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Nietzsches Moralkritik

Magisterarbeit 2002 91 Seiten

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts

Leseprobe

INHALT

Vorwort

ERSTES KAPITEL
Nietzsches Denkbewegungen – der Versuch einer Experimentalphilosophie

ZWEITES KAPITEL
Der Perspektivismus als Erkenntnisprinzip

DRITTES KAPITEL
Nietzsches Moralkritik
I. Die Perspektivierung der Moral
II. Was bedeutet Moral in Nietzsches Denken ?
III. Nietzsches Kritik der Moral
IV. Das Problem des Immoralismus
V. Die analytische und synthetische Aufgabe der Moralkritik

VIERTES KAPITEL
Der Wille zur Macht als Erklärungsprinzip
Schlussbetrachtung
Literaturverzeichnis

Alle Werke Nietzsches werden nach der >Kritischen Studienausgabe<, herausgegeben von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, zitiert. Sie enthält sämtliche Werke und unveröffentlichten Texte Friedrich Nietzsches nach den Originaldrucken und –manuskripten auf der Grundlage der >Kritischen Gesamtausgabe<, erschienen im Verlag de Gruyter, Berlin/New York 1967ff.

Friedrich Nietzsche: Sämtliche Werke

Kritische Studienausgabe in 15 Einzelbänden

KSA 1: Die Geburt der Tragödie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

VORWORT

„Ich kenne mein Los. Es wird sich einmal an meinen Namen die Erinnerung an etwas Ungeheures anknüpfen – an eine Krisis, wie es keine auf Erden gab, an die tiefste Gewissens-Kollision, an eine Entscheidung, heraufbeschworen gegen alles, was bis dahin geglaubt, gefordert, geheiligt worden war.“

Friedrich Nietzsche, Ecce homo, 1888

Mit dieser These in >Ecce homo< sollte Friedrich Nietzsche Recht behalten. Mit den Schlagwörtern wie `Wille zur Macht´, `Nihilismus´ oder `Gott ist tot´ ist Nietzsche bekannt und berühmt geworden. Diese Schlagworte sind es auch, die als Indizien darauf hinweisen, dass sich sein Name an die Krisis des Nihilismus, an eine tiefe Gewissenskollision durch eine Umwertung der Moral und an eine Entscheidung – für eine andere Perspektive – knüpft, um aus einer lebensverneinenden Weltanschauung herauszutreten und die geglaubten, „geheiligten“ Dogmen des Christentums zu verwerfen.

Er war zweifelsohne der bisher mutigste Kritiker des Denkens und natürlich der Moral. In Nietzsche sind aber weitaus mehr Bestandteile verschmolzen, als der ungebärdige Prophet, der dionysische Künstler oder - der dazu scheinbar unvereinbare - scharfsinnige philosophische Kritiker, oder was sonst auch immer die Menschen in ihm sehen.

Nietzsche ist ein Denker, der sich mit einer Reihe von Problemen beschäftigt, die als solche zuvor gar nicht umrissen waren. Sein angestrebtes Ziel, die Erkenntnis von der Herrschaft der Moral zu befreien, macht ihn notwendigerweise zum Kritiker aller Voraussetzungen und vieler Inhalte der Philosophie:

die Philosophie schafft so, nach Nietzsche, die Welt nach ihrem Bilde. Logik ist abhängig von der Denkweise, die Wahrheit ist eine Lüge und die Moral ein Ressentiment, durch das die Schwachen ihr Überleben absichern. Durch die Wandlung der sittlichen Würde hin zum Menschlichen, Allzumenschlichen und daher Gewöhnlichen, hat das „Heerdenthier“ Mensch in seinen Augen nicht die Steigerung des Lebens gefördert, sondern übt sich – der Heldentaten unfähig geworden - zugunsten der Schwachen im Verzicht.

Für ihn ist klar, dass eine Mitleidsmoral die Entwicklung des Menschen beeinträchtigt. Ihm ist daran gelegen, durch eine Kritik der Moral eine Umkehrung der Werte auf den Weg zu bringen.

Das Problem des Moralischen bestimmt bereits von Anfang an Nietzsches Denken. In der >Geburt der Tragödie< erwähnt er die Fragwürdigkeit einer moralischen Weltauslegung. In >Menschliches, Allzumenschliches< kommt er zu dem Schluss, dass alle Urteile über den Wert des Lebens unlogisch entwickelt, also ungerecht sind und die Begriffe „gut“ und „böse“ nur in Bezug auf den Menschen Sinn haben.[1]

Hier, im Buch für freie Geister, legt Nietzsche den Grundstein für die „Befreiung des Geistes“ und für die immer schärfer werdende Kritik der Moral, die er bis hin zur nachgelassenen Schrift >Der Antichrist< thematisiert. Für ihn ist die Moral das größte Thema der Gegenwart.

Den ersten Anstoss, von meinen Hypothesen über den Ursprung der Moral Etwas zu verlautbaren[2], schreibt Nietzsche in der Vorrede zur >Genealogie der Moral<, lieferte ihm Paul Rées Buch mit dem Titel `Der Ursprung der moralischen Empfindungen´.

