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Kulturexport, -austausch oder Dialog der Kulturen? Eine Erörterung auswärtiger Kulturpolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit am Beispiel der Rolle der Medien

Hausarbeit 2006 22 Seiten

Kulturwissenschaften - Empirische Kulturwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. Eingrenzung und Definition
2.1 AKP und Innere Kulturpolitik
2.2 Geschichte der AKP – Wandel der Aufgaben
2.3 Der erweiterte Kulturbegriff
2.4 Aktuelle Position: Konzeption 2000
2.4.1 Schwerpunkte der AKP
2.4.2 Instrumente der AKP

3. Die Rolle der Medien in der AKP
3.1 Ansprüche an die Medien
3.2 Einsatz der Medien
3.2.1 Film und Kino – Medien als kulturelles Gut
3.2.2 Fernsehen, Rundfunk und Presse – Massenmedien
3.2.2.1 Media-im-Pakt - Medienhilfe
3.2.2.2 Deutsch-Arabischer Mediendialog
3.2.3 Internet – die Neuen Medien

4. Fazit – Medien und der Dialog der Kulturen

5. Quellenangaben

1. Einleitung

Die Auswärtige Kulturpolitik (AKP) soll neben der politischen und wirtschaftlichen als dritte Säule der Außenpolitik deren Ziele unterstützen. Wie, wird in der Konzeption 2000[1] genauer definiert, aber auch viele Kulturbeauftragte, -produzenten und –mittler stellen Erwartungen an die AKP. Im Zentrum der aktuellen außenkulturpolitischen Debatten steht die Forderung nach dem Dialog der Kulturen als Grundsatz aller außenkulturpolitischen Maßnahmen. Auch wenn diese Forderung nicht mehr neu ist und zuletzt mit der Konzeption 2000 nochmals als Kerngedanke der AKP formuliert wurde wird doch noch vielfach unter den Teilnehmern der Kulturpolitik diskutiert, was mit einem Dialog der Kulturen denn eigentlich gemeint sei und durch welche Mittel und Maßnahmen er gefördert werden sollte.

Grundlage aller Forderungen ist die Globalisierung. Durch sie wird der Fokus auf interkulturelle Verständigung gelegt, denn die Notwendigkeit, sich mit anderen Kulturen zu befassen wird immer größer.

Zunehmend wichtiger wird die Frage nach den Möglichkeiten und Zielen außenkulturpolitischen Handelns und wie sehr sich ein Land[2] auf seine ureigenen Ziele berufen kann oder viel mehr in internationalem Rahmen handeln muss. Darf Außenkulturpolitik[3] noch dem Export der Nationalkultur dienen oder haben internationale Ziele Vorrang. Bedingt der Austausch nicht auch den Export? Und wie hat man sich einen Dialog zwischen Kulturen vorzustellen, die augenscheinlich vollkommen verschieden voneinander sind?

Als ein elementares Instrument auswärtiger Kulturpolitik gewinnen die Medien an Gewicht, denn durch sie können Nationen am schnellsten miteinander in Kontakt treten. Durch Filme, Fernsehen, Rundfunk, Presse im Allgemeinen und das noch relativ Medium Internet. Medien lassen die Welt kleiner werden, Menschen können Grenzen überschreiten, ohne das eigene Land verlassen zu müssen. Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Dort wo nämlich Menschen verschiedenster Herkunft aufeinandertreffen, sind Missverständnisse nicht selten. Konflikte, die Kommunikation verhindern kann, können wegen der grundsätzlich verschiedenen Arten von Kommunikation und Denkweisen auch provoziert oder geschürt werden.

In den Schwerpunktbereichen der AKP Deutschlands Außendarstellung, Erhalt der kulturellen Vielfalt und Konfliktprävention, verfolgt die auswärtige Medienpolitik[4] jeweils andere Ansätze, die sich wiederum unterscheiden lassen in Export, Austausch und Dialog. Ob diese Einteilung gerechtfertigt ist möchte ich im Verlauf dieser Arbeit untersuchen. Ziel ist nicht, die Hausarbeit mit einem eindeutigen Für oder Wider das Instrument Medien abzuschließen, denn ob die bereits durchgeführten Maßnahmen den Erfolg haben, der von ihnen erwartet wird, ist kann erst langfristig festgestellt werden. Darüber hinaus sehe ich keine Notwendigkeit, die Medienpolitik grundsätzlich in Frage zu stellen. Indes möchte ich den Ansprüchen die Möglichkeiten und Risiken der Medien gegenüberstellen und erörtern, ob die außenkulturpolitische Praxis ihrem theoretischen Ansprüchen gerecht wird.

2. Eingrenzung und Definition

Die Rolle der Medien in der AKP wird erst dann verständlich, wenn diese in den kulturpolitischen Kontext gesetzt werden. Dafür ist es wichtig, die Grundlagen zu kennen und die entscheidenden Aufgaben der AKP in den Mittelpunkt zu stellen. Diese unterscheiden sich wiederum von denen der Innenkulturpolitik (IKP), auch wenn die Tätigkeiten der beiden kulturpolitischen Felder nicht unabhängig voneinander bestehen.

