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Platons Erziehung - Ihr Einfluss auf die heutige Pädagogik

Zwischenprüfungsarbeit 2007 40 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Die Politeia.

2. Platon
2.1. Sein Leben
2.2. Sein Werk

3. Politeia
3.1. Die drei Teile der menschlichen Seele
3.2. Ideenlehre
3.3. Das Sonnengleichnis
3.4. Das Liniengleichnis
3.5. Zum Begriff der Dialektik
3.6. Das Höhlengleichnis

4. Erziehungsidee

5. Der Lehrplan

6. Platons Nachwirkung

7. Die Entwicklung der Erziehung

8. Platonische Denkweisen in der heutigen Pädagogik

9. Fazit

Literaturverzeichnis

Internet:

1. Einleitung

„Whitehead schrieb, die philosophische Tradition Europas bestehe im wesentlichen aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon.“[1] Auch „Platon selbst hatte den Willen, eine Tradition zu begründen.“[2] Die Lehre Platons wurde tatsächlich von Epoche zu Epoche überliefert. Allerdings entwickelten sich verschiedene Auslegungen in Abhängigkeit davon welche von seinen Werken als die Zentralen angesehen wurden. Aber nicht nur die Überlieferung seiner Lehre, sondern auch die Kritik daran nahm Einfluss auf die Geschichte der Philosophie. So begründete ein berühmter Schüler Platons, Aristoteles, seine eigene Philosophie indem er Kritik an seinem Lehrer übte.[3]

In dieser Arbeit möchte ich nun einen Überblick über Platons Erziehungsidee geben und des Weiteren untersuchen, inwieweit sich die Erziehung und das Kindheitsbild in der Geschichte entwickelt haben. Schließlich möchte ich noch darauf eingehen ob und wo sich Platons Erziehungsideen in der heutigen Pädagogik wieder finden.

Da es den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde möchte ich nicht auf alle Bücher Platons näher eingehen, sondern mich auf eines seiner berühmtesten Werke konzentrieren:

1.1. Die Politeia.

Platons Politeía „ist kein politisches Werk, wie die Leute behaupten, die die Bücher nur nach dem Titel beurteilen: es ist die schönste Abhandlung über die Erziehung, die jemals geschrieben wurde.“[4] Dass sich in der Politeía auch pädagogische Gedanken finden lassen, wird wahrscheinlich von keinem Interpreten bestritten. In dieser Arbeit soll eine grundsätzlich pädagogische Perspektive eingenommen werden. Durch eine solche, im Grunde willkürliche und erkenntnisleitende Entscheidung ist die Interpretationsbreite zwar etwas eingeschränkt, andererseits hilft die Beschränkung der Perspektive dabei, Relevantes im Auge zu behalten und sich nicht von Nebensächlichkeiten ablenken zu lassen.

Zunächst möchte ich aber einen kleinen Überblick über das Leben und Werk des berühmten antiken Philosophen geben, um die Rahmenbedingungen unter denen dieses Werk entstanden ist besser zu verstehen.

2. Platon

2.1. Sein Leben

Platon lebte von 427 - 347 v.Chr. und wurde als Sohn einer der führenden Familien Athens geboren.[5] Die Familie seiner Mutter Periktione stand in einer nicht bestimmbaren Verbindung zu Solon, dem Gesetzgeber Athens. Nachdem sein Vater Ariston starb, heiratete seine Mutter seinen Onkel Pyrilampes. Des Weiteren war er mütterlicherseits mit Kritias und Charmides verwandt, die beide in die Schreckensherrschaft der dreißig Tyrannen verwickelt waren. In seinen Werken äußerte sich Platon nie zum politischen Wirken seiner Verwandtschaft. Nach dem Sturz der Dreißig überlegte sich Platon ein weiters mal eine politische Laufbahn einzuschlagen, wie seine adlige Herkunft für ihn vorgesehen hatte.

