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Definition und Status des Konfixes: Nur ein gebundenes Grund-/ Basismorphem?

Hausarbeit 2007 14 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Stellung des Konfixes in der Wortbildung
2.1 Definitionsansätze
2.2 Abgrenzungsprobleme

3. Resümee und Stellungnahme

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Deutschen zählen freie lexikalische Morpheme, Affixe und Konfixe zu den produktiven Mitteln der Wortbildung. Ersteres meint die frei vorkommenden Einheiten, sprich Wörter, zweiteres bezeichnet die verschiedenen Prä- und Suffixe der Wortbildung, wie zum Beispiel un-; -heit: -keit. Über Definition und Status des Konfixes in der deutschen Wortbildungslehre herrscht hingegen kein wissenschaftlicher Konsens.

Ein Grund hierfür könnte sein, dass das Konfix sprachhistorisch noch nicht sehr lange zu den drei zentralen Einheiten der deutschen Wortbildung gehört, und dementsprechend ein relativ neuer Forschungsgegenstand derselbigen darstellt (vgl. Donalies 2000: 144). Das Konfix taucht erst seit den achtziger Jahren maßgeblich in der Forschungsliteratur auf, wird jedoch seitdem immer mehr als Gegenstand der deutschen Wortbildung thematisiert.

Meist wird darin das Konfix durch eine Abgrenzungsdefinition bestimmt, indem vorrangig Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Wortbildungseinheiten herausgestellt werden. So gilt die Gebundenheit als Hauptmerkmal zur Abgrenzung der Konfixe von Wörtern beziehungsweise freien lexikalischen Einheiten, die Derivationsbasisfähigkeit hingegen zur Abgrenzung von den Wortbildungsaffixen (vgl. Donalies 2000: 144).

Auch wenn sich die Kategorie Konfix mittlerweile als Wortbildungseinheit und wissenschaftlicher Terminus neben Lexemen und Affixen in der Forschungsliteratur und in den Einführungen zur Wortbildung etabliert hat, wird der Begriff bisweilen sehr strittig und widersprüchlich verwendet.

Da dem Konfix meist eine Zwischenstellung zwischen frei vorkommenden Grundmorphemen und Affixen zugesprochen wird (vgl. Lohde 2006: 78), werden unter dem Begriff Konfix häufig solche morphologischen Einheiten zusammengefasst, die gebunden und trotzdem basisfähig sind. Aufgrund dieser weitgefassten Zwischenstellung bezeichnen einige Autoren die Kategorie der Konfixe als „gebundene Grundmorpheme“ (Fleischer/ Barz 1995: 25).

Als weiteres Abgrenzungsproblem stellt sich, dass sich einige Konfixe wie mini- im allgemeinen Sprachgebrauch als eigenständige Wörter etablieren, wodurch der Status des Konfixes zunehmend problematisch zu werden beginnt (vgl. Fleischer/ Barz 1995: 120).

Im Folgenden möchte ich verschiedene in der Forschungsliteratur vertretene Positionen und Diskussionsansätze hinsichtlich der Definition und Stellung des Konfixes innerhalb der deutschen Wortbildung darstellen, sowie im Zuge dessen der sprachwissenschaftlich oft gestellten Frage nachgehen, ob das Konfix ausschließlich als gebundenes Grund- beziehungsweise Basismorphem zu bestimmen und argumentativ schlüssig zu definieren ist.

2. Zur Stellung des Konfixes in der Wortbildung

2.1 Definitionsansätze

Das in der Forschungsliteratur am häufigsten genannte Merkmal der Kategorie Konfix ist die Gebundenheit. Konfixe können demnach immer nur mit anderen morphologischen Einheiten auftreten, sind also nicht wortfähig. Die meisten Autoren definieren das Konfix durch eine begriffliche Abgrenzung zu anderen Einheiten der deutschen Wortbildung. So bestimmt Elke Donalies (2005, S. 21) die gebundenen Charakter als Hauptkriterium zur Unterscheidung von Wörtern, da Konfixe weder selbst frei vorkommen, noch durch Flexion grammatikalisch und syntaktisch angepasst werden können, wonach Konfixe weder als selbstständige Wörter, noch als Varianten oder Wortformen betrachtet werden können. Demnach sind Konfixe klar von beispielsweise Verbstämmen abzugrenzen, die innerhalb der Wortbildung als gebundene Grundmorpheme betrachtet werden können. Konfixe sind demzufolge weder freie und lexikalische Morpheme, noch gebundene Wortbildungsaffixe oder gebundene Stämme (vgl. Donalies 2005: 21ff.). Durch syntaktische und grammatische Unterschiede auf beiden Seiten spricht Donalies ihnen eine eigene Stellung zu.