Seine Gedanken zur Moral und deren Kritik sind allerdings, wie bereits angedeutet, in zahlreichen seiner Bücher verteilt, in denen sie sich weiterentwickelt und auch modifiziert haben sowie in Abhängigkeit von anderen tragenden Säulen seines Denkens (Perspektivismus und Experimentalphilosophie) betrachtet werden müssen.

Das macht die Aufgabe, seine Moralkritik darzustellen, nicht gerade einfach und ohne Berücksichtigung von Nietzsches Herangehensweise auch nicht sinnvoll.

Überdies hat Nietzsches nicht gänzlich unverdiente Reputation als intellektueller hooligan, als geistiger Mentor der Künstlernaturen, Rebellen und – weniger glanzvoll – als der halbkanonisierte Proto-Ideologe des Nazismus, es sogar für Philosophen schwer werden lassen, ihn als einen der Ihrigen zu lesen.“[3]

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass selbst namhafte Philosophen in ihren Interpretationen über Nietzsche gänzlich unterschiedliche Meinungen vertreten.

So ist Nietzsche für Heidegger ein Metaphysiker und sein Denken die „Umkehrung“ des Platonismus, und das Prinzip der neuen Wertsetzung wäre der Wille zur Macht als der „einzige“ Wert.[4] Jaspers bezeichnet Nietzsche als Existenzphilosophen, Habermas kritisiert sein mystisch anmutendes Vorgehen mittels Intuition als Irrationalismus.

Jacques Derrida, der Inhaber des diesjährigen Adorno-Preises der Stadt Frankfurt entwirft wiederum ein anderes Nietzschebild[5]. Hier wird durch die von Friedrich Nietzsche propagierte Absenz von verbindlicher Wahrheit ein Interpretieren nötig, dass aus Mangel an Möglichkeiten der Rückversicherung gezwungen ist, unaufhörlich zu „dechiffrieren“, immer aufs Neue zu interpretieren. „Die Affirmation der Welt als Spiel [...]“[6]

Diese Annahme würde sich mit der Nietzsches decken: dass „alles“ Interpretation ist, sogar das sittliche Selbstverständnis des Menschen.

Nietzsches sprachlicher Stil des Pathos und der Erregung ist es wohl, der gerade eine breite Leserschar für Philosophie begeistert. Zeitgleich wurde Nietzsche so aber nur widerwillig von Philosophen akzeptiert. Die Aphorismen, in die er beißende Kommentare zu diversen Themen wie Politik, Kunst, Religion, Kultur und natürlich Moral packt, wirken oft eher verbittert und zerstörungswütig als wissenschaftlich begründet. Des weiteren sind diese Themengebiete oft nicht in Beziehung zueinander gesetzt. Sie wirken wie kurze Motive.

Ein Mangel an Struktur erschwert es ihm weitreichendere Denkzusammenhänge herzustellen. Tiefergehende Schwerpunkte seines Denkens, wie der `Wille zur Macht´, das apollinische und dionysische Prinzip seiner Künstlerphase, die ewige Wiederkunft oder die von ihm geforderte Schicksalsbejahung in der Formel des `amor fati´ sind dagegen nur schwer zugänglich und lassen sich scheinbar kaum in einem System vereinen.

Dieses Fehlen eines erkennbaren Systems bietet die Grundlage Nietzsche auf diverse Arten interpretieren zu können.

Das System ist als solches nicht in Nietzsches Schriften sichtbar, obwohl er in einem Brief an Georg Brandes[7] bezeugt, dass ihm zumindest in seiner späten Phase klar war: “Es hängt Alles zusammen, es war schon seit Jahren Alles im rechten Gange, man baut seine Philosophie wie ein Biber, man ist notwendig und weiß es nicht.

Gründe, warum Nietzsche zuweilen den Gedanken eines Systems verwarf, werde ich später liefern. Sein Grundgedanke war wohl der, dass Systeme nur dort greifen, wo sie definiert sind. Und nur dann, wenn sie gleichzeitig Komplexität reduzieren.

Rüdiger Schmidt, Leiter des Kollegs Friedrich Nietzsche in der Stiftung Weimarer Klassik, hat die Diskussion jetzt erneut angefacht.[8] Damit will er zeigen, dass man aufgrund von Fälschungen und Rekonstruktionen der „verratenen“ Gedanken Nietzsches weiterhin darauf angewiesen ist, zu interpretieren und es unmöglich ist, die zeitliche Abfolge der Niederschrift von Nietzsches Gedanken zu rekonstruieren. Schmidt, ehemaliger Mitarbeiter bei Mazzino Montinari in Florenz, unterstellt Montinari, dass dieser Nietzsche hegelianisiert hätte, indem er einen fortlaufenden, idealisierten Text aus zahllosen Ansätzen, Umformulierungen, Durchstreichungen und unchronologischen Manuskripten „zusammenschustere.“

Im Gegensatz zu Arthur Danto[9] verwirft er auch den Werkgedanken und das System und würde gerne zeigen, dass Nietzsche ein Passagen-Werk schrieb und das auch wusste.

