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Klassiker der modernen Anthropologie

Seminararbeit 2002 11 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Max Scheler
2.2 Helmut Plessner
2.3 Arnold Gehlen

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als Klassiker der modernen Anthropologie verstehen wir Leute, mit denen man noch heute systematisch argumentieren kann. Diese Personen tragen auch derzeit noch zu unserem Selbstverständnis bei und regen uns mit ihren Ansichten an, um über sie und ihre Sicht der Dinge zu diskutieren. Im weitesten Sinne kann man sagen, sie sind dialogfähig über große Dimensionen hinweg.

Im Folgenden sollen drei wichtige Vertreter der modernen Anthropologie und deren Verständnis über die Stellung des Menschen betrachtet werden : Max Scheler (*1874…1928), Helmut Plessner (*1892…1985) und Arnold Gehlen (*1904…1976)

An Hand der Lebensdaten dieser drei Personen lässt sich darauf schließen, dass ihre Hauptgedanken nach bzw. im Ausklingen des Ersten Weltkrieges entstanden sind. Diese Tatsache ist wichtig um zu verstehen warum es zu mehreren verschiedenen Ansichten in dem Bereich der Stellung des Menschen kam.

Zu dieser Zeit entstand unter der Bevölkerung ein wachsendes Bedürfnis nach Selbstvergewisserung. In einem ´Durcheinander´ an verschiedenen Strömungen entwarfen mehrere Anthropologen Menschenbilder und definierten den Begriff Mensch auf eine neue Art und Weise. So flossen z.B. nach Freud alle Ergebnisse

empirischer Forschung in den Gesamtbegriff Mensch mit ein. Er soll empirisch belegt sein und drei Grundpfeiler enthalten, auf die sich der Begriff stützt.

1. Ablehnung von metaphysischen Aussagen
2. Ablehnung von naturwissenschaftlicher Erforschung
3. Philosophische Definition des Menschen

Als Resultat dieser drei Grundpfeiler ließe sich feststellen, dass die Summe aus verschiedenen Forschungen noch nicht den Begriff Mensch definiert, vielmehr ist ein philosophischer Ansatz zu wählen, der aber keineswegs im Widerspruch zur naturwissenschaftlichen Erforschung steht. Es herrscht demzufolge ein ideologienfreier Begriff des Menschen, der weder über- noch untergeordnet ist. Um

diese Definition zu begreifen, darf der Mensch nicht mit Gott oder Tier verglichen werden, eher ist er eingebettet, in einer eigenständigen Stellung, im Reich des Lebendigen.

Eine weitere generelle Aussage die getroffen werden kann ist die, dass die ´Monopole´ des Menschen sichtbar sein müssen um die ´Ichhaftigkeit´ zu verdeutlichen. Wenn man hier von Monopolen spricht, sind Dinge wie Selbstbewusstsein, Sprache, Werteorientierung, Sinn entdecken, darunter zu verstehen. All diese Elemente sollen dazu beitragen, den Begriff ´Selbstbildnis Mensch´ zu verdeutlichen. Jedoch sind dies nur vermeintliche Monopole, da sie von der biologischen Anthropologie, schon in Ansätzen, bei Menschenaffen nachgewiesen worden sind. Dennoch ist kein Vorbeikommen an dieser These, wenn man über die Beschreibung der Stellung des Menschen im Reich des Lebendigen diskutieren möchte. Sie bietet den Gesprächspartner für alle anderen Formen der Anthropologie.

2. Hauptteil

2.1. Max Scheler

Die Evolution des Menschen ist in den Augen von Max Scheler ein wenig naiv gestaltet. In seiner Sichtweise ist der Entwicklungsgang bis zum Mensch ein kontinuierlicher Prozess. Allerdings ist die Entwicklung in mehreren unterschiedlich langen Brüchen und Schüben fortgeschritten.

Seiner Annahme nach ist jedes lebende Wesen, also alles was lebendig ist, beseelt. Es setzt sich mit der Umwelt, in der es lebt, auseinander und tritt in Interaktion mit ihr. Es ist nicht nur einfach da.

