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Strategische Kontrolle - Theorie und Empirie

Seminararbeit 2006 22 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Probleme der traditionellen Kontrolle im strategischen Bereich

3 Verschiedene Konzepte strategischer Kontrolle
3.1 Frühe Auseinandersetzungen mit der strategischen Kontrollthematik
3.2 Das Konzept der strategischen Kontrolle von Schreyögg/Steinmann
3.2.1 Strategische Prämissenkontrolle
3.2.2 Strategische Durchführungskontrolle
3.2.3 Strategische Überwachung
3.3 Neuere Konzepte strategischer Kontrolle – Eine Weiterentwicklung?

4 Implementation der strategischen Kontrolle – Probleme und Instrumente
4.1 Strategische Prämissenkontrolle
4.2 Strategische Durchführungskontrolle
4.3 Exkurs: Ansoffs Theorie der schwachen Signale
4.4 Strategische Überwachung

5 Strategische Kontrolle in der Unternehmenspraxis
5.1 Strategische Prämissenkontrolle
5.2 Strategische Durchführungskontrolle
5.3 Strategische Überwachung

6 Fazit

Literaturverzeichnis

A B B I L D U N G S V E R Z E I C H N I S

Abb. 1: Traditionelle Feedback-Kontrolle

Abb. 2: Die strategischen Kontrolltypen im Überblick

1 Einleitung

Jeder, der sich mit wirtschaftlichen Fragestellungen beschäftigt, kennt den bekannten Satz „Planung ohne Kontrolle ist [...] sinnlos, Kontrolle ohne Planung unmöglich.“[1] und wer ihn nicht kennt, würde ihm bedenkenlos zustimmen. Was Planung ist, ist auch allen klar: Man entwickelt Vorstellungen über eine zukünftige Vorgehensweise oder einen zukünftigen Zustand, den man erreichen will. Und Kontrolle? Ja, am Ende schaut man, ob man das, was man am Anfang geplant hat, auch erreicht hat. Aber ist das wirklich so einfach? Was ist denn, wenn man am Anfang noch gar nicht sicher ist, was am Ende heraus kommen soll oder wenn sich die der Planung zugrunde liegenden Umstände während der Durchführung ändern? Macht Kontrolle dann keinen Sinn oder ist sie gar unmöglich? Fragen dieser Art stellen sich vornehmlich dann, wenn die Planungen nicht genau konkretisiert sind oder sich über einen langen Zeitraum erstrecken: Im strategischen Bereich. Ziel dieser Arbeit soll deshalb sein, die Kontrolle strategischer Planungen näher zu beleuchten, um oben gestellte und andere Fragen zu beantworten.

2 Probleme der traditionellen Kontrolle im strategischen Bereich

Unternehmen verfolgen verschiedene Ziele[2]. Im Zielbündel eines Unternehmens spiegeln sich sowohl die persönlichen als auch die wirtschaftlichen subjektiven Ziele der beteiligten Individuen wider, weshalb sich das Zielbündel eines jeden Unternehmens von denen aller anderen unterscheidet. Ein Ziel sollte aber dennoch jeder Unternehmung gemein sein: Die langfristige Sicherung des Unternehmensbestandes. Diesem Ziel sind alle anderen Ziele unterzuordnen, wobei die aus diesem direkt abgeleiteten Ziele, die der langfristigen Grundsatzplanung der Unternehmung dienen[3], als strategische Ziele zu bezeichnen sind.