Nichts desto trotz bin ich auf die Kritische Studienausgabe Mazzino Montinaris und Giorgio Collis angewiesen. Selbst wenn so aus einem „expressionistischen Kunstwerk“ ein Text gemacht und die philosophische Relevanz rekonstruiert worden sein sollte. Wir verdanken der kritischen Nietzsche-Gesamtausgabe, die 1962 in Weimar auf den Weg gebracht wurde die bis heute andauernde Nietzsche-Renaissance und die Möglichkeit in diese faszinierende Philosophie einzutauchen.

Die chronologisierten Gedankengänge, sowie der Nachlass – da sind sich die Experten ziemlich sicher – sind vom philosophischen Gehalt her wohl nicht verfälscht.

Mazzino Montinari klärt die Frage, inwiefern die neue kritische Gesamtausgabe uns zu einer richtigen Lektüre Nietzsches verhelfen kann, in dreifacher Hinsicht:

„1. indem sie jedes Werk Nietzsches als die jeweilige philosophische und künstlerische Ausformung bestimmter Gedankengänge aus einer bestimmten Zeit seines Lebens und Schaffens hinstellt;
2. indem sie die Werke in eine innere Beziehung zum Nachlaß und somit zu Nietzsches eigener Entwicklung im Ganzen setzt;
3. indem sie Nietzsche, vor allem durch Erschließung seiner Quellen, in einen fruchtbaren Zusammenhang mit seiner historischen Vor-, Mit- und Nachwelt bringt. Mit anderen Worten: die kritische Gesamtausgabe ermöglicht eine philologisch-

historisch fundierte Lektüre der Werke Nietzsches, die als Voraussetzung jeder philosophischen Interpretation gelten muß.“[10]

Diese andauernden Diskussionen zeigen, wie uneins man über den Poeten, Moralisten, Philosophen und Propheten ist.

Einen Grund dafür liefern die immanenten Gegensätze in Nietzsches Werken, die jedem Interpreten zu schaffen machen müssen und die gleichwohl die Möglichkeit bieten, diese Gegensätze verschieden aufzulösen.

So meint G. Simmel, dass man aus der Gesamtheit von Nietzsches Aussagen diejenigen selektieren könne, die einen einheitlichen Zusammenhang ergeben. Das Problem der Gegensätzlichkeit weicht hier zugunsten eines Systematisierungsversuchs.

Für K. Löwith liegt der Grundkonflikt Nietzsches im Verhältnis von Mensch und Welt. Und in der Tat sieht sich Nietzsche im Dasein mit dem beständigen Kampf der Gegensätze konfrontiert, was es nahe legen würde, diese besonders herauszustellen.

„Indem Nietzsche nach der Beschaffenheit der `wirklichen´ Gegensätze fragt, gelangt er über eine Destruktion metaphysischer Überzeugungen und logischer Geltungsansprüche zu seiner Lehre von den Willen zur Macht, die in ihrem Kräftespiel aufeinander verweisen. Indem er der Herkunft der Wertgegensätze nachgeht, die in seinem Jahrhundert lebendig sind, wird er zur Ausarbeitung seiner primär am Phänomen der Moral orientierten geschichtsphilosophischen Vorstellungen genötigt. Indem er den Machtwillen nachfragt, die unter dem Streit der Widersprüche in sich zerfallen, eröffnet sich ihm das Problem des Nihilismus.

Indem er von der Gegensätzlichkeit der Machtwillen als dem letztlich Wirklichen ausgeht, wandelt sich ihm das Verständnis von Wahrheit.“[11]

Es zeigt sich, dass die Kritik der Moral nicht von den Eckpfeilern seines Denkens zu trennen ist und dass diese wiederum nicht unberücksichtigt bleiben können.

Die Aufgabe der Umwertung aller Werte und die damit einhergehende Befreiung des Geistes ist für Nietzsche ein Experiment. Es ist wichtig, zu verdeutlichen, dass ihm zuerst einmal alles Hypothese ist und alles möglich ist, solange man zum Experiment bereit ist.

Diese Denkbewegungen der Umwertung kann man als Kopernikanische Wende des Denkens ansehen. Sein Versuch ist der einer Experimentalphilosophie und beinhaltet die Umkehrung in der Abhängigkeit von Wahrheit und Bedeutung. Dabei erlangt das Bedeutung, was für die Art des Lebens relevant ist. Es steht außer Frage, dass der Weg der Herdenmoral, als Kultur die das Leiden ablehnt, nicht relevant ist. Dieser Thematik wird im ersten Kapitel nachgegangen.

Nietzsche gilt als problemorientierter Denker. Seine Eigenart, Aphorismen und Essays zu bestimmten Themen zu schreiben verdeutlicht das.

Er sucht in erster Linie nach versteckten Voraussetzungen und weniger nach Lösungen. Da Systeme immer auf Voraussetzungen angewiesen sind, könnte man das als Grund dafür ansetzen, dass er es ablehnt, von vornherein ein eigenes System zu erstellen.

Diese Annahme Nietzsches bedeutet nun, dass Probleme immer unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden können. Aus diesem Grund wird im zweiten Kapitel zu zeigen sein, warum er als Erkenntnisprinzip von einem Perspektivismus ausgeht und welche Konsequenzen das aufwirft – gerade für die Moral selbst.

