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Diadochenreiche im Hellenismus - die Konsolidierung der Attalidenherrschaft bis zur Annahme des Königtitels durch Attalos I.

Seminararbeit 2003 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Begründung des Attalidenreiches durch Philetairos

3. Die Herrschaft von Eumenes I.

4. Die Annahme des Königstitels durch Attalos I.

5. Die Legitimierung der Herrschaft

6. Organisation der Herrschaft

7. Fazit

8. Literatur
8.1 Quellen
8.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Unter der Herrschaft der Attaliden gelang es Pergamon in bemerkenswerter Weise sich im kleinasiatischen Raum neben den hellenistischen Großreichen namentlich der Ptolemäer, Seleukiden und Antigoniden[1]zu behaupten und zu überregionaler Bedeutung aufzusteigen.

Die Stadt Pergamon erlebte unter der Attalidendynastie eine Blütezeit und wurde zu einem der wichtigsten kulturellen Zentren im Hellenismus. Die Bedeutung von Pergamon in der Geschichte der westlichen Kultur formulierte Alexander Conze schon 1897 (in der Frühphase der pergamenischen Grabungen und Forschung) vor der Berliner Archäologischen Gesellschaft: „Es handelt sich darum das Bild eines Großstadt- Individuums jener Zeit, da die Brücke von Hellas nach Rom geschlagen wurde, einer Stadt, die mächtig beigetragen hat die Ströme hellenistischer Bildung in das römische Bette zu leiten, in dem sie befruchtend zu uns herübergeflossen sind.“

Das attalidische Reich wurde von seinem letzten Dynasten Attalos III. an das römische Volk vererbt, wodurch die Römer in den Besitz des westlichen Kleinasiens gelangten.

Das Thema dieser Proseminararbeit behandelt die Frühphase der pergamenischen Attalidendynastie.

In der folgenden Hausarbeit möchte ich zum Anfang einen chronologischen Überblick über die Konsolidierung der Dynasten in der Frühphase der attalidischen Herrschaft von der Begründung durch Philetairos, über die Herrschaft des Eumenes I., bis zur Annahme des Königstitels durch Attalos I. aufzeigen und erläutern. In meiner Arbeit vertiefe ich den Aspekt der Legitimation der Attalidenherrschaft und lege hier einen der Schwerpunkte meiner wissenschaftlichen Arbeit. Besonders möchte ich mich in diesem Gliederungspunkt auf die Entwicklung und Bedeutung des attalidischen Königtums beziehen. Zuletzt werde ich auf die Organisation der Herrschaft im Attalidenreich eingehen und erläutern, wie die Könige ihre Macht ausübten und das Volk kontrollierten.

2. Die Begründung des Attalidenreiches durch Philetairos

Der Begründer der Attalidendynastie war Philetairos, der aus dem bithynisch-paphlagonischen Ort Tius[2]stammt. Er war der Sohn des Makedonen Attalos und der Paphlagonierin Boa und wurde um etwa 343 geboren. Philetairos entstammt keiner adligen Familie jedoch musste seine Familie schon vor seinem Emporkommen sehr angesehen gewesen sein. Schließlich bekannte sich Philetairos später als Dynast durch die Weihung des von ihm errichteten Demetertempels an Boa in aller Öffentlichkeit zu seiner Abstammung. Philetairos hatte zwei Brüder: Eumenes und Attalos, von denen die späteren Attaliden abstammten.

Wie Philetairos selber, bekleidete auch sein Bruder Eumenes vor 280/79 als Kommandant des unweit von Tius gelegenen Amastris unter Lysimachos ein wichtiges Amt.[3]In der antiken Geschichtsschreibung wird Philetairos als Eunuch bezeichnet, was durch einen Unfall in seiner Kindheit bedingt war[4].

Philetairos war ursprünglich im Dienst des Dokimus, der erst unter Antigonos in Phrygien als Statthalter gewirkt hatte und dann 302 zu Lysimachos übergetreten war. In der Schlacht in der Nähe von Synnada, bei Ipsos[5], kam der westliche Teil Kleinasiens unter die Herrschaft von Lysimachos. Nach dem Sieg über Antigonos setzte er in den griechischen Städten Strategen ein, die die Herrschaft Lysimachos mit harter Hand durchsetzten.

Einer dieser Strategen war Philetairos, der aufgrund seiner Loyalität 301 mit der Stadt Pergamon betraut wurde. In der Festung von Pergamon wurde der Staatsschatz von 9000 Talenten (etwa 180 Tonnen Silber) aufbewahrt[6], der aus dem Reichsschatz Alexanders stammte. Die Schatzkammer war in der Festungsburg auf einem 335 Meter hohen, kegelförmigen Berg in der Kaikosebene etwa 25 Kilometer vom Meer entfernt.

Philetairos war Lysimachos 20 Jahre ein treuer Statthalter, jedoch nahmen die Umstände am thrakischen Königshof Einfluss auf seine Loyalität zu Lysimachos.