Jeder Zielplanung sollte irgendwann einmal eine Kontrolle folgen. In der klassischen Kontrolle (vgl. Abb. 1) ist die Kontrolle als Feedback-Kontrolle (Soll-Ist-Vergleich) konzeptionalisiert[4]. Sie kontrolliert erst nach abgeschlossener Durchführung des Geplanten, ob das Ergebnis mit der Planung übereinstimmt. Das Ergebnis dieser Kontrolle kann dann für eine erneute Planung genutzt werden. Der hier abgebildete Managementprozess wird deshalb als „plandeterminiert“[5] bezeichnet, weil die Planung alle weiteren Schritte bestimmt und im Fortlauf nicht revidierbar ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Traditionelle Feedback-Kontrolle[6]

Auf strategischer Ebene bedeutet Planung, kurz gefasst, die optimale langfristige Positionierung der Unternehmung[7] in seiner Umwelt. Dabei ist jedes Unternehmen in eine andere, spezifische, sich aus globaler Umwelt, sektoraler Umwelt und Wettbewerbsumwelt zusammensetzende Umwelt[8] eingebettet. Diese spezifische Umwelt allerdings ist, obwohl sie einen alle irrelevanten Faktoren ausblendenden Ausschnitt aus der komplexen Gesamtumwelt beschreibt, niemals vollständig erfassbar[9]. Eine erste Leistung der strategischen Planung ist also, Annahmen darüber zu treffen, was die relevante Umwelt ist und welche Faktoren der relevanten Umwelt in die Planung einfließen müssen. Durch diese Annahmen soll, der Systemtheorie Luhmanns folgend[10], die Komplexität der der strategischen Planung zugrunde liegenden in- und externen Umwelt künstlich auf ein handhabbares Maß reduziert[11] werden[12]. Je größer allerdings die Komplexitätsdifferenz zwischen dem System „Umwelt“ und dem System „Unternehmung“ ausfällt, desto größer ist das Risiko der Ausblendung strategisch relevanter Faktoren. Dieses Problem strategischer Planung liefert einen ersten Hinweis auf die – wegen ihrer im wahrsten Sinne des Wortes existenziellen Bedeutung[13] – besonderen Ansprüche, die an eine strategische Planung zu richten sind. Der zweite wichtige Punkt hierbei ist die Bedeutung der Strategie selbst für die Unternehmung. Die Strategie ist in einem subsumierenden Verständnis ein rational geplantes, in sich stimmiges, komplexes Maßnahmenbündel, das von der Unternehmensführung festgelegt wird und zur Erreichung der grundsätzlichen Unternehmensziele notwendig ist[14]. Sie bestimmt die grundsätzliche Richtung der Unternehmung und entscheidet damit darüber, ob das Unternehmen am Markt Erfolg hat oder nicht. Eine auf die Realisation der strategischen Pläne folgende Kontrolle, wie sie der plandeterminierte Managementprozess propagiert, macht hier wenig Sinn, weil sie im Falle von Abweichungen stets zu spät kommt[15]. Zudem wird es hier als höchst fahrlässig erachtet, eine möglicherweise jahrelang währende Realisation der strategischen Pläne für diesen Zeitraum unbeobachtet zu lassen.

Aus den vorstehenden Ausführungen wird schnell deutlich, dass das übliche Verständnis von Kontrolle im Sinne einer Feedback-Kontrolle auf strategischer Ebene zu kurz greift[16]. Dieses Defizit wächst überproportional mit der zunehmenden Komplexität und Dynamik der Umwelt[17]. Deshalb werden im Folgenden verschiedene Konzeptionen einer weitergehenden, strategischen Kontrolle vorgestellt, die dieses Defizit traditioneller Kontrolle zu überwinden versuchen.