Bereits in >Jenseits von Gut und Böse< zeigt Nietzsche den Versuch Moral neu zu denken. Nämlich unter der Perspektive der Naturgeschichte. Mit dem fünften Hauptstück >Zur Naturgeschichte der Moral< tut Nietzsche das, was die Philosophen vor ihm nie gewagt hatten: er befasst sich mit dem grundsätzlichen Problem der Legitimität der Moral.[12]

Diese revolutionäre Perspektivierung ist nun die Bedingung der Möglichkeit für die Moral, sich selbst zu reflektieren und sich aus der Eigenperspektive in Frage zu stellen.

Nietzsche zeigt durch die Perspektivierung, dass eine Vielzahl an Beurteilungen denkbar ist: >Gut und Böse< können als Nützlichkeitskalküle verstanden werden, wenn etwas im Sinne des Utilitarismus für jedermann geltend sein soll. Will man >gut und böse< an sich denken, muss es allerdings (im Sinne Nietzsches, der ein Gegner des Utilitarismus ist) in Frage kommen, dass dieses Nützliche für jeden etwas anderes sein kann.

Das heißt, dass die Moral, die als Natur verstanden sein soll, nicht mehr als „gesetzt“ und unabhängig fungieren kann, sondern in Natur und Geschichte verwoben sein muss. Hiermit enthebt Nietzsche das Denken seiner Vormachtstellung. Das Denken verliert seine Freiheit an eine Moral.

Die >Genealogie der Moral< gilt als Nietzsches philosophisch geschlossenstes Werk. Nie ist es ihm sonst so gut gelungen, seinem Denken eine systematische Ordnung zu geben. Diese Publikation sollte dazu dienen, einige Hauptvoraussetzungen der vorangegangenen Schrift >Jenseits von Gut und Böse< zu verdeutlichen.

Diese Verlautbarungen werden jetzt im Zusammenhang zu seinem Denken erörtert. So muss die Moral, die bisher als „ der geheiligste Ort des Friedens “ gesehen wurde, als Problem in einer „ Entstehungsgeschichte dieser Gefühle und Werthschätzungen[13] angegangen werden.

„Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit des Philosophen, da noch zweifeln zu können, wo andere schon glauben müssen.“[14]

Das radikale Bezweifeln ist die Vorgehensweise seiner Moralkritik, der das dritte Kapitel dieser Arbeit gewidmet ist. Zuerst wird die Moral selbst perspektiviert, um Bedeutungen für Nietzsches Denken herauszulesen.

Seine Kritik der Moral wird im Anschluss daran erläutert. Die Kritik der Moral stellt in ihrer Art die Moral selbst zur Diskussion und somit zur Interpretation. Meine Interpretation wird sich auf diese eben skizzierte Thematik stützen und dabei versuchen auch auf das Problem des Immoralismus in seiner Kritik einzugehen, was die Möglichkeit einer Ethik ausschließen würde.

Die Kritik der Moral kann nun auf differenzierende Weise angegangen werden. Einerseits hat die Moralkritik eine analytische, das heißt auch historische Aufgabe. Sie zeigt den Ursprung und die Entwicklung moralischer Empfindungen und verweist mit Nietzsches These, es gebe keine „ewigen Thatsachen“, zugleich auf die Überwindung metaphysischer Grundannahmen.

Mit der Einsicht der Wandelbarkeit von Werten in Abhängigkeit von einer Rangordnung vollzieht sich die Auflösung von >gut< und >böse< zugunsten einer neuen Abstufung. Er zeigt, dass das, was für die Beschreibung moralischer Tatsachen gehalten wird, lediglich der Ausdruck moralischer Einstellungen ist.

Die Begründung einer für alle gleich gültigen Moral ist zuletzt doch die des Begründenden selbst.

Neben der Analyse, die eine Vielheit an Moralen als Systeme von Wertschätzungen zeigt und ihre Entstehungsgeschichte als die Geschichte des „nothwendigen Irrthums“ bezeichnet, erhält die Kritik der Moral – vorausgesetzt sie erschöpft sich nicht im Ersetzen alter durch neue Fiktionen – eine synthetische Aufgabe:

die Menschen können mit Bewusstsein beschliessen, sich zu einer neuen Cultur fortzuentwickeln [...].[15]

Nietzsche benutzt die Kritik der Moral auch dazu, um die Moral - die keiner Macht bedurfte, die sie rechtfertigt - selbst als Macht zu zeigen. Die Verknüpfung zum Willen zur Macht und den Willen als Erklärungsprinzip seiner Philosophie möchte ich abschließend im vierten Kapitel dieser Arbeit behandeln.

Während sich seine Philosophie vordergründig mit der Kritik der Moral beschäftigt, läuft sie im Hintergrund – wie, wird zu zeigen sein - zu einer neuen Ethik zusammen: einer Ethik des Individualismus. Nietzsche fordert die Menschen auf, nach ihrer eigenen Moral zu leben. Die Moral soll nicht länger als blinder Fleck fungieren, sondern die Möglichkeit erhalten sich an anderen moralischen Entwürfen zu reflektieren. Sie soll sich in ihren Urteilen an der Förderung des Lebens orientieren.

Dazu muss „ das Christenthum als Moral noch zu Grunde gehn.“ Er sieht sich zu seiner Zeit bereits an der Schwelle dazu.

