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Renato Guttuso - Die italienische „Resistenza“

Hausarbeit 2006 25 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhalt

A Einführung

B Lebenslauf Guttusos bis 1945

C Widerstand in Guttusos Kunst?!

D Quellen
Literatur
Internet
Sonstiges

E Anhang

A Einführung

Widerstand.

Ein Wort, dessen Bedeutung im Laufe der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts an Bedeutung gewann. Eine Bedeutung, die sich vor allem aus dem Widerstand gegen die totalitäre Politik Adolf Hitlers und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) formte. Nachdem Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, dauerte es nur wenige Wochen, bis durch den Missbrauch des sogenannten „Ermächtigungsgesetzes“ (Gesetz, durch das die Legislative [Parlament] der Exekutive [Regierung] vorübergehend oder auf Dauer die Befugnis erteilt, Gesetze oder gesetzesartige Verordnungen zu erlassen; das Prinzip der Gewaltenteilung wird dadurch aufgehoben.)[1], der Prozess der Gleichschaltung begann.

Mit diesem Prozess wurden alle Bereiche des kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Lebens von den Greifarmen der NSDAP und ihrer Weltanschauung durchdrungen.

Doch erst am 1. September 1939, die Wehrmacht überfiel ohne vorherige Kriegserklärung das Nachbarland Polen, begann der sechs Jahre währende Schrecken des zweiten Weltkriegs, dem am Ende mehr als 60 Millionen Menschen zum Opfer gefallen waren.

In den Jahren von 1939 bis zur Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 standen sich auf einem in der Weltgeschichte noch nie gesehenen Kriegsschauplatz, fast der gesamten Welt, zwei Mächte gegenüber. Auf der einen Seite die Achsenmächte und auf der anderen Seite die Alliierten. Zu den Achsenmächten zählten der Aggressor Deutschland, sowie die durch Verträge gebundenen Staaten Italien und Japan. Als Alliierte (im engeren Sinne der Konferenz von Jalta im Jahre 1945) formierten sich Großbritannien, Frankreich, die UDSSR, sowie die USA.

Diese beiden Großkonstellationen standen sich in zahlreichen Schlachten, zu Lande, zu Wasser und in der Luft gegenüber. Die Alliierten leisteten bewaffneten Widerstand gegen die gewaltsame Lebensraumpolitik des größenwahnsinnigen Adolf Hitler. Doch wäre es zu kurzsichtig, Widerstand gegen den Nationalsozialismus nur auf das Aufeinanderprallen dieser zwei Großkonstella­tionen zu reduzieren.

Widerstand, aktiver wie passiver, fand auch noch auf einer ganz anderen Ebene statt. Ohne Einsatz einer gewaltigen Kriegsmaschinerie und oftmals ohne die Benutzung auch nur einer einzigen Waffe, es sei denn des menschlichen Verstandes, kämpften couragierte Bürgerinnen und Bürger vieler Länder gegen den faschistischen Terror. Selbst in der Höhle des Löwen, mitten in Nazideutschland, bildeten sich Widerstandsgruppen wie die von den Geschwistern Hans und Sophie Scholl gegründete Bewegung der „weißen Rose“.

Diese kleinen Inseln in einem Meer des Schreckens nahmen im Verlauf des zweiten Weltkrieges an der Anzahl zu. In vielen der Länder, welche von Hitlers Truppen terrorisiert wurden, entstand solch „kleiner“ Widerstand. So entstand in Frankreich die Résistance, als Widerstand gegen den deutschen Truppenterror, sowie gegen die mit den Deutschen kollaborierende Vichy-Regierung.[2]

In Italien, dessen politische Führung durch die Achse Berlin-Rom im Jahre 1936 seine Verbundenheit mit dem nationalsozialistischen Deutschland erklärt hatte, bildete sich wie in Frankreich und Deutschland ebenfalls ein weitgefächerter Widerstand gegen den Naziterror und die faschistische Regierung unter Benito Mussolini.

Wie auch in den Widerstandsbewegungen der anderen Länder, waren an jenem in Italien viele Bevölkerungsschichten beteiligt. Frauen und Kinder ebenso wie Greise, Studenten und Industrielle. Die Aktivitäten der italienischen „Resistenza“ waren vielfältig. Neben Sabotageakten, zählte die Verteilung von Flugblättern genauso dazu wie die Unterbringung von Flüchtlingen, oder der vereinzelte bewaffnete Kampf gegen gegnerische Truppen.

Einer dieser italienischen Resistenzakämpfer war der Maler Renato Guttuso (1911-1987).

B Lebenslauf Guttusos bis 1945

Renato Guttuso wurde am 26.12.1911 im armen Süden des Landes Italien[3] im kleinen sizilianischen Örtchen Bagheria geboren. Bagheria, gelegen zwischen den großen Städten Palermo und Messina formte das Bewusstsein des späteren Malers[4] in starker Weise. Umgeben von Analphabetismus und Verbrechen der Mafia, wurde Guttuso als fünfjähriger Zeuge eines Mordes auf offener Straße. Die Erinnerung an diese Szene trug Guttuso immer mit sich herum. Die Wurzel seiner (späteren) sozialen Wachheit[5] reicht bis an dieses Ereignis zurück. Guttuso wuchs in ärmlichen Umständen auf. Sein Vater war Landvermesser.

