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Hilde Domin. Moderne Naturlyrik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 22 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Was ist „moderne deutsche Naturlyrik“?
1.2 Kurzer Lebenslauf Hilde Domins

2. Naturgedichte Domins
„Ziehende Landschaft“
„Linguistik“
„Es knospt“

3. Vergleich der Gedichte

4. Schlussfolgerung

Bibliographie

1. Einführung

Gegenstand dieser Arbeit ist die Naturlyrik Hilde Domins. Damit sich ihre Lyrik im Zusammenhang verorten lässt, soll zuerst ein kurzer Überblick über die verschiedenen Entwicklungen in der deutschen Naturlyrik der Moderne gegeben werden. Danach sollen drei Gedichte Domins auf Eigenheiten und Übereinstimmungen hin überprüft und interpretiert werden.

1.1 Was ist „Moderne deutsche Naturlyrik“?

Eines der Grundmerkmale vieler moderner Naturgedichte scheint zu sein, dass sie als Warngedichte an die Gesellschaft adressiert sind. Zerstörung und Nutzbarkeitmachung der Natur stehen in vielen Gedichten im Vordergrund, obwohl man natürlich nicht davon ausgehen kann, dass diese beiden Motive immer in der modernen Naturlyrik vorhanden sind. Wann genau „moderne“ Naturlyrik anfängt, ist nicht genau zu definieren. In seiner Sammlung moderner deutscher Naturlyrik gibt Edgar Marsch in der Einführung folgende Definition:[1]

Der Beginn, der für vorliegende Sammlung gewählt wurde, sind die ersten Jahre nach dem Expressionismus, in dem sich ein deutliches Wiederaufleben der Naturlyrik zeigt“ (S. 269)

Die Lyrikerin Hilde Domin wird häufig als in einer Reihe mit den Kolonne-Lyrikern stehend beschrieben. Die meisten von diesen haben bereits während des zweiten Weltkriegs Naturlyrik verfasst und führten vor allem die Wiederbelebung der Naturlyrik nach 1945 herbei[2]. Die Einflüsse Loerkes und Lehmanns werden in dieser Gruppe von Lyrikern wirksam. Kennzeichnend für diese neue Naturlyrik sind besondere metaphorische Techniken und der Bezug zwischen lyrischem Ich und der Natur.

Hier soll nicht ein kompletter Überblick über die historische Entwicklung von Naturlyrik gegeben werden, da ich dies zur Interpretation von Hilde Domins Gedichten nicht für notwendig erachte. Allerdings sollen die angesprochenen Einflüsse Lehmanns und Loerkes kurz erläutert werden.

Lehmann und Loerke sind Begründer der Naturmagischen Schule. Für die Vertreter dieser Schule ist es noch möglich, über einen magischen oder evokativen Akt, im dichterischen Wort die absolute, schöpferische Setzung des Wirklichen zu erreichen, während dies für jüngere Naturlyriker schon nicht mehr möglich ist. Die Dichter der Naturmagischen Schule sind auf der Suche nach dem Zauberwort, dem „Nichtwort“, wie es auch in einem Gedicht Domins genannt wird:

Das Nichtwort

Ausgespannt

zwischen

Wort und Wort

(entnommen aus: Hier. Gedichte. Frankfurt am Main: S.Fischer, 1964. Fünfte Auflage)

Für Lehmann sind die Dinge der Natur durch Anschauung und Sprachgebung ins Gedicht übersetzbar. Ohne diese Dinge wäre Sprache für ihn leer, Sprache gewinnt erst durch diese Dinge erst Bedeutung. Bei Lehmann führt die Betrachtung zwingend über die Sprache zum Gedicht. In der Poetik Lehmanns erscheint im Gedicht nicht das Ding als das Gedachte, sondern als das in der Betrachtung Gegebene. Danach führt Reflexion durch eine Beeinträchtigung der Umsetzung zur Trennung von Vorhandenem und Gedachten. Das heißt, das der Naturlyriker im Akt der Herstellung sein eigenes Bewusstsein aufgibt und mit seiner Identität in die Natur übergeht. Während des Aktes der Erzeugung können so Natur und Gedicht eins werden.

Dies wird wiederum an einem Gedicht von Hilde Domin deutlich:

Wort und Ding

Wort und Ding

lagen eng aufeinander

die gleiche Körperwärme

bei Ding und Wort.

(Entnommen aus: „Ich will Dich. Gedichte“: S.Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 1995, Fünfte Auflage.)

Hier wird ganz deutlich, dass das bezeichnende Wort so nah als irgend möglich an das zu bezeichnende Ding herankommt. Näher können sich die beiden nicht sein.

Doch dieser Akt des Nahekommens von Bezeichner und Bezeichnetem wird in der Naturlyrik nach 1945 nicht als einfacher oder gar selbstverständlicher Vorgang angesehen, sondern eher wie eine Bürde. Im Gedicht tritt die Natur durch den Mittler Sprache in Erscheinung. Daher haben die sprachlichen Zeichen Verweisfunktion und müssen die Dinge der Natur vermitteln. Dies geschieht oftmals durch einen konkreten, sehr anschaulichen Bezug, manchmal aber auch durch eine stark komprimierte Chiffre, die nur schwer ausdeutbar ist.

Es wird im Folgenden gelten, zu überprüfen, ob Hilde Domin eher mit deutlichen Bezügen oder aber Chiffren arbeitet – was möchte ihre Naturlyrik uns sagen? Schreibt sie die oben genannten Warngedichte – oder werden von ihr erlebte Ereignisse aufgearbeitet? Daher folgt nun ein kurzer Lebenslauf, der einen Überblick über große Ereignisse ihres Lebens geben soll, damit daraus vielleicht Schlüsse gezogen werden können.

[...]


[1] Die folgenden Erläuterungen sind, falls nicht anders angegeben an die Einführung „Moderne deutsche Naturlyrik“ in „Moderne Deutsche Naturlyrik“ S.266-306 angelehnt

[2] „Moderne Deutsche Naturlyrik“ S.266-306

Details

Seiten
22
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638146371
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7349
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Germanistisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Hilde Domin Moderne Naturlyrik

Autor

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Titel: Hilde Domin. Moderne Naturlyrik