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Stellt eine mögliche Einführung von Software-Patenten in der EU ein existenzbedrohendes Risiko für Open Source Software dar?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 27 Seiten

Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen
2.1. Open Source Software in Abgrenzung zu proprietärer Software
2.2. „Linux“ – die bekannteste Open Source Software

3. Wie entsteht Open Source Software?
3.1. Die Organisation der Projekte der Open Source Software
3.1.1. Der Umgang mit Softwarefehlern in Open Source Projekten
3.2. Die Motivation der Open Source Projekte

4. Internationale Interessenvertretungen der Open Source Gemeinde
4.1. Free Software Foundation (FSF)
4.2. Software in the Public Intrest (SPI)
4.3. Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur e.V. (FFII)

5. „General Public License“ - das gängige Lizenzmodell der freien Software
5.1. GNU – General Public License

6. Bundespolitisches Engagement für Open Source Software
6.1. Open Source Software für die Bundesverwaltung
6.2. Das OSS-Kompetenzzentrum
6.3. Open Source Software in Wirtschaft und Politik
6.4. Bildungspolitik unterstützt Linux

7. Softwarepatente
7.1. Rechtliche Situation
7 .1.1. Softwarepatente in den USA
7.1.2. Softwarepatente in der Europäische Union
7.1.3. Softwarepatente in Deutschland
7.2. Stand der Debatte in der Bundesrepublik

8. Fazit und Ausblick

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Freie Software für jedermann. Open-Source als Gegenkonzept zum klassischen kommerziellen Geschäftsmodell von Microsoft. Die Open Source Software ist dabei, die Computer-Industrie zu verändern. Mittlerweile bieten etliche Softwarefirmen so genannte offene Computerprogramme – teilweise auch kostenlos - an und versuchen, mit dazu passenden Dienstleistungen Geld zu verdienen. Hunderttausende von Menschen arbeiten weltweit daran, solche Programme zu erstellen und weiterzuentwickeln – viele tun dies unentgeltlich. Noch betreiben laut US-Marktforscher IDC nur drei Prozent aller Unternehmen in westlichen Industrieländern mit Linux. Doch die Windows-Alternative entwickelt sich zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den Softwareriesen Microsoft. Besonders wenn die freie Software mit Bürosoftware gebündelt wird, wie etwa dem kostenlos im Internet vertriebenen „Open Office“. Einer Studie der Kasseler TechConsult setzen bereits 33 Prozent der Firmen, die mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen, Linux ein. Bis 2007 soll rund die Hälfte aller Server mit Linux betrieben werden.[1]

Viele aktuelle Medienberichte thematisieren das Phänomen der Open Source Software. Den Erfolg dieser freien Software wird nicht nur damit begründet, die Dominanz des Microsoft-Konzerns im Softwaremarkt einzudämmen. Auch die Aussicht für die Nutzer freie Software Programme – in den meisten Fällen - ohne Lizenzgebühren zu erhalten, sowie flexibel Software an die individuellen Bedürfnisse anzupassen sind für den Erfolg von Open Source Software ausschlaggebend. Weitere Gründe sind die wachsende Leistungsfähigkeit, wie zum Beispiel bei Sicherheit oder Beständigkeit dieser Software, und die Tatsache, dass etliche große Computerunternehmen seit etwa fünf Jahren dieses Konzept klar unterstützen - allen voran IBM.

Die eventuell bevorstehende Einführung der Softwarepatente in Europa könnte den Erfolgskurs der Open Source Software wesentlich beinträchtigen. Daher wird in dieser Arbeit die Fragestellung erörtert: Stellt eine mögliche Einführung von Softwarepatenten in der EU ein existenzbedrohendes Risiko für Open Source Software dar?

Zur Erarbeitung eines Ergebnisses werden zunächst Begriffe definiert. Der folgende Abschnitt dieser Arbeit erläutert die Entstehung der Open Source Software, sowie die Motivation derjenigen, die sich für die freie Software engagieren. Die daraus entstandenen Interessenvertretungen werden im vierten Kapitel vorgestellt. Kapitel fünf thematisiert das gängige Lizenzmodell GPL – es bildet die Grundlage der Open Source Software. Den Erfolg der Open Source Software in der Bundesrepublik Deutschland behandelt das sechste Kapitel. Hier werden aktuelle Entscheidungsprozesse der Bundesregierung, bzw. das Engagement der Regierung behandelt. Kapitel sieben greift die Debatte um die Einführung von Softwarepatenten in Europa auf. Zunächst wird die rechtliche Situation dargestellt, darauf folgt die aktuelle Lage der Softwarepatente in den USA. Mit Aussicht auf eine mögliche Einführung dieses Patentgesetzes in Europa, greift der folgende Abschnitt den aktuellen Stand der Entwicklungen zu dieser Frage auf. Die beiden letzten Unterkapitel greifen in diesem Zusammenhang den Fall Deutschland auf. In dem Fazit dieser Arbeit wird festgestellt, dass eine mögliche Einführung von Softwarepatenten in Europa zu einem existenzbedrohenden Risiko für Open Source Software führt.