Neben diesem Unterscheidungskriterium bestehen zwischen Wörtern und Konfixen auch Gemeinsamkeiten; beides sind produktive Wortbildungselemente, da Konfixe auch als Basen für Ableitungen dienen können und durch Affigierung Derivate bilden (vgl. Donalies 2005: 22). So kann das Konfix ident- nicht frei vorkommen, durch Hinzufügen des Suffixes – isch wird es jedoch zu einer Derivationsbasis. Die Basisfähigkeit stellt einerseits ein mit freien Morphemen geteiltes Wortbildungsmerkmal der Konfixe dar, andererseits einen Unterschied zu den Wortbildungsaffixen, welche nicht als Derivationsbasen fungieren (vgl. Donalies 2005: 22).

Ein weiteres Merkmal zur definitorischen Bestimmung stellt neben der erwähnten Basis- auch die Kompositionsgliedfähigkeit einiger Konfixe dar; so handelt es sich beispielsweise in dem Determinativkompositum Thermojacke um eine Zusammensetzung aus entlehntem Konfix und Substantiv (vgl. Donalies 2005: 22).

Auch Michael Lohde bestimmt die Konfixe durch Nennung des fehlenden Merkmals Wortfähigkeit, welches die Gruppe der Konfixe maßgeblich von den Grundmorphemen als Wortbildungseinheiten unterscheidet (vgl. Lohde 2006: 18). Lohde versteht Konfixe nicht als eigne Gruppe der Wortbildungseinheiten, sondern als „eine Reihe von dem Anschein nach freien Morphemen“( Lohde 2006: 18), die das Kriterium Wortfähigkeit nicht erfüllen.

Dementsprechend werden Konfixe hier als spezifische Gruppe von Morphemen bestimmt, welche trotz lexikalischer Bedeutung nur in Verbindung mit anderen Morphemen vorzufinden sind. Lohde benutzt für Konfixe auch den Begriff „Kombinene“ (2006, S.18), da Konfixe nur in Kombination mit anderen Einheiten syntaktisch nutzbar gemacht werden können.

Michael Lohde nimmt hier eine Bestimmung des Konfixes als eine Art Sonderform der Morpheme vor, die sich zwar durch eine lexikalische Bedeutung auszeichnet, jedoch nicht als freies Grundmorphem vorkommen kann. Dementsprechend ist der Begriff Konfix in diesem Kontext gleichbedeutend mit dem gebundenen Grundmorphem, da Konfixe einerseits eine lexikalische Bedeutung wie freie Morpheme tragen, andererseits wie gebundene Morpheme nicht frei vorkommen können.

Auch bei Fleischer und Barz ist eine ganz ähnliche Begriffsbestimmung vorzufinden; im Gegensatz zu Lohde, welcher Konfixe im Sinne gebundener Grundmorpheme durch Eigenschaftsnennung lediglich umschreibt, wird hier ganz ausdrücklich von den „gebundenen Grundmorphemen“ gesprochen (Fleischer/ Barz 1995: 25). Hinsichtlich ihrer Argumentation gehen die beiden Autoren ähnlich wie Lohde vor, indem sie Konfixe prinzipiell als Grundmorpheme betrachten, auf die bestimmte Merkmale nicht uneingeschränkt zutreffen. Als zwei dieser nichtzutreffenden Merkmale benennen sie wie die anderen genannten Autoren die fehlende Wortfähigkeit der Konfixe und den Tatbestand, dass Konfixe nur in Kombination mit anderen Wortbildungseinheiten auftreten können (vgl. Fleischer/ Barz 1995: 25).

Als kombinatorische Einheiten treten Konfixe entweder nur als Derivationsbasen auf (zum Beispiel fanat- in fanatisch), nur als Erst- oder Zweitglied in Komposita (zum Beispiel schwieger- in Schwiegersohn), oder sie können in manchen Fällen sowohl als Erst- als auch als Zweitglied fungieren (beispielsweise das Konfix therm) (vgl. Fleischer/ Barz 1995: 25).

Darüber hinaus nennen auch Fleischer und Barz das Merkmal der lexikalisch-begrifflichen Bedeutung der Konfixe, welches als Hauptkriterium für die Zuordnung zu den Grund- beziehungsweise Basismorphemen geltend gemacht wird (vgl. Fleischer/ Barz 1995: 25).

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Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638783439
ISBN (Buch)
9783638794527
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73629
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
2,0
Schlagworte
Morphem Konfix Sprachwissenschaft Wortbildung

Autor

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