Am „Sich-bewusst-werden des Willens zur Wahrheit geht von nun an – daran ist kein Zweifel – die Moral zu Grunde: jenes grosse Schauspiel in hundert Akten, das den nächsten zwei Jahrhunderten Europa´s aufgespart bleibt, das furchtbarste, fragwürdigste und vielleicht auch hoffnungsreichste aller Schauspiele...“[16]

Demnach befinden wir uns gerade mitten in diesem Schauspiel. Bedenkt man, dass Nietzsche bei seinen Zeitgenossen so gut wie keine Anerkennung fand, weil er noch einer sicher geglaubten Moral gegenüber stand, zeigen sich Relevanz und Renaissance seiner Philosophie und Moralkritik in der heutigen Zeit. Zuerst als Visionär an Anerkennung gewinnend, erfreut sich Nietzsche mittlerweile zunehmender akademischer Beachtung.

Vielleicht ist das hoffnungsreichste aller Schauspiele das, was Nietzsche schon in >Die fröhliche Wissenschaft< fordert[17]: dass begonnen wird, die Moral selbst als Problem zu sehen. Das man sich nicht nur unpersönlich, mit kalten neugierigen Gedanken damit beschäftigt, sondern persönlich, so dass es eigenes Schicksal, eigene Not und bestes Glück ist.

ERSTES KAPITEL

NIETZSCHES DENKBEWEGUNGEN – DER VERSUCH EINER EXPERIMENTALPHILOSOPHIE

„In media vita. – Nein! Das Leben hat mich nicht enttäuscht! Von Jahr zu Jahr finde ich es vielmehr wahrer, begehrenswerther und geheimnissvoller, - von jenem Tage an, wo der grosse Befreier über mich kam, jener Gedanke, dass das Leben ein Experiment des Erkennenden sein dürfe – und nicht eine Pflicht, nicht ein Verhängnis, nicht eine Betrügerei![...] Das Leben ein Mittel der Erkenntnis [...]“18

Dieser Aphorismus enthält drei wichtige Termini in Nietzsches Denken: nämlich (a) die Befreiung des Geistes, die durch die Erkenntnis geschürt wird, (b) dass das Leben als Experiment fungieren darf. Gleichzeitig eröffnet sich Nietzsche (c) die Möglichkeit das Leben als Mittel der Erkenntnis zu betrachten.

Der Begriff des Experiments findet sich häufig in Nietzsches späteren Schriften. In seiner Frühphase war er, beeinflusst von seinem „Lehrer“ Schopenhauer, ein Anhänger von Systemen. Schopenhauer richtete sein System in >Die Welt als Wille und Vorstellung< nach zwei Eckpfeilern, der Idealität der Welt und der Realität der Willensfreiheit aus. Der Wille als das Primäre (wie später bei Nietzsche) bedingt die Vorstellung und ordnet den Intellekt als Träger der Anschauung als Äußerung des Willens dem Willen unter.

Nietzsche sagt über Systeme in >Die nachgelassenen Fragmente<: „ Je nachdem das Gefühl der Schwäche (Furcht) oder das der Macht überwiegen, entstehen pessimistische oder optimistische Systeme.“[18]

Im Falle Schopenhauer erklärt Nietzsche in >Zur Genealogie der Moral<, dass es gerade die „Vergoldung“ der Mitleids-, Selbstverleugnungs-, Selbstopferungsinstinkte gewesen sei, die dazu führte, dass sie ihm als Werte an sich übrig bleiben mussten, aufgrund deren er zum Leben und zu sich selbst Nein sagte.[19]

Die Abkehr von Schopenhauers Denken ist hier immanent.

Später, nach der Abkehr von Schopenhauer, betont Nietzsche dann: „ Systeme bauen ist Kinderei.“19 Diese Annahme stützt sich auf die Tatsache, dass ein System notwendigerweise auf Voraussetzungen basiert, die es selbst nicht in Frage stellen kann. Kein System kann die Wahrheit seiner Prämissen beweisen. Sie müssen immer als erwiesen vorausgesetzt werden.

Diese tiefere Einsicht in die Problematik von Systemen bringt Nietzsche dazu, „furchtlose Fragen“ zu stellen, um so den Problemen auf den Grund zu gehen und ihnen mittels des aphoristischen Stils beizukommen.

„Die kleinen einzelnen Fragen und Versuche galten als verächtlich, man wollte den kürzesten Weg, [...] Alles mit einem Schlage, mit einem Worte zu lösen, - das war der geheime Wunsch [...] man zweifelte nicht, dass es möglich sei, auch in der

Erkenntnis nach Art des Alexander oder des Columbus zum Ziele zu kommen und alle Fragen mit Einer Antwort zu erledigen.“[20]

Nietzsche schwebte mit seinen Fragen und Versuchen „die fröhliche Wissenschaft des furchtlosen Experimentierens vor Augen, die Bereitschaft, wo nötig, neue Ansichten anzuerkennen und frühere Positionen zu verwerfen.“ [21]

Wenn er, wie eingangs des Kapitels beschrieben, das Leben als Mittel der Erkenntnis betrachtet, so ist das ein solches furchtloses Experimentieren, dass auf die Bedeutsamkeit der Erkenntnis für das Leben bei Nietzsche verweist. Der Sinn für die Art des Lebens entscheidet zuletzt. „ Die Art ist alles, Einer ist immer Keiner.“[22]

Das erkenntnistheoretische Interesse gilt also der Möglichkeit durch das Experimentieren die sinnnotwendigen, angemessenen Weltperspektiven zu finden und den Geist von falschen Prämissen zu befreien.