3 Verschiedene Konzepte strategischer Kontrolle

3.1 Frühe Auseinandersetzungen mit der strategischen Kontrollthematik

Nachdem man sich vorher ausführlicher nur mit der Planung und insbesondere mit der Durchführung betriebswirtschaftlicher Prozesse und Aufgaben beschäftigt hat, ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der strategischen Kontrolle erst Anfang der 80er Jahre aufgekommen. Die seit den 70er Jahren zunehmende Komplexität und Dynamik der Umwelt und die Erkenntnisse aus wirtschaftlichen Schocks, wie den Ölkrisen der Jahre 1973 und 1979/80, auf die ein Großteil der Wirtschaftenden nicht adäquat reagiert hatten, bewirkten, dass Mitte der 80er Jahre drei strategische Kontrollkonzeptionen auf sich aufmerksam machten[18]. Den Anfang machte Lorange 1984[19], der in der strategischen Kontrolle die Kontrolle der Lern- und Wandlungsfähigkeit der Unternehmung sah und zwischen den beiden Kontrollarten „strategic monumentum control“ (bei kontinuierlicher Umweltentwicklung), bei der die Kontrolle der Planungsprämissen und der Soll-Ist-Vergleich im Vordergrund standen, und „strategic leap control“ (bei diskontinuierlicher Umweltentwicklung), bei der auf eine turbulente Umwelt abgestimmte Instrumente zum Einsatz kamen, unterschied. Zeitgleich stellte Zettelmeyer 1984 seine Konzeption der strategischen Kontrolle als eigenständiges Führungssubsystem in den Raum, das die drei Kontrollarten Plankontrolle (bestehend aus Planinhaltskontrolle, Planrealisationskontrolle und Planergebniskontrolle), Planungssystemkontrolle und Verhaltenskontrolle kennt.

3.2 Das Konzept der strategischen Kontrolle von Schreyögg/Steinmann

1985 griffen Schreyögg/Steinmann die bisher erarbeiteten Konzepte und den systemtheoretischen Ansatz Luhmanns konsequent auf und entwickelten diese weiter zu ihrer Konzeption der strategischen Kontrolle. Mit ihrem Verständnis der strategischen Kontrolle als den Managementprozess begleitende Kontrolle[20], in dem die strategische Kontrolle aus ihrem bisherigen Status als nachgelagerte Kontrolle herauswächst und bereits mit Beginn der Planung beginnt, stellt diese Konzeption einen bis heute nicht angefochtenen Quantensprung in der Theorie der Strategielehre dar. Als Reaktion auf die Defizite der klassischen Feedback-Kontrolle auf strategischer Ebene, gliedern Schreyögg/Steinmann die strategische Kontrolle in drei verschiedene Kontrolltypen – die strategische Prämissenkontrolle, die strategische Durchführungskontrolle sowie die strategische Überwachung[21], wobei letztere den eigentlichen Kern der strategischen Kontrolle bildet. Diese einzelnen Teilkontrollen beziehen sich – ihrer Benennung folgend – auf jeweils andere Kontrollobjekte und sind in Abb. 2 grafisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Die strategischen Kontrolltypen im Überblick; Quelle: Becker, W./Piser, M., Strategische Kontrolle – Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, 2003, S. 11.

3.2.1 Strategische Prämissenkontrolle

Die strategische Prämissenkontrolle soll das Selektionsrisiko der strategischen Planung, das durch die Komplexitätsreduktion durch Ausblendung verschiedener Umweltfaktoren entsteht, kompensieren. Bei diesem Kontrolltyp geht es darum, die Annahmen, die die strategische Planung über Zustand und Entwicklung der internen und externen Umwelt macht, stets im Auge zu behalten und bei nicht in der Planung berücksichtigten Änderungen der Faktoren, die die gegenwärtige Strategie bedrohen könnten, Alarm zu schlagen. Diese Kontrolle beginnt mit der Verabschiedung der Prämissen und zieht sich durch die weitere Planung, wie auch durch die Umsetzung der strategischen Pläne hindurch. Die strategische Prämissenkontrolle sieht sich dabei einem Dilemma ausgesetzt. Sie soll das Selektionsrisiko der strategischen Planung reduzieren bzw. idealerweise vollständig kompensieren. Um eine zeitlich und wirtschaftlich effiziente Prämissenkontrolle durchführen zu können, können aber nicht alle Prämissen mit der gleichen Intensität betrachtet werden, weshalb die strategische Prämissenkontrolle ihrerseits auch wiederum Prämissen, nämlich über die Relevanz der einzelnen Prämissen der Planung, festlegt. Sie kontrolliert verstärkt diejenigen Prämissen, von denen man erwartet, dass eine Verletzung schwerwiegende Konsequenzen für die Umsetzung der Strategie haben könnte, und blendet als nebensächlich erachtete Prämissen aus[22]. Dadurch ergibt sich zwar ein neues Selektionsrisiko, dieses wird aber bei richtiger Anwendung dieses Instrumentes deutlich geringer ausfallen als das durch die strategische Prämissenkontrolle vermiedene[23].

