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Rahmenkonzepte der alltäglichen Lebensführung

Hausarbeit 2006 16 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Darstellung des Rahmenkonzeptes der alltäglichen Lebensführung in seinen Grundzügen
2.1 Handlungssystem durch aktive Konstruktion der Person
2.2 Institutionalisierung mit struktureller und funktionaler Eigenlogik
2.3 Die Verselbständigung des Alltags als Vorraussetzung für sein Funktionieren
2.4 Zusammenfassung wesentlicher Merkmale des Alltagssystems nach G. Günter Voß

3. Frage der Eignung des Konzeptes der Alltäglichen Lebensführung für die Soziale Arbeit anhand des Beispieles „Tagesheim für geistig Behinderte in der Ukraine“
3.1 Kurze Beschreibung der Einrichtung
3.2. Vereinbarkeit der Aufgaben sozialer Arbeit mit Behinderten mit denen der ALF
3.3 Bearbeitete Aspekte der Lebensführung der Klienten im Arbeitsfeld und ihre Einfügung in die Festlegungen des Konzepts der ALF
3.3.1 Erkenntnisse in Bezug auf die alltägliche Lebensführung der Klienten, Bezugnahme zu den von G. Günther Voß erstellten Merkmalen
3.3.2 Erkenntnisse allgemein

4. Fazit

Literaturverzeichis
Literatur
Vorlesungsmitschriften

1. Einleitung

Der Themen- und Aufgabenvorgabe entsprechend möchte ich mich in dieser Hausarbeit mit dem Konzept der alltäglichen Lebensführung befassen. Dabei werde ich empirisch die Eignung dieses Konzeptes für die Soziale Arbeit prüfen.

Im Rahmen eines europäischen Freiwilligenjahres habe ich 2 Monate die Erfahrung machen dürfen in einem Tagesheim für geistig behinderte Menschen in der Ukraine tätig zu sein. Die Grundlage meiner Prüfung werden deshalb die dort erlebten Ereignisse und Erfahrungen bei der Arbeit mit den geistig behinderten Jugendlichen und Erwachsenen sein.

In einem ersten Schritt möchte ich das Rahmenkonzept der alltäglichen Lebensführung in seinen Grundzügen darstellen. Danach werde ich die Prüfung durchführen. Dazu stelle ich kurz die Einrichtung dar um dann genauer zusammentragen zu können, ob sich die Aufgaben der Sozialen Arbeit auf dem Gebiet der Arbeit mit geistig Behinderten mit dem Rahmenkonzept der ALF angemessen erfassen lassen.

Im Anschluss daran widme ich mich der Frage, welche Aspekte der Lebensführung der Klienten in diesem Arbeitsfeld bearbeitet werden und wie sie sich in die Festlegung des Konzeptes einfügen.

Abschließend möchte ich dann der Frage nachgehen welche Erkenntnisse sich in Bezug auf die alltägliche Lebensführung der Klienten gewinnen lassen.

2. Darstellung des Rahmenkonzeptes der alltäglichen
Lebensführung in seinen Grundzügen

Alltägliche Lebensführung bezeichnet den Zusammenhang aller Tätigkeiten einer Person in ihren verschiedenen Lebensbereichen. Es geht dabei nicht um das Leben des Individuums in seiner ganzen Länge. Vielmehr stehen der Synchronismus und der alltägliche Zusammenhang der einzelnen Tätigkeiten im Mittelpunkt. (vgl. Sahle, 2002, S. 46)

2.1 Handlungssystem durch aktive Konstruktion der Person

Bei der alltäglichen Lebensführung handelt es sich in erster Linie immer um ein selbst konstruiertes Handlungssystem einer Person. Sie ist nicht sozial vorgegeben und sie ist auch nie einfach nur passiv übernommen.

Der einzelne Mensch bildet ein System aus all seinen für eine bestimmte Lebensphase charakteristischen Handlungen aus unterschiedlichen sozialen Bereichen. Das in den verschiedenen sozialen Ebenen (Familie, Freundeskreis, Nachbarschaft, Gewerkschaft, Verein etc.) agierende Individuum erfährt durch die Einbindung und regelmäßige Handlungen in eben diesen „ … einen strukturierenden und koordinierenden Rahmen …“. (Voß, 2001, S. 204)

Die ALF verknüpft die verschiedenen Tätigkeiten aus den unterschiedlichen sozialen Bereichen einer Person so, „ …, dass eine geschlossene und integrierte alltagspraktische Gesamtsystematik des Handels entsteht.“ (Voß, 2001, S. 204)

Zentrale Aufgabe der alltäglichen Lebensführung ist es die Tätigkeiten und Handlungen nach konkreten Handlungsdimensionen, also in Hinblick auf Zeit, Raum, Sinn etc.) eine Struktur zu geben. Diese Dimensionen entspringen einem Ressourcenpotential, das von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein kann. Zeit ist dabei ein sehr wesentlicher Faktor. Die einer Person zur Verfügung stehenden Zeiträume geben ihr mehr oder minder die Chance ihre Aktivitäten zu planen.

In einem unterschiedlichen Maße steht dem Menschen Raum und die Möglichkeit der Distanzüberwindung zur Verfügung. Dieser Faktor ist ebenso ausschlaggebend für seine Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten.