Er unterscheidet hierbei aber klar zwischen verschiedenen Stufen des Lebendigen. Zum einem sind es die Pflanzen, welche nur einen blinden Gefühlsdrang besitzen. Ihr ´Sinn des Lebens´ ist es einzig und allein der Fortpflanzung und des Wachstums nachzugehen. Desweiteren sind dort die ´niederen Tiere´. Sie haben schon Instinkte, Triebe, die auf auslösende Mechanismen angelegt sind. Diese Instinkte sind angeboren bzw. erlernt. Neben den niederen Tieren gibt es nach seiner Ansicht noch die ´höheren Tiere´. Sie können schon zwischen Versuch und Irrtum unterscheiden und besitzen ein assoziatives Gedächtnis. Am Beispiel der Menschenaffen kann man erkennen, dass sie ein Gefühl über die Gruppe hinaus zum Individuum entwickeln können und zudem eine praktische Intelligenz besitzen. Aufgrund dieser Intelligenz sind sie fähig ein prospektives Problemlösungsverhalten zu entwickeln. Überdies besitzen sie schon das Verständnis über eine Wahlfreiheit, d.h. wenn ein Affe z.B. eine Banane bekommt ist er in der Lage sie zu sammeln und gegen eine Orange o.ä. zu tauschen, während hier die niederen Tiere die Banane gegessen hätten. Hier an dieser Stelle entsteht nun das letzte neue Prinzip, dem der Mensch zu Grunde liegt. „Dieses neue Prinzip steht außerhalb alles dessen, was wir » Leben« im weitesten Sinne nennen können.“[1] In diesem neuen Prinzip ist der Mensch, im Gegensatz zu allem vorherigen, in der Lage, unabhängig vom Lebendigen, zu agieren.

Erst durch die Entwicklung des Geistes ist dies möglich. Hierbei gilt es von der Intelligenz zu unterscheiden, der Geist ist nicht die Weiterentwicklung der Intelligenz. Der Geist ist ein eigenes Prinzip, er ist nicht evolutionär entstanden. „Was aber ist nun jener »Geist«[...] ?[2] Ein Lebewesen das Geist besitzt ist in der Lage Selbstbewusstsein zu entwickeln und sich seiner Stellung in der Welt zu themati-

sieren. Es ist nicht länger nur Gruppenteil, sondern Individuum. Es hat eine Entwicklung vom Objekt zum Subjekt erlebt, somit ist es nicht mehr verdinglichbar. Es ist in der Lage mit der Umwelt zu kommunizieren und sich auf Sinnsuche zu begeben.

„Ein geistiges Wesen ist also nicht mehr trieb- und umweltgebunden, sondern »umweltfrei«“[3] Demzufolge befindet sich der Mensch zwar im Reich des Lebendigen aber gleichzeitig auch außerhalb. „Diese Fähigkeit der Trennung von Wesen und Dasein macht das Grundmerkmal des menschlichen Geistes aus.“[4] Dies wird durch das metaphysische Prinzip gesteuert. Der Mensch stellt folglich die Schnittstelle zwischen den zwei Prinzipien Geist und Lebendigkeit dar.

Er ist der „Asket des Lebens“[5] und demnach nicht an die Vorgaben des Lebens, wie Schmerz und Hunger, gebunden. Er folgt seinen Idealen unter Verzicht auf sein eigenes Wohlbefinden.

[...]


[1] Scheler, Max: Die Stellung des Menschen im Kosmos. in: Dierkes, Hans (Hrsg.) Philosophische

Anthropologie. S. 50

[2] Scheler, Max: Die Stellung des Menschen im Kosmos. in: Dierkes, Hans (Hrsg.) Philosophische

Anthropologie. S. 50

[3] Scheler, Max: Die Stellung des Menschen im Kosmos. in: Dierkes, Hans (Hrsg.) Philosophische

Anthropologie. S. 51

[4] Scheler, Max: Die Stellung des Menschen im Kosmos. in: Dierkes, Hans (Hrsg.) Philosophische

Anthropologie. S. 51

[5] Scheler, Max: Die Stellung des Menschen im Kosmos. in: Dierkes, Hans (Hrsg.) Philosophische Anthropologie. S. 53

Details

Seiten
11
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638741859
ISBN (Buch)
9783656634751
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73273
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,4
Schlagworte
Klassiker Anthropologie Einführung Dimension Allgemeinen Pädagogik Perspektive)

Autor

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Titel: Klassiker der modernen Anthropologie