Das Todesurteil gegen seinen Lehrer und Mentor Sokrates, schreckten ihn aber ab, da er es nicht mit seinem Empfinden von Recht und Moral vereinbaren konnte. Statt auf politische Weise gegen die Missstände dieser Zeit vor zu gehen entwickelte er seine eigene Philosophie. 390 oder 389 v.Chr. brach er zu seiner ersten Sizilienreise auf. Dort regierte Dionysios I., dessen tyrannische Züge sich Platon höchstwahrscheinlich sich zur Vorlage genommen hat, als er in der Politeia den Typus des Tyrannen beschreibt. Des Weiteren lernt er dessen Schwager Dion kennen, der die platonische Philosophie in sein politisches Programm aufnahm. Bald jedoch hatte Dionysios I. Vorbehalte gegen Platon und ließ ihn ausschiffen. Daraufhin kehrte er im Jahr 388 v.Chr. nach Athen zurück.[6]

Im Jahr 387 v.Chr. eröffnete er eine Schule in Athen, die auch nach seinem Tod im Alter von 80 Jahren noch mehrere Jahrhunderte bestand und als Platonische Akademie (nach dem griechischen Sagenheld Akademos) bekannt ist. Er unterrichtete dort unentgeltlich einen sich ansammelnden Kreis von Schülern, anhand eines durch ihn konzipierten und festgefügten Modells.[7]

367 v.Chr. brach Platon zu seiner zweiten Sizilienreise auf. Er wurde von Dion freundlich empfangen. Dieser wurde allerdings von Dionysios II., dem Sohn von Dionysios I., verbannt. Platon fand sich nun in einer heiklen Lage, erlangte aber 365 v.Chr. die Erlaubnis wieder nach Athen zurückzukehren. Allerdings unter der Bedingung nach dem Krieg, den Dionysios II. vor hatte zu führen, wieder zurückzukehren. Um Platon zur Rückkehr zu zwingen, erpresste er ihn damit, dass Schicksal des Dion günstig beeinflussen zu können.

So unter Druck gesetzt trat Platon also seine dritte Sizilienreise an. Dionysios II. war jedoch nicht lange an Platons Philosophie interessiert und behandelte ihn wie ein Söldner, bis der einflussreiche Phythagorer Archytas ihn befreite. Dion besetzte 357 v.Chr. Syrakus gegen Platons Willen und eroberte es so zurück. Drei Jahre später fiel er einer Verschwörung zum Opfer, was seinen Freund Platon schwer traf.

Über die letzten Jahre des antiken Philosophen weiß man sehr wenig. Er arbeitete gerade an seinem letzten Buch Nomoi, da von diesem ein unfertiges Manuskript vorliegt, als er im Jahre 348 oder 347v.Chr. starb. Laut Berichten des Reiseschriftstellers Pausanias liegt Platon in der Nähe seiner Akademie begraben.[8]

2.2. Sein Werk

Platons Schriften weisen zumeist die Form eines Dialoges auf, in welchen Sokrates eine wichtige Rolle spielt. Man kann jedoch in den späteren Werken Platons nicht mehr feststellen, inwieweit die Aussagen tatsächlich Sokrates entstammen oder ihm von Platon in den Mund gelegt wurden und er sich der Figur Sokrates´ als Sprachrohr bediente. Platon verstand es meisterlich die Form des Dialoges in seinen Schriften zu verwenden, die ihm die Möglichkeit gab, seine Gedanken nicht nur systematisch aufzubereiten, sondern eine größere Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erreichen, durch Für und Wider der verschiedenen Personen und Seiten des Problems, durch das dialektische Gespräch zeigte er, dass das menschliche Denken immer gespalten und in Gegensätzen verhaftet ist. Außerdem lässt diese Form dem Autor die Freiheit, am Schluss nicht endgültig Stellung beziehen oder gar den Streit schlichten zu müssen.[9] Seine Dialoge sind immer gut historisch einzuordnen, da er immer Ort und Datum des Gesprächs mitteilt. Es gibt immer eine Figur, die das Gespräch leitet und meist nur ein Gegenspieler. Platon selbst tritt nie selbst auf. In seinen frühen Dialogen übernimmt Sokrates die Gesprächsleitung, später andere meist historisch bekannte Figuren.[10]

Es ist sehr schwierig Platons Werke in eine chronologische Reihenfolge zu bringen. Schleiermacher ging davon aus, dass die Dialoge inhaltlich zusammenhängen und die Leitgedanken methodisch entwickelt werden und ordnete sie dem entsprechend. Sprachstatistisch ergibt sich allerdings eine andere Reihenfolge, was darin begründet liegen kann, dass Platon ein Meister darin war seinen Stil zu variieren. Insgesamt kann man seine Werke vielleicht seinen Lebensabschnitten zuordnen. So entstand die Politeia wahrscheinlich zwischen seiner ersten und zweiten Sizilienreise.[11]

3. Politeia

,,Politeia" ist wohl Platons berühmtestes Buch. Das komplexe Werk besteht aus zehn Büchern und ist in Dialogform verfasst. Hauptperson ist Sokrates, dem Platon die Worte in den Mund gelegt hat. Die Zwiegespräche werden hauptsächlich mit zwei Brüdern Platons Glaukon und Adeimantos geführt.