So gesehen kreist Nietzsches Experimentalphilosophie auch zeitgleich immer um die Überwindung eines durch die christlich-moralische Weltauslegung bedingten >Geistes der Rache<.

Auf den Perspektivismus als Erkenntnisprinzip wird im zweiten Kapitel genauer einzugehen sein. Der besondere Gesichtspunkt – wie sich im folgenden Abschnitt zeigen wird – eine Weltbetrachtung vom Stande her frei zu wählen, lässt sich jedoch nur schwer vom Perspektivismus trennen.

Ich habe das Verfahren des Experimentierens im Vorwort als Kopernikanische Wende im Denken bezeichnet. In der Tat hält sich Nietzsche in seinem Philosophieren – wie vor ihm auch Kant – an das astronomische Bewusstsein des Kopernikus, der die Beschreibung der Himmelskörper mit einer freien Standwahl anging.

Der Versuch des Kopernikus kennzeichnet sich dadurch, dass dieser „ nachdem es mit der Erklärung der Himmelsbewegungen nicht gut fort wollte, wenn er annahm das ganze Sternenheer drehe sich um den Zuschauer, versuchte ob es nicht besser gelingen möchte, wenn er den Zuschauer sich drehen, und dagegen die Sterne in Ruhe ließ.“[23]

Zentrum und Peripherie wechseln die Seiten.

Die Einsicht Nietzsches, dass es kein „An-sich-Sein“ gibt, beruht auf der Feststellung, dass die Dinge in einem relativen Verhältnis zueinander stehen.

Im Nachlass geht Nietzsche noch einen Schritt weiter und sagt, das Ding an sich sei ein leeres Wort. Ein Ding ist nur die Summe seiner Wirkungen und sobald man die Wirkungen auszuschließen versucht, um an das Ding an sich zu gelangen, bleibt nichts mehr übrig, weil das Ding nicht unabhängig von seinen Wirkungen zu denken ist. Diese Annahme verweist darauf, dass er später den Versuch unternommen hat, in dynamischen Quanten zu denken, um den Begriff des Dings verwerfen zu können.

Hier gehen wir aber von einem relativen Verhältnis der Dinge zueinander aus und jede Aussage über die Dinge hat demzufolge dann interpretativen Charakter. Er beschreibt diesen Akt des Verschwindens verbindlicher Wahrheiten treffend in der dritten Abhandlung in >Zur Genealogie der Moral<: „ Nichts ist Wahr, Alles ist erlaubt... Wohlan, das war Freiheit des Geistes, damit war der Wahrheit selbst der Glaube gekündigt...“[24]

So ist es ihm möglich, geltende Überzeugungen, von denen er als gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen gesprochen und die er als Gefängnisse bezeichnet hat, auszuschalten.[25] Die Loslösung von Glaubensinhalten ist Voraussetzung dafür, eine experimentelle Methode anzuwenden. Nach Nietzsche sind dazu nur freie Geister in der Lage und er versteht diese Loslösung von allen Glaubensinhalten als Radikalisierung des Cartesischen Zweifels. Nietzsche bezweifelt nämlich die von der Vernunft gebotene Annahme der notwendigen Gültigkeit von Prämissen ebenso wie deren Anspruch auf Wahrheit.

Durch ein experimentelles Verfahren ist es nun möglich, gemäß einem Gedankenexperiment, die Betrachtungsweise eines Problems je nach Perspektive zu variieren.

Es ist aber unmöglich, das interpretierende und auslegende Subjekt von einer vermeintlichen Objektivität der Welt zu trennen.[26] Daher ist die Welt immer Ergebnis eines Entwurfs. Das Subjekt entwirft seine Welt, die immer Interpretation bleiben muss, aber es erhält die Freiheit zwischen einer Vielzahl von Entwürfen zu wählen.

Nietzsche ist sich im Klaren darüber, dass die Entscheidung, ob sich ein Experiment als „funktionierend“ erweist, ein subjektives und kein objektives Urteil ist. „ Sie (die Gewissheit) bedeutet nicht Gewissheit eines Sachverhalts, sondern Unzweifelbarkeit der Bedeutsamkeit eines Satzes für meine Existenz.“[27]

Nietzsches Auffassung der Wahrheit geht schließlich so weit, dass er betont, nicht mehr anders als experimentell vorzugehen:

„Ich lobe mir eine jede Skepsis, auf welche mir erlaubt ist zu antworten: >Versuchen wir´s!< Aber ich mag von allen Dingen und allen Fragen, welche das Experiment nicht zulassen, Nichts mehr hören. Diess ist die Grenze meines >Wahrheitssinnes<: denn dort hat die Tapferkeit ihr Recht verloren.“[28]

Wir sehen nun die Beweggründe, die Nietzsche das Experimentieren der Benutzung eines Systems vorziehen lassen.

So kann jedem Problem die Möglichkeit zukommen, gesondert betrachtet zu werden und über die Untersuchung „kleiner Fragen“ kann er zu „kleinen“ Wahrheiten gelangen.