Eine Einordnung auswärtiger Kulturpolitik bedingt also die Abgrenzung von der Innenkulturpolitik wie ich sie zunächst vornehmen möchte.

2.1 Außenkulturpolitik und Innenkulturpolitik

„Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei“ (Art. 5, Absatz 3 im Grundgesetz). Damit gewährt der Staat Kunstfreiheit und verpflichtet sich zugleich nach dem Subsidiaritätsprinzip [5] das freiheitliche Kunstleben zu erhalten und zu fördern. Kultur ist der Oberbegriff für Kunst und Theater, Musik, Tanz, Film und Literatur. Kultur also im ,klassischen’ Sinne. Während die IKP demnach Kulturförderung als oberstes Ziel ansieht und grundsätzlich frei von staatlichem Einfluss sein sollte steht die AKP in engem Bezug zur Politik, ist sogar integraler Bestandteil der Außenpolitik.

Daraus folgt, dass „[...] nationale Kulturpolitik weder dasselbe wie Auswärtige Kulturpolitik ist, [...]“ (Maaß IV/2005)[6] noch dass die „[...] auswärtige Kulturpolitik [...] eine Verlängerung innerdeutscher Kulturförderung ist.“( ebd. a.a.O.).

Maaß bezieht sich mit dieser Aussage auf den grundsätzlich verschiedenen Auftrag innerdeutscher und auswärtiger Kulturpolitik. Auch wenn die AKP durchaus u.a. deutsche Kunst und Künstler im Ausland fördern soll und kulturelle Beziehungen aufbaut, die das eigene Land kulturell bereichern, steht diese Förderung doch in enger Relation zum außenpolitischen Auftrag.

So kann, aus der Perspektive des Kulturlebens in Deutschland, die Politik als ein die Kultur unterstützendes Instrument definiert werden, während auswärts gerichtete Politik die Kultur als Instrument nutzt, ihre politischen (und wirtschaftlichen) Ziele zu erreichen.

Dennoch, so Gabriele von Malsen-Tilborch, führe der Weg außenkulturpolitischen Handelns immer von Deutschland ins Ausland und wieder ins eigene Land zurück ( vgl. Malsen-Tilborch 2000, S.131). Dies wird verständlich, begreift man Kultur als einen Begriff, der auch und vor allem auf Werten beruht, nach denen agiert wird. Diese Werte müssen im eigenen Land erkennbar sein und führen dazu, findet eine klare Bekennung zu diesen Werten statt, dass Deutschland auch im Ausland „[...] Position beziehen darf und soll.“[7] ( ebd., a.a.O.).

Deutschland muss bei sich selbst anfangen, ein eigenes Kulturprofil entwickeln, eigene feste Standpunkte haben und diese nach außen hin verteidigen, und seine Maßstäbe setzen zu können. Nur so könne es sich auch im Ausland profilieren. (vgl. Burmeister 2000, S.16)

2.2 Geschichte der AKP – Wandel der Aufgaben

Die Aufgaben der AKP haben sich seit ihrem Entstehen deutlich gewandelt. Zumindest die Schwerpunkte sind verlagert worden. Die Einbindung der AKP in die auswärtige Politik ist heute größer als noch vor 50 Jahren und als Folge sind auch die Ansprüche und Aufgaben an die Außenkulturpolitik gewachsen. Deutschlands außenpolitische Position impliziert heute mehr denn je die globale Definition von Außenkulturpolitik und orientiert vor allem am erweiterten Kulturbegriff[8] wie er international Standard ist.

In seiner Anfangsphase während der Weimarer Republik stand die AKP noch der Herausforderung gegenüber, Deutschland wieder in die internationale Völkergemeinschaft zu integrieren, ein positives Deutschlandbild zu vermitteln und Vertrauen zu schaffen, in diesem Rahmen auch Ansehen für die deutsche Kultur zurückzuerlangen.

In der Zeit des Nationalsozialsozialismus war die Kultur Deutschlands das zentrale politische Instrument für politische Propaganda. Kultur diente einzig dem Zweck, die deutsche Kultur als überlegen und wertvoller als andere Kulturen zu vermitteln.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es selbstverständlich ungleich schwieriger abermals das Vertrauen anderer Nationen für sich zu gewinnen. In der Vermittlung deutscher Kultur übte sich die deutsche Außenpolitik in Bescheidenheit, vielmehr wurde Kultur als diplomatisches Instrument angewendet, um ein realistisches Gesellschaftsbild wiederzugeben und Beziehungen aufzubauen.