3.1. Die drei Teile der menschlichen Seele

Im vierten Buch der ,,Politeia" macht sich Platon Gedanken über die Seele. In einem Dialog zwischen Sokrates und Glaukon teilt er die Seele in drei Teile ein:

,,Nicht ohne Grund, [...] , werden wir also der Meinung sein, daß die beiden zweierlei und voneinander verschieden sind, wobei wir das, wodurch die Seele vernünftig überlegt, als ihr Überlegungsvermögen bezeichnen und das, womit sie liebt und hungert und dürstet oder sonst etwas mit Leidenschaft begehrt, als das Unvernünftige und Begehrungsvermögen, den Freund von Sättigung und Lüsten. [...] So wollen wir also bestimmt haben, fuhr ich fort, daß sich diese beiden Arten in unserer Seele finden. Was nun aber den Mut betrifft und das, wodurch wir mutig sind - ist das ein Drittes, oder welchem von jenen beiden wäre es wohl von Natur gleich?

[...] Ist es nun auch von diesem verschieden, oder ist es eine Art des Überlegungsvermögens, so daß nicht drei, sondern nur zwei Arten in der Seele sind, das Überlegungsvermögen und das Begehrungsvermögen? Oder ist es wie in der Stadt: wie diese aus den drei Ständen, dem gelderwerbenden, dem helfenden und dem ratgebenden bestand, so ist dieses Muthafte auch in der Seele eine Drittes, von Natur ein Helfer des Überlegungsvermögens, wenn es nicht durch schlechte Erziehung verdorben ist.

<< Es ist notwendig ein Drittes>>, sagte er [Glaukon]."[12]

Platon beschreibt die menschliche Seele also als ,,dreigeteilt". Für jeden Teil gibt es eine Tugend, eine ordnende Kraft. Analog dazu teilt Platon die Bürgerschaft seines ,,Musterstaates" in drei Klassen oder Stände ein: Dabei ist dem Haupt (Kopf) die Tugend der Weisheit zugeschrieben. In der Bürgerschaft repräsentieren die Philosophen, also die Herrscher diesen Teil. Die Wächter, also die Polizei, die Armee, Beamte und Lehrer verkörpern den zweiten Teil, die Brust. Diese steht für die Tugend der Tapferkeit. Die Tugend des dritten Teils, des Unterleibs ist die Besonnenheit. Platon schreibt diese dem Nährstand zu, also den Kaufleuten, Bauern und Handwerkern. Platons Idealstaat liegt die Idee zugrunde, dass jeder nur eine Sache perfekt ausführen könne.

Jeder Stand hat deshalb seine Aufgaben. Der Nährstand soll für das körperliche Überleben sorgen, die Wächter sollen beschützen und den Staat verwalten und die Herrscher, also Philosophen dienen als Gesetzgeber und Richter. Wenn die Herrscher weise sind, die Wächter tapfer und das Volk besonnen ist; also jeder Stand seinen Aufgaben nachkommt und alle füreinander da sind, funktioniert der Staat. Folgendes Zitat unterstreicht die Wichtigkeit dieser Stände für Platon:

,,Die Vielgeschäftigkeit und das Vertauschen dieser drei Stände wird also für die Stadt der größte Schaden sein, und man könnte sie wohl mit vollem Recht ein Hauptverbrechen nennen"[13]

,,Wenn nicht entweder die Philosophen Könige werden in den Städten, sagte ich, oder die, die man heute Könige und Machthaber nennt, echte und gründliche Philosophen werden, und wenn dies nicht in eines zusammenfällt: die Macht in der Stadt und die Philosophie, und all die vielen Naturen, die heute ausschließlich nach dem einen oder dem anderen streben, gewaltsam davon ausgeschlossen werden, so wird es, mein lieber Glaukon, mit dem Elend kein Ende haben, nicht für die Städte und auch nicht, meine ich, für das menschliche Geschlecht."[14]

Seine wichtigste Forderung ist also, dass die Philosophen herrschen sollen. Die zweite Möglichkeit wäre, dass die Herrscher, wie beispielsweise Könige, wenigstens philosophieren sollen, weil nur sie die Idee des Guten erkennen können, wodurch es erst möglich wird, einen Staat zu regieren.

