wie in der Körperbehindertenpädagogik. Der Einsatz von Multimedia in der Körperbehindertenpädagogik be­wegt sich dabei auf vier Ebenen:

1.Computerprogramme als neues Medium im Unterricht, um Lernen attraktiver und an die Anforderungen einer Informations- und Kommunikationsgesellschaft angepasster zu gestalten. […]
2. Der Computer und andere elektronische Kommunikationshilfen als ‚Kommu­nikationsprothese’, als Hilfsmittel, um motorische Beeinträchtigungen körper­behinderter Kinder […] zu kompensieren.
3. Computerunterstützte Förderung körperbehinderter Kinder […].
4. Der Einsatz von Computerprogrammen im Rahmen der Förderdiagnostik.[11]

Multimedia ist zu einem festen Kultur-Bestandteil geworden. In der Multimediagesellschaft sind die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt zunehmend fließender. Und nicht nur Computerspiele, sondern auch Lernsoftware bedient sich dieser virtuellen Realitäten.

3.5.1 Multimedia im Unterricht

Aus konstruktivistischer Sicht geht es beim Lernen nicht um die Übermittlung von Informationen, sondern um die subjektive Aneignung von Inhal­ten als aktive Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsgegenstand. Und diese aktive Auseinandersetzung mit einem Inhalt ist stark von der Form des In­formationsträgers abhängig, denn Form und Struktur des Informationsträgers beeinflussen sowohl die Inhalte als auch die Denkprozes­se.[12]

Aus lern­theoretischen Gründen werden von der Fachwissenschaft durchgängig Übungs- und Trainingsprogramme („Drill and Practise“) kritisiert. Es vollzieht sich keine wirkliche Interaktion oder Kommunikation und deshalb auch keine aktive Auseinanderset­zung mit dem Lerngegenstand. Dem entgegen ist der Einsatz des Computers jedem Buch und Arbeitsblatt überlegen, wenn verschiedene Datenträger verknüpft werden und die Beschaf­fung von Informationen aus unterschiedlichen Quellen zur Lösung des Problems unerlässlich ist. Und dies gilt insbesondere für bewegungsbeeinträchtigte Kinder, die z.B. nur mit fremder Hilfe ihre Arbeitsblätter ausfüllen können oder die Stadtbibliothek erreichen.[13]

Ein großer Teil der körperbehinderten Schüler benötigt Unterstützung beim Lernen komplexer Sachverhalte und Denken in vernetzten Strukturen. Hier kann Multimedia einen wichtigen Beitrag leisten, da sich die Schüler ihr Wissen über die vernetzten Strukturen der Multimedia auf der Basis der eigenen Wirklichkeitskonstruktionen und -assoziationen aneignen.[14]

Beim Einsatz von Multimedia geht es nicht um das Festigen isolierter Funktionen, sondern um den barrierefreien Erwerb von Wissen. So kann Multimedia helfen, sich der Komplexität der Wirklichkeit anzunähern, Kommunikation zu fördern und Schlüsselqualifikationen wie Medienkompetenz, Selbstständigkeit, Entwickeln von Lernstrategien, kreativer Umgang mit offenen Aufgabenstellungen, Konzentration und Ausdauer anzubahnen.[15]

3.5.2 Multimedia als „Kommunikationsprothese"

Durch die mikroelektronische Entwicklung der letzten Jahre haben sich für körperbehin­derte Menschen enorme Veränderungen in allen Lebensbereichen ergeben. Die Be­zeichnung „prothetische Hilfen" bezieht sich nicht mehr nur auf den Com­puter an sich als flexible elektronische Schreibmaschine, sondern auf eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten:

- Elektronische „Schreibprothesen“.
- Individualprogramme zum computerunterstütztes Lehren und Lernen.
- Texterkennungsprogramme zum Diktieren (statt Tippen) von Texten an ein Textverarbeitungsprogramm z.B. für Schüler mit Muskeldystrophie. Auch Menübefehle und E-Mail-Verfassung sind über Spracheingabe möglich.
- Elektronische Kommunikationshilfen.
- Adaptions- und Ansteuerungshilfen, mit denen alle windows-basierten Programme bedient werden können. Eine Übersicht findet man bei Boenisch (Seite 82 f).
- Schreibprogramm mit einer elektronischen Sprachausgabe, sodann auch Schüler mit einer Dysarthrie Texte ver­ständlich vorlesen (lassen) können.[16]

Zu beachten ist, dass bei Menschen mit Epilepsie die Bildfrequenz von Monitoren sowie blinkende, flackernde und bewegte Bilder anfallsauslösend wirken können. LCD-Bildschirme als auch entsprechende Gestaltung von Bild- und Grafikvorlagen können die Anfallsgefahr reduzieren, ohne dass der gefährdete Schüler ausgeschlossen werden muss.

[...]


[1] Wikipedia: Multimedia, 2006

[2] Ebd.

[3] Vgl. Ebd.

[4] Vgl. Tulodziecki: Computer & Internet im Unterricht. Medienpädagogische Grundlagen und Beispiele. Berlin, 2002, Seite 17 f.

[5] Vgl. Ebd., Seite 19

[6] Vgl. Ebd., Seite 79

[7] Ebd., Seite 91

[8] Ebd., Seite 94 f.

[9] Vgl. Husemann: Computerunterstütztes Lernen – Der programmierte Unterricht, 2006

[10] Ebd.

[11] Beonisch, J.: Einsatz neuer Medien im Unterricht mit körperbehinderten Kindern und Jugendlichen. Stuttgart, 2002, Seite 75

[12] Vgl. Ebd., Seite 78

[13] Vgl. Ebd., Seite 78 f.

[14] Vgl. Ebd., Seite 79

[15] Vgl. Ebd., Seite 79

[16] Vgl. Ebd., Seite 79 ff.

Details

Seiten
55
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638780322
Dateigröße
6.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73953
Note
Schlagworte
Neue Gestaltungsmöglichkeiten Wirtschaftsunterricht Klasse Körperbehinderte Einsatz Multimedia

Autor

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Titel: Neue methodisch-didaktische Gestaltungsmöglichkeiten im Wirtschaftsunterricht einer 8. Klasse am LBZ für Körperbehinderte durch den Einsatz von Multimedia