Wenn man eine >Anwendung< der so interpretierten copernicanischen Denkhandlung auf das metaphysische Denken fordert, so ergibt sich, daß hier die Vernunft analog wie im Denkbereich des Astronomen ein Experiment mit sich selbst, d. h. mit ihrer eigenen Standwahl macht. Zugleich damit wird auch die dazugehörige Perspektive experimentell geprüft und daran gemessen, ob sie den Ansprüchen und dem Maßstab der metaphysischen Vernunft genügen kann oder nicht.

Das Experiment mit diesem Stand und seiner Weltperspektive darf dann als gelungen gelten, wenn die resultierende philosophische Theorie die metaphysische Antinomie der Vernunft zu überwinden vermag.“[29]

Die Methode[30] besteht also darin die Erkenntnis dort zu suchen, wo sie sich durch ein Experiment bestätigen oder widerlegen lässt. Die neuartige Bedeutung für die Philosophie beinhaltet die Möglichkeit sich den Gegenständen der Erkenntnis

frei gegenüberzustellen. Dabei kann die vom Philosophen getroffene Wahl

des Standpunktes beurteilt werden, nach der eine neue Weltperspektive erarbeitet wird. Die Methode kann im Fall Nietzsches daran gemessen werden, ob das Experiment in der Lage ist, die Gültigkeit von philosophischen Weltinterpretationen zu prüfen. Wenn die denkende Vernunft mit sich selbst experimentiert, entscheidet sich, ob der Versuch „funktioniert“, dem Leben eine sinnmotivierende Perspektive zu geben oder nicht.

Es ist solange zu verfahren, bis sich die für eine Art des Lebens angemessenste Perspektive findet. Dabei kommt es nicht auf die Gewissheit eines Sachverhalts, sondern auf die Unzweifelbarkeit der Bedeutsamkeit eines Satzes für meine Existenz an. Diese Wendung in der Auffassung der Welt als Interpretation und das Abkehren von der philosophischen Annahme, dass erste Sätze automatisch wahre Sätze sein müssen, ist der Übergang zu jenem experimentalphilosophischen Denkansatz Nietzsches, der alle philosophischen Grundannahmen zuerst einer Prüfung unterzieht. Diese Art des Philosophierens hat nicht primär die Funktion theoretischer Wahrheit, sondern soll die im Experiment vorhandene Sinnbedeutsamkeit für eine Weltperspektive, die dem dionysischen Werdecharakter der Welt angemessen ist, zeigen.

Es gilt zu verdeutlichen, dass eine Perspektive am Maßstab ihrer Bedeutsamkeit für die Erfüllung des Sinnbedürfnisses geprüft wird.

Indeed, an attentive reading of him (Nietzsche) reveals that he not only allows but moreover insists that some interpretations may be better than others, where >better< is construed not in terms of such cognitively neutral notions as that of >value for life<, but rather in terms of soundness and adequacy.“[31]

Diese Interpretation Schachts weist in die Richtung Kants, bei dem von der reinen Vernunft aus eine Welt von der Art konzipiert wird, dass sie als der dem Vernunftbedürfnis entsprechende Entwurf einer Welt begriffen werden sollte. In beiden Fällen – bei Nietzsche und Kant – haben wir es mit experimentellen Methoden zu tun, bei denen ein Weltkonzept auf die Bedeutsamkeit der Sinnmotivation des Denkens untersucht wird.

Bei Kant richtet sich die Bedeutsamkeit der Sinnmotivation auf das theoretische und praktische Handeln der Vernunft. Nietzsche löst hingegen die Untersuchung von Perspektiven dahingehend auf, ob sie die Fähigkeit besitzen, dem Willen zum Leben und dem Willen zur Macht sinnstiftend zu dienen.

Dies tut er – anders als Kant – deshalb, weil seiner Einschätzung nach die Vernunft mit grauen Begriffen operiert und „ die Sprache [...] auf die aller naivsten Vorurtheile aufgebaut [ist].“[32]

Nietzsche erhält durch das Experimentieren die Gelegenheit, nicht wie im System, „ Alles mit einem Schlage, mit einem Worte zu lösen“, sondern die Probleme spezifisch angehen zu können. Mögliche Antworten sind nicht durch einen Systemzwang verwehrt und unzugänglich. Außerdem ist er nicht gezwungen, mit den naivsten Vorurteilen zu operieren, indem er dem Vernunftbedürfnis entsprechend einen Entwurf auflöst, sondern im Sinne der Bedeutsamkeit des Entwurfs für seine Existenz. Nietzsche ist dabei kein Irrationalist, er wendet sich nur dann gegen die Vernunft, wenn diese dem Leben entgegensteht.