3.2. Ideenlehre

Mit dem ersten Teil der menschlichen Seele hat sich Platon noch intensiver beschäftigt. Das Denken ist der unsterbliche Teil der Seele, der sich durch den Eintritt in den menschlichen Körper mit den anderen beiden Teilen verbindet.

Die unsterbliche Seele hat ihren ursprünglichen Platz im Reich der Ideen, welches die Urbilder des gesamten Seins als solches beinhaltet, die Idee des höchsten Guten steht hier an oberster Stelle. Die Welt, in die wir geboren werden, enthält nur die Abbilder dieser Ideen, welche wir ausschließlich mit unseren Sinnen erfassen können. Doch unsere Seele hat die Möglichkeit, sich an das Urbild/die Idee zu erinnern, für den Menschen erscheint dies als ein Vorgang des Suchens und Lernens.

Als leichten Einstieg und um die Ideenwelt zu verdeutlichen, hier eine mögliche Erklärung aus einem Kinder- und Jugendbuch, Namens ,,Sofies Welt" von Jostein Gaarder:

,,Warum sind alle Pferde gleich, [...] es gibt etwas, das allen Pferden gemeinsam ist, etwas, das dafür sorgt, daß wir niemals Probleme haben werden, ein Pferd zu erkennen. Das einzelne Pferd >>fließt<< natürlich. [...] Aber die eigentliche Pferdeform ist ewig und unveränderlich.[...] Platon glaubte an eine eigene Wirklichkeit hinter der >>Sinnenwelt<<. Diese Wirklichkeit nannte er die Welt der Ideen. Hier finden wir die ewigen und unveränderlichen >>Musterbilder<<, die Urbilder hinter den verschiedenen Phänomenen, die uns in der Natur begegnen.[...]

Der eine Teil ist die Sinnenwelt - über die wir nur ungefähre oder unvollkommene Kenntnis erlangen können, indem wir unsere fünf (ungefähren und unvollkommenen) Sinne benutzen. Von allem in der Sinnenwelt gilt, daß >>alles fließt<< und daß folglich nichts Bestand hat. Nichts ist in der Sinnenwelt, es gibt nur viele Dinge, die entstehen und vergehen.
Der andere Teil ist die Ideenwelt - über die wir sicheres Wissen erlangen können, wenn wir unsere Vernunft gebrauchen. Diese Ideenwelt läßt sich mit den Sinnen also nicht erkennen. Zum Ausgleich sind die Ideen (oder Formen) ewig und unveränderlich."[15]

[...]


[1] Kurth, Rudolf (2003): Platonische Meditationen: Liebe- Tod- Staat- Erziehung, Haag & Herchen, Frankfurt, S. 189

[2] Vgl. Neumann, Uwe (2001): Platon, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg, S. 132

[3] Vgl. Ebd. S. 132, Z.10 ff.

[4] Jean Jaques Rousseau (1991): Emil oder über die Erziehung, S. 13

[5] Vgl. Störig, Hans Joachim (1998): Kleine Geschichte der Philosophie, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt a.M. , S.154 ff

[6] Vgl. Neumann, Uwe (2001): Platon, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg, S.21 ff.

[7] Vgl. Störig, Hans Joachim (1998): Kleine Geschichte der Philosophie, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt a.M. , S.154 ff

[8] Vgl. Neumann, Uwe (2001): Platon, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg, S.26 ff.

[9] Vgl. Störig, Hans Joachim (1998): Kleine Geschichte der Philosophie, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt a.M. , S.154 ff

[10] Vgl. Neumann, Uwe (2001): Platon, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg, S.30

[11] Vgl. Uwe (2001): Platon, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg, S.34 ff

[12] Platon: Der Staat, übersetzt von Rudolf Rufener (1991), Deutscher Taschenbuchverlag, München,Buch IV, S. 189ff.

[13] Platon: Der Staat, übersetzt von Rudolf Rufener (1991), Deutscher Taschenbuchverlag, München,Buch IV, S.179

[14] Platon: Der Staat, übersetzt von Rudolf Rufener (1991), Deutscher Taschenbuchverlag, München,Buch IV, S.240

[15] Gaarder, Jostein(1993): Sofies Welt; Carl Hanser Verlag München Wien, S. 103-108

Details

Seiten
40
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638883399
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73533
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
sehr gut
Schlagworte
Platons Erziehung Einfluss Pädagogik

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