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Max Weber und die vorexilische Prophetie

Eine kritische Auseinandersetzung

Seminararbeit 2004 13 Seiten

Soziologie - Religion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Max Weber: "Die Entstehung des jüdischen Paria-Volkes"
2.1 Politische Orientierung der vorexilischen Prophetie
2.2 Psychologische und soziologische Eigenart derSchriftpropheten
2.3 Ethik und Theodizee der Propheten
2.4 Eschatologie und Propheten
2.5 Die Entwicklung der rituellen Absonderung und der Dualismus
der Innen- und Aussenmoral
2.6 Hesekiel und Deuterojesaja
2.7 Die Priester und die konfessionelle Restauration nach dem Exil

3 Rationalismus-Problematik

4 Paria-Problematik

5 Kritische Auseinandersetzung mit Max Webers These

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ich habe mich entschlossen, meinen Proseminar-Vortrag über Max Weber und die vorexilische Prophetie mit einer schriftlichen Arbeit zu ergänzen, weil dies mir ermöglicht, Webers Denken besser kennen zu lernen. Im Zentrum meines Interesses steht die Rationalismus-Problematik: Max Weber geht vom Protestantismus als Religion mit dem grösstmöglichen Rationalisierungspotenzial aus und misst die anderen Religionen an ihm. Im strengeren Sinne handelt es sich also nicht primär um einen Vergleich von Religionen, sondern um einen Vergleich ihrer Rationalisierungs-potenziale. Man mag diese komparative Methode sehr wohl kritisch betrachten, aber ganz bestimmt eröffnet sie spannende Themenfelder.

Ich fasse in meiner Proseminar-Arbeit erst Max Webers religionssoziologische Analyse über die vorexilischen Propheten zusammen - strukturiert nach den originalen Kapiteln - und gehe dann auf den Rationalismus der vorexilischen Propheten eingehen. Dann thematisiere ich, warum das Judentum trotz dieses Rationalismus ein "Paria-Volk" geblieben ist, und setze mich schliesslich kritisch mit Max Weber auseinander; dabei zeige ich erkenntnistheoretische Potenziale und Grenzen seiner idealtypischen Methode auf.

2 Max Weber: "Die Entstehung des jüdischen
Paria-Volkes"

2.1 Politische Orientierung der vorexilischen Prophetie

"Gehe auf die Gassen von Jerusalem und rede ö f f e n t l i c h" (zit. nach Weber 1988: 283), befiehlt Jahwe dem Propheten Jeremia im 9. Jahrhundert vor Christus in der Eidgenossenschaft Israel. Damit ist gesagt, an wen sich die vorexilische Prophetie richtet: ans Volk. Die vorexilischen Propheten grenzen sich so von mystisch orientierten Orakelgeber ab, die zu Privatleuten sprechen. Sie sind politisch, aber nicht parteipolitisch. Ihre politische Motivation ist religiös bedingt, aus parteipolitischer Sicht sind sie weltfremde Utopisten. Die Propheten vertreten sozialethische Ideen: Ihr Zorn richtet sich gegen den Werteverfall; es ist die Rede von Kritik gegen unfromme Lebensweisen, Völlerei und Trinkerei. Diese Kritik richtet sich ans ganze Volk - denn dieses büsst kollektiv. Dass die Mächtigen stärker kritisiert werden, bedeutet nicht, dass die Propheten soziale Demokraten oder gar Revolutionsstifter wären. Die Mächtigen sollten als Geisteselite eine religiöse Ethik vorleben, denn mit Macht nimmt auch die ethisch-moralische Verantwortung zu.

2.2 Psychologische und soziologische Eigenart derSchriftpropheten

Ein Merkmal der Propheten ist die Unentgeltlichkeit ihrer Orakel. "Der typische Prophet propagiert die 'Idee' um ihrer selbst willen, nicht - wenigstens nicht erkennbar oder in geregelter Form - um Entgelts willen" (Weber 1980: 269). Und die Propheten sprechen unaufgefordert. Die Propheten meinen, das Volk solle nicht die von Priestern vorgeschriebenen Opferriten durchführen, sondern beim Tempelberg Zion Jahwe suchen. Jeremia sagt: "Wichtig ist die Beschneidung des Herzens, und nicht der Vorhaut" (zit. nach Weber 1988: 298). Und Jesaja meint, dass das Opfer eines sittenlosen Volkes sowieso heuchlerisch sei. Die Propheten sind gesellschaftliche Sonderlinge; sie erleben Zustände, die man heute als psychotisch bezeichnen würde. Sie fühlen sich durch die Luft getragen und haben mysteriöse Erscheinungen. Jeremia fühlt sich gespalten in ein doppeltes Ich. Hesekiel versetzt sich in autohypnotische Zustände. Die Propheten suchen die Ekstase nicht, sondern sie kommt über sie, womit es sich um endogene Zustände handelt. Meist sprechen die Propheten erst nach der Ekstase, wenn sie das Erlebte gedeutet haben - insofern sind sie Hermeneutiker. So beginnen die Orakel in der Regel mit dem Satz: "Jahwe sprach zu mir..." (zit. nach Weber 1988: 303). Obwohl die Propheten ihre Zuhörer haben, gibt es keine Tendenzen, sich mit diesen zu verbrüdern - so wie die christlichen Aposteln dies später tun. Im Gegenteil: Die Propheten sind bzw. fühlen sich unverstanden von der Masse.

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Details

Seiten
13
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638734028
ISBN (Buch)
9783638755153
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73178
Institution / Hochschule
Universität Luzern
Note
1,5
Schlagworte
Weber Prophetie

Autor

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Titel: Max Weber und die vorexilische Prophetie