Giorgio Colli schreibt in >Nach Nietzsche< zur Kritik der Tendenz zum System: „ Das System bleibt als Surrogat all dessen zurück, was bei den früheren Veränderungen verlorenging; es bildet den Überrest einer gewissen Rhetorik, die der Emotionalität beraubt ist, vertrocknet und pedantisch geworden in dem erbitterten Willen, eine verlorene Vernunft am Leben zu erhalten.“[33]

Durch sein Konzept der Radikalisierung des Cartesischen Zweifels will Nietzsche vermeiden, dass aufgrund irgendwelcher Überzeugungen mögliche Weltperspektiven von seinen Versuchen ausgeschlossen werden; sie sollen zu freier Verfügung stehen. Dabei geht es ihm nicht um die objektive Wahrheit, sondern um die subjektive Bedeutung für das Leben. Weil bei Nietzsche das Leben faktisch an einen Willenstypus gebunden ist, geht es ihm folglich um die subjektive Bedeutung für das Leben eines Willenstypus. Die Nützlichkeit der versuchsweise beobachteten Perspektiven ist somit abhängig davon, ob sie zur Verwirklichung unseres Denkens in Abhängigkeit zu unserem Willenstypus passen.

Was ein Willenstypus ist, wird im vierten Kapitel behandelt.

[...]


[1] KSA II; S.51f, bzw. S.49

[2] KSA V; S. 250

[3] Danto; S. 24

[4] vgl. Heidegger, Nietzsche, Pfullingen, 1961, II. Band S.117 ff

[5] vgl. Behler

[6] Derrida; S. 441

[7] vgl. Danto; S.34 Brief Georg Brandes/B.III.5,310.

[8] Vgl. Süddeutsche Zeitung;Nr.271; S.16

[9] vgl. Danto; 33 ff

[10] Montinari; Nietzsche lesen; S. 3 f

[11] Müller-Lauter; S. 8

[12] KSA V; S. 106: „In aller bisherigen Wissenschaft der Moral fehlte, so wunderlich es klingen mag, noch das Problem der Moral selbst: es fehlte der Argwohn dafür, daß es hier etwas Problematisches gebe. Was die Philosophen >Begründung der Moral< nannten und von sich forderten, war, im rechten Lichte gesehn, nur eine gelehrte Form des guten Glaubens an die herrschende Moral, [...]

[13] KSA III; 5. Buch, Aph. 345; S. 577f

[14] vgl. Stegmaier; S. 49

[15] KSA II ; S. 45: Aber die Menschen können mit Bewusstsein beschliessen, sich zu einer neuen Cultur fortzuentwickeln, während sie sich früher unbewusst und zufällig entwickelten: sie können jetzt bessere Bedingungen für die Entstehung der Menschen, ihre Ernährung, Erziehung, Unterricht schaffen, die Erde als Ganzes ökonomisch verwalten, die Kräfte der Menschen überhaupt gegen einander abwägen und einsetzen. Diese neue Cultur tödtet die alte [...] sie tödtet auch das Misstrauen gegen den Fortschritt, - er ist möglich.

[16] KSA V; S.410f

[17] KSA III; Aph. 345

18 KSA III; Aph. 324, S. 552

[18] KSA IX; V 4, Aph, 194

[19] vgl. KSA V; S. 252

19 KSA VII; Aph. 135

[20] KSA III; Aph. 547

[21] Kaufmann; S.101

[22] KSA III; FW; S. 370

[23] vgl. Kant; Vorrede zur zweiten Auflage der <Kritik der reinen Vernunft>, [B XVI-XVII], S.28

[24] KSA V; 3. Abh., Aph. 24; S. 399; Anmerkung: „Daß es keine Wahrheit giebt; dass es keine absolute Beschaffenheit der Dinge, kein >Ding an sich< giebt – dies ist selbst ein Nihilism, und zwar der extremste. Er legt den Werth der Dinge gerade dahinein, dass diesem Werthe keine Realität entspricht [...], sondern nur ein Symptom von Kraft auf Seiten der Werth-Ansetzer, eine Simplification zum Zweck des Lebens; XIII, 9 Aph. 35

[25] vgl. Menschliches, Allzumenschliches I; Aph. 483; KSA VI, Aph. 54

[26] darauf wird im zweiten Kapitel im Vergleich zu Descartes Erkenntnistheorie eingegangen.

[27] Kaulbach; S. 151

[28] KSA III; FW; S.415 f

[29] Kaulbach; Nietzsches Idee einer Experimentalphilosophie; S. 147

[30] wenn ich hier von Methode spreche, orientiere ich mich an der Einschätzung Kaulbachs. (vgl. Kaulbach: Nietzsches Idee einer Experimentalphilosophie; >Selbstbegründung der Philosophie durch experimentelle Methode: Das Problem der Methode überhaupt< III. Kapitel S. 130-185); Er steigert die von Heidegger und Löwith zugestandene „Grundhaltung“ des Experimentes und den experimentellen Zug des Denkens Nietzsches zu einem methodischen Grundzug Nietzsches.

[31] Schacht; p. 62; soundness kann hier im Sinne von “based on reason”, als „vernünftig“ verstanden werden. Vgl. Oxford Advanced Learner´s Dictionary

[32] KSA XIII; V 5, Aph. 22

[33] Colli; S. 25 f

Details

Seiten
91
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638146241
ISBN (Buch)
9783638714952
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7331
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – FB Philosophie
Note
2,3
Schlagworte
Nietzsches Moralkritik Experimentalphilosophie Philosophie Danto Existentialismus Genealogie Moral Gott Metaphysik Erkenntnis Deleuze Nietzsche Friedrich Luhmann Schopenhauer tot

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Titel: Nietzsches Moralkritik