[...]


[1] Vgl. Wild, J., Grundlagen der Unternehmungsplanung, 1974, S. 44.

[2] Die Gesamtheit aller verfolgten Ziele wird hier als Zielbündel bezeichnet.

[3] Vgl. Steinmann, H./Schreyögg, G., Management, 2000, S. 149.

[4] Vgl. Gälweiler, A., Zur Kontrolle strategischer Pläne, 1981, S. 383.

[5] Steinmann, H./Schreyögg, G., Management, 2000, S. 125.

[6] Eigene Darstellung; in Anlehnung an Steinmann, H./Schreyögg, G., Management, 2000, S. 369.

[7] Da jede Unternehmung über andere Potentiale und Ressourcen verfügt, ergibt sich für jede Unternehmung eine jeweils andere „optimale Position“.

[8] Vgl. Steinmann, H./Schreyögg, G., Management, 2000, S. 162.

[9] Auch ist jedes Umweltbild nur von begrenzter Aktualität (vgl. Sjurts, I., Kontrolle, Controlling und Unternehmensführung, 1995, S. 272).

[10] Vgl. Luhmann, N., Zweckbegriff und Systemrationalität, 1973, S. 322.

[11] Dies geschieht neben der Ausblendung von für unwichtig erachteten Faktoren unter anderem auch durch die spätere Konkretisierung der strategischen Pläne in operative, womit die strategische Ebene entlastet wird (vgl. ebenda, S. 400).

[12] Vgl . Steinmann, H./Schreyögg, G., Management, 2000, S. 129 ff.

[13] Die Sicherung der Existenz der Unternehmung ist stets das oberste Ziel.

[14] Im Unterschied dazu siehe Brockhaus, wo die Strategie lediglich als ein Beitrag zur Erreichung der Ziele verstanden wird (vgl. Brockhaus-Enzyklopädie, 1993, Bd. 21, S. 306).

[15] Vgl. Schreyögg, G./Steinmann, H., Strategische Kontrolle, 1985, S. 391; im Extremfall kommt es nicht einmal mehr zur Kontrolle.

[16] Analog zu den oben genannten hohen Ansprüchen an die strategische Planung müssen diese vice versa auch an eine strategische Kontrolle gestellt werden.

[17] Vgl. Sjurts, I., Kontrolle, Controlling und Unternehmensführung, 1995, S. 362.

[18] Vgl. Gälweiler, A., Zur Kontrolle strategischer Pläne, 1981, S. 397 f.

[19] Die Ansätze von Lorange und Zettelmeyer sollen hier nur sehr knapp überblickartig dargestellt werden (zum Überblick vgl. Bea, F. X./Haas, J., Strategisches Management, 2005, S. 233 f.).

[20] Vgl. Schreyögg, G./Steinmann, H., Strategische Kontrolle, 1985, S. 396 f.; bei Bea/Haas fälschlicherweise nur als „planungsbegleitend“ bezeichnet (vgl. Bea, F. X./Haas, J., Strategisches Management, 2005, S. 233).

[21] Vgl. Schreyögg, G./Steinmann, H., Strategische Kontrolle, 1985, S. 401 ff.

[22] Vgl. Schreyögg, G./Steinmann, H., Strategische Kontrolle, 1985, S. 401.

[23] Vgl. hierzu auch Kap. 3.2.3.

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638783361
Dateigröße
638 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73794
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
Schlagworte
Strategische Kontrolle Theorie Empirie

Autor

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Titel: Strategische Kontrolle - Theorie und Empirie