Der Kalte Krieg brachte eine neue wichtige Komponente der Sicherheitspolitik in den außenpolitischen Tätigkeitsbereich ein. Der AKP wurde international eine höhere diplomatische Bedeutung beigemessen, „[...] um sicherheits- und außenpolitische Strategien abzusichern [...]“ (Hoffmann 1999, S.185), und die immer komplexeren wirtschaftlichen Verflechtungen der Nationen miteinander brachten zudem die Rolle der AKP „ [...] als verlängerter Arm der Wirtschaftspolitik [...]“ (ebd., a.a.O.) in die Diskussion, denn durch Vertrauen und gegenseitiges Verständnis füreinander lassen sich leichter Vorteile auch im internationalen Warenhandel verschaffen. Dies trifft vor allem dann zu, definiert man Globalisierung wie Monika Griefhahn als „[...] politische Förderung der wirtschaftlichen Verflechtung [...] zur Verhinderung künftiger Kriege[...]“(Griefhahn 2003, S. 148).

Wie hängt nun Wirtschaft mit Krieg und Kultur zusammen? Ein Hauptfaktor ist die Angst.

Vor allem in Transformationsgesellschaften [9] herrscht die Angst vor, die eigene kulturelle Identität mit den ihr inbegriffenen Traditionen und Wertvorstellungen für eine international funktionierende Wirtschaft aufgeben zu müssen, denn die Modernisierung erfordert von vielen (nicht-westlichen) Gesellschaften starke Veränderungen, denen die Bevölkerungen oftmals nicht gewachsen sind. Die Furcht vor dem Fremden, sowohl von der wirtschaftlich benachteiligten als auch bevorteilten Seite und die damit verbundene Unwissenheit, ob der Gegenüber feindlich oder freundschaftlich gesinnt ist[10] prägt das Handeln und Denken. Auch ökologische Entwicklungen und der Kampf um Ressourcen führen neben dem Kampf um Erhalt der Identitäten, um Staaten und um Macht auch vorwiegend zu Kriegen, um die Existenz des eigenen Landes zu sichern.[11]

Verschiedene zivilisatorische Entwicklungsebenen, Lebensauffassungen und kulturelle Eigenheiten tragen ihr Übriges bei zu Missverständnissen und Konflikten zwischen den Nationen.

In den siebziger Jahren kam es vor dem Hintergrund der Kulturkonflikte international vermehrt zu einem Umdenken. Man kam zu der Erkenntnis, dass Verständigung zwischen den Kulturen auch zur eigenen Sicherheit beiträgt, indem sie Vertrauen schafft und positive Beziehungen aufbaut, Neugier auf das Fremde weckt oder immerhin Akzeptanz fördert.

[...]


[1] verfasst von der Kulturabteilung des Auswärtigen Amts im Jahr 2000

[2] im hier betrachteten Fall Deutschland

[3] synonym verwendet zu AKP

[4] als ein Instrument der AKP

[5] [5] gesellschaftspolitisches Prinzip, nach dem übergeordnete gesellschaftliche Einheiten (also dem Staat angehörige Institutionen) nur solche Aufgaben übernehmen sollen, zu deren Wahrnehmung untergeordnete Einheiten (Länder, Gemeinden, Familien) nicht in der Lage sind

[6] vollständige Angaben zur Literatur befinden sich im Quellennachweis im Anhang

[7] Wie soll zum Beispiel kann ein Land dafür plädieren, dass Bildung die Grundlage kultureller (und damit nachhaltiger) Entwicklungen bildet, wenn es im eigenen Land nicht die Bildung auch entsprechend fördert

[8] nähere Erläuterungen zum Begriff siehe Kapitel 2.3 ,Der Erweiterte Kulturbegriff’

[9] Gesellschaften, die sich infolge der Globalisierung in einem gravierenden strukturellen Umwandlungsprozess befinden

[10] vgl. hierzu den Artikel von Grolig 2003. Er reflektiert darin das Hauptanliegen des ehemaligen Kulturdiplomaten Dieter Sattler mit der AKP der Angst entgegenzuwirken, die die Gesellschaft präge und deren Ursachen es zu beseitigen gelte. (Grolig 2003)

[11] Insofern kommt Hilfe meist den Ländern der dritten Welt zugute, die den Helferländern Anteil an ihren Ressourcen bieten können oder einen Exportabsatzmarkt sein könnten o. Ä. Wo eigentlich Zusammenarbeit gefordert wäre (für das Wohl aller) und Globalisierung den Vorteil von Austauschs und des Voneinander Profitierens auf vielen Ebenen (gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich) mit sich brächte, entstehen oftmals Konflikte durch die Priorität, die der eigenen Kultur eingeräumt wird.

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638739382
ISBN (Buch)
9783638740883
Dateigröße
692 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73481
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Kulturpolitik
Note
Schlagworte
Kulturexport Dialog Kulturen Eine Erörterung Kulturpolitik Anspruch Wirklichkeit Beispiel Rolle Medien Auswärtiger

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