Erstaunlicherweise war diese Umgebung trotz aller Widrigkeiten auch die Geburtstätte seiner künstlerischen Begabung, der Malerei. Der Weckruf dieser Begabung erfolgte aus zwei Richtungen. Zuerst einmal malte der Vater Guttusos in der Freizeit Aquarelle, widmete sich also neben der schweren körperlichen Arbeit auch einem musischen Hobby und dann lag gegenüber dem Hause Guttusos die Werkstatt des Karrenstreicher Emilio Murdolo. Die Karrenmaler bemalten die Karren der Landleute mit bunten Szenen aus den Sagen der fränkischen Paladine. Auf diese Weise wird ein Gemälde, ein anschauliches Bild, statt nur in einem Museum aufbewahrt zu werden, verbreitet, wird sprichwörtlich und unverlierbar.[6] Diese naive Volkskunst[7] war Guttusos erste „richtige“ Begegnung mit der Malerei, denn ein Meister dieser Zunft[8] (Emilio Murdolo), brachte dem damals Elfjährigen den Umgang mit Pinsel und Farbe bei.

Als Guttuso in späteren Jahren auf seine Kindheit zurückblickt, sagt er folgendes: „Zwischen den Wasserfarben meines Vaters , dem Atelier des Malers Domenico Quattrociocchi und der Werkstatt des Karrenstreichers Emilio Murdolo begann mein zukünftiger Weg sich abzuzeichnen.“[9]

Als junger Künstler brachte er bevorzugt Darstellungen sizilianischer Landschaft, Momentaufnahmen aus dem Leben sizilianischer Bauern und Kopien der Werke anderer Künstler auf Papier. In seinen Jugendjahren lockte ihn das Künstlermilieu der nah gelegenen Stadt Palermo, wo er unter anderem auf den futuristischen Künstler Pippo Rizzo traf. Sein begonnenes Rechtsstudium legte er bald beiseite und versuchte, mit seiner Kunst seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch dies gelang anfänglich nicht und Guttuso musste sich mit diversen Nebentätigkeiten über Wasser halten. Als achtzehnjähriger verließ er Sizilien und ging auf das italienische Festland, um in Rom – später auch in Mailand – zu leben. Seine erste große Ausstellung hatte er in der Mailänder „Galleria del Milione“ (Bevilacqua, Castro, Corona, Giarrizzo, Guttuso, Lazzaro, 6 pittori siciliani, Galleria del Milione, Milano, 1934, catalogo: edizioni Il Milione).[10] Diese Ausstellung erregte großes Aufsehen. Trotz dessen, dass er nun einen ersten Fuß in die Tür bekommen hatte, musste er immer noch nebenher als Restaurateur arbeiten, vorzugsweise in Bildergalerien in Perugia und Rom. Weiterhin war er auch als Journalist tätig und in Ausübung dieses Berufs geriet Guttuso auch zum ersten Mal mit der faschistischen Zensur in Kontakt. Diese Zensur verhinderte 1933 den Abdruck eines seiner Artikel über den großen Pablo Picasso, welcher mit seinem Meisterwerk „Guernica“ eine künstlerische Anklage gegen das Bombardement der gleichnamigen spanischen Stadt durch die deutsche Luftwaffe lieferte.

Die „Galleria del Milione” blieb dem Künstler Guttuso treu und eröffnete 1934 eine weitere Ausstellung der Werke Guttusos und anderer sizilianischer Künstler. (2 pittori, 2 scultori siciliani: Lia Pasqualino Noto, Renato Guttuso, Giovanni Barbera, Nino Franchina, Galleria del Milione, Milano, 1934, catalogo: testo di P. Mignosi)[11] Diese “anderen” sizilianischen Künstler bildeten die “Gruppe der vier” (Group of four).[12]

[...]


[1] Microsoft ® Encarta ® Enzyklopädie Professional 2004. © 1993-2003 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. Stichwort: „Ermächtigungsgesetz“

[2] Microsoft ® Encarta ® Enzyklopädie Professional 2004. © 1993-2003 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. Stichwort: „Résistance“

[3] Lang, Lothar. Renato Guttuso. Berlin: Henschelverlag Kunst und Geschichte, 1975. Seite 5.

[4] Lang, Lothar. Renato Guttuso. Berlin: Henschelverlag Kunst und Geschichte, 1975. Seite 5.

[5] Lang, Lothar. Renato Guttuso. Berlin: Henschelverlag Kunst und Geschichte, 1975. Seite 5.

[6] Berger, John. Renato Guttuso. Dresden: Verlag der Kunst, 1957. Seite 20.

[7] Lang, Lothar. Renato Guttuso. Berlin: Henschelverlag Kunst und Geschichte, 1975. Seite 5.

[8] Lang, Lothar. Renato Guttuso. Berlin: Henschelverlag Kunst und Geschichte, 1975. Seite 5.

[9] http://www.guttuso.com/en/main-frames.htm (Biography)

[10] http://www.guttuso.com/en/main-frames.htm (Bibliography)

[11] http://www.guttuso.com/en/main-frames.htm (Bibliography)

[12] http://www.guttuso.com/en/main-frames.htm (Biography)

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638632935
ISBN (Buch)
9783638675789
Dateigröße
984 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73351
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Romanistik
Note
2
Schlagworte
Renato Guttuso Resistenza

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Titel: Renato Guttuso -  Die italienische „Resistenza“