Hauptgrund dafür war Lysimachos dritte Ehefrau Arsinoe. 306 starb ihr vorheriger Ehemann Dionysius, der Tyrann von Heraclea war. Mit diesem hatte Arsinoe zwei Söhne, die bei Lysimachos durch „unmenschliche Führung“ in Ungnade gefallen waren, die von Lysimachos 289 hingerichtet wurden[7]. Lysimachos sagte seiner Frau Arsinoe die Kontrolle über einige paphlagonischen Städte zu, und setzte in Heraclea einen unbeliebten Tyrannen ein. Zur gleichen Zeit wurde Eumenes, der Bruder von Philetairos in Amastris als Statthalter eingesetzt .Nach dieser Stadt strebte auch Arsinoe. Dadurch entstand ein Konflikt, der die Opposition gegen Lysimachos von Philetairos hervorrief.

Arsinoe wollte Philetairos in Ungunst bei Lysimachos bringen um ihr Ziel zu erreichen.

286/85 überredete Arsinoe den greisen Lysimachos, Agathokles, den Sohn von Lysimachos zweiter Ehefrau umzubringen. Der junge Agathokles hatte jedoch besonders in Kleinasien viele Anhänger gewonnen und wurde allgemein schon als offizieller Thronerbe gesehen. Dieser Akt brachte Lysimachos in der Öffentlichkeit in große Ungnade.

Nach der Ermordung des offiziell anerkennten Thronfolgers Agathokles wandte sich Philetairos, wie auch die anderen Anhänger des toten Agathokles (unter ihnen war auch Lysimachos zweite Ehefrau) aus Sorge vor den Nachstellungen der Arsinoe an Seleukos, den seleukidischen König.

282 rebellierte er offen gegen Lysimachos und unterstellte sich samt seinen Schätzen und der starken Besatzung der Festung Seleukos[8]. Dieser Akt bedeutete für ihn nicht einfach den Wechsel des Herrn, sondern zugleich musste er von den Seleukiden, wie einwandfrei aus der Folgezeit hervorgeht, die Anerkennung seiner Herrschaft über Pergamon und das Verfügungsrecht über den Schatz des Lysimachos durchsetzten.

281 kam es zur Schlacht von Korupedium bei Magnesia, in der Lysimachos sein Königreich und Leben verlor.

Wie man nun das Verhalten des Philetairos interpretieren und bewerten mag, ob er die Entscheidung von seinem Herrn abzufallen und einen selbstständigen Kurs einzuschlagen lange Zeit vorher feststand, oder mehr oder weniger spontan eine günstige Gelegenheit ergriff beziehungsweise auf die sich im Zuge der sich verändernden Machtverhältnisse heraufziehenden neuen Lage reagierte, so ist seine Tätigkeit durch eine bemerkenswerte Mischung aus machtpolitischem Geschick, sowie einem sicheren Gespür für zukünftige Entwicklungen gekennzeichnet. Die Anlehnung an die mächtigen Seleukiden, den bisherigen äußeren Gegner kann als folgerichtiges Verhalten Philetairos in Bezug auf die neue politische Situation gedeutet werden. Auf der einen Seite musste er nicht als treuer Untertan des Lysimachos mit ihm untergehen und auf der anderen Seite verschaffte sich Philetairos durch seinen Seitenwechsel einen gewissen Schutz, nicht zuletzt „vor den Nachstellungen der Arsinoe“[9].

Nominell erkannte er die seleukidische Oberhoheit an. Deutlich wird dies vor allem bei der Münzprägung[10]und dem Gebrauch der seleukidischen Ära bis Attalos I.. So wurde zur Zeit von Philetairos das Bildnis von Seleukos verwendet. Ansonsten ist deutlich zu erkennen, dass sich Philetairos seit 282 nicht mehr wie noch zu den Zeiten unter Lysimachos als Vasall eines Herrschers, sondern als ein kleiner Dynast fühlte.

Von diesem Zeitpunkt an rechnete er nämlich die Jahre seiner Regierung[11]. Diese Art der Ärenzeitrechnung findet man sonst in erster Linie bei großen Herrschern, was darauf schließen lässt welche Rolle sich Philetairos seit 282 selbst zuschreibt. Das Bestreben den neuen Besitz in seiner Familie zu erhalten wurde durch die Adoption seines Neffen Attalos um 282/79 deutlich, wodurch die Nachfolge gesichert werden sollte[12]. Die Adoption hatte eine besondere Bedeutung, weil Philetairos wie schon erwähnt, seit seiner Kindheit Eunuch war, und deshalb keine eigenen Kinder als Nachfolger zeugen konnte. Vor allem setzten mit diesem Zeitpunkt die Anfänge einer selbstständigen pergamenischen Politik ein.

[...]


[1]Vgl. McShane, Roger B.: The Foeign Policy of the Attalids of Pergamum, Urbana 1964, S.57.

[2]Tieion Stab. XII 543 vgl. XIII 623.

[3]Hoffmann:Philetairos, S. 2158f.

[4]Strab. XII 543.

[5]Strab. XIII 623.

[6]Diod. XX 107, 2-5.

[7]The Attalids of Pergamon, S.17.

[8]Strabon XII 623. Paus. I 10,4.

[9] Hoffmann: Philetairos S. 2158.

[10]Westermark: Das Bildnis des Philetairos von Pergamon S. 11ff.

[11]Strab. XII 623.

[12]Hoffmann: Philetairos S. 2159.

Details

Seiten
16
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638634977
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73454
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Schlagworte
Diadochenreiche Hellenismus Konsolidierung Attalidenherrschaft Annahme Königtitels Attalos

Autor

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Titel: Diadochenreiche im Hellenismus - die Konsolidierung der Attalidenherrschaft bis zur Annahme des Königtitels durch Attalos I.