Auch die sozialen Netze, in die der Mensch eingebunden ist und die daraus resultierenden sozialen Beziehungen bestimmen die alltägliche Lebensführung. Voß, 1991, S. 263)

Die Qualifikationen und der unterschiedliche Zugang zu Handlungskontexten strukturieren die ALF sachlich. Wesentlich sind weiter die sinnhafte, die mediale, die geschlechtliche, die körperliche und die emotionale Dimension:

Personen sind mit unterschiedlichen Motivationen und Begründungen (sinnhaft) tätig. Sie unterstützen ihre Tätigkeiten mit verschiedenen Hilfsmitteln und Techniken, also medial. Geschlechtsspezifische Verhaltensweisen codieren die Tätigkeiten (geschlechtliche Dimension). Auch der körperlichen Dimension liegen unterschiedliche physische Vorraussetzungen zugrunde. Die Grundstimmung und die Gefühlslage einer Person in verschiedenen Lebensphasen bestimmen u. a. wie sie an die einzelnen Tätigkeiten herangeht, sie managt (emotionale Dimension). (Voß, 2001, S. 205- 206)

Wesentlich bei der Betrachtung der ALF ist, dass es sich um eine aktive Konstruktion der Person handelt, die dazu dient ihren Alltag zu bewältigen.

Sie selbst ist es, die die Dinge tun muss; das Leben kann nicht stellvertretend durch andere gelebt werden. Das Hervorbringen und Aufrechterhalten dieses Systems findet dabei jedoch nicht immer bewusst oder gar planerisch und reflektierend statt. (vgl. Voß, 2001, S. 203- 207)

2.2 Institutionalisierung mit struktureller und funktionaler Eigenlogik

Zwar entsteht das System der alltäglichen Lebensführung nur durch die aktive Konstruktion einer Person, jedoch ist der Einzelne dabei nicht autonom. So gibt es auf verschiedenen Gesellschaftsebenen die unterschiedlichsten Vorgaben, die erfüllt werden müssen. Die Erfüllung dieser gewährleistet das Integriertsein in die Gesellschaft. So ist beispielsweise der Zugang zu Bildungs- und Gesundheitswesen sowie zum Arbeitsmarkt mit ganz konkreten Bedingungen verbunden. Kann der Einzelne diese nicht erfüllen, wird er nach und nach zunehmend exkludiert. Unser Handeln ist folglich zu einem großen Teil durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen geprägt.

Typisch für das System der ALF ist eine Eigenlogik, die in der Interaktion

Gesellschaft- Individuum (= soziale Eigenlogik), in Bezug auf die Alltagsstruktur (= strukturale Eigenlogik) und das Individuum selbst (= personale Eigenlogik) besteht.

Die soziale Eigenlogik meint hier, dass die Person „ … Kontrakte mit Arbeitgebern, Familie, Freunden usw. … „ eingeht, die arrangieren wie sie zeitlich, räumlich, sachlich usw. in den verschiedenen Bereichen handelt. (Voß, 2001, S. 2008) Diese werden entweder förmlich oder durch Absprachen eingegangen. Wesentlich ist dann die Verknüpfung dieser Einzelverträge zu Vertragskonstruktionen. Das Individuum muss also seinen Alltag arrangieren indem es Kompromisse eingeht, Prioritäten setzt und die einzelnen Verträge mit all ihren Anforderungen abgleicht um sie so gut wie möglich zu erfüllen.

Die soziale Eigenlogik erfüllt damit eine ganz wesentliche wechselseitige Funktion, nämlich die „ … Herstellung und Sicherung einer stabilen Vermittlung der Person mit Gesellschaft … „ und umgekehrt. (Voß, 2001, S. 208) Die Verselbständigung der Lebensführung stabilisiert und gewährleistet Kontinuität auf beiden Seiten: Die Lebensführung wird ein Stück planbar für das Individuum und somit auch für die betroffene gesellschaftliche Ebene, denn die eingegangen Verträge machen das Handeln der Personen stabil und erwartbar.

Die personale Eigenlogik fasst „Routinen, Gewohnheiten, stabile[…] Praktiken, Rituale […]“ zusammen. (Voß, 2001, S. 209) Jedes Individuum schafft sich diese bewusst oder unbewusst um sich von Entscheidungen und Strukturierungsanstrengungen zu entlasten.

Unter struktureller Eigenlogik versteht man zunächst „ … das praktische Funktionieren von Lebensführung …“ (Voß, 2001, S. 210). Es geht darum die Einzeltätigkeiten und die Arrangements mit den sozialen Sphären zu einem praktizierbaren Ganzen, einem problemlosen Handeln, zusammenzufügen, dass einen krisenarmen Handlungs- und Tagesablauf sichert. (vgl. Voß, 2001, S. 210- 211)

Personale, soziale als auch die strukturelle Eigenlogik haben gemeinsam, dass sie, einmal eingespielt, nur schwer wieder geändert werden können. Dem Menschen fällt es schwer Gewohntes loszulassen und bewusst Veränderungen des Lebenskonstruktes vorzunehmen, weil ihm das ein Stück Sicherheit nimmt und ihn darüber hinaus fordert.

Der strukturierte Zusammenhang unserer Lebenstätigkeiten wirkt sich auf alle Einzeltätigkeiten aus. Deutlich wird dies daran, dass der Einzelne einer Fülle von Anforderungen ausgesetzt ist (oftmals sogar mehreren zur gleichen Zeit), die ihn zu einer praktischen Lösungsfindung zwingt.

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Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638634892
ISBN (Buch)
9783638794282
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73444
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
Schlagworte
Rahmenkonzepte Lebensführung Theorie Sozialen Arbeit

Autor

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Titel: Rahmenkonzepte der alltäglichen Lebensführung