Für die Erarbeitung der Fragestellung wurde auf eine international vergleichende Untersuchung verzichtet. Ein Vergleich hätte keine Erkenntnisse zur Beantwortung der Fragestellung beitragen können. Ferner handelt es sich bei der Open Source Bewegung um ein international agierendes Netzwerk, das sich nicht auf zwei Staaten, bzw. Territorien, für einen Vergleich einschränken lassen.

Volker Grassmuk leistete Pionierarbeit rund um das Thema Open Source Software in seinem Werk „Freie Software. Zwischen Privat- und Gemeineigentum“. Für die Erarbeitung dieser Arbeit wurden Informationen aus seiner Veröffentlichung verwendet. Weitere Erkenntnisse dieser Arbeit stützen sich, aufgrund der Aktualität der Thematik, auf Quellen aus dem Internet, sowie aus Zeitungen und Zeitschriften.

2. Begriffsdefinitionen

2.1. Open Source Software in Abgrenzung zu proprietärer Software

OSS ist Software, deren Quellcode („source code“), also die geschriebenen Anweisungen des Programmierers, im Gegensatz zu herkömmlicher Software („proprietärer“ oder „closed source Software“) frei zugänglich ist.[2]

Die wesentlichen Eigenschaften von OSS sind[3]:

- Jeder hat das Recht, die Software nach eigenem Ermessen zu nutzen.
- Der Quelltext muss jedem Benutzer offen gelegt werden oder es muß auf eine frei zugängliche Stelle verwiesen werden, wo er erhältlich ist.
- Der Anwender hat das Recht, die Software zu modifizieren und in modifizierter Form weiter zu geben.
- Die Lizenz darf niemanden im Verkauf, oder der Weitergabe der Software, in Form einer Softwarezusammenstellung, einschränken.

Im Gegensatz hierzu gilt für proprietäre Software:

- Vervielfältigung, Weiterverbreitung und Modifizierung sind untersagt.
- Das Nutzungsrecht wird in Form einer Lizenz erteilt.
- Eigentümer der Software ist nicht der Anwender, sondern weiterhin der Hersteller, denn er hat das Urheberrecht und die vollständige Kontrolle über das Produkt.

Mit der Aussage über die Quellcodeverfügbarkeit wird keine Aussage darüber getroffen, ob eine Software kostenpflichtig ist. OSS kann sowohl kostenfrei als auch entgeltpflichtig sein.

Im folgenden werden die beiden Begriffe „OSS“ und „proprietär“ als Beschreibung für Software mit offenen und verborgenem Quellcode benutzt. Wenn zusätzlich eine Aussage über den Kostenaspekt der Software getroffen weden soll, wird der Begriff „kommerziell“ verwendet.

2.2. „Linux“ – die bekannteste Open Source Software

Als Gegenkonzept zum klassischen kommerziellen Geschäftsmodell von Microsoft entwickelte der Finne Linus Torvalds 1991 das wohl bekannteste Open Source Programm “Linux”. Auch hier ist der Quellcode unverschlüsselt. Jeder Programmierer darf ihn also verändern, weiterentwickeln und sogar andere, auf Linux basierende Software erstellen, ohne Lizenzgebühren zahlen zu müssen.

Linux ist ein „Unix“[4] -ähnliches Betriebssystem für den PC. In weltweiter Zusammenarbeit entwickeln Programmierer Linux-Versionen auch für andere Plattformen. Der Quellcode des Betriebssystems Linux steht unter der „GNU Public License“ (GPL)[5], ist also frei auch erhältlich und darf nach Belieben weiterentwickelt werden. Verschiedene Linux-Distributionen können kostenlos heruntergeladen bzw. gegen eine vergleichsweise geringe Gebühr (in den meisten Fällen unter DM 100,-) von kommerziellen Anbietern auf CD-ROM erworben werden. Diese Gebühr deckt sowohl die Herstellungskosten der CD-ROMS als auch Zusatzleistungen wie Handbücher und Benutzer-Support.

Linux hat sich bereits als leistungsfähiges Betriebssystem im Server-Bereich bewiesen und setzt sich zunehmend auch im Anwenderbereich als Alternative zu Betriebssystemen wie MS-Windows durch. Es wird mittlerweile auch von zahlreichen namhaften Softwareherstellern unterstützt. Der Einsatz von Linux fordert jedoch – im Gegensatz zu den Windows-Produkten der Firma Microsoft - nach wie vor ein gewisses Maß an technischer Kompetenz von seinen Anwendern.

3. Wie entsteht Open Source Software?

3.1. Die Organisation der Projekte der Open Source Software

Die Entstehung freier Software basiert nicht etwa auf Initiative eines Arbeitgebers. Die Existenz dieser Software resultiert vielmehr aus Eigenmotivation der Entwickler. Ziel ist es ein auf der Hand liegendes Problem bei der Arbeit oder der Forschung zu lösen. Der offen liegende Quellcode der Open Source Software ermöglicht es jedem, eine Handhabung gegen ein Problem eigenständig zu entwickeln, oder aber vorerst nur einmal anzumerken, dass dieses Problem existiert.[6]

Diese Probleme und Problemlösungsvorschläge werden im Internet veröffentlicht und bilden somit eine Grundlage für andere Anwender.[7] Dieses Engagement zieht meist unmittelbar nach der Veröffentlichung die Bildung einer Gruppe von Mitstreitern um den Initiator nach sich. Diese Gruppierungen können sich über die ganze Welt verteilen – mit dem gemeinsamen Interesse ihre Kenntnisse und Zeit in das Projekt zu investieren. In den meisten freien Softwareprojekten gibt es keine festgelegte Aufgabenverteilung. Die Beteiligung beginnt bei simplen Fehlerberichten (Bug Reports) an, geht über Vorschläge für neue Funktionen (Feature Requests) und Ideen zur Weiterentwicklung. Wenn die Anzahl der Mitstreiter wächst, übernimmt ein Maintainer (Projektleiter) eine koordinierende Verantwortung für Teile des Projekts.[8]

Die Rolle des Maintainers ist es zunächst, Ansprechpartner für die jeweilige Software zu sein. Zu den Hauptaufgaben eines Maintainers gehört es die Gemeinschaft zu koordinieren, zusammenzuhalten und die Mitstreiter zu motivieren.

Wächst die Anzahl der Mitentwickler und Anwender, bildet diese Gruppe („Core Team“) das zentrale Steuerungsgremium des Projekts. Ein solches Team rekrutiert sich meistens aus den Leuten, die entweder schon am längsten daran arbeiten oder sehr viel daran gearbeitet haben oder sich derzeit am aktivsten im betreffenden Projekt engagieren.

Innerhalb eines Core Teams werden Entscheidungen über die allgemeine Richtung der Entwicklung gefällt, über Fragen des Designs und über Problemstellungen an denen weiter gearbeitet werden soll. Große Projekte werden in Module gegliedert, für die jeweils ein oder mehrere Maintainer zuständig sind. An jedem Einzelprojekt arbeiten mehrere Dutzend bis hundert Entwickler weltweit mit. Änderungen werden an das Core Team geschickt und von diesem in den Quellcode integriert.[9]

[...]


[1] Süddeutsche Zeitung, “Häufiger Gast”, 10.03.2004, Seite V2/6.

[2] Vgl.: Leiteritz, S. 4.

[3] Die Eigenschaften von OSS werden durch die GPL näher definiert. Im Kapitel 3.2. Copyleft wird darauf näher eingegangen.

[4] Unix: Uniplexed Information and Computing System. Unix wurde 1969 von dem amerikanischen Konzern AT&T entwickelt. Es war das erste Betriebssystem, das in einer höheren Programmiersprache („C“) geschrieben wurde, und ist daher weitgehend plattform-unabhängig.

[5] Die GPL wird in Kapitel 5 näher erläutert.

[6] Vgl.: Grassmuck, S. 236.

[7] Vgl.: Grassmuck, S. 237.

[8] Vgl.: Grassmuck, S. 237.

[9] Vgl.: Grassmuck, S. 237.

Details

Seiten
27
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638741293
ISBN (Buch)
9783638742054
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73901
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
Stellt Einführung Software-Patenten Risiko Open Source Software

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