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Lernen an Stationen - eine Form des Offenen Unterrichts

Hausarbeit 2007 46 Seiten

Pädagogik - Reformpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Offener Unterricht
2.1 Begriffsklärung: Was ist „Offener Unterricht“?
2.2 Ursprung und Herkunft
2.3 Merkmale, Motive und Grundlagen Offenen Unterrichts

3 Lernen an Stationen
3.1 Begriffsklärung
3.2 Ursprung und Herkunft
3.3 Vorteile und Ziele
3.4 Kriterien zur Herstellung von Lernstationen
3.5 Phasen des Stationenlernens

4 Beispiel einer Stationenarbeit zum Thema „Stoffe und ihre Eigenschaften“
4.1 Didaktische Aspekte
4.1.1 Einordnung in den Bildungsplan
4.1.2 Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit
4.2 Methodische Analyse
4.3 Lernziele
4.4 Medien und Materialien

5 Abschließende Bemerkungen

6 Literaturverzeichnis
6.1 Buchquellen
6.2 Internetquellen

7 Anhang:

Lernstationen

1 Einleitung

„Die Erziehung von Kindern ist eine kreative Aufgabe

eher eine Kunst als eine Wissenschaft.“

(Bruno Bettelheim)

Dieses Zitat von Bruno Bettelheim möchte ich dem Thema des Offenen Unterrichts und des Lernens an Stationen voranstellen, denn das Charakteristische dieser Art zu Lernen besteht darin, Lehrer und Schüler als Individuen anzusehen, die mit unterschiedlichen Begabungen, Eigenschaften und Fähigkeiten ausgestattet sind.

Die Kunst des Lehrens liegt also darin, beim Vermitteln von Wissen und Kompetenzen die einzelnen Voraussetzungen und Eigenschaften der Lernenden nicht nur zu berücksichtigen, sondern nebenbei auch noch Talente zu fördern bzw. Schwächen auszugleichen. Wenn man sich hierbei eine bunte Schulklasse von 20-30 unterschiedlichen Persönlichkeiten vorstellt, kann man – so finde ich – schon von einer Kunst des Lehrens sprechen!

Unter dieser Voraussetzung scheint es nahe zu liegen, dass allein mit dem herkömmlichen Frontalunterricht nie alle Schülerinnen und Schüler erreicht werden können, schließlich hat jedes Individuum einen anderen Zugang zum Lernen, bedient sich anderer Methoden, Quellen und Fertigkeiten.

Vor Jahrzehnten, als die Lebenssituationen noch weitgehend vorhersehbar waren, wusste man, worauf man die Schülerinnen und Schüler vorbereiten musste – hingegen heute – in einer hoch technisierten und sich ständig wandelnden Gesellschaft geht es vor allem darum, den Kindern und Jugendlichen Methoden an die Hand zu geben, mit denen sie sich selbst Wissen aneignen können. Denn überlebensfähig in der modernen Gesellschaft ist nur Derjenige, der in der Lage ist, sich schnell umzustellen und anzupassen weiß und darüber hinaus seine Kenntnisse und Fähigkeiten optimal ausnutzen und schnell umstrukturieren kann.

„Selbständige geistige Arbeit ist in einer sich schnell wandelnden Welt besonders wichtig. Schule kann heute weniger denn je auf vorhersehbare Lebenssituationen vorbereiten. Die wichtigste Mitgift der Schule für die Zukunft des Kindes ist sicherlich die Fähigkeit, sich neue Lebenssituationen selbst zu erschließen.“ (Potthoff 1992, 15)

In Diskussionen zu aktuellen Bildungsstandards werden unter genau diesem Hintergrund immer stärker fachliche, soziale, methodische und personale Kompetenzen, Selbsttätigkeit und Eigenverantwortung gefordert – somit ist das Bild von Schule als „Belehrungsanstalt“ mehr und mehr überholt.

Schule soll künftig vielmehr eine pädagogische Einrichtung sein, welche die richtigen Hilfestellungen und Impulse für ein selbstgesteuertes Lernen gibt, ein Ort der Selbstorganisation. Schülerinnen und Schüler sollen dazu angeleitet werden, sich bestimmte Fähigkeiten, Kenntnisse und Verhaltensdispositionen anzueignen und dies möglichst im Kontext zu ihrem eigenen Leben.

(vgl. Krebs/ Faust-Siehl 1997, 12 ff.)

Nach diesem Verständnis soll Unterricht einerseits die Individualität, also auch die unterschiedlichen Lernkanäle, Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen und sie andererseits auf die sich rasch wandelnde Gesellschaft und die immer wieder neuen Lebensbedingungen vorbereiten. In den folgenden Kapiteln soll nun unter diesen Aspekten der Offene Unterricht als Möglichkeit zu Selbstgesteuertem Lernen genauer untersucht werden.

2 Offener Unterricht

2.1 Begriffsklärung: Was ist „Offener Unterricht“?

"Den offenen Unterricht gibt es nicht! Man kann offenen Unterricht als einen Ober- der Sammelbegriff oder, wie ich es tun möchte, als eine Bewegung bezeichnen." (Jürgens 1998, 24)

Charakterisiert man Offenen Unterricht wie Jürgens als eine Bewegung, so kann man davon ausgehen, dass es sich hierbei um mehr als nur eine Unterrichtsmethode handelt; vielmehr ist Offener Unterricht eine Art Reform – eine Möglichkeit, sich der sich ständig wandelnden Gesellschaft im Bereich Lehren und Unterrichten anzupassen.

Laut Wallrabenstein kann sich Offener Unterricht als mehrdimensionales Gefüge und Sammelbegriff für verschiedene pädagogische Traditionen und Reformansätze nicht einer einzigen Theorie verpflichtet fühlen, dies würde seinem begrifflichen Sinngehalt von Öffnung - Offenheit widersprechen, so kann man eher davon sprechen, dass Offener Unterricht für Lernende die Chance einer selbst bestimmten Theoriearbeit bietet. Es lassen sich zwei grundlegende mit neuen Lerntheorien korrespondierende Theorieelemente nachweisen:

Die Individualisierung, also Freie Arbeit, welche in spezifischer Verbindung mit der Projektorientierung steht. (Wallrabenstein 1991, 179)

Als Alternative zum traditionellen Frontalunterricht strebt der offene Unterricht eine Veränderung der Lernkultur an, die die Lernenden besser auf die Anforderungen von heute und morgen vorbereitet. Dazu gehören lebenslanges und selbsttätiges Lernen sowie soziale Fähigkeiten, die den Lernenden im offenen Unterricht, z.B. durch Team- oder Gruppenarbeit vermittelt werden können. Neben der Wissensvermittlung erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, soziale und personale Kompetenzen auszubilden bzw. zu entfalten.

Abschließend kann man festhalten, dass Offener Unterricht – wie bereits im bloßen Wort enthalten – den Versuch anstrebt, Unterricht dahingehend zu ‚öffnen’, dass einerseits das Lernprogramm nicht mehr vollständig und starr vom Lehrpersonal vorgegeben wird, sondern die Lernenden zur Selbststeuerung animiert werden (schülerorientierter Unterricht) und andererseits auf ‚lebensnahes Lernen’ zielt, das bedeutet unter anderem auch variable Lernangebote in- und außerhalb der Schule. (Bönsch, 1993, 28)

2.2 Ursprung und Herkunft

Die in den 60-er und 70-er Jahren entwickelten geschlossenen Lehrpläne wurden beim Einsatz in den Schulen schon recht bald als unvorteilhaft empfunden, da der Unterricht nicht mehr dem einzelnen Kind und seinen individuellen Lernfähigkeiten gerecht werden konnte. Somit wurde die Forderung nach Offenheit von Schule und Unterricht immer stärker.

Das Unterrichtssystem wurde als zu allgemein und starr erkannt und es könne sich auch nicht dem Gesellschaftswandel und dem Kind als Individuum anpassen.

Vorbilder für einen offenen Unterricht existierten in dieser Zeit bereits in England und in den USA (Open Education, Open Classroom). Es schlossen sich gleich gesinnte Lehrerinnen und Lehrer zusammen, die in praxisorientierten Projekten frühere Reformideen aufgriffen und weiterentwickelten.

Während zu Beginn der Debatten eher von der Frage ‚offene oder geschlossene Curricula’ die Rede war, verlagerte sich die Diskussion um den Offenen Unterricht in den letzten Jahren immer mehr zu einer Grundsatzfrage nach dem Sinn von Unterricht und Schule innerhalb einer demokratischen Gesellschaftsform. Offener Unterricht resultiert weitestgehend aus der reformpädagogischen Bewegung, die sich gegen die reine Wissensschule wandte und deren Leitgedanke neben der ganzheitlichen Förderung der Persönlichkeitsentwicklung auch Gesellschafts- und Kulturkritik, sowie die Möglichkeit zur Entfaltung der individuellen Persönlichkeit beinhaltete.
Mitte der 70-er wurden dann erneut reformpädagogische Ansätze aufgegriffen, sie beziehen sich mehr auf die methodischen Formen, wie z.B. Projektunterricht, Lernzirkel, Wochenplanarbeit und Stationenlernen. Heute werden genannte Unterrichtsmethoden mehr und mehr als Alternative zum Frontalunterricht erfolgreich eingesetzt.

2.3 Merkmale, Motive und Grundlagen Offenen Unterrichts

In diesem Unterkapitel soll Offener Unterricht charakterisiert und näher beschrieben werden, hierfür optimale Arbeitsbedingungen sowie Schüler- und Lehrerverhalten werden erläutert.

Wie in den vorangegangenen Kapiteln dargelegt wurde, ist Offener Unterricht ein Konzept, das die Lehrerzentrierung im Unterricht zugunsten einer Schülerorientierung und stärkerer Selbstbestimmung abbauen soll. Aktuelle, lebensnahe Bezüge, mit denen die Schülerinnen und Schüler konfrontiert sind, machen ihnen den Stoff zugänglicher und erleichtern somit das Lernen erheblich. Die somit erhöhte Beteiligung der Lernenden am Unterricht lässt größere Freiräume bei der Erschließung des Lernstoffes. Um jedoch einen reibungslosen Ablauf des Unterrichts zu gewähren, bedarf es natürlich gewisser Richtlinien und Regeln, zunächst muss eine angemessene Arbeitsatmosphäre geschaffen werden. (vgl.: Jürgens, 1998, 26)

Im Allgemeinen wird also beim offenen Unterricht versucht, die Lernenden stärker an den unterrichtlichen Entscheidungen zu beteiligen. Ebenfalls wird versucht, die Erfahrungen, Fragen und Anliegen der Lernenden in die Planung einzubeziehen, somit werden die unterschiedlichen Ausgangslagen der Lernenden werden berücksichtigt. Nach Krieger besteht das methodische Grundprinzip des Offenen Unterrichts aus entdeckendem, problemlösendem, handlungsorientiertem, selbstverantwortetem, selbst-ständigen und kooperativem Lernen. Weiter geht Krieger von folgenden Merkmalen des Offenen Unterrichts aus:

Schülerverhalten:

Selbstständigkeit hinsichtlich Entscheidung über Arbeit- und Sozialformen

Selbst- bzw. Mitbestimmung bei der Auswahl der Unterrichtsinhalte, der Unterrichtsdurchführung und des Unterrichtsverlaufs

Selbstständigkeit in Planung, Auswahl und Durchführung von Aktivitäten

Selbstständigkeit und Eigenverantwortung

Lehrerverhalten:

Zulassung von Handlungsspielräumen und Förderung (spontaner) Schüleraktivitäten

Relativierung des Planungsmonopols

Orientierung an den Interessen, Ansprüchen, Wünschen und Fähigkeiten der Schüler

Systematische Vorbereitung der Schüler mit dem Ziel, den Grad der Selbstständigkeit sukzessiv zu erhöhen

Konzeptionell begründeter und zielorientierter Einsatz der Unterrichtsmethoden (Krieger, 2005, 14)

Da Offener Unterricht kein starres Konstrukt ist, muss dieser immer wieder aufs Neue überprüft und weiterentwickelt werden. Methodenrepertoires können mit den Schülerinnen und Schülern zusammen weiterentwickelt, verändert und optimiert werden. Auch bei der Bereitstellung von Informationsmaterial bzw. Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung, -verarbeitung, -präsentation, sollten Schulen und Lehrkräfte auf Weiterentwicklung achten und ihre praktizierten Arbeitsmethoden analysieren und reflektieren. Auch bei den Räumlichkeiten sollten die Lernenden Mitgestaltungsmöglichkeiten haben, denn schließlich sollten sie sich in ihrer Lernumgebung wohl fühlen.

Durch die Zurückhaltung des Lehrenden wird bei den Lernenden Kooperations­fähigkeit, soziale Kompetenz und Selbstständigkeit eingeübt. Aufgaben und Arbeiten sollten häufig von den Lernenden selbst - im Team oder alleine - überprüft und korrigiert werden. Gerade weil die Lernenden zur gleichen Zeit unterschiedliche Themen in selbst gewählten Kleingruppen bearbeiten, kann der Lehrende als Berater und Helfer den Lernenden zur freien Verfügung stehen, die ihn am meisten brauchen. Durch variierende Gruppengrößen ist es ihm möglich, in manchen Fällen Einzelfallhilfe zu leisten.

Die Teambildung bei Gruppenarbeiten sollte möglichst auf freiwilliger Basis erfolgen, nur so ist eine konstruktive Zusammenarbeit gewährleistet. (Krieger, 2005, 18)

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Details

Seiten
46
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638884938
Dateigröße
644 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73149
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau – Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Lernen Stationen Form Offenen Unterrichts Lernzirkel Lerntheke Lernstationen Möglichkeiten

Autor

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Titel: Lernen an Stationen - eine Form des